| EM 2026

Birmingham Tag 3 | Die DLV-Athlet:innen in den Vorrunden

Shanice Craft hält im Gespräch mit ihrer Trainerin einen Daumen nach oben Richtung Publikum © Jan Papenfuß
Saisonhöhepunkt der europäischen Leichtathletik: Vom 10. bis 16. August geht es bei der EM um Medaillen, Titel und Bestleistungen. 114 deutsche Athletinnen und Athleten stellen sich im Alexander Stadium von Birmingham der europäischen Konkurrenz. Wie das DLV-Team in den Vorrunden am Mittwoch abgeschnitten hat und es seine Resultate einschätzt, lesen Sie hier.
mbn/svs/js

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Frauen

200 Meter | Vorläufe

Talea Prepens steht wieder im EM-Halbfinale

Wie vor zwei Jahren in Rom (Italien) hat sich Sprinterin Talea Prepens (TV Cloppenburg) souverän für das EM-Halbfinale qualifiziert. Zwar kam die 24-Jährige in ihrem Vorlauf eher zögerlich aus den Blöcken, doch auf der Zielgeraden machte sie Druck und stürmte an der Konkurrenz vorbei. In 23,16 Sekunden gewann sie den Lauf.

Damit sprintete sie die fünftbeste Zeit der ersten Runde und sicherte sich souverän eines der zwölf kleinen qs. Schnellste der Vorrunde war mit 22,84 Sekunden die Ungarin Boglarka Takacs, Siegerin des ersten Vorlaufs. In diesem Bereich (22,83 sec) liegt auch Talea Prepens' Bestzeit aus Rom. Im Halbfinale am Abend greifen die Top 12 der "Road to Birmingham", darunter die Deutsche Meisterin Judith Mokobe (USC Mainz) und WM-Halbfinalistin Sophia Junk (LG Rhein-Wied), ins Geschehen ein.

Stimme zum Wettbewerb

Talea Prepens (TV Cloppenburg): 
"Es war ein solider Lauf. Ich hoffe, im Halbfinale geht noch ein bisschen mehr. Die Kurve verträgt noch ein bisschen mehr Druck. Das war schon die ganze Saison ein bisschen Thema. Ich hatte jetzt in letzter Zeit ein bisschen muskuläre Probleme, die wir zum Glück noch halbwegs in den Griff bekommen haben. Viellleicht war am Start auch der Kopf noch nicht ganz so sicher, wie er hätte sein sollen. Trotzdem bin ich erst mal zufrieden. Die Atmosphäre im Stadion ist super. Das Feeling in einem offenen Stadion wie diesem hier ist immer ein bisschen anders als in geschlossenen."

 

200 Meter | Halbfinals

DLV-Trio verpasst Finaleinzug, Favoritinnen souverän

Das Halbfinale über 200 Meter wartete am Mittwochabend mit dreifacher deutscher Beteiligung auf. Während die Deutsche Meisterin Judith Mokobe (USC Mainz) sowie WM-Halbfinalistin Sophia Junk (LG Rhein-Wied) automatisch dafür qualifiziert waren, da sie zur Top 12 der „Road to Birmingham“ zählten, hatte sich Talea Prepens (TV Cloppenburg) am Vormittag im Vorlauf mit einer Zeit von 23,16 Sekunden ein kleines „q“ gesichert. Am Abend war sie direkt im ersten Lauf am Start, den mit Dina Asher-Smith die Weltmeisterin von 2019 und zweimalige Europameisterin über dieser Strecke gewann. Hoffnung auf das Finale gab es als Sechste in 23,32 Sekunden allerdings nicht mehr.

Ähnlich erging es auch Sophia Junk im zweiten der drei Halbfinal-Läufe. In einem Lauf mit der mitfavorisierten WM-Zweiten Amy Hunt nickte sie in 23,22 Sekunden als Fünfte ein. In der Endabrechnung bedeutete das Platz 13, die besten Acht kamen weiter. Zu diesen gehörte leider auch die dritte Deutsche nicht. Als Vierte ihres Laufes verpasste die Deutsche Meisterin  Judith Bilepo Mokobe (USC Mainz) bei ihren ersten Europameisterschaften der Aktiven das Finale ebenfalls. In diesem stehen neben gleich drei Britinnen auch die Irin Rhasidat Adeleke (22,43 sec) und Fabienne Hoenke (22,46 sec) aus der Schweiz, die hinter Amy Hunt (22,37 sec) die schnellsten Zeiten im Halbfinale auf die Bahn brachten.

