Der Doppelsieg der deutschen Zehnkämpfer ist perfekt. In einem an Spannung nicht zu überbietenden Finale schnappte sich Leo Neugebauer (VfB Stuttgart) mit letzter Kraft EM-Gold. Mit 8.611 Punkten hatte er nach den 1.500 Metern 38 Punkte Vorsprung auf München-Europameister Niklas Kaul (USC Mainz). Youngster Amadeus Gräber kam mit 8.162 Punkten auf einen starken achten Platz.
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Tag 2
1.500 Meter
Leo Neugebauer (VfB Stuttgart) hat sich bei seiner EM-Premiere zum Zehnkampf-Europameister gekrönt. Der Weltmeister taumelte auf den letzten 50 Metern des 1.500-Meter-Rennens, doch er rettete sich ins Ziel. Mit 4:38,60 Minuten gab er alles, um den Rückstand zu Niklas Kaul (USC Mainz) unter 23 Sekunden zu halten und die Goldmedaille zu sichern. Es gelang ihm, obwohl er auf der letzten Runde gut zehn Sekunden auf Niklas Kaul verlor.
Der Europameister von 2022 zog auf dem letzten Streckendrittel noch einmal richtig an und lief mit 4:20,70 Minuten auf Rang vier. Damit kam der Mainzer auf 8.573 Punkte und steigerte damit seine Saisonbestleistung. Leo Neugebauer sammelte 8.611 Punkte. Bronze sicherte sich bei seinem Comeback 8.900-Punkte-Zehnkämpfer Sander Skotheim (Norwegen; 8.433 pt). Youngster Amadeus Gräber (Eintracht Frankfurt) beendete die 1.500 Meter mit 4:34,25 Minuten und belegte bei seiner Premiere auf internationaler Bühne Rang acht mit 8.162 Punkten.
Damit machten Leo Neugebauer und Niklas Kaul den ersten deutschen Zehnkampf-Doppelsieg bei Europameisterschaften seit fast 60 Jahren perfekt. 1969 in Piräus (Griechenland) siegte Joachim Kirst vor Herbert Wessel. Zwei Jahre zuvor gab es mit Werner von Moltke, Jörg Mattheis und Horst Beyer sogar einen deutschen Dreifachsieg.
Stimmen zum Wettbewerb
Leo Neugebauer (VfB Stuttgart):
„Die letzte Runde auf den 1.500 Metern hat richtig wehgetan. Auf den letzten 50 Metern wollten die Beine einfach nicht mehr. Ich habe gezeigt, dass ich mich richtig durchbeißen kann, das zeichnet einen guten Zehnkämpfer aus. Ich freue mich auch wahnsinnig für Niklas. Im Zehnkampf muss man mit vielen Sachen zurechtkommen wie heute. Aber es hat am Ende gereicht. Vor den 1.500 Metern war es eine 50:50-Situation zwischen Niklas und mir. Es war natürlich ein kleiner Vorteil für mich, dass ich hinter ihm war, da konnte ich den Abstand natürlich gut einschätzen. Es war aber nicht ganz so hart wie in Tokio.“
Niklas Kaul (USC Mainz):
„Ich habe auf den 1.500 Metern alles probiert, war aber schon nach 400 Metern ziemlich kaputt. Der Vormittag mit fünfeinhalb Stunden im Stadion hatte schon viele Körner gekostet. Ich wollte Richtung 8.600 Punkte angehen, das hat am Ende dann leider nicht geklappt. Insgesamt haben wir zu dritt einen tollen Zehnkampf gemacht und gehen mit Platz eins, zwei und acht nach Hause. Das ist eine tolle Teamleistung. Ohne Trainer Physios, Trainer und Doktor hätten wir das nicht geschafft. Wir haben uns gegenseitig aufgebaut, das gab eine gewisse Lockerheit. Die Höhen im Wettkampf waren bei mir die 100 Meter und die 400 Meter. Auch der Diskuswurf war gut, leider gab es im Stabhochsprung die Unterbrechung zwischen 4,90 und 5,00 Metern. Das hat etwas den Stecker gezogen. Im Speerwurf war klar, dass ich nur einen vollen Versuch machen kann. Der erste Versuch war eher ein Sicherheitswurf. Auch die 1.500 Meter waren nicht richtig gut. Leo ist am Ende Europameister geworden. Dafür musste er am Ende schon noch richtig laufen. Wir genießen, dass wir Gold, Silber und Platz acht gemacht haben.“
