Am Donnerstagabend finden bei der U20-WM in Eugene (USA) drei Finals mit deutscher Beteiligung statt. Hier lesen Sie, wie sich die DLV-Talente im Kugelstoßen, Diskuswurf und über 100 Meter präsentiert haben und wie der Siebenkampf ausgegangen ist.
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Weibliche U20
100 Meter
Deutsche Sprinterinnen auf Platz sieben und neun der Welt
Erstmals seit dem Jahr 2010 standen wieder zwei deutsche Sprinterinnen im 100-Meter-Finale der U20-WM. Ein aufregender Tag für Emma Goretzka (LAC Berlin) und Lena Anochili (Hamburger SV). Die beiden mussten auf ihren Einsatz ganz schön lange warten, denn die 100-Meter-Endläufe bildeten den krönenden Tagesabschluss. Auf der ersten Rennhälfte konnte Emma Goretzka noch gut mithalten, dann büßte sie einige Plätze ein. In 11,42 Sekunden wurde sie Siebte und war auf ihr Abschneiden sehr stolz.
Lena Anochili haderte deutlich mehr mit dem Rennen. Mit 0,168 Sekunden kam die Hamburgerin nicht so flink aus den Blöcken wie die weiteren Finalistinnen und fand auch danach nicht mehr ins Rennen. In 11,63 Sekunden wurde sie Neunte. Über Gold jubelte vor Heimpublikum die US-Amerikanerin Mia Maxwell in 11,14 Sekunden, ihre Zwillingsschwester Mariah wurde in 11,35 Sekunden Fünfte. Dazwischen schoben sich Shanoya Mikalia Douglas aus Jamaika (11,17 sec), die amtierende U18- und U20-Europameisterin Kelly Douala aus Italien (11,27 sec) und die Schweizerin Xenia Buri (11,33 sec).
Stimmen zum Wettbewerb
Emma Goretzka (LAC Berlin)
Wenn mir vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dass ich heute hier im Finale stehe – ich hätte es nicht für möglich gehalten. Das war ein aufregender Tag, ich habe heute nichts anderes mehr gedacht als an dieses Rennen. Siebte bei einer WM, das hört sich überwältigend an, ich glaube, das begreife ich frühestens morgen früh. Ich bin so dankbar, dass ich es hierher geschafft habe und im Finale stehe. Ich wusste, dass die Saison sehr lang ist und dass es nicht mehr so schnell werden wird wie in Wattenscheid. Einfach, weil ich dieses Jahr schon so viel investiert habe.
Lena Anochili (Hamburger SV)
Der Finaleinzug bedeutet mir viel. Aber ich habe mir trotzdem ein besseres Resultat erhofft. Abhaken und weitermachen, lautet jetzt die Devise.
Kugelstoß
Bestleistung und Bronze: Emily Scherf im Medaillen-Glück
Kugelstoßerin Emily Scherf hat am Donnerstag (Ortszeit) die erste deutsche Medaille bei der U20-WM in Eugene gewonnen. Die 19-Jährige steigerte ihre Bestleistung auf 17,23 Meter und jubelte nach vierten und fünften Plätzen bei internationalen Nachwuchsmeisterschaften diesmal über Edelmetall. Zum Bericht
Diskuswurf
Vermeintlicher Bronze-Wurf wird nachträglich ungültig gegeben
Ein solider Einstieg. Und dann alles raushauen. So lautete die Marschroute von Favour Adesokan (TV Wattenscheid 01) im Diskuswurf-Finale. Vorgelegt hatte gleich im ersten Durchgang die Chinesin Yixin Su mit 59,32 Metern. Favour Adesokan startete mit einem Sicherheitsversuch auf 53,97 Meter. Dass der zweite Versuch ungültig war – kein Grund zur Sorge. Der dritte Wurf segelte weit hinaus und wäre wohl in den Bereich ihrer Bestleistung von 57,22 Metern gegangen, wurde jedoch ungültig gegeben, da die Wattenscheiderin auf die Ringkante getreten war. Sie lag zu diesem Zeitpunkt auf Rang vier, hinter Su, deren Landsfrau Chenyi Ma (54,58 m) und der Zypriotin Marina Hadjicosta (53,99 m).
