Saison-Höhepunkt für die U20-Talente: Vom 5. bis 9. August finden in Eugene, Oregon (USA) die U20-Weltmeisterschaften statt. 70 deutsche Nachwuchs-Athletinnen und -Athleten stellen sich im weltberühmten Hayward Field der internationalen Konkurrenz. Wie die DLV-Talente am Freitag in den Vorrunden abgeschnitten haben und wie sie ihre Resultate einschätzen, lesen Sie hier.
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Weibliche U20
200 Meter | Vorlauf
Mia Besser sprintet auf der Innenbahn ins Halbfinale
Beide deutschen Sprinterinnen mussten in ihren Vorläufen auf der Innenbahn ran. Beide zeigten aber trotzdem starke Rennen. Mia Besser (SC DHfK Leipzig) machte in 23,84 Sekunden als Zweite ihres Laufs bei ihrem ersten internationalen Einzelstart auf Anhieb das Halbfinale klar. Auf den letzten Metern fing sie noch Zara Hagan aus Australien ab, die in 23,93 Sekunden Rang drei erreichte – wichtig, denn ein großes Q gab es nur für die Top Zwei der jeweiligen Läufe.
"Mein großes Ziel war es, das Halbfinale zu erreichen. Und das habe ich jetzt schon geschafft", sagte die 19-Jährige und ordnete ihr Resultat ein: "Ich war in dem Rennen als Vierte gemeldet und bin trotzdem Zweite geworden. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, hier bei einer Weltmeisterschaft auf der Bahn zu stehen und auf solch einer großen Bühne laufen zu dürfen." Die Innenbahn empfand sie als Herausforderung. "Ich habe mich einfach darauf konzentriert, eine Athletin nach der nächsten zu überholen. Und dann war ich am Kurvenausgang auch schon in den Top Drei. Da dachte ich mir: Ich muss nur noch drücken!"
In der Mixed Zone erkundigte sich die Leipzigerin noch nach dem Abschneiden ihrer Teamkollegin Anne Böcker. Die Leverkusenerin hatte ihren Lauf zuvor in 23,92 Sekunden als Fünfte zu Ende gebracht und lag damit anfangs noch aussichtsreich im Rennen um eines der neun kleinen qs. Schlussendlich verpasste sie die nächste Runde um fünf Hundertstel. "Ich wollte das Beste draus machen, auch aus der ungünstigen Innenbahn. Wahrscheinlich hätte ich einen Platz weiter vorn ins Ziel kommen müssen, aber dafür, dass ich Nachrückerin bin und eigentlich gar nicht für den Einzelstart vorgesehen war, bin ich zufrieden", sagte die 19-Jährige.
Zwei Jamaikanerinnen blieben als Einzige in der Vorrunde unter 23 Sekunden: Shanoya Mikalia Douglas (22,88 sec), am Vorabend über 100 Meter mit Silber dekoriert, und Sashana Johnson (22,95 sec).
200 Meter | Halbfinale
Mia Besser mit zweitbester Zeit ihrer Karriere
Im Halbfinale konnte Mia Besser noch eine Schippe drauflegen. Die Leipzigerin kam gut aus den Blöcken und blieb bis zur Kurve dran an der Konkurrenz. Doch dann spielten die Favoritinnen ihre Stärke aus und zogen vorbei. Die Vorlaufschnellste Shanoya Mikalia Douglas gewann das Rennen in 22,53 Sekunden, es war erneut die schnellste Zeit der Runde. Mia Besser kam in 23,78 Sekunden als Achte ins Ziel. Aufgrund der Disqualifikation der ursprünglich zweitplatzierten Nigerianerin Oluebube Ezechukwu belegte sie schlussendlich Rang sieben.