Amadeus Gräber (Eintracht Frankfurt):
„Es war ein wunderschöner Wettkampf. Den Moment teilen zu können, wenn Leo und Niklas Gold und Silber gewinnen und man selbst Achter wird, ist überwältigend. Es ist noch größer als ein internationaler Sieg bei der U20. Das ist absolut nicht vergleichbar. Ich habe versucht, die Stimmung aufzusaugen wie ein Schwamm. Als ich das Stadion im Stabhochsprung für mich allein hatte, war eine wunderbare Erfahrung. Bis 2028 hoffe ich, dass ich Leo und Niklas etwas ärgern kann.“
Video-Interview mit Leo Neugebauer:
Video-Interview mit Niklas Kaul:
Speerwurf
Leo Neugebauer führt weiter, Niklas Kaul schiebt sich auf Silber-Rang
Nach einer kurzen Pause am Donnerstagnachmittag ging es für die deutschen Zehnkämpfer am Abend im Speerwurf um die optimale Ausgangslage für die 1.500 Meter. Die erste Duftmarke setzte Leo Neugebauer. Der Weltmeister startete mit einer Saisonbestleistung von 60,10 Metern und brachte sich damit in eine optimale Ausgangslage im Rennen um die Medaillen.
Wenig Minuten später zog Niklas Kaul nach. Mit 73,54 Metern übernahm der beste Speerwerfer unter den Zehnkämpfern die Führung und gab diese natürlich nicht mehr ab. Gleichzeitig katapultierte er sich in der Gesamtwertung auf Platz zwei nach vorn. Er kommt auf 7.766 Punkte und hat damit 154 Punkte Rückstand auf Leo Neugebauer. Das entspricht auf den 1.500 Metern in etwa 23 Sekunden.
Damit kommt nach den 1.500 Metern der erste deutsche Zehnkampf-Doppelsieg bei Europameisterschaften seit fast 60 Jahren in Reichweite. 1969 in Piräus (Griechenland) siegte Joachim Kirst vor Herbert Wessel. Zwei Jahre zuvor gab es mit Werner von Moltke, Jörg Mattheis und Horst Beyer sogar einen deutschen Dreifachsieg. Niklas Kaul ist der deutlich bessere 1.500 Meter-Läufer im Vergleich zu Leo Neugebauer. Allerdings ist der Vorsprung des Weltmeisters groß. Auf dem Bronzeplatz liegt aktuell Sander Skotheim (7.662 pt). Nach 60,03 Metern mit dem Speer rangiert Amadeus Gräber bei seiner EM-Premiere mit 7.445 Punkten auf Rang acht.
Stabhochsprung
DLV-Trio bleibt im Höhen-Durcheinander cool
Als wären 35 Grad im Schatten beim Stabhochsprung am Donnerstagnachmittag nicht schon Herausforderung genug, hatten die Zehnkämpfer in Gruppe B im Alexander Stadium auch noch mit Problemen an der Anlage zu kämpfen. Sowohl Amadeus Gräber als auch Leo Neugebauer hatten 4,80 Meter vermeintlich übersprungen. Doch wie sich wenige Minuten später herausstellte, lag die Latte nur bei 4,70 Metern. So mussten sie 4,80 Meter noch einmal in Angriff nehmen.
Während Amadeus Gräber damit keine Mühe hatte, riss Leo Neugebauer die Höhe dreimal. Doch damit war der Stuttgarter noch nicht draußen. Da bei einem Versuch die falsche Ständertiefe eingestellt war, bekam er –wie die Franzose Makenson Gletty – einen vierten Versuch zugesprochen. Und Leo Neugebauer nutzte seine Chance, um im Anschluss sogar 4,90 Meter im ersten Versuch zu überfliegen.