In Runde vier setzte dann die US-Amerikanerin Jaslene Massey mit 56,17 Metern ein Ausrufezeichen. Und auch Favour Adesokan konnte noch einmal etwas draufpacken. 55,78 Meter wurden gemessen, damit lag sie auf dem Bronzerang. Im Laufe des fünften Durchgangs wurde jedoch bekannt, dass der Wurf nach Video-Review ungültig gegeben worden war. Das erfuhr Favour Adesokan mitten im Wettkampf. Eine nervenaufreibende und frustrierende Situation für die 18-Jährige, die in den letzten beiden Versuchen noch einmal 53er-Weiten zeigte, aber nicht mehr groß auftrumpfte. So blieb es bei Platz fünf.
Besonders bitter für die junge Athletin: Die Weite von 55,78 Metern hätte in der Tat zu Bronze gereicht. Yixin Su gewann mit U20-Weltjahresbestleistung von 61,06 Metern Gold vor Jaslene Massey, die sich noch auf 58,41 Meter verbesserte. Bronze sicherte sich Marina Hadjicosta mit 54,88 Metern.
Stimme zum Wettbewerb:
Favour Adesokan (TV Wattenscheid 01)
Ich habe versucht, zuerst einen Sicherheitswurf zu machen, damit ich danach ballern kann das hat auch funktioniert. Er war zwar kürzer als in der Qualifikation, aber das war vom Kopf her kein Problem. Dann war der zweite ungültig. Der dritte war richtig weit, im Bereich der Bestleistung, aber auch ungültig, weil ich mit der Hacke am Ring aufgekommen bin. Und dann kam der vierte. Da hatte ich diese 55,78 Meter. Die wurden erstmal gemessen. Ich habe extra zum Wettkampfrichter geguckt, um zu sehen, dass der gültig ist. Damit war ich erst mal Dritte und dachte, darauf kann ich aufbauen. Im fünften Durchgang haben die Richter die ganze Zeit meinen Namen erwähnt und meinten, dass man sich den Wurf noch mal angeguckt hat und er ungültig war. Das hat zehn Minuten gedauert! Ich habe die ganze Zeit nur meinen eigenen Namen gehört. Ich habe versucht, das auszublenden, aber ich konnte es nicht. Ich hab's verkackt, man kann es nicht anders sagen. Ich weiß, dass ich einen großen Fortschritt gemacht habe, darauf bin ich sehr stolz. Ich weiß, dass ich das ohne meinen Trainer nie geschafft hätte, deshalb hätte ich gerne eine Medaille gewonnen. Für ihn, für mich, für meine Familie, meinen Verein, für Deutschland. Ich bin enttäuscht und trotzdem stolz auf meine Entwicklung – ich habe letztes Jahr noch keine 50 Meter geworfen. Nächstes Jahr ist EM, man soll mich nicht vergessen und nächstes Jahr geht's weiter.
Siebenkampf Tag 2
Maria Schnemilich behauptet Platz sechs
Beim Qualifikationswettkampf in Bernhausen hatte Maria Schnemilich (1. LAV Rostock) mit Bestleistungen im Weitsprung (6,10 m, zwischenzeitlich auf 6,20 m verbessert) und Speerwurf (43,21 m, zwischenzeitlich auf 43,98 m verbessert) geglänzt. Ganz so gut lief es am Donnerstagvormittag nicht. Doch 5,72 Meter im Weitsprung und 41,14 Meter mit dem Speer genügten, um Rang sechs zu verteidigen.
Ähnliche Leistungen zeigte auch Elenor Servatius (TSV Bayer 04 Leverkusen). Die 19-Jährige startete mit 5,60 Metern im Weitsprung in den Tag und warf den Speer auf 41,32 Meter. Damit fehlte jeweils ein Stück zum Kurs von Bernhausen. Bei großer Hitze und schlechter Luftqualität sind zwei Tage in der Sonne allerdings auch kräftezehrend.
