Für den krönenden Abschluss der U20-WM haben am Sonntag Clara Hegemann (LG Stadtwerke München) und Nova Kienast (Berlin Athletics) gesorgt. Die beiden Hammerwerferinnen gewannen Gold und Bronze. Im Interview sprachen beide anschließend über die Herausforderungen des Wettkampfes und ihre Freundschaft.
Clara Hegemann, Nova Kienast, herzlichen Glückwunsch zu Gold und Bronze bei der U20-WM! Was bedeutet euch dieser Erfolg?
Clara Hegemann:
U20-Weltmeisterin – das hört sich krass an. Ich hätte das nicht erwartet!
Nova Kienast:
Für mich fühlt sich diese Bronzemedaille schon ein bisschen golden an. Ich habe jetzt fast das gesamte Jahr ohne Trainer trainiert, habe meine Pläne nur digital bekommen. Ich bin unfassbar glücklich und stolz, dass ich jetzt alles zusammenbekommen habe beim Höhepunkt. Ich hatte davor 64 Meter stehen und jetzt mit der 67 aus der Saison zu gehen, fühlt sich deutlich besser an.
Euer Finale fand erst am Abschlusstag der Meisterschaften statt, die Qualifikation am dritten der fünf Wettkampftage. Wie habt ihr die Zeit vor eurem Finale erlebt?
Clara Hegemann:
Ich war ganz schön aufgeregt. Auch wenn ich schon bei zwei Europameisterschaften dabei war, ist das doch die erste Weltmeisterschaft und ich bin noch jung. Deshalb waren die letzten Tage ein Auf und Ab. Ich war mit den Nerven zwischenzeitlich am Ende. Aber ich habe es ganz gut gemeistert.
Nova Kienast:
Ich habe die Tage ganz positiv erlebt. Es hat mir richtig Spaß gemacht, allen zuzugucken und anzufeuern. Das hat mir auch noch Motivation für meinen eigenen Wettkampf gegeben.
Ihr wirktet beide schon in der Qualifikation und auch vor dem Finale beim Einwerfen sehr souverän. Wie viel Selbstvertrauen hat das fürs Finale gegeben?
Clara Hegemann:
Sehr viel. Bei der Quali waren meine Einwerfer nämlich gar nichts. Also ist das heute ein schöner Push gewesen, dass ich gesehen habe: Ich kann mitspielen.
Nova Kienast:
Ich bin mit einem guten Gefühl ins Finale gegangen. Ich habe mich schon in der Quali gut gefühlt. Dass ich ein großes Q geworfen habe, hat mir Sicherheit gegeben. Und ich war halt auch nicht alleine. Zu zweit ins Finale zu gehen, mit einer Teamkollegin, ist schön. Man ist nicht alleine, man kann sich supporten. Am Ende ist es natürlich ein Individualsport, aber wir kamen alle hierher, um unser Bestes zu geben. Und da konnten wir uns gut unterstützen, weil wir uns einfach menschlich sehr gut verstehen. Und dass wir uns auch noch zusammen freuen und gemeinsam auf dem Podium stehen, ist natürlich das Schönste.
Während des Wettkampfes war zu beobachten, wie ihr euch gegenseitig eingeklatscht und nach starken Würfen gratuliert habt …
Clara Hegemann:
Wir feuern uns generell immer an, was ich sehr schön finde. Wir haben eine sehr schöne Freundschaft. Obwohl wir Konkurrentinnen sind, wissen wir, es gibt jemanden, der sich immer mit uns mitfreut. Und wir sind gegenseitig immer stolz aufeinander. Ich fand es schön, das Podium mit Nova und auch mit Pinja [Kärhä; Silbermedaillengewinnerin aus Finnland] zu teilen. Wir sind außerhalb des Wettkampfes auch gut befreundet. Es ist eine richtig schöne Gemeinschaft im Hammerwurf.
Clara, du bist gleich mit einem Wurf auf 67,65 Meter in den Wettkampf eingestiegen. Ist da schon Druck von dir abgefallen?
Clara Hegemann:
Ich wollte unbedingt erst mal einen gültigen Wurf haben. Nach dem ersten Durchgang war ich mir schon ziemlich sicher, dass das für eine Medaille reicht. Aber welche Farbe, wusste ich nicht. Pinja oder die Amerikanerin [Burklie Burton] hätten auch noch einen treffen können.
Im vierten Durchgang folgte dann der Gold-Wurf auf 68,99 Meter …
Clara Hegemann:
Ich wusste, der Wurf wird wahrscheinlich weiter gehen als der erste. Aber dass das der Wurf zu Gold ist, war für mich noch lange nicht sicher. Ich war bis zu meinem letzten Wurf angespannt. Als Pinja dann 66 Meter geworfen hat, habe ich erst mal angefangen zu weinen.
Nova, du hast deine bisherige Saisonbestleistung in vier der sechs Würfe übertroffen. Was war der Moment, in dem du gemerkt hast: Heute geht was?
Nova Kienast:
Ich würde sagen, ab dem 66-Meter-Wurf im zweiten Durchgang. Der hat sich ziemlich einfach für mich angefühlt und ich wusste: Ich kann noch was draufpacken.
War dir bewusst, dass du genau heute vor einem Jahr U20-Europameisterin geworden bist?
Nova Kienast:
Nein! Das hat mir Caro [Nachwuchs-Bundestrainerin Carolin Streipart; Anm. d. Red.] im fünften Versuch gesagt...
... das war sicher noch einmal eine besondere Motivation. Clara, wie konnte Carolin Streipart auch dich im Wettkampf unterstützen?
Clara Hegemann:
Sie hat mir die Ruhe gegeben, die ich brauchte. Das war wirklich sehr wichtig und hat mir gutgetan.
Ihr habt euch eben auf dem Podium feiern lassen, eure Medaillen entgegengenommen und die Nationalhymne wurde gespielt. Clara, wie besonders war dieser Moment für dich?
Clara Hegemann:
Ich hatte das ja schon in Banskà Bystrica einmal. Irgendwie denkt man sich immer: Eigentlich sieht man Siegerehrungen immer im Fernsehen. Und dann steht man plötzlich selbst da oben. Das war ein sehr schöner Moment.
Was sind jetzt eure nächsten Pläne?
Clara Hegemann:
Ich mache jetzt hier in Amerika noch Urlaub. Meine Familie ist da, die sind natürlich alle ausgeflippt. Wir werden jetzt erst mal noch ein bisschen feiern und dann Urlaub machen.
Nova Kienast:
Ich fliege nach Birmingham zur EM, um meinen Freund [400-Meter-Hürdenläufer Emil Agyekum; Anm. d. Red.] zu supporten. Dann bin ich eine Woche bei meiner Familie in Berlin und dann geht es nach Texas.