Erst danach war für den Gesamtführenden Schluss. Wobei sein letzter Versuch über 5,00 Meter extrem knapp war. Die nötige Höhe hatte Leo Neugebauer, doch er fiel von oben auf die Latte. Amadeus Gräber setzte bei brütender Hitze zu einer wahren Flugshow an. Bis 5,10 Meter meisterte der 21-Jährige alle Höhen im ersten Versuch. Danach war der einzige Athlet im Wettbewerb scheiterte aber nach mehr als drei Stunden an der Anlage an 5,20 Metern.
In der Gruppe A mit Niklas Kaul lief auch nicht alles glatt. Nach einem Versuch über 4,90 Meter verstrichen einige Minuten, bis eine neue Latte an der Anlage war, um die kaputte Latte zu ersetzen. Zuvor hatte der Mainzer 4,90 Meter im ersten Versuch überflogen und damit seine Saisonbestleistung eingestellt. Erst die 5,00 Meter im Anschluss waren für ihn zu hoch. Mit dem Speerwurf und den 1.500 Metern folgen nun noch zwei ganz starke Disziplinen von Niklas Kaul.
In der Gesamtwertung liegt Leo Neugebauer nach der achten Disziplin mit 7.181 Punkten weiterhin klar in Führung. Auf den Plätzen dahinter haben Sander Skotheim (Norwegen; 6.933 pt) und Jeff Tesselaar (Niederlande; 6.895 pt) die Plätze getauscht. Auf Platz vier folgt bereits Niklas Kaul mit 6.823 Zählern. Damit nimmt der 28-Jährige Kurs auf einen 8.600-Punkte-Zehnkampf und mischt bei der Medaillenvergabe am Abend genauso mit wie Leo Neugebauer. Dank seines starken Stabhochsprungs hat sich Amadeus Gräber im Zwischenergebnis mit 6.707 Punkten auf Platz sieben nach vorn gearbeitet.
Stimmen nach acht Disziplinen
Niklas Kaul (USC Mainz):
„Es war schon hart, mehr als fünf Stunden in der Sonne zu sein. Aber ich bin zufrieden, speziell mit dem Diskuswurf und dem Stabhochsprung. Im Hürdenlauf wäre vielleicht mehr möglich gewesen. Aber der Gegenwind hat Zeit gekostet. Jetzt werde ich etwas essen, duschen und vielleicht ein bisschen schlafen. Dann geht es heute Abend weiter.“
Leo Neugebauer (VfB Stuttgart):
„Es war wirklich chaotisch, das habe ich noch nie erlebt. Man musste zwischen Trainern und Kampfrichtern hin und her laufen. Zum Glück ist es am Ende noch alles gut gelaufen, ich habe die Nerven behalten. Es war total verrückt. Jetzt abhaken und ab in die Mittagspause.“Amadeus Gräber (Eintracht Frankfurt):
„Der Stabhochsprung hat natürlich viel Spaß gemacht, wenn man das Stadion für sich allein hat. Ich freue mich auf die letzten beiden Disziplinen, aber auch auf die Pause. Denn den Tag war schon lang und im Stadion richtig heiß.“
Diskuswurf
Nächste EM-Bestleistung für Leo Neugebauer, auch Niklas Kaul stark
Die siebte Disziplin war – wie zuvor vermutet – die Disziplin von Leo Neugebauer. Der Weltmeister schleuderte die Zwei-Kilo-Scheibe gleich im ersten Versuch auf 54,31 Meter. Damit warf er nicht nur Saisonbestleistung, sondern steigerte auch die Meisterschaftsbestleistung um mehr als zwei Meter. 2010 in Barcelona hatte Mikko Halvari (Finnland) 52,06 Meter weit geworfen.
Damit hatte der Weltmeister mehr als fünf Meter Vorsprung auf Karel Tilga (Estland; 49,14 m) und Niklas Kaul (48,88 m). Der Mainzer steigerte seine Leistung aus Götzis um rund anderthalb Meter. In der Zwischenwertung nach dem Diskuswurf liegt er damit rund 90 Punkte über seinem Götzis-Wert, als er 8.528 Punkte sammelte. Auch Amadeus Gräber gelang ein stabiler Wettkampf. Gleich der erste Wurf landete bei 43,44 Metern, damit belegte der Frankfurter Rang zehn.