Im Kampf um Gold konnte sich Enni Virjonen (Finnland; 5.353 pt) im Speerwurf entscheidend von Thea Brown (Großbritannien; 5.184 pt) absetzen. Die Finnin erreichte mit 43,65 Metern die drittbeste Weite im Feld, für die Britin gingen nur 35,46 Meter in die Wertung ein. Sie hatte zuvor ihre Paradedisziplin Weitsprung mit 6,39 Metern vor Virjonen (6,29 m) gewonnen. Auf Platz drei schob sich die zweitbeste Speerwerferin im Feld, Mia Mireia Uusorg (Estland; 45,30 m). Sie hat bislang 5.053 Punkte gesammelt. Die Französin Zola Ndouma-Mona, die nach dem ersten Tag auf Platz zwei gelegen hatte, trat zum Speerwurf nicht mehr an.
Siebenkampf-Bestleistung für Maria Schnemilich
Um es vorwegzunehmen: Auch über 800 Meter konnte Maria Schnemilich ihren sechsten Platz halten. In 2:18,84 Minuten absolvierte sie ein starkes Rennen, das reichte, um Disziplinsiegerin Ísold Saevarsdottir aus Island (2:09,60 min) in Schach zu halten. Die Saisonbestzeit in der finalen Disziplin war 839 Punkte wert, damit kam sie insgesamt auf 5.670 Punkte – neue Bestleistung! Elenor Servatius, die an den beiden Tagen sehr mit der Hitze gekämpft hatte, brachte den Siebenkampf in 2:27,72 Minuten zu Ende. Mit 5.299 Punkten erreichte sie Rang 15.
Gold gewann mit der Weltklasse-Punktzahl von 6.214 Punkten Enni Virjonen. Der Kampf um die weiteren Medaillen wurde noch einmal spannend: Die Schweizerin Anna Pfister ging, auf Platz vier liegend, über 800 Meter an wie die Feuerwehr. Die zuvor drittplatzierte Mia Mireia Uusorg konnte kontern und in 2:13,90 Minuten noch an der Schweizerin (2:14,95 min) vorbeiziehen, Thea Brown hingegen musste abreißen lassen. Ihr Resultat von 2:34,10 Minuten führte dazu, dass sie sich trotz der Bestleistung von 5.826 Punkten mit Platz vier begnügen musste. 5.850 Punkte bescherten Anna Pfister Bronze, Silber ging mit 5.961 Zählern an Mia Mireia Uusorg.
Stimmen zum Wettbewerb
Maria Schnemilich (1. LAV Rostock)
Platz sechs der Welt – ich könnte nicht glücklicher sein! Ich bin als Elfte angereist und hatte mir eine Steigerung erhofft. Aber das kann man ja nie wissen. Es war ein ganz besonderes Erlebnis, hier im Stadion antreten zu dürfen, das ist eine besondere Ehre. Ich habe den 800-Meter-Lauf ganz besonders genossen, man weiß ja nie, ob man noch mal hier steht. Die Mädels sind total cool, es macht extrem viel Spaß, mit ihnen einen Wettkampf bestreiten zu dürfen. Das Publikum hat durch den Wettkampf getragen. Die Beine haben sich heute natürlich sehr schwer angefühlt. Auch das mit der Wärme ist nicht ganz einfach. Im Weitsprung hatte ich mir etwas mehr erhofft, Im Weitsprung hatte ich auf mehr gehofft, Speer war total solide, in die 800 Meter habe ich noch mal alles reingesteckt. Meine Familie ist hier, mein Trainer, wir feiern jetzt gemeinsam – und mit dem ganzen deutschen Team.
Elenor Servatius (TSV Bayer 04 Leverkusen)
Das Wort Kampf trifft es auf jeden Fall. Ich habe mir das ehrlich gesagt anders vorgestellt, nach dem Weitsprung war ich etwas down. Der letzte ungültige war ärgerlich, denn ich bin mir sicher, dass er gültig war. Die schlechte Luft macht mir einfach zu schaffen, mehr als anderen. In ein paar Tagen werde ich stolz darauf sein, hier gewesen und es unter die Top 20 geschafft habe.