Johannes Vetter ist neuer Leichtathletik-Pate von „Jugend trainiert für Olympia & Paralympics“. Der Speerwurf-Weltmeister von 2017 erinnert sich selbst noch gut an seine Zeit beim Schulsportwettbewerb. Besonders hängengeblieben ist bei ihm der Teamgedanke – und ein verpasster Traum vom Bundesfinale.
Als Speerwurf-Weltmeister und Deutscher Rekordler mit 97,76 Metern hat Johannes Vetter (LG Offenburg) seine größten Erfolge gefeiert. Doch der 33-Jährige hat seine eigenen Anfänge im Sport nicht vergessen. Daher hat der Speerwerfer die Rolle als Leichtathletik-Pate für „Jugend trainiert für Olympia und Paralympics“ gern übernommen. Vetter kennt den Wettbewerb aus eigener Erfahrung – und hat vor allem das Gefühl nicht vergessen, was es bedeutet, als Einzelsportler Teil einer Mannschaft zu sein.
„Ich kann mich definitiv noch an meine eigenen ‚Jugend trainiert‘-Teilnahmen zurückerinnern“, sagt der 33-Jährige. Aufgewachsen in Sachsen, erlebte er die Landesfinals als Duelle der großen Sportgymnasien. „Sportgymnasium Leipzig gegen Sportgymnasium Chemnitz gegen Sportgymnasium Dresden. Das waren meistens die drei großen Favoriten.“
Vetters „riesengroßer Traum“ vom Bundesfinale
Vetter selbst besuchte die Eliteschule des Sports in Dresden, schaffte es allerdings nie zum Bundesfinale nach Berlin. „Das war aber immer ein riesengroßer Traum von mir, weil ich die ganzen Geschichten von den älteren Jahrgängen gehört hatte, wie gut das dort war.“ In einem Jahr war er mit seiner Mannschaft ganz nah dran. „Wir waren im Landesfinale einmal superkurz davor. Wir waren die beste Mannschaft, und dann hat unsere Hauptstaffel, wirklich in der letzten Disziplin, einen Staffelstab fallen lassen.“
Das Scheitern hat die Erinnerung allerdings nicht getrübt – im Gegenteil. „Also ich fand es einen mega, wirklich einen mega geilen Wettbewerb.“ Denn für Vetter war „Jugend trainiert“ etwas, das er als Einzelsportler im normalen Wettkampfalltag aus dem Vereinssport so nicht kannte. „Diesen Wettkampf als Team zu bestreiten, war als Einzelsportler einfach eine supergeile Sache. Wenn die anderen Pause hatten, feuerten sie mich an. Und wenn ich Pause hatte, bin ich zu ihnen gegangen, um sie anzufeuern. Das hat mir super viel Spaß gemacht.“
Vom Fernsehzuschauer zum Olympia-Athleten
Vetters Interesse für den Leistungssport wurde bereits in jungen Jahren geweckt – und zwar vor dem Fernseher. Als kleines Kind schaute er dort Olympische Spiele und sagte zu seinen Eltern: „Boah, da will ich auch mal hin.“ Einfach, weil er es cool fand, was er da sah. „Ich hab das in jungen Jahren aber nie forciert.“ Stattdessen ging es in der Leichtathletik mit Freude und Einsatzbereitschaft über viele Jahre Schritt für Schritt: Schülerwettkämpfe, Landesmeisterschaft, Deutsche Meisterschaft, U20- und U23-Europameisterschaft, Team-Europameisterschaft, Weltmeisterschaft, schließlich Olympia.
Geebnet war der Weg, gerade auch im Jugendbereich, von Erfolgen und Misserfolgen. Vetter hat selbst früh erfahren, dass sportliche Entwicklung nicht immer geradlinig verläuft, ist aber „dennoch am Ball geblieben“, wie er es ausdrückt. Seine Lehre daraus: „Kleine Brötchen backen und dann wird ein großer Kuchen draus. Es gibt immer Situationen, in denen sich Türen schließen, aber auch viele andere öffnen können.“
Noch immer geht Vetter beinahe täglich und, wie er sagt, „sehr gerne“ ins Training. Gleichzeitig bereitet er sich längst auf sein Leben nach der Leistungssportkarriere vor. Im Grunde hat die Transformation bereits begonnen. Vetter engagierte sich in den vergangenen Jahren in seiner Wahlheimat Baden-Württemberg kommunal- und landespolitisch. Er denkt über Familienplanung nach und baut gerade ein Haus. Demnächst wird er wohl in Saarbrücken ein Fernstudium beginnen.
Schulsport-Wettkampf: Olympische Spiele im Kleinen
Auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Herbstfinales 2026 in Berlin wartet nun ein Erlebnis, das Johannes Vetter selbst als Schüler nie erleben durfte. Sein Wunsch an sie ist entsprechend herzlich und gleichzeitig sehr passend zu seiner eigenen „Jugend trainiert“-Erfahrung: „Genießt die Zeit. Nehmt diesen Spirit von Olympischen Spielen im Kleinen mit und macht da vielleicht selber etwas Großes draus.“
Er empfiehlt, sich mit Sportlerinnen und Sportlern aus anderen Bundesländern auszutauschen, neugierig zu bleiben und Berlin kennenzulernen. Und vor allem sollten die Jugendlichen sich bewusst machen, was sie bereits geleistet haben: „Denkt daran, dass ihr aus so vielen Schülerinnen und Schülern in ganz Deutschland eine ganz kleine Auswahl seid, die es geschafft haben, das Bundesfinale zu erreichen. Da könnt ihr echt stolz drauf sein.“
Es ist ein Rat, den Johannes Vetter aus eigener Erfahrung gibt. Er weiß, wie es sich anfühlt, einen Traum knapp zu verpassen. Und er weiß, wie viel daraus trotzdem entstehen kann. Sein eigenes „Jugend trainiert“-Erlebnis endete einst vor dem Bundesfinale. Der Teamgedanke aber ist geblieben – und mit ihm die Begeisterung für einen Wettbewerb, den er heute als Pate der nächsten Generation ans Herz legen möchte.
Die Leichtathletik-Wettkämpfe beim Bundesfinale von „Jugend trainiert für Olympia & Paralympics“ finden am Mittwoch und Donnerstag im Berliner Mommsenstadion statt. Mehr Infos finden Sie auf der Website der Veranstaltung, zu den Ergebnissen geht es hier.