Mit seiner Meisterschaftsbestleistung baute Leo Neugebauer seinen Vorsprung in der Gesamtwertung wieder deutlich aus. Mit 6.301 Punkten liegt er 225 Punkte vor Jeff Tesselaar (Niederlande) und 278 Zähler vor Sander Skotheim (Norwegen). Niklas Kaul arbeitete sich mit seiner sechsten Saisonbestleistung in der siebten Disziplin mit 5.943 Punkten auf Rang fünf nach vorn. Der starke Stabhochspringer Amadeus Gräber bleibt mit 5.766 Punkten auf Rang 13.
110 Meter Hürden
Gegenwind bremst die Mehrkämpfer aus
Als Erstes starteten die Zehnkämpfer in den vierten EM-Tag. Dabei mussten sie über 110 Meter Hürden gegen frischen Gegenwind anlaufen. So blieben die Top-Zeiten am Donnerstagvormittag aus. Im zweiten Lauf lieferte Weltmeister Leo Neugebauer (VfB Stuttgart) ein sauberes Rennen ab. Mit 14,94 Sekunden kam er zwar nicht an seine Saisonbestzeit heran, doch das galt auch für die anderen fünf Starter. Etwas schneller unterwegs war Amadeus Gräber. Der Youngster der LG Eintracht Frankfurt sprintete mit 14,74 Sekunden auf Rang drei.
Exakt eine Hundertstel schneller war Niklas Kaul (USC Mainz) im dritten und schnellsten Rennen. Auch in diesem Lauf wurden keine Saisonbestzeiten erzielt. Der Weltmeister von 2019 lief – wie Amadeus Gräber – bis auf zwei Zehntelsekunden an seine Götzis-Leistung heran. Das Rennen entschied Makenson Gletty für sich. Mit 14,18 Sekunden lief der Franzose die schnellste Zeit des Vormittags. Der bei „Halbzeit“ drittplatzierte Sander Skotheim (Norwegen) gewann das erste Rennen in 14,50 Sekunden und behauptete mit 5.293 Punkten Rang drei.
Weiter auf Rang zwei hinter Leo Neugebauer (5.340 pt) rangiert Jeff Tesselaar (Niederlande), der 14,65 Sekunden lief und einige Punkte auf den Weltmeister gutmachte. Niklas Kaul nimmt mit 5.096 Punkten weiter Platz sechs ein, für ihr stehen nun noch vier starke Disziplinen. Auch Amadeus Gräber kann auf einen guten zweiten Tag bauen. Der 21-Jährige liegt nach sechs Disziplinen bei seinem Debüt auf großer Bühne mit 5.031 Punkten auf Rang 13. Zum zweiten Zehnkampf-Tag trat der Titelverteidiger nicht mehr an. Der Este Johannes Erm wollte in Birmingham seinen ersten Zehnkampf der Saison absolvieren.
Tag 1
100 Meter
Amadeus Gräber mit drittbester Zeit, Leo Neugebauer und Niklas Kaul solide
Unter dem Applaus der vielen deutschen Fans wurden am Mittwochvormittag die Zehnkämpfer im Alexander Stadium begrüßt. Im schnellsten der drei Rennen waren Weltmeister Leo Neugebauer (VfB Stuttgart) und Youngster Amadeus Gräber (Eintracht Frankfurt) dabei. Auf der Außenbahn fand Leo Neugebauer nicht richtig ins Rennen, konnte aber mit 10,90 Sekunden noch eine solide Zeit erzielen. Damit belegte der Olympia-Zweite Rang sieben.
Vier Plätze weiter vorn lief Amadeus Gräber ins Ziel. Für den ehemaligen U20-Europameister wurden 10,79 Sekunden gestoppt. Damit musste der 21-Jährige bei seiner ersten großen Meisterschaft nur Nino Portmann (Schweiz; 10,69 sec) und dem Niederländer Jeff Tesselar (10,75 sec) den Vortritt lassen. Für ihn war es die fünftbeste 100-Meter-Zeit der Karriere.
