Vom 11. bis 13. September werden in Budapest die ersten World Athletics Ultimate Championships ausgetragen. Insgesamt geht es bei den 28 Entscheidungen um 10 Millionen US-Dollar Preisgeld. Warum wurde die Veranstaltung eingeführt? Welche deutschen Starter sind dabei? Und warum werden nicht alle Disziplinen ausgetragen? Wir beantworten für Sie vor der Premiere die wichtigsten Fragen.
Warum führt der Leichtathletik-Weltverband World Athletics dieses neue Format ein?
Da 2026 weder eine Weltmeisterschaft noch Olympische Spiele stattfinden, soll nach Angaben von World Athletics mit diesem Format die Lücke eines globalen Saisonhöhepunkts geschlossen werden. Ziel ist es, ein kompaktes Format mit hoher sportlicher Qualität und maximaler Aufmerksamkeit zu schaffen.
Also finden die World Ultimate Championships in Zukunft alle vier Jahre statt?
Nein, alle zwei. Die nächste Ausgabe hat World Athletics bereits für den August 2028 geplant. Also im Anschluss an die Olympischen Spiele in Los Angeles.
Wie sieht der Zeitplan aus?
Die World Ultimate Championships mit 26 Einzel- und zwei Mixed-Staffel-Wettbewerben werden von Freitag bis Sonntag (11. bis 13. September) mit jeweils einer Abendsession im Gyula-Zsivotzky-Stadion ausgetragen. Die Sessions dauern jeweils etwa drei Stunden. Zum Zeitplan.
Es werden also nur rund die Hälfte der 50 olympischen Leichtathletik-Wettbewerbe ausgetragen. Warum?
Die Veranstaltung wurde von World Athletics bewusst als kompaktes Format mit drei Sessions angelegt. Eine WM umfasst in der Regel neun Wettkampftage mit 13 oder 14 Sessions. Daher konnten nicht alle Disziplinen berücksichtigt werden. Laut World Athletics ist das Ziel, in jeder Session eine Mischung von Disziplinen anzubieten, die Spannung erzeugt und das Publikum durchgehend ins Wettkampfgeschehen einbindet.
Welche Disziplinen finden denn nicht statt?
Straßenwettbewerbe wie Marathon oder Gehen sind gar nicht vertreten. Von den acht Wurfdisziplinen werden bei den Männern Hammer- und Speerwurf ausgetragen, bei den Frauen nur Speerwurf. Von den acht Sprungdisziplinen fehlt der Männer-Dreisprung, die 3.000 Meter Hindernis bei Frauen und Männern ebenfalls. Als Langstrecke stehen die 5.000 Meter auf dem Programm, als Staffelwettbewerbe die 4x100 und 4x400 Meter Mixed.
Wie konnte man sich für einen Start im Budapest qualifizieren?
Automatisch qualifiziert waren die Olympiasieger von Paris 2024, die Weltmeister von Tokio 2025 sowie, falls noch nicht qualifiziert, die Sieger der Diamond-League-Saison 2026. Die restlichen Positionen – zwischen 8 und 16 Starterinnen und Starter sind pro Disziplin dabei – wurden über die Weltrangliste vergeben. Außerdem gab es Startplätze für die Gastgebernation Ungarn und drei „außergewöhnliche Einladungen“. Die gingen an die Lauf-Weltrekordler Josh Kerr (Großbritannien), Jakob Ingebrigtsen (Norwegen) und Hochspringer Gianmarco Tamberi (Italien). Das neue Format soll die Frage beantworten, wer tatsächlich der „Champion der Champions“ ist. Insgesamt sind 381 Starterinnen und Starter aus 65 Nationen dabei. Zur Meldeliste.
Ist die maximale Anzahl der Starterinnen und Starter pro Teilnehmernation denn begrenzt?
Nein, eine Begrenzung wie bei internationalen Meisterschaften mit maximal drei Athletinnen und Athleten pro Disziplin (mit Wildcard vier) und Nation gibt es nicht. So sind beispielsweise über 5.000 Meter der Frauen sechs Äthiopierinnen dabei und über 110 Meter Hürden sechs US-Sprinter.
