Gleich zwei deutsche Hammerwerferinnen stehen bei der U20-WM in Eugene auf dem Podium. Am Sonntag krönte sich Clara Hegemann zur U20-Weltmeisterin. Teamkollegin Nova Kienast steigerte ihre Saisonbestleistung um drei Meter und gewann Bronze. Beide haben schon in den vergangenen Jahren für deutsche Erfolge im Hammerwurf gesorgt.
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Etwas mehr als zwei Jahre ist es her, dass Clara Hegemann (LG Stadtwerke München) und Nova Kienast (Berlin Athletics) bei der U18-EM in Banskà Bystrica (Slowakei) zusammen auf dem Treppchen standen. Damals holte die Münchnerin Gold, die Berlinerin gewann Bronze. Diesen Erfolg konnten die beiden Nachwuchs-Werferinnen nun auf Weltebene wiederholen. Denn am Abschlusstag der U20-WM in Eugene (USA) krönte sich Clara Hegemann in einem spannenden Finale zur zweiten deutschen U20-Weltmeisterin im Hammerwurf nach Bianca Achilles im Jahr 1998. Nova Kienast belohnte sich nach einer schwierigen Saison mit Bronze.
Angereist war die 19-Jährige als Nummer zwei der Welt hinter Pinja Kärhä aus Finnland. Beide Athletinnen hatten in der Qualifikation nur einen Wurf benötigt und traten im Finale nacheinander in den Ring. Die Finnin legte mit 67,51 Metern vor. Doch Clara Hegemann konterte postwendend mit 67,65 Metern. Nova Kienast, die direkt nach ihr warf, gratulierte sofort mit einer Umarmung. Damit war schon einmal klar: Die Favoritinnen wackeln nicht. Im zweiten Durchgang steigerte sich Kärhä auf 68,51 Meter und ging erneut in Führung, der Hammer von Clara Hegemann ging ins Netz.
Freundinnen gemeinsam auf dem Podium
Bis zum vierten Durchgang änderte sich am Resultat der Top Zwei nichts. Dann jedoch kam der große Moment von Clara Hegemann: Sie eroberte mit 68,99 Metern die Führung! Damit fehlte nicht viel zu ihrem Deutschen U20-Rekord von 69,81 Metern. Pinja Kärhä konnte nicht mehr kontern, Gold war besiegelt und die neue U20-Weltmeisterin vergoss Tränen der Freude.
Die dahinter platzierten Werferinnen lieferten sich einen spannenden Kampf um Bronze. Nova Kienast setzte in Runde zwei mit 66,49 Metern ein Statement – eine deutliche Steigerung ihrer Saisonbestleistung von 64,87 Metern. Im fünften Versuch zogen Jiajun Chen (China; 66,75 m) und Burklie Burton (USA; 67,50 m) vorbei. Doch das letzte Wort war noch nicht gesprochen. Denn auch Nova Kienast hatte sich ihren besten Wurf für Runde fünf aufgehoben: 67,89 Meter bescherten ihr schlussendlich den Platz auf dem Podest.
Auf den Tag genau ein Jahr zuvor hatte die Berlinerin, die vor zwei Jahren bei der U20-WM bereits auf Platz fünf gelandet war, übrigens ebenfalls einen Erfolg gefeiert – mit fast identischer Weite: Bei der U20-EM in Tampere (Finnland) holte sie damals mit 67,93 Metern in einem Nervenkrimi die Goldmedaille. Auch den 9. August 2026 wird die 19-Jährige mit Sicherheit in bester Erinnerung behalten.
Stimmen zum Wettbewerb:
Clara Hegemann (LG Stadtwerke München)
Weltmeisterin, das hört sich krass an! Das hätte ich nicht erwartet. Ich war ganz schön aufgeregt. Auch wenn ich schon bei zwei Europameisterschaften dabei war, ist das doch die erste Weltmeisterschaft und ich bin noch jung. Deshalb waren die letzten Tage ein Auf und Ab. Ich war mit den Nerven zwischenzeitlich am Ende. Aber ich habe es ganz gut gemeistert. Mein Einwerfen hat mir heute sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Bei der Quali waren meine Einwerfer nämlich gar nichts. Also ist das heute ein schöner Push gewesen, dass ich gesehen habe: Ich kann mitspielen. Caro [Streipart] hat mir die Ruhe gegeben, die ich brauchte. Ich wollte unbedingt erst mal einen gültigen Wurf haben. Nach dem ersten Durchgang war ich mir schon ziemlich sicher, dass das für eine Medaille reicht. Aber welche, wusste ich nicht. Pinja [Kärhä] oder die Amerikanerin [Burklie Burton] hätten auch noch einen treffen können. Nova und ich haben eine sehr schöne Freundschaft trotz der Konkurrenz. Wir sind gegenseitig immer stolz aufeinander.
Nova Kienast (Berlin Athletics)
Diese Bronzemedaille fühlt sich für mich golden an. Ich habe jetzt fast das gesamte Jahr ohne Trainer trainiert, habe meine Pläne nur digital bekommen. Ich bin unfassbar glücklich und stolz, dass ich jetzt alles zusammenbekommen habe beim Höhepunkt. Ich hatte davor 64 Meter stehen und jetzt mit der 67 aus der Saison zu gehen, fühlt sich deutlich besser an. Ich bin heute mit einem guten Gefühl ins Finale gegangen. Ich habe mich schon in der Quali gut gefühlt. Dass ich ein großes Q geworfen habe, hat mir Sicherheit gegeben. Und ich war halt auch nicht alleine. Zu zweit ins Finale zu gehen, mit einer Teamkollegin, ist schön. Man ist nicht alleine, man kann sich supporten. Am Ende ist es natürlich ein Individualsport, aber wir kamen alle hierher, um unser Bestes zu geben. Und da konnten wir uns gut unterstützen, weil wir uns einfach menschlich sehr gut verstehen.