Im ersten Lauf kam Niklas Kaul(USC Mainz) auf der zweiten Streckenhälfte noch stark auf und überholte einige Konkurrenten. Mit 11,23 Sekunden lief der Europameister von 2022 bei leichtem Gegenwind auf Rang drei. Damit war er sieben Hundertstel schneller als beim Zehnkampf Ende Mai in Götzis. Das Rennen entschied Titelverteidiger Johannes Erm mit 10,88 Sekunden für sich. Der Este bestreitet seinen ersten Zehnkampf der Saison.
Weitsprung
Leo Neugebauer übernimmt die Führung
Das deutsche Zehnkampf-Trio erwischte einen optimalen Start in die zweite Disziplin. Allen drei gelangen gültige Versuche, dabei verschenkten sie nur wenige Zentimeter am Brett. Den besten Sprung legte Leo Neugebauer zum Auftakt hin. Der Weltmeister flog auf 7,61 Meter und übernahm damit zwischenzeitlich die Führung im Wettbewerb. Nach einem ungültigen zweiten Sprung legte er bei frischem Gegenwind (-2,0 m/sec) alles in den dritten Versuch, den er am Brett optimal erwischte, und jubelte wenige Sekunden später über 7,82 Meter. Diese Weite sollte kein Konkurrent mehr übertreffen.
Amadeus Gräber flog ebenfalls im ersten Versuch zur Top-Weite. Mit 7,23 Metern kam der Frankfurter bis auf fünf Zentimeter an seine Bestleistung heran. Die zwei weiteren Sprünge erwischte der 21-Jährige nicht optimal, allerdings konnte er mit dem Resultat aus Durchgang eins bestens leben. Niklas Kaul packte nach dem zweiten Versuch die Sachen, um Kräfte zu sparen. Dem Mainzer genügten die 7,22 Meter aus dem ersten Versuch. Damit sprang er bei Gegenwind 13 Zentimeter weiter als beim Zehnkampf in Götzis. Der zweite Versuch ging bei deutlich mehr Gegenwind nicht mehr ganz so weit (7,13 m).
Mit seinen 7,82 Metern arbeitete sich Leo Neugebauer in der zweiten Disziplin von Rang neun ganz nach vorn. In der Zwischenwertung liegt der Stuttgarter mit 1.898 Punkten vor Jeff Tesselaar (Niederlande; 1.894 pt) und Sander Skotheim (Norwegen; 1.882 pt), der seinen ersten Zehnkampf des Jahres bestreitet und 7,80 Meter sprang, in Führung. Amadeus Gräber belegt im Zwischenklassement mit 1.777 Punkten Rang sieben. Niklas Kaul schob sich in der Gesamtwertung (1.676 pt) um drei Plätze auf Rang 16 nach vorn, beide Disziplinen waren in Birmingham besser als in Götzis, als er 8.528 Punkte sammelte.
Kugelstoß
Neugebauer stößt Meisterschaftsbestleistung, Kaul PB
Im Kugelstoßring war Leo Neugebauer eine Klasse für sich. Im zweiten Durchgang beförderte der Weltmeister sein 7,26 Kilogramm schweres Arbeitsgerät auf 17,13 Meter – und damit weiter als jeder andere Zehnkämpfer bei Europameisterschaften zuvor. Die Bestmarke des Frankfurters Pascal Behrenbruch von dessen EM-Triumph 2012 in Helsinki steigert er um 24 Zentimeter. Damit baute der Olympia-Zweite seinen Vorsprung in der Gesamtwertung natürlich deutlich aus. Denn auf den Plätzen zwei und drei hatten Rasmus Roosleht (Estland; 15,88 m) und Makenson Gletty (Frankreich; 15,65 m) schon mehr als einen Meter Rückstand auf Leo Neugebauer.
Auch Niklas Kaul jubelte nach der dritten Disziplin. Im dritten Versuch steigerte der Mainzer seine Bestleistung aus Götzis um fünf Zentimeter. Damit lieferte er auch in seiner dritten Disziplin eine bessere Leistung als in Götzis ab und auch sogar eine bessere als bei seinem WM-Sieg 2019 in Doha. Youngster Amadeus Gräber kam mit 13,29 Metern bis auf 32 Zentimeter an seine Bestleistung heran.