Und welche deutschen Athletinnen und Athleten sind in Budapest dabei?
Über das World Ranking haben sich fünf Starter qualifiziert: Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig; 1.500 m), die 400-Meter-Hürden-Läufer Emil Agyekum (SCC Berlin) und Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV) sowie Merlin Hummel (Eintracht Frankfurt; Hammerwurf) und Speerwurf-Europameister Julian Weber (USC Mainz). Dazu kommt die Mixed-Staffel über 4x100 Meter. Diese hatte mit Rang vier bei den World Relays die Qualifikation geschafft. Nur die Staffel-Nominierung erfolgt über die nationalen Verbände. Für den DLV starten Kevin Kranz (Sprintteam Wetzlar), Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV), Robin Ganter, Sina Kammerschmitt (beide MTG Mannheim), Chelsea Kadiri (Sprintteam Wetzlar) und Jolina Ernst (TV Wattenscheid 01).
Werden die Athletinnen und Athleten denn im Nationaltrikot starten?
Ja, wie bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen wird in Budapest das jeweilige Nationalmannschafts-Outfit getragen.
Wie können deutsche Leichtathletik-Fans die Ultimate Championships verfolgen?
Die ARD überträgt die drei Wettkampftage komplett im Livestream und in der ARD-Mediathek (Smart-TV). Die genauen Zeiten und die jeweiligen Links zu finden Sie hier.
World Athletics hat vom bisher größten Preisgeld-Topf der Leichtathletik-Geschichte gesprochen. Wie hoch ist das Preisgeld?
Insgesamt werden 10 Millionen US-Dollar ausgeschüttet (ca. 8,6 Millionen Euro). Die 26 Siegerinnen und Sieger der Einzeldisziplinen erhalten 150.000 US-Dollar, Platz zwei wird mit 75.000 US-Dollar honoriert, Rang drei mit 40.000 US-Dollar. Zum Vergleich: Beim Diamond-League-Finale vergangenes Wochenende in Brüssel wurde der Sieg mit 30.000 US-Dollar honoriert, nur die acht Siegerinnen und Sieger der „Diamond Plus“-Disziplinen erhielten 60.000 US-Dollar. Bei den beiden Staffeln in Budapest beträgt das Preisgeld für die Plätze eins bis drei 80.000, 40.000 und 24.000 US-Dollar. Wichtig ist: Alle Platzierungen werden mit Preisgeld honoriert. Auch Rang 16 in Sprints, dort werden Halbfinals ausgetragen, ist noch 2.000 US-Dollar wert.
Erhalten die Top 3 pro Disziplin denn auch Medaillen?
Nein, die Organisatoren verzichten bewusst auf Gold-, Silber- und Bronzemedaillen. Stattdessen erhält jeder Teilnehmer ein personalisiertes Armband als Symbol für die Teilnahme. Die Sieger bekommen eine speziell entwickelte Trophäe, die erst durch das Einsetzen des jeweiligen Armbands vollständig wird (Foto in der Bildergalerie).
Gibt es Regelanpassungen bei den Ultimate Championships?
Ja, eine sehr wichtige Anpassung betrifft die Horizontalsprünge und die Wurfdisziplinen. Alle acht Athletinnen und Athleten haben zwei Versuche, danach verbleiben die sechs Besten im Wettbewerb, den vierten und letzten Versuch bestreiten nur noch die vier Führenden. Durch das Wegfallen der Durchgänge fünf und sechs werden natürlich alle bestrebt sein, schon in den frühen Versuchen eine Top-Weite abzuliefern. Darüber hinaus sind beim Hoch- und Stabhochsprung Gleichstände um Platz eins ausgeschlossen. Falls nötig, entscheidet ein Stechen über den Sieg.
Auch bei den 200 Metern gibt es Änderungen …
… ja, was die Bahnverteilung betrifft. Die bestimmen die Sprinterinnen und Sprinter nun selbst. Sie dürfen am Vortag der Rennen entsprechend ihrer Weltranglistenposition selbst auswählen, in welchem Halbfinale und auf welcher Bahn sie starten möchten.