| München 2031

Fragen und Antworten zur Leichtathletik-WM in München

Das voll besetzte Münchner Olympiastadion bei einer Leichtathletik-Veranstaltung © Marc Müller / München 2022
Das Council des Leichtathletik-Weltverbandes World Athletics hat am Dienstag die Weltmeisterschaften 2031 nach München vergeben. Damit ist Deutschland nach 1993 (Stuttgart) und 2009 (Berlin) zum dritten Mal Ausrichter des Leichtathletik-Highlighst. Wir beantworten einige wichtige Fragen rund um die WM 2031.
Martin Neumann

Welchen Stellenwert hat eine Leichtathletik-WM im internationalen Sportkalender?
Die Leichtathletik-WM ist nach den Olympischen Spielen das internationalste Sportevent der Welt. Oft sind mehr als 200 Nationen am Start. Der Rekordwert wurde 2019 in Doha (Katar) mit 206 teilnehmenden Nationen erzielt. 2025 in Tokio waren 198 Nationen vertreten. Das beweist eindrucksvoll, dass die Leichtathletik die internationalste Sportart der Welt ist. Zum Vergleich: Bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo (Italien) nahmen 92 Nationen teil.

Wie viele Sportlerinnen und Sportler werden bei der WM 2031 dabei sein?
Zuletzt waren bei Weltmeisterschaften immer mehr als 2.000 Sportlerinnen und Sportler dabei. Allerdings ist der Marathonlauf von 2031 nicht mehr Teil einer Leichtathletik-WM. Die Rennen über die 42,195 Kilometer werden von 2030 an als eigenständige Weltmeisterschaft ausgetragen, jährlich abwechselnd mit den Entscheidungen bei Männern und Frauen. Der bisherige Teilnehmerrekord bei einer WM stammt aus dem Jahr 2025. In Tokio starteten 2.202 Athletinnen und Athleten. Erstmals wurde die Marke von 2.000 Teilnehmenden bei der WM 2009 mit 2.101 Starterinnen und Startern übertroffen.

Wann genau findet die Leichtathletik-WM statt?
Das steht noch nicht fest. Die Terminierung erfolgt in Abstimmung zwischen World Athletics und dem Münchner Organisationskomitee zu gegebener Zeit. In der Regel umfasst eine Leichtathletik-WM neun Wettkampftage von Samstagvormittag bis einschließlich Sonntagabend in der Folgewoche. Laut World Athletics sollen die Weltmeisterschaften 2029 in Nairobi und 2031 in München wie die WM 2027 in Peking (10. bis 19. September) ebenfalls im September ausgetragen werden. Ziel von World Athletics ist es, dass der weltweite Leichtathletik-Kalender am Ende der Saison mit einer großen Meisterschaft seinen Höhepunkt erreicht. Die bisher in Europa ausgetragenen Weltmeisterschaften fanden zumeist Mitte bis Ende August statt.

Warum ist München so gut als Ausrichter für eine Leichtathletik-WM geeignet?
Die WM mit dem Olympiapark als Zentrum wird eine WM der kurzen Wege. Mit diesem Pluspunkt konnte München schon häufig überzeugen. Unvergessen bleiben die Olympischen Spiele 1972 in München. 30 bzw. 50 Jahre später folgten die beiden Leichtathletik-Europameisterschaften im Olympiastadion. Auch 2031 sollen die Sportlerinnen und Sportler gemeinsam mit den Fans im Fokus stehen. Das Olympiastadion und der umliegende Olympiapark bilden eine Einheit. Der Park schafft den Rahmen für den besonderen Flair eines Kunst- und Kulturfestivals. Beides zusammen ermöglicht den Besucherinnen und Besuchern ein einzigartiges Gesamterlebnis. Darüber hinaus ermöglicht der Olympiapark großzügige Aufwärm- und Trainingsflächen. Ziel ist, Athletinnen und Athleten optimale sportliche Bedingungen zu bieten und zugleich eine hohe Aufenthaltsqualität für Fans und Gäste sicherzustellen.