Vor dem Hochsprung, bei dem der Norweger Sander Skotheim viele Punkte gutmachen will, baute Leo Neugebauer seinen Vorsprung aus. Mit 2.819 Punkten liegt er klar vor Jeff Tesselaar (Niederlande; 2.690 pt) und Sander Skotheim (Norwegen; 2.638 pt). Niklas Kaul machte mit seiner Bestleistung vier Plätze gut liegt mit 2.482 Punkten auf Rang zwölf. Zwei Plätze dahinter sammelte Amadeus Gräber bisher 2.462 Punkte.
Stimmen nach drei Disziplinen
Leo Neugebauer (VfB Stuttgart):
„Ich bin gut reingekommen, die Atmosphäre mit den ganzen deutschen Fans war super. Auch Familie und Freunde sind da. Es macht mega Bock, hier zu starten. Bei den 100 Metern hatte ich ein kleinen Stolperer, aber der hat mich nicht groß gestört. Die Zeiten waren durch den Gegenwind generell nicht so gut. Jetzt werde ich mich ausruhen für die beiden Disziplinen heute Abend.“
Niklas Kaul (USC Mainz):
„Es läuft, besonders bin ich mit den 100 Metern zufrieden. Auch die anderen beiden Disziplinen waren in Ordnung. Klar steht beim Kugelstoßen eine Bestleistung, doch ich weiß, dass ich noch deutlich weiter stoßen kann. Der zweite Stoß war noch ein wenig verhalten, denn ich will ja nicht mit 13,50 Metern in den dritten Durchgang gehen. Am Anfang war ich etwas unkonzentriert, die schnelle Abfolge der Disziplinen kostet am Vormittag schon ein paar Kräfte. Aber so ist es bei einer Meisterschaft. Jetzt schnell etwa essen, ein Ründchen schlafen und zur Physio. Dann geht es heute Abend weiter.“
Amadeus Gräber (Eintracht Frankfurt):
„Es waren keine großen Ausreißer nach oben oder unten dabei. Bei den 100 Metern habe ich mir vielleicht etwas mehr gewünscht. Aber die Zeit ist vollkommen okay. Es macht Spaß, bei den Großen dabei zu sein. Und Leo und Niklas passen ein bisschen auf mich auf, damit ich gut durch den Wettkampf komme.“
Hochsprung
Niklas Kaul macht mit nächster Saisonbestleistung weiter
Schon in den ersten drei Disziplinen steigerte Niklas Kaul am Mittwochvormittag seine Ergebnisse im Vergleich zum Zehnkampf in Götzis Ende Mai. Und genau dort machte der Weltmeister von 2019 am Mittwochabend im Alexander Stadium weiter. Alle Höhen bis 1,99 Meter nahm der Mainzer im ersten Anlauf, für die anschließenden 2,02 Meter benötigte er zwei Versuche. Damit sprang der 28-Jährige zwei Zentimeter höher als in Götzis – was ihm umgerechnet 18 Punkte mehr einbrachte. Auch bei den Sprüngen über 2,05 Meter war Niklas Kaul nicht chancelos und ärgerte sich entsprechend nach dem kanpp gerissenen dritten Verusch.
Für Amadeus Gräber und Leo Neugebauer waren die 2,02 Meter am Mittwochabend zu hoch. Beide meisterten 1,99 Meter und lieferten damit die nächste ordentliche Leistung auf dem Weg zu einem guten Zehnkampf ab. Für den 21-jährigen Frankfurter wären die 2,02 Meter gleichbedeutend mit einer neuen Bestleistung gewesen. Leo Neugebauer hatte bei seinem Sieg in Ratingen 1,97 Meter übersprungen, in Götzis vier Wochen zuvor allerdings 2,06 Meter.
In der Gesamtwertung verteidigte Leo Neugebauer seine Führung. Mit 3.613 Punkten liegt er nach vier Disziplinen knapp 50 Zähler über seinem Ratingen-Ergebnis, als er am Ende auf 8.573 Punkte kam. Auf Rang zwei schob sich Sander Skotheim als bester Hochspringer (2,05 m) nach vorn. Der Norweger kommt auf 3.488 Punkte und tauschte damit die Plätze mit dem Niederländer Jeff Tesselaar (3.4857 pt). Auf Rang neun kommt Niklas Kaul aktuell auf 3.304 Punkte und damit auf knapp 70 mehr als in Götzis, als er den Zehnkampf mit 8.528 Zählern abschloss. Auf Rang 13 rangiert Amadeus Gräber, der rund 80 Punkte hinter seinem Götzis-Ergebnis liegt.
