Mit Emma Kaul und Moritz Bartko haben sich zwei Mehrkampf-Talente im ersten U23-Jahr die DM-Titel im Siebenkampf und Zehnkampf gesichert. Emma Kaul stürmte dabei über 800 Meter noch an Trainingskollegin Mareike Rösing vorbei, die erstmals die 6.000 Punkte übertraf. In der U23-Wertung lagen Leonie Kroter und Leon-Joel Clair vorn.
Der USC Mainz hatte am Sonntag im Siebenkampf gleich doppelt Grund zur Freude. Denn gleich zwei Mainzerinnen aus der Trainingsgruppe von Stefanie und Michael Kaul machten den DM-Titel im Siebenkampf unter sich aus: Emma Kaul und Mareike Rösing. Mit 6,01 Metern im Weitsprung und 45,86 Metern im Speerwurf (Kaul) beziehungsweise 6,03 Metern im Weitsprung und 46,44 Metern im Speerwurf (Rösing) begannen sie den zweiten Siebenkampf-Tag im Gleichschritt. So ging Mareike Rösing dank Halbzeitführung mit 5.228 Punkten von der Poleposition in die 800 Meter. Dahinter lauerte mit 5.180 Zählern Emma Kaul.
Auf den 800 Metern war es dann die U20-EM-Vierte des Vorjahres, die mit einem starken abschließenden Lauf den Titel klarmachte. Mit neuer Bestzeit von 2:11,33 Minuten sammelte Emma Kaul insgesamt 6.125 Zähler und erzielte damit zum dritten Mal in dieser Saison nach Götzis (6.104 pt) und Ratingen (6.152 pt) mehr als 6.100 Punkte. Mit 2:16,15 Minuten über 800 Meter durfte Mareike Rösing ebenfalls jubeln: Die 26-Jährige, deren Siebenkampf-Bestleistung bislang bei 5.936 Punkten gestanden hatte, feierte nicht nur ihren ersten 6.000er, sondern übertraf mit 6.105 Punkten sogar die 6.100-Punkte-Marke.
"Das ist ein super Erfolg für die Trainingsgruppe", freute sich Emma Kaul, die sich erst im ersten U23-Jahr befindet, sich aber bei den Deutschen Meisterschaften mit den "Großen" messen wollte. "Mareike und ich wollten beide 6.100 Punkte für sie. Und ich wollte auch noch mal an die 6.100 rankommen im dritten Siebenkampf des Jahres. Ich habe ein bisschen gehadert mit dem Mehrkampf, obwohl er von Grund auf solide war. Es gab keinen Ausreißer nach unten, aber auch keinen nach oben."
6.000 Punkte "übersprungen"
"Der Weitsprung war ein bisschen meine Wackeldisziplin wegen der Verletzung, die ich hatte", erklärte Mareike Rösing. "Da war es echt gut, dass ich nach dem ersten Sprung aufhören konnte, weil der Beuger doch noch ein bisschen zwickt. Das ist nicht nur mein erster 6.000er, sondern ich habe diese Marke übersprungen und direkt 6.100 gemacht. Dementsprechend bin ich sehr, sehr happy. Das Schöne für mich war auch, dass ich nie um Gold gelaufen bin, weil ich weiß, was Emma im Training läuft und was ich laufe."
Über ihre vierte Bestleistung im vierten Siebenkampf der Saison durfte sich die Bronzemedaillengewinnerin freuen: Paula de Boer (MTV Lübeck). Die 26-Jährige konnte im Weitsprung (6,05 m) und über 800 Meter (2:12,99 min) ebenfalls glänzen. In die Saison gestartet war sie mit einer Bestmarke von 5.537 Punkten und ist nun mit 5.903 Zählern ebenfalls auf dem besten Weg zum ersten 6.000er. In der Mannschaftswertung siegte die LG Telis Finanz Regensburg, die als einziger Verein drei Siebenkämpferinnen in die Wertung brachte.
Eine neue Gesamt-Bestmarke gab es auch für die Siegerin der U23-Wertung, die wie Emma Kaul erst 20 Jahre jung ist: Leonie Kroter (DJK SG Wasseralfingen) steigerte sich um 99 Punkte auf 5.680 Zähler. Grundsolide Leistungen am zweiten Tag ebneten ihr den Weg zum Titel vor Karoline Reidenbach (LAV Stadtwerke Tübingen; 5.347 pt) und Clara Seidel (LC Jena; 5.332 pt). Besonders glücklich war die frischgebackene Deutsche U23-Meisterin über ihr Hochsprung-Resultat von 1,80 Metern. "Ich bin in den letzten Wettkämpfen immer ganz knapp gescheitert, Deshalb bin ich glücklich, dass die Latte diesmal liegen geblieben ist", sagte sie.
Moritz Bartko stärkster Zehnkämpfer
Auch bei den Männern ging das beste Zehnkampf-Resultat auf das Konto eines Athleten im ersten U23-Jahr, der jedoch in der Männer-Wertung antrat: Moritz Bartko. Der Potsdamer, vor zwei Jahren Deutscher U20-Meister, schob sich von Platz vier am ersten Tag noch auf Rang eins nach vorn. Vor allem in den letzten drei Disziplinen konnte der 20-Jährige glänzen: Im Stabhochsprung schwang er sich über 4,90 Meter, im Speerwurf war er mit 62,79 Metern Tagesbester und mit der zweitbesten 1.500-Meter-Zeit von 4:30,77 Minuten machte er den Titel perfekt. Sein Resultat: 7.894 Punkte.
Silber gewann der Halbzeitführende Paul Kallenberg (USC Mainz) mit 7.622 Punkten vor Maximilian Karsten (VfL Wolfsburg; 7.458 pt). Heimfavorit Marcel Meyer (Hannover 96) zog sich im Hürdensprint eine Beugerverletzung zu und musste den Zehnkampf beenden.
"Wir haben beide in Ratingen schon was gezeigt und ich hätte gern noch mit ihm hier bei den Deutschen gekämpft, das wäre echt noch mal spannend geworden", sagte Moritz Bartko. "Trotzdem bin ich zufrieden, dass es geschafft ist, und wünsche Marcel gute Besserung." Ein wenig habe er noch mit den 8.000 Punkten geliebäugelt. "Aber darauf kann ich in der nächsten Saison aufbauen", so der Potsdamer, der in Ratingen bereits 8.180 Punkte erzielt hat.
Leon-Joel Clair in der U23 vorn
Die zweitmeisten Punkte sammelte der U23-Sieger, der ebenfalls im Jahr 2006 geboren ist: Leon-Joel Clair. Der Hallenser überzeugte am zweiten Tag vor allem mit 14,49 Sekunden im Hürdensprint und sammelte 7.714 Punkte. Nach seiner Bestleistung (7.881 pt) in Ratingen verbuchte er damit das nächste grundsolide Ergebnis.
Sein persönliches Highlight war allerdings eine Bestleistung in einer seiner schwächeren Disziplinen: "Auf jeden Fall die 50 Meter mit dem Speer. Ich habe das seit Jahren versucht, war aber immer bei 40-Meter-Weiten gefangen. Das heute war der Durchbruch." Sein Speer flog auf 50,63 Meter. Auch in der Mannschaftswertung lagen die Hallenser vorn. Silber und Bronze in der U23 gewannen Torben Prepens (TV Cloppenburg; 7.301 pt) und Ole Stein (1. LAV Rostock; 7.067 pt).