"Ich bin sehr zufrieden mit mir", bilanzierte sie. "Ich konnte mich im Vergleich zum Vorlauf steigern, das war das Ziel. Für mich ist der Vorlauf immer das schlimmste Rennen, selbst bei Deutschen Meisterschaften, auch wenn ich da weiß, dass ich locker weiterkomme. Aber ich brauche das eine Rennen zum Reinkommen." Nur bei der Jugend-DM in Bochum-Wattenscheid war sie mit 23,63 Sekunden schon einmal schneller gewesen als im Halbfinale von Eugene. Für den Finaleinzug waren je nach Lauf 23,18 oder 23,25 Sekunden gefordert. Gleich fünf Sprinterinnen unterboten die 23-Sekunden-Marke. Dazu zählten auch die Maxwell-Zwillinge Mariah (22,78 sec) und Mia (22,87 sec), Siegerin (Mia) und Fünftplatzierte (Mariah) über 100 Meter.
800 Meter | Halbfinale
Leni Hirt kann Tempoverschärfung nicht mitgehen
"Der Halbfinal-Einzug war ein Erfolg, aber ich wäre gern besser gelaufen", gestand Leni Hirt (LG farbtex Nordschwarzwald) im Anschluss an ihr Rennen. "Als die anderen das Tempo verschärft haben, kam ich einfach nicht mehr mit." Die Deutsche U20-Meisterin hatte beim Klang der Glocke für die Schlussrunde noch Tuchfühlung zur Spitze gehabt. Doch die Favoritinnen um U18-Europameisterin Ziva Remic (2:04,32 min) und die Japanerin Rin Kubo (2:04,37 min), die schon unter zwei Minuten gelaufen sind, hatten am Ende einfach mehr im Tank.
Roza Olchawa aus Polen warf sich über die Ziellinie und schob sich damit zwischen die beiden Favoritinnen. In 2:04,34 Minuten durfte sie über das Finalticket jubeln. Für Leni Hirt ging in ihrem ersten WM-Halbfinale in 2:08,22 Minuten Rang neun in die Ergebnisliste ein.
Die schnellste Zeit gab es im zweiten Halbfinale: Paige Sheppard aus den USA führte in 2:01,97 Minuten das Feld der Finalistinnen an, Zweitschnellste insgesamt war die Britin Shaikira King (2:02,93 min) als Siegerin des dritten Laufs.
100 Meter Hürden | Vorlauf
Glänzender Auftakt
Die beiden deutschen Hürdensprinterinnen präsentierten sich am Freitagvormittag hellwach: Zuerst sicherte sich Shira Kurzawa (LAC Erdgas Chemnitz) in 13,56 Sekunden als Dritte ihres Laufs ein großes Q. Die Schweizer Mitfavoritin Jil Sanchez gewann in 13,40 Sekunden. Kurz danach setzte Daryl Ndasi (Munich Athletics) ein Ausrufezeichen: Leichtfüßig sprintete sie die Gerade hinunter und kam nach 13,20 Sekunden ins Ziel. Damit hielt sie Laura Frlickova (Slowakei), die U18-Europameisterin von 2024, in Schach.
Ob sie sich ihren ersten Auftritt genau so vorgestellt habe? "Zu 100 Prozent!" Die Münchnerin konnte sich gut auf das Rennen einstellen. "Ich habe mich nur auf mich konzentriert und mich nicht von der Konkurrenz ablenken lassen. Ich habe mich sehr gut akklimatisiert, seit wir vor einer Woche hier angekommen sind, es passt alles!" Hinter Tiana Marshall (Jamaika; 13,10 sec) und Tumi Ramokgopa (Südafrika; 13,16 sec) sprintete sie die drittbeste Zeit der ersten Runde. Das Ziel für das Halbfinale am Abend: "Durchziehen bis ins Finale. Die Zeit ist völlig egal, einfach ins Finale."
"Ich bin echt zufrieden", freute sich auch Shira Kurzawa. "Das Warm-up hat sich heute Morgen auch schon gut angefühlt. Die Atmosphäre hier ist einfach mega!" Die Chemnitzerin ließ sich anschließend erst einmal von den Physios die Beine lockern, ehe es zurück ins Hotel zum Essen und Krafttanken geht.