400 Meter
Starke Zeiten für Kaul und Gräber, Neugebauer für Mut nicht belohnt
Im schnellsten 400-Meter-Lauf nahm Leo Neugebauer die Beine in die Hand. Direkt nach dem Startschuss verkürzte er den Abstand auf die vor ihm laufende Konkurrenz deutlich. Doch auf der Zielgeraden konnte er das hohe Tempo nicht mehr halten und kämpfte sich ins Ziel. Mit 48,81 Sekunden blieb der Weltmeister hinter seinen Zeiten von Götzis und Ratingen zurück, verteidigte aber seine Gesamtführung deutlich.
Im zweiten Rennen waren Niklas Kaul und Amadeus Gräber am Start. Während der Youngster auf Frankfurt das Rennen auf Bahn zwei offensiv anging, drückte der Mainzer auf Bahn fünf das Gaspedal noch nicht ganz durch. Nach etwa 250 Metern machte der 28-Jährige Meter um Meter gut und schob sich immer weiter nach vorn. Als Dritter mit 47,99 Sekunden blieb er zum zweiten Mal in seiner Karriere unter der 48-Sekunden-Marke – und stellte damit in der fünften Disziplin seine vierte Saisonbestleistung auf. Dazu kommt die persönliche Bestleistung mit der Kugel.
Amadeus Gräber beendete den ersten Tag mit seiner ersten persönlichen Bestleistung. Mit 48,31 Sekunden steigert der 21-Jährige seinen Hausrekord um knapp zwei Zehntelsekunden. Und damit nimmt er weiterhin Kurs auf einen Zehnkampf Richtung 8.300 Punkte. Mit 4.150 Punkten liegt der Frankfurter in der Zwischenwertung auf Rang 13. Bis auf Platz sechs hat sich Niklas Kaul zur „Halbzeit“ nach vorn gearbeitet. Er kommt auf 4.214 Punkte und damit auf gut 90 Punkte mehr als in Götzis. Damit kommt für ihn dank seines zweiten starken Tages eine Medaille in Reichweite. Die Poleposition hat weiter Leo Neugebauer mit 4.483 Punkten inne. Dahinter folgt Jeff Tesselaar (Niederlande; 4.412 pt), der mit 47,06 Sekunden die schnellste Stadionrunde lief, und der Norweger Sander Skotheim (4.382 pt).
Stimmen zum Wettbewerb
Leo Neugebauer (VfB Stuttgart):
„Das war ein solider erster Tag. Be den 400 Metern habe ich probiert, härter anzulaufen. Das habe ich am Ende gespürt. Aber ich musste es einmal ausprobieren, nun wissen wir, wie es ausgeht. Jetzt muss ich gut schlafen und essen. Morgen ist ein neuer Tag, da will ich Spaß haben, denn es sind viele Freunde und Familie im Stadion.“
Niklas Kaul (USC Mainz):
„Ich freue mich auf morgen. Es war ein guter erster Tag mit vier Saisonbestleistungen und einer persönlichen Bestleistung. Nach den großen Erfolgen bei WM und EM wollte ich immer ein anderer Zehnkämpfer sein, der ich eigentlich bin. Das habe ich abgelegt. Seitdem macht Zehnkampf wieder Spaß. Das merkt man mir auch an. Morgen ist der Tag, auf den ich mich schon den ganzen heutigen Tag gefreut habe.“
Amadeus Gräber (Eintracht Frankfurt):
„Die 400 Meter im Flutlicht waren wirklich super. Niklas war vor mir und war eine Orientierung für mich. Ich freue mich, dass er mich so gut gezogen hat. Ich habe richtig Bock auf morgen. Wenn der Wind mitspielt, kann morgen einiges gehen. Mit meinen neuen Stabhochsprung-Stäben komme ich im Training super klar. Das will ich morgen auch im Wettkampf zeigen.“
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