| Diamond League Zürich

Masai Russell und Alison dos Santos krönen spektakulären Abend mit Weltrekorden

© Isaac Shaw
12,09 Sekunden über 100 Meter Hürden der Frauen und 45,80 Sekunden über 400 Meter Hürden der Männer. Masai Russell und Alison dos Santos haben am Donnerstagabend beim Diamond League-Meeting in Zürich Weltrekorde* aufgestellt. Gewackelt haben auch die Bestmarken über 800 Meter der Frauen und im Stabhochsprung der Männer. Tickets fürs Diamond League-Finale sicherten sich Lea Meyer und Robert Farken.
Jan-Henner Reitze

Es war ein Abend mit einer Reihe von absoluten Topleistungen am Donnerstag beim Diamond League-Meeting im Stadion Letzigrund von Zürich (Schweiz) - der von zwei Weltrekorden gekrönt wurde. Alison dos Santos (Brasilien) legte die 400 Meter Hürden in 45,80 Sekunden zurück und blieb damit 14 Hundertstel unter der Marke (45,94 sec), mit der Karsten Warholm (Norwegen) im Olympia-Finale 2021 in neue Sphären gelaufen war.

Der entthronte Weltrekordhalter war auch in dem Rennen. Schon in drei direkten Duellen in diesem Sommer zuvor hatte sich Karsten Warholm gegen Alison dos Santos geschlagen geben müssen. Und diesmal machte der Brasilianer das, wofür eigentlich der Norweger bekannt ist: Er ging an wie die Feuerwehr, hielt sein Tempo bis ins Ziel durch und steigerte seine Bestzeit vom WM-Gold 2022 (46,29 sec) um knapp eine halbe Sekunde. Karsten Warholm lief in 46,69 Sekunden als Zweiter durchs Ziel und gratulierte anerkennend. 

„Ich glaube, dieser Abend war unglaublich – für mich, für alle, die zugeschaut haben“, erklärte Alison dos Santos. „Ich war die ganze Saison über in Topform – ich bin schnell, ich bin stark. Ich starte schneller, ich ziehe stärker durch, und genau das muss ich tun, um einen Weltrekord zu brechen.“

Masai Russell unterbietet Weltrekord von Tobi Amusan

Schon mehrfach hat Hürden-Olympiasiegerin Masai Russell (USA) angedeutet, dass sie einen neuen Weltrekord in den Beinen hat. In Zürich stürmte die 26-Jährige zu 12,09 Sekunden und blieb damit drei Hundertstel unter der Bestmarke (12,12 sec) der Nigerianerin Tobi Amusan aus dem WM-Finale 2022. Die war auch in dem Rennen und lief in 12,23 Sekunden auf Rang zwei vor Europameisterin Nadine Visser (Niederlande; 12,34 sec).

„Als ich die 12,09 Sekunden auf der Anzeigetafel gesehen habe, wusste ich: Ich habe es geschafft“, erklärte Masai Russell. „Das war ein Moment, von dem ich geträumt habe. Ich habe mitbekommen, dass Alison vorher Weltrekord gelaufen ist. Das hat mich noch einmal zusätzlich motiviert.“

Armand Duplantis und Emmanouil Karalis scheitern erst an 6,32 Metern

Einmal mehr überragend war auch die Flugshow von Stabhochsprung-Weltrekordler Armand Duplantis (Schweden) und Emmanouil Karalis (Griechenland). Das Duell hat noch einmal an Klasse gewonnen. Beide Athleten sprangen im ersten Anlauf über 6,10 Meter. Der Schwede meisterte dann auch sofort 6,15 Meter. Dem Griechen gelang danach ein blitzsauberer Sprung über 6,20 Meter, mit dem er seinen Landesrekord um drei Zentimeter steigerte.

Armand Duplantis konterte erneut mit 6,25 Metern im ersten Versuch und sicherte sich damit den Sieg. Danach probierten sich beide Athleten noch dreimal vergeblich an der neuen Weltrekordmarke von 6,32 Metern.

Audrey Werro steigert sich erneut

Die 800 Meter der Frauen ging Femke Broeders-Bol (Niederlande) diesmal offensiver an und setzte sich zu Beginn des Rennens auf Position zwei hinter Tempomacherin Myrte van der Schoot (Niederlande), die nach 55,36 Sekunden die 400-Meter-Marke passierte und nach 500 Metern aus dem Rennen ging. Europameisterin und Lokalmatadorin Audrey Werro (Schweiz) lag bis zur Zielkurve hinter Femke Broeders-Bol, ging dann aber vorbei und zog unter dem Jubel ihrer Landsleute davon. Die Uhr blieb nach 1:53,71 Minuten stehen. 