100 Meter Hürden | Halbfinale
Daryl Ndasi gewinnt ihren Lauf in Bestzeit
"Die Zeit ist egal, einfach ins Finale", hatte Daryl Ndasi nach dem Vorlauf gesagt. Am Ende durfte sie sich über beides freuen: eine neue Bestzeit und den Finaleinzug. In 13,10 Sekunden gewann die Münchnerin ihren Vorlauf. "Die Bestleistung macht mich glücklich, sehr sogar, auch wenn es nur eine Hundertstel ist", lachte sie. Die Zeit vor dem Rennen fand sie "chillig". "Im Callroom ist alles sehr ruhig und gelassen, das braucht man auch als Athlet. Wenn es nicht stressig ist, dann funktioniert man auch besser." Das Ziel fürs Finale: "Einfach mein Ding machen."
Mit ihrem neuen Hausrekord erzielte sie die viertbeste Zeit der Halbfinals. Die Schnellsten waren wie schon im Vorlauf Tiana Marshall (Jamaika) und Tumi Ramokgopa (Südafrika), die jeweils nach 13,02 Sekunden ins Ziel sprinteten. Die Jamaikanerin hatte den ersten Lauf gewonnen, in dem auch Shira Kurzawa mit von der Partie war. Die Chemnitzerin landete mit 13,55 Sekunden auf Rang fünf. "Es hat sich unsauber angefühlt", fand sie. "Ich wollte gern meine Bestzeit [13,31 sec] angreifen, aber es sollte wohl nicht sein."
Hochsprung | Qualifikation
Carolin Evers verabschiedet sich in der Qualifikation
Die Finaltickets im Hochsprung wurden für 1,79 Meter vergeben. Diese Höhe meisterten 14 Athletinnen. Für Carolin Evers (SV Werder Bremen) sind Sprünge über derartige Höhen noch längst keine Selbstverständlichkeit: Bei den "Tagen der Überflieger" in Essen floppte sie über 1,83 Meter, die zweitbeste Höhe, die sie in ihrer noch jungen Karriere je überquert hat, sind 1,78 Meter.
Für sie war das Finalticket am Freitag außer Reichweite. Mehr als 1,72 Meter hatte sie sich aber doch vorgestellt. Doch bei 1,76 Metern fiel die Latte dreimal. So kämpfte die 18-Jährige, die noch ein U20-Jahr vor sich hat, nach ihrem Wettkampf mit den Tränen. Das deutsche Team um Disziplintrainer Jan-Gerrit Keil wird sie nun wieder aufbauen, damit die junge Hochspringerin wieder zuversichtlich nach vorne blicken kann. Die Favoritinnen um die Silbermedaillengewinnerin von 2024 Izobelle Louison-Roe (Australien) und U20-Europameisterin Lilianna Batori (Ungarn) gaben sich keine Blöße.
Hammerwurf | Qualifikation
Clara Hegemann und Nova Kienast bereit fürs Finale
In zwei Gruppen ermittelten die Hammerwerferinnen auf dem Nebenplatz ihre Finalistinnen. In der ersten Gruppe war Nova Kienast (Berlin Athletics) im Einsatz. Ihr erster Wurf war noch eher einer zum Reinkommen. Der Hammer streifte das Netz, 60,52 Meter wurden gemessen. Der zweite Wurf war dann deutlich besser, mit 63,02 Metern fehlten nur 48 Zentimeter zur direkten Qualifikationsmarke. Dieser Wurf hätte bereits locker fürs Finale gereicht. Doch im Dritten legte die U20-Europameisterin noch eine Schippe drauf: 64,75 Meter, das Finalticket war perfekt.
"Vor allem im dritten Versuch hat sich das sehr gut angefühlt, ich mag den Ring sehr", sagte die 19-Jährige, die in Eugene schon ihre fünfte internationale Nachwuchsmeisterschaft, davon die zweite U20-WM, bestreitet. "Beim ersten Versuch war ich noch sehr nervös. Ich habe in meinen Beinen gemerkt, wie es kribbelt. Aber dann wurde es besser. Besonders motiviert hat mich der Support an der Anlage. Meine Zimmerkollegin Favour stand da und die anderen Wurf-Mädels." Dem Finale blickt sie zuversichtlich entgegen: Das "Training in den letzten drei Wochen war deutlich besser als das, was ich diese Saison schon gezeigt habe. Ich denke also, dass im Finale noch mehr drin ist als meine Saisonbestleistung." Die steht bei 64,87 Metern.