Stimmen zum Wettbewerb:

Sophia Junk (LG Rhein-Wied)
Ehrlich gesagt, war ich froh, dass ich überhaupt an der Startlinie stehe. Nach den Deutschen Meisterschaften hatte ich noch einmal muskuläre Probleme, die meine Vorbereitung massiv eingeschränkt haben. Jetzt hinten raus haben wir es gut in den Griff bekommen. 22,77 Sekunden hätte es gebraucht für das kleine „q“ – das ist eine Kampfansage. Das muss man in so einem Halbfinale erst einmal laufen. Das habe ich heute nicht ansatzweise geschafft. Da waren die anderen besser, da ziehe ich meinen Hut. Und vielleicht habe ich in zwei Jahren noch einmal die Chance und dann will ich zeigen, dass ich auch in so einem Finale bin.

Judith Bilepo Mokobe (USC Mainz)
Es ist ein Traum, hier zu sein und diese ganze Erfahrung mitzunehmen. Dafür bin ich sehr dankbar. Natürlich hatte ich mir eine schnellere Zeit gewünscht. Aber im Großen und Ganzen kann ich stolz auf mich sein, dass ich hier stehen durfte und mein Bestes gegeben habe. Gegen solch große Athletinnen anzutreten, das war schon ein Traum. Auch wenn ich mich nicht klein gemacht habe und mir etwas zugetraut haben. Wir sind hier alle schnell und ich freue mich auf die nächsten Jahre, die kommen.

Talea Prepens (TV Cloppenburg)
Ich habe gemischte Gefühle. Ich hatte mir ein bisschen mehr erhofft. Trotzdem bin ich zufrieden. Ich habe versucht, die Stimmung mitzunehmen. Es war super, mit Dina in einem Lauf zu sein. Hinten raus konnte ich eine starke Gerade zeigen, vorn heraus fehlte da noch etwas. Ich hatte die stärkste Saison, die ich je gelaufen bin über 200 Meter und konstant meine Leistungen abrufen. Deswegen bin ich happy, dass ich bei der EM antreten durfte.


Diskuswurf | Qualifikation

Shanice Craft hellwach, auch Kristin Pudenz im Finale

Ein Wurf reichte Shanice Craft (SV Halle), um sich für das EM-Finale im Diskuswurf zu qualifizieren. Die 33-Jährige beförderte ihre Scheibe auf 63,46 Meter und übertraf die geforderte Weite von 62,50 Metern deutlich. Das gelang in Gruppe A sonst nur der Jahresbesten Jorinde van Klinken (Niederlande; 62,74 m), die ebenfalls nur einmal in den Ring stieg.

Zur Zitterpartie wurde die Qualifikation für Kristin Pudenz (OSC Potsdam). Die EM-Zweite von München erwischte die Scheibe im ersten Versuch nicht optimal. Der Diskus flatterte auf 54,56 Meter. So war klar: Im zweiten Durchgang muss eine Steigerung her. Mit 60,48 Metern reihte sich die Deutsche Vizemeisterin auf Rang sechs ihrer Gruppe ein. Der dritte Wurf ging ins Netz. So musste die 33-Jährige bis zum Ende der zweiten Gruppe ausharren.

Auch in der zweiten Gruppe knackten zwei Athletinnen die direkte Qualifikationsmarke: Vanessa Kamga aus Schweden, die mit 64,65 Metern die Tagesbestweite warf, und Alida van Daalen (Niederlande), die es etwas spannender machte, ihre Scheibe aber im dritten Durchgang auf 62,58 Meter beförderte. Alle weiteren Athletinnen blieben unterhalb der 60 Meter, sodass Kristin Pudenz schließlich mit der achtbesten Weite des Tages ins Finale einzog. Für die dritte deutsche Diskuswerferin war dagegen Endstation: Marike Steinacker (TSV Bayer 04 Leverkusen) unterliefen zwei ungültige Versuche, ehe ihre Scheibe im dritten Durchgang auf 54,05 Meter flatterte.