Damit steigerte die Schweizerin ihre Bestzeit um weitere neun Hundertstel und näherte sich erneut dem ältesten Weltrekord in einer olympischen Disziplin von der Tschechin Jarmila Kratochvílová (1:53,28 min) aus dem Jahr 1983. 

Femke Broeders-Bol wurde für ihren mutigeren Angang mit ihrer ersten Zeit unter 1:55,00 Minuten belohnt. 1:54,71 Minuten bedeuteten außerdem wieder Landesrekord für die Umsteigerin von den 400 Meter Hürden. Als Dritte lief die Britin Georgia Hunter-Bell 1:55,03 Minuten.

Lea Meyer und Robert Farken sichern sich Ticket fürs Diamond League-Finale

Über 3.000 Meter Hindernis der Frauen musste Weltmeisterin Faith Cherotich (Kenia; 8:55,82 min) bis zur Ziellinie kämpfen, um ihre Landsfrau Doris Lemngole hinter sich zu lassen, die ihre Bestzeit auf 8:55,94 Minuten steigerte. Olympiasiegerin Winfred Yavi (Bahrain; 8:58,28 min) folgte als Dritte. Im Spurt der Verfolgerinnen sicherte sich die US-Amerikanerin Lexy Halladay (9:11,10 min) Rang vier vor der an diesem Abend besten Europäerin Elise Thorner (Großbritannien; 9:11,41 min).

Dahinter schob sich Europameisterin Gesa Felicitas Krause (Silvesterlauf Trier; 9:12,27 min) als Sechste noch an Lea Meyer (VfL Löningen; 9:13,50 min) vorbei. Der siebte Platz brachte der EM-Vierten genug Punkte ein, um sich einen Platz für das Finale der Diamond League in Brüssel (4./5. September) zu sichern. Gesa Felicitas Krause verpasste diese Qualifikation knapp. Als Achte steigerte Olivia Gürth (Silvesterlauf Trier; 9:15,07 min) ihre Bestzeit um eine Zehntel.

Ebenso einen Startplatz für das Diamond League-Finale sicherte sich Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig; 3:32,63 min) als Achter über 1.500 Meter. Es gewann der US-Amerikaner Cole Hocker (3:31,71 min) vor Phanuel Kipkosgei Koech (Kenia; 3:31,84 min) und Yared Nuguse (USA; 3:31,85 min).

Für Speerwerfer Thomas Röhler (LC Jena) reichten 79,86 Meter und Rang acht knapp nicht für ein Ticket fürs Diamond League-Finale. An der Spitze überragte einmal mehr der Aufsteiger des Sommers Rumesh Tharanga Pathirage (Sri Lanka) mit seinem nächsten Wurf deutlich über die 90-Meter-Marke (92,07 m).

Julien Alfred schlägt Melissa Jefferson-Wooden

Einige Seriensiegerinnen mussten sich in Zürich geschlagen geben. Emma Zapletalová (Slowakei), Siegerin bei fünf Diamond League-Meetings in diesem Sommer über 400 Meter Hürden, geriet diesmal an der neunten Hürde ins Straucheln und kam als Sechste (54,07 sec) ins Ziel. Siegerin Anna Cockrell (USA; 52,13 sec) stellte auch noch eine Weltjahresbestzeit auf, die zuvor die Slowakin (52,30 sec) gehalten hatte.

In einem hochklassigen und engen 100-Meter-Rennen der Frauen lag Olympiasiegerin Julien Alfred (St. Lucia; 10,70 sec) mit Landesrekord fünf Tausendstel vor der zeitgleichen Weltmeisterin Melissa Jefferson-Wooden (USA), die sich erstmals seit dem Olympia-Finale 2024 wieder über diese Distanz geschlagen geben musste. Hochsprung-Weltrekordlerin Yaroslava Mahuchikh (Ukraine) landete mit 1,96 Meter diesmal nur auf Rang vier. Mit 2,02 Metern entschied Weltmeisterin Nicola Olyslagers (Australien) den Wettbewerb für sich.

Die 200 Meter der Männer entschied Kenneth Bednarek (USA) in starken 19,62 Sekunden für sich. Außerhalb der Diamond Kategorie lief 800-Meter-Weltmeister Emmanuel Wanyonyi (Kenia) als Sieger 1:41,76 Minuten und lag damit nur sieben Hundertstel vor dem WM-Zweiten Djamel Sedjati (Algerien; 1:41,83 min). Weitsprung-Olympiasieger Miltiadis Tentoglou (Griechenland) setzte sich mit 8,45 Metern knapp gegen den Weltmeister von 2019 Tajay Gayle (Jamaika; 8,43 m) durch. Im Kugelstoßen triumphierte Jordan Geist (USA) mit Bestleistung (22,53 m).

Die Resultate finden Sie in unserer Ergebnisrubrik.

*vorbehaltlich Ratifizierung

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