In Gruppe B bewies Clara Hegemann (LG Stadtwerke München), warum sie in Eugene zu den Medaillen-Favoritinnen zählt. Nur einmal musste sie in den Ring steigen, dann flog der Hammer auf 66,68 Meter. "Es war mein Ziel, nur einen Wurf zu machen, daher lief es genau nach Plan", sagte sie. "Es hätte gerne noch ein bisschen weiter gehen können, aber dafür gibt es ja ein Finale. Die Anlage ist gut, darüber kann ich mich nicht beschweren, auch wenn es im Stadion natürlich mehr Spaß macht." Am Sonntag geht es dann um die Medaillen. Bis dahin steht für Clara Hegemann vor allem Ausruhen auf dem Plan.
Ihre finnische Kontrahentin Pinja Kärhä benötigte ebenfalls nur einen Versuch für die Final-Qualifikation. Sie erzielte mit 67,51 Metern die zweitbeste Weite der Qualifikation, weiter kam nur die US-Amerikanerin Burklie Burton, die mit 68,03 Metern Bestleistung warf. Auf den Plätzen drei und vier der Qualifikation reihte sich das deutsche Duo ein.
Männliche U20
800 Meter | Halbfinale
Halbfinale Zugabe für Jan Emanuel Merheim
"Ich hatte zwei Ziele für diese U20-WM: Bestzeit laufen und vielleicht ins Halbfinale kommen. Beides habe ich mir in einem Rennen erfüllt", blickte Jan Emanuel Merheim (TuS Köln rrh.) kurz nach seinem Halbfinale noch einmal auf den Vorlauf zurück. So war das Rennen am Freitagabend für den Kölner eins zum Genießen. "Es war ein Traum, hier laufen zu dürfen", schwärmte der 19-Jährige. Dass er der Konkurrenz auf der Schlussrunde nicht mehr folgen konnte, tat seiner guten Laune keinen Abbruch. In 1:51,02 Minuten lief er auf Platz neun ins Ziel – immerhin die fünftbeste Zeit seiner noch jungen Karriere.
Von der Konkurrenz um Laufsieger Shafeck Murungi (Uganda; 1:46,41 min) verabschiedete er sich anschließend mit Handschlag. "Ich konnte das Rennen so angehen, wie ich es mir vorgenommen habe. Ich konnte es allerdings nicht zu Ende bringen, wie ich es mir gewünscht hätte", sagte Jan Emanuel Merheim und versprach mit einem Augenzwinkern: "Ich werde nie wieder Letzter! Auch nicht bei einer WM, wenn ich noch einmal die Chance bekomme, an einer teilzunehmen."
Noch flinker als Shafeck Murungi war der Sieger des zweiten Laufs: Nashon Pkiach aus Kenia, der in 1:45,82 Minuten eine neue Bestzeit aufstellte. Auf die Hundertstel zeitgleich waren Imad Bouchajda aus Marokko und der schnellste Europäer, Alejandro Rios aus Spanien. Für beide wurden 1:46,66 Minuten gestoppt.
110 Meter Hürden | Vorlauf
Marc Leonard Hildebrand bucht das Halbfinal-Ticket
Gleich im ersten der sieben Hürden-Vorläufe saß der Deutsche U20-Rekordler Marc Leonard Hildebrand (Dresdner SC 1898) im Startblock. Und der 18-Jährige erledigte seine Aufgabe souverän: In 13,48 Sekunden holte er sich als Dritter das große Q. Laufsieger war Jahcario Wilson (Bahamas), der in 13,25 Sekunden neue Bestzeit sprintete. Platz zwei belegte eine Hundertstel vor dem DLV-Athleten der U18-Vize-Europameister Eljahro Philipsen (Niederlande).