Stimmen zum Wettbewerb

Shanice Craft (SV Halle):
„Als ich ins Stadion reingelaufen bin, war die Stimmung richtig super, weil die Zehnkampf-Fans alle angefeuert haben. Das hat Spaß gemacht und gepusht, da konnte ich die positive Energie richtig aufsaugen. Das Stadion ist schön. Und ja, die Qualifikation ist so gelaufen, wie der Plan war. Jetzt kann ich mich den Rest des Tages entspannen und auf Freitag fokussieren. Der Wind interessiert mich nicht so wirklich, weil für mich wichtiger ist, was ich im Ring mache. Es war ein solider Wurf, aber ich brauche noch ein bisschen mehr Mut, um am Freitag noch weiter zu werfen. Das Finale ist der Moment, auf den ich das ganze Jahr hingearbeitet habe. Da geht es darum, den Moment zu genießen, die Lorbeeren zu ernten und einfach Spaß zu haben – und im Idealfall mit der Medaille nach Hause zu fahren.“

Kristin Pudenz (OSC Potsdam):
„Ich war zu vorsichtig, weil ich den ersten auf keinen Fall ungültig machen wollte. Das war er dann aber im Grunde – denn ob der 54 Meter weit geht oder ungültig ist, ist geschenkt. Diese Vorsicht habe ich dann nicht so richtig loswerden können. Links war ich ein bisschen zu langsam. Der Ring ist ein bisschen stumpf, aber alle werfen im selben Ring, das ist jetzt keine Ausrede. Ich habe schon gehofft, dass ich mich im dritten Versuch noch ein bisschen nach vorn schieben kann. Ich denke, 61 hätte dicke gereicht – und das ist nichts, was ich dieses Jahr noch nicht geworfen habe oder nicht werfen könnte. Ich hatte gehofft, dass ich mich für die schwierige Saison belohnen kann. Jetzt muss ich erst mal zittern.“

Marike Steinacker (TSV Bayer 04 Leverkusen): 
„Mein erster hat sich eigentlich technisch gar nicht so schlecht angefühlt, ich war einfach zu lang dran. Dann ist er im Netz gelandet. Beim zweiten wollte ich einfach zu viel. Und dann hast du eben nur noch einen Versuch. Dementsprechend muss dann alles zusammenpassen und das hat es heute nicht. Da war definitiv auch der Druck zu hoch. Ich bin körperlich fit, habe in keinem Moment irgendwo meine Wade gespürt, die ist auf jeden Fall fest und intakt. Ob man hier performt oder nicht, liegt in erster Linie daran, ob du mental fit bist oder eben nicht. Eigentlich hätte ich im Vorfeld gesagt, ich habe das drauf und ich kann das auch von der Mentalität her.“

Männer

800 Meter | Halbfinals

Alexander Stepanov verkauft sich teuer

Der jüngste Starter in den 800-Meter-Halbfinals stand im ersten Rennen vor einer Mammutaufgabe: Schließlich hatte Alexander Stepanov (VfL Sindelfingen) nicht nur die langsamste Saisonbestzeit aller Mittelstreckler aufzuweisen, sondern musste auch auf der ungünstigen Innenbahn ins Rennen starten. Entsprechend lag er, als es in der zweiten Runde in die Startkurve ging, in einer schwierigen Position.

Doch der Deutsche Meister ließ sich davon – und einem Ausbremsen durch Max Burgin (Großbritannien) – nicht aus der Ruhe bringen und suchte seine Chance auf der Zielgeraden. Doch an die drei Ersten, die sich direkt für das Finale qualifizierten, kam der 21-Jährige nicht mehr heran. Mit 1:45,46 Minuten lief der Sindelfinger auf Platz fünf und sicherte sich zwischenzeitlich das kleine „q“, das für den Finaleinzug berechtigt. Den Sieg sicherte sich Max Burgin mit 1:44,73 Minuten.

Doch wenige Minuten später war klar, dass es für den auf dem „Hot Seat“ sitzenden Sindelfinger nicht reichen sollte. Im zweiten Halbfinale wurde die erste Runde etwa eine Sekunde schnell absolviert als im ersten. Denn die acht Läufer waren sich einig, dass fünf von ihnen ins Finale laufen sollten. Das taten sie auch. Mark English (Irland), Europas Nummer eins und mittlerweile Doktor der Medizin, stürmte auf der Zielgeraden auf und davon und mit 1:43,49 Minuten zum neuen Meisterschaftsrekord. Die ersten vier Läufer blieben unter der Bestmarke des Potsdamer Olaf Beyer, der 1978 in Prag triumphiert hatte. Der fünftplatzierte Francesco Pernici (Italien) stellte mit 1:43,84 Minuten die Beyer-Bestmarke exakt ein.