Kann die gesamte Leichtathletik von einem solchen Großereignis in Deutschland profitieren?
Auf jeden Fall – das ist auch das Ziel des DLV. Die WM transportiert die Faszination der olympischen Kernsportart hautnah zu den Menschen in Deutschland und kann bis weit darüber hinaus wirken. „Wenn nach München mehr Kinder Leichtathletik ausprobieren, mehr Jugendliche im Sport bleiben, Vereine stärker sind, neue Trainerinnen, Trainer und Engagierte gewonnen wurden, Wissen und Infrastruktur verbessert wurden und unsere Athletinnen und Athleten international bessere Bedingungen vorfinden, dann hat diese Weltmeisterschaft ihre volle Wirkung entfaltet“, erklärt DLV-Vorständin Dr. Kristin Behrens.

Nach 1993 in Stuttgart und 2009 in Berlin findet zum dritten Mal eine Leichtathletik-WM in Deutschland statt. Wie wurden die beiden Weltmeisterschaften damals wahrgenommen und welche Effekte hatten sie?
Die beiden Weltmeisterschaften waren Feiertage für die Leichtathletik. Die WM in Stuttgart verfolgten 585.000 Fans im Neckarstadion. Für „das große Zuschauerinteresse, die Fachkunde und Begeisterung des Publikums“ wurden die Besucherinnen und Besucher der Weltmeisterschaften mit dem Fairplay-Preis der Unesco ausgezeichnet. Alle Teilnehmenden wurden mit Respekt und Beifall von den Rängen bedacht. Symbolisch für die Stimmung: die La Ola der Fans. Die WM 2009 in Berlin bleibt als Sternstunde von Usain Bolt unvergessen. Der Jamaikaner stellte mit 9,58 Sekunden (100 m) und 19,19 Sekunden (200 m) die immer noch gültigen Sprint-Weltrekorde auf. Bis zu 75.000 Fans pro Tag verfolgten die Wettkämpfe im Olympiastadion. Den Fernseher schalteten abends bis zu 10 Millionen Deutsche ein. Ein Beleg der hohen Anziehungskraft der Sportart.

Warum werden Leichtathletik-Weltmeisterschaften eigentlich erst seit 1983 ausgetragen, Europameisterschaften aber schon seit 1934?
Weil vor beiden Meisterschaften bereits seit 1896 die Olympischen Spielen ausgetragen wurden. Über fast 90 Jahre fungierten diese als „inoffizielle Leichtathletik-Weltmeisterschaft“. Allerdings finden die Olympischen Spiele nur alle vier Jahre statt. Seit 1983 in Helsinki wird nun eine WM im vorolympischen Jahr ausgetragen. Seit der WM 1993 in Stuttgart etablierte der Leichtathletik-Weltverband World Athletics den Zwei-Jahres-Rhythmus. So war es in den 1930er-Jahren der logische Schritt, mit der EM eine kontinentale Meisterschaft einzuführen.

2031 hört sich noch sehr weit weg an. Aber es sind tatsächlich nur noch fünf Jahre. Welche aktuellen deutschen Top-Stars werden voraussichtlich 2031 dabei sein? Und welche Talente können bis dahin den nächsten Leistungsschritt gemacht haben?
Viele deutsche Top-Athletinnen und -Athleten könnten 2031 im besten Leichtathletikalter an den Start gehen. Hammerwerfer Merlin Hummel (Eintracht Frankfurt) ist dann noch keine 30. Sprint-Europameister Owen Ansah (Hamburger SV) hat genau dieses Alter erreicht. Zehnkampf-Star Leo Neugebauer (VfB Stuttgart) ist dann 31 Jahre alt. Die aktuell zur U20-Klasse zählenden Talente werden dann 23 bzw. 24 Jahre alt sein und haben mit der WM in München ein absolut lohnendes Ziel vor Augen. Besonders gilt das natürlich für die Münchner Talente wie Clara Hegemann (Hammerwurf) und Langstreckler Maximilian Rath (beide LG Stadtwerke München).

Und wie sieht es mit den internationalen Stars aus?
Obwohl Jakob Ingebrigtsen (Norwegen) und Armand Duplantis (Schweden) die Laufstrecken bzw. den Stabhochsprung auf internationaler Bühne schon seit Jahren prägen, sind 2031 beide erst 30 bzw. 31 Jahre alt. Blickt man auf den Sprintbereich sind auch Alison dos Santos (400 m Hürden; Brasilien) mit 31 Jahren sowie Sprint-Star Melissa Jefferson-Wooden (USA) mit dann 30 Jahren im besten Leichtathletik-Alter.

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