"Das war ein solider Start", ordnete Marc Leonard Hildebrand sein Resultat ein. "Es ist mir ein bisschen schwergefallen, ins Rennen reinzufinden, weil ich mal wieder ein paar Hürden mitgenommen habe. Es war also nicht optimal, aber das große Q reicht mir erst mal." Das Kräftemessen mit der Weltelite macht dem 18-Jährigen Spaß. "Es macht natürlich unterbewusst etwas mit einem, wenn man diese starke Konkurrenz hat. Es war schon ein anderes Gefühl als bei Deutschen Meisterschaften. Aber schlussendlich ist das ja genau das, worauf man hinarbeitet."
Anders sah die Gefühlslage beim zweiten deutschen Hürdensprinter aus. "Das geht gar nicht", schimpfte Arne Döring (LAC Erdgas Chemnitz). Der 18-Jährige fand nicht ins Rennen und musste sich in 14,09 Sekunden mit dem siebten und letzten Platz in seinem Lauf begnügen. Im Nachhinein vielleicht ein kleiner Trost: Für den Halbfinal-Einzug hätte der Chemnitzer Bestzeit laufen müssen. 13,66 Sekunden waren gefordert, der Hausrekord von Arne Döring steht bei 13,72 Sekunden aus dem vergangenen Jahr. In der aktuellen Saison hat er 13,86 Sekunden angeboten.
Die beiden stärksten Zeiten der Vorrunde gingen auf das Konto von US-Amerikanern: Le'Ezra Brown erzielte in 12,89 Sekunden eine neue U20-Weltjahresbestzeit. Auch sein Landsmann Zacchaeus Brocks konnte mit 13,11 Sekunden überzeugen. Marc Leonard Hildebrand sortierte sich auf Platz 14 der Vorrunde ein.
110 Meter Hürden | Halbfinale
Marc Leonard Hildebrand stürzt an der vorletzten Hürde
Anders als im Vorlauf fand Marc Leonard Hildebrand (Dresdner SC 1898) im Halbfinale nicht optimal ins Rennen: Schon die erste Hürde touchierte er, einige brachte er zu Fall und in die neunte Hürde trat er schließlich so unglücklich, dass er stürzte und auf der Bahn liegenblieb. Das medizinische Team eilte herbei, der Dresdner konnte aber bald aufstehen und die Bahn verlassen. Eine bittere Erfahrung für den Deutschen U20-Rekordler, der sich in diesem Jahr schon so stark präsentiert hat.
Um das Finale zu erreichen, hätte der 18-Jährige seinen Rekord weiter verbessern müssen: Bei 13,22 Sekunden steht die Marke, 13,19 Sekunden waren schlussendlich für den Finaleinzug gefordert. Mit dieser Zeit, zugleich Südamerikarekord, erreichte der Brasilianer Odair Goncalves als Neunter den Endlauf. Halbfinal-Schnellster war der US-Amerikaner Le'Ezra Brown, der in 12,82 Sekunden noch schneller war als in der Vorrunde – allerdings mit unzulässigem Rückenwind von +2,7 Meter/Sekunde. Unter 13 Sekunden blieb auch der Japaner Jeremy Koga (12,95 sec), der Asienrekord sprintete.
Zehnkampf | Tag 1
Vormittag | Yannick Kraus auf Kurs
Yannick Kraus (TSV Bayer 04 Leverkusen) erwischte einen perfekten Start in den Zehnkampf: Mit 11,00 Sekunden schraubte er seinen Hausrekord vom Qualifikationswettkampf in Bernhausen um 13 Hundertstel nach unten. Auch im Weitsprung ging es gerade so weiter: In seinem dritten Versuch flog der 19-Jährige auf 7,17 Meter und damit weit wie nie zuvor. Im Vorfeld hatte er lediglich unter dem Hallendach schon einmal die sieben Meter übertroffen. Mit 13,97 Metern gelang ihm auch im Kugelstoßen ein solides Ergebnis, nicht weit weg von seiner Bestleistung (14,29 m). So ging der Harvard-Student als Sechster mit 2.442 Punkten in die Mittagspause.