Alexander Stepanov (VfL Sindelfingen):
„Taktisch war das Rennen durch die Innenbahn schwierig, aber insgesamt so, wie ich es mir vorgestellt habe. Leider bin ich bei 600 Metern aus dem Tritt gekommen, als mich Max Burgin etwas geschnitten hat. Auf der Zielgeraden habe ich noch einmal alles probiert, bin ausgeschert, um noch um Rang drei zu kämpfen. Aber die anderen sind natürlich auch schnell, speziell in der Schnelligkeitsausdauer bin ich noch nicht so weit. Daran werde ich in den kommenden Jahren arbeiten. Ich bin mit 21 Jahren zwei gute Rennen gelaufen und war schnellster U23-Teilnehmer. Das nehme ich mit für die Zukunft.“


110 Meter Hürden | Halbfinals

Gregory Minoué muss passen

Der Deutsche Meister Gregory Minoué (Tracksrunner Bonn) kann aus gesundheitlichen Gründen nicht im Halbfinale über 110 Meter Hürden antreten.


400 Meter Hürden | Halbfinals

Emil Agyekum und Owe Fischer-Breiholz überzeugen mit dem Finaleinzug

Sie trainieren zusammen, sie teilen sich in Birmingham ein Zimmer und nun sind sie auch gemeinsam in das EM-Finale über 400 Meter Hürden eingezogen: Emil Agyekum (SCC Berlin) und Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV). Einen souveränen Eindruck hinterließ einmal mehr der Deutsche Rekordhalter aus Berlin. Im zweiten von drei Halbfinal-Läufen ging er das Rennen kontrolliert im 13er-Rhythmus an und hielt die Konkurrenz auf Bahn fünf laufend im Blick. Eingangs der Zielgeraden hatte er bereits einen kleinen Vorsprung herausgelaufen, so dass nach der letzten Hürde sogar ein kurzer Schulterblick drin war. In 48,17 Sekunden sicherte sich der Deutsche Meister das große „Q“ und verließ das Alexander Stadium nach erfüllter Pflichtaufgabe genau so, wie er es am Mittwochvormittag betreten hatte: mit einem breiten Lächeln.

Dieses war auch Owe Fischer-Breiholz ins Gesicht geschrieben. Nachdem der 22-Jährige direkt im ersten Lauf auf Bahn acht an der Reihe war, bog er zunächst mittig gelegen aus der letzten Kurve auf die Zielgerade ein. Doch vor der letzten Hürde setzte er dann die Attacke und spurtete noch vor auf Rang zwei. Somit war auch ihm die sichere Qualifikation für das Finale sicher. In 48,23 Sekunden musste er einzig dem Schweden Oskar Edlund (47,81 sec) den Vortritt lassen, der Landesrekord lief und zugleich die beste Zeit aller Halbfinalteilehmer auf die Bahn brachte.

Im dritten und letzten Halbfinale durfte dann auch der dreimaligen Welt- und Europameister Karsten Warholm (Norwegen) ran. Gestartet auf seiner Lieblingsbahn, der Bahn sieben, lief auch er ein kontrolliertes Rennen und ließ sich auf den letzten 50 Metern auch nicht vom eng heranlaufenden Slowenen Matic Ian Gucek beeindrucken, der in 48,03 Sekunden Landesrekord lief. Für Warholm, der am ersten EM-Tag bereits Gold mit der 4x400-Meter-Staffel Mixed gewonnen hatte, wurden 48,01 Sekunden gestoppt.

Stimmen zum Wettbewerb:

Emil Agyekum (SCC Berlin)
"Die erste Hürde habe ich ein bisschen verschlafen. Und am Ende habe ich ein bisschen Tempo herausgenommen, um mir Kraft für das Finale zu sparen. Jetzt einen Tag Pause dazwischen zu haben, ist für eine EM optimal, um zu regenerieren und trotzdem noch den Rhythmus beizubehalten. Was Karsten Warholm betrifft: Wir sind alles nur Menschen. Und wir sind nicht hier, um Warholm hinterherzulaufen. Wir wollen zeigen, was wir drauf haben und dafür sind wir da."

Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV)
"Wir sind beide gut drauf und wollen im Finale noch ein bisschen mehr zeigen als heute. Aber das können wir auch. Und dann ist alles drin. Die Stimmung vor dem Finale wird bei uns beiden locker sein. Emil ist ohnehin der lockerste Typ, den ich kenne, und auch ich habe es mittlerweile geschafft, mich mental besser zu fokussieren und nicht mehr den ganzen Tag aufgeregt zu sein. Wir teilen das gleiche Mindset und das wird sehr lustig und locker."

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