Teamkollege Alexander Adler (ASC Darmstadt) musste während der Vormittagssession leider deutlich mehr Rückschläge hinnehmen. In 11,48 Sekunden, nur drei Hundertstel über Bestleistung, startete er noch vielversprechend in den Zehnkampf. Im Weitsprung lief dann aber nicht viel zusammen: Nach einem ungültigen ersten Versuch missglückte auch der zweite mit 5,21 Metern – und der dritte war dann wieder ungültig. Auch das Kugelstoßen verlief für den sonst sicheren 13-Meter-Stoßer mit 11,45 Metern ganz und gar nicht nach Wunsch. So fand er sich zur Mittagspause mit 1.753 Zählern auf dem 33. Platz wieder.
In Führung lag zu diesem Zeitpunkt übrigens ein Athlet, der ebenfalls die deutsche Staatsbürgerschaft hat: Daniel von der Heyden. Der 19-Jährige, der in Deutschland für die LG Rhein-Wied startet, hatte im Juni das Mehrkampf-Meeting in Bernhausen vor Alexander Adler und Yannick Kraus gewonnen und tritt in Eugene für Südafrika an. Der an Position drei gemeldete Allrounder überzeugte unter anderem mit 10,82 Sekunden über 100 Meter und 16,05 Metern mit der Kugel.
Abend | Alexander Adler reißt das Ruder herum, Yannick Kraus muss aufgeben
So schlecht der Vormittag für Alexander Adler geendet hatte, so gut startete der Abend: Mit 1,97 Metern steigerte er seine Hochsprung-Bestleistung um zwei Zentimeter. Erst die zwei Meter waren zu hoch. Yannick Kraus dagegen kämpfte mit Fußproblemen. Für ihn gingen nur 1,82 Meter in die Wertung ein, anschließend kümmerte sich das Ärzte- und Physio-Team um die medizinische Versorgung. Schweren Herzens fiel die Entscheidung, nicht mehr zu den 400 Metern anzutreten, sondern den Zehnkampf vorzeitig zu beenden.
Alexander Adler hingegen schloss den Wettkampftag mit einem weiteren Erfolgserlebnis ab: Obwohl er in seinem Rennen mit der langsamsten Bestzeit gemeldet war, ging er mutig an. Auf der Zielgeraden wurden die Beine sichtbar schwer, aber der Darmstädter kämpfte sich durch und wurde mit einer neuen Bestzeit von 51,48 Sekunden belohnt. Sein Zwischenresultat: 3.277 Punkte und Rang 30.
Daniel von der Heyden liegt zur "Halbzeit" mit 4.133 Punkten auf Platz drei. Vorbeigezogen sind die beiden Athleten, die im Hochsprung eine tolle Flugshow geliefert hatten: Liam Belo da Silva aus Schweden floppte über 2,15 Meter und stellte die Meisterschaftsbestleistung im Rahmen eines Zehnkampfes ein – diese Höhe hätte auch in der Spezialdisziplin zum Finaleinzug gereicht. Mael-Bephassou Lannurien aus Frankreich bot ihm bis 2,12 Meter Paroli. Anschließend war der Franzose über 400 Meter in glatten 48 Sekunden der Zweitschnellste im Feld und zog damit am Schweden vorbei, der 50,95 Sekunden für die Stadionrunde benötigte. Mit 4.258 Zählern hat sich Lannurien einen Vorsprung von 99 Punkten erarbeitet.
Stimme zu Tag 1:
Alexander Adler (ASC Darmstadt)
Kurz zusammengefasst: 100 war okay, Weitsprung war extrem schlecht, Kugel war extrem schlecht. Dann habe ich mich wieder gerafft. Hochsprung war gut. 400 war jetzt auch wieder drei Zehntel unter Bestleistung. Nach den Rückschlägen dachte ich mir einfach: Wie geil wäre es, wenn ich eine PB in dem Stadion mache? Wie oft werde ich noch die Möglichkeit haben, bei einer WM zu starten? Bislang hatte ich diese Möglichkeit noch nie. Deswegen werde ich jetzt nicht einfach so aufhören. Der Start hier ist schon was anderes, die Jungs sind noch mal auf einem anderen Level. Der Austausch untereinander ist gut, vor allem mit denen, die Deutsch sprechen. Morgen freue ich mich vor allem auf Diskus und Speer. Da kann ich noch mal punkten.