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Carlo Paech - Einen Schritt zurück, zwei nach vorn

Bei der Hallen-DM in Leipzig haben sieben DLV-Athleten ihren ersten nationalen Einzeltitel geholt. leichtathletik.de stellt sie in einer Serie vor. Heute: Stabhochspringer Carlo Paech (TSV Bayer 04 Leverkusen).
Jan-Henner Reitze

<link https: www.leichtathletik.de nationalmannschaft athletenportraet athlet detail carlo-paech _blank>Carlo Paech
TSV Bayer 04 Leverkusen

*18. Dezember 1992
Größe: 1,90 Meter
Gewicht: 84 Kilo

Stabhochsprung
Bestleistung: 5,80 Meter (2015)
Silber U18-WM 2009
Siebter U20-EM 2011
Deutscher Hallenmeister 2016

Silber und Bronze bei den Deutschen Meisterschaften drinnen und draußen sowie die Teilnahmen an der Hallen-EM in Prag (Tschechische Republik) und der WM in Peking (China): Das ist die Meisterschafts-Bilanz von Carlo Paech des Jahres 2015. Der vergangene Winter zeigt, dass seine Leistungsentwicklung weiter nach oben zeigt.

Bei der Hallen-DM in Leipzig erklomm der 23-Jährige auf nationaler Ebene erstmals den Platz ganz oben auf dem Treppchen, Vize-Weltmeister Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken) war kurzfristig ausgefallen. Bei der Hallen-WM in Portland (USA) belegte Carlo Paech den zehnten Platz, sein bisher bestes internationales Ergebnis. Außerdem überflog er 2016 schon dreimal 5,70 Meter oder mehr und überbot damit die Hallen-Bestleistung (5,65 m) des vergangenen Jahres. Im Freien steht die Bestleistung bei 5,80 Metern.

All das sind Daten eines aufstrebenden Athleten, der sich in der internationalen Spitze etabliert und die sich lesen, als laufe alles nach Plan. Und so ist es auch im Moment. Doch der junge Leverkusener hat auch schon eine andere, unerfreuliche Seite des Sportlerlebens kennen lernen müssen.

Talent früh erkannt – dann Sprungblockade

Zur Leichtathletik gekommen ist der gebürtige Berliner, der vor den Toren der Stadt aufwuchs, über seine Mutter, die gleichzeitig seine erste Trainerin war und ihren Sohn im Grundschulalter mit auf den Sportplatz nahm. Besonderes Talent offenbarte sich im Stabhochsprung, wo es schon in den Nachwuchsklassen um nationale und internationale Titel ging. Bei der U18-WM in Brixen (Italien) gewann Carlo Paech 2009 Silber, zwei Jahre später überwand er schon 5,50 Meter.

Die logische Folge nach den Erfolgen in den Nachwuchsklassen: Wechsel und Umzug in die Stabhochsprung-Hochburg Leverkusen. Doch das neue Umfeld brachte nicht den erhofften Schub Richtung internationaler Spitze, im Gegenteil. Die einschneidenden Veränderungen im Alltag und die damit verbundene Unruhe mündeten in Unsicherheit, Zweifeln bis hin zur Blockade bei dem, was eigentlich die große Leidenschaft ist, dem Stabhochspringen. Der Traum von Höhenflügen wurde zur Last. Carlo Paech konnte einfach nicht mehr abspringen, legte den Stab zwischenzeitlich sogar zur Seite, verlor seine Kaderzugehörigkeit und begann eine Ausbildung bei der Landespolizei Nordrhein-Westfalen.

Erfolgreiches Comeback

Mit etwas Abstand tastete sich der damals 21-Jährige dann doch wieder zurück, absolvierte erste, ungezwungene Einheiten in der Trainingsgruppe von Michael Kühnke, wunderte sich selbst ein wenig, wie gut alles Nötige für das Stabhochspringen doch noch in seinem Kopf und Körper eingespeichert war - lange hatte er doch genau danach so sehr gesucht. Das Training lief im weiteren Verlauf so gut, dass ein Comeback im Wettkampf möglich wurde.

Die Auswahl des Ortes für dieses Vorhaben fiel nicht schwer: Potsdam. Den Wettkampfort im Sterncenter dort verbindet Carlo Paech mit sportlich erfolgreichen Momenten und positiven Emotionen. Und diesmal kam hier der bisher größte Moment seiner bisherigen Karriere dazu und markierte eine Zeitenwende. Mit 5,65 Metern ging es gleich so hoch hinaus wie nie zuvor, im weiteren Verlauf des Jahres 2015 gelang es ihm in elf Wettkämpfen, mindestens eine genauso starke Höhe zu meistern. Dem Schritt zurück, weg vom Sport, folgte der Satz in die Spitze. Der Fahrplan zur Karriere im Spitzensport war wieder aufgenommen.

Nach vorne blicken – Richtung Olympia

Über diese schwierige Zeit spricht Carlo Paech heute ungern - verständlich. Denn eine eindeutige Erklärung für die Blockade gibt es nicht, genauso wenig einen Schalter, der sie wieder aufgehoben hat. Somit bleibt das Bewusstsein, auf das innere Gleichgewicht auch in Zukunft Acht zu geben, sowie im erfolgreichen Hier und Jetzt zu leben und nach vorne zu blicken.

Ein wichtiger Faktor auf diesem Weg ist sein Trainer Michael Kühnke. "Er hat einfach das Händchen, bei mir die Lockerheit wieder hervorzuholen, wenn sie mal abhandenkommt", erklärt Carlo Paech, der nach der durch den späten Termin der WM langen Hallensaison nahtlos in die Vorbereitung auf den Sommer eingestiegen ist und sich zu Hause in Leverkusen in Form bringt.

Zum Saisoneinstieg ist eine Reise in die USA geplant, wo schon Ende April erste Wettkämpfe auf dem Programm stehen sollen. "Ich möchte die Olympia-Norm früh abhaken, um dann - zurück in Deutschland - befreit Wettkämpfe zur Vorbereitung auf die DM und EM absolvieren zu können", beschreibt der Deutsche Hallenmeister seine Pläne für die kommenden Monate. Der Traum von Olympia hat ihn durch alle Höhen und Tiefen der Karriere begleitet. Die dafür geforderten 5,70 Meter hat er innerhalb des vergangenen Jahres in neun Wettkämpfen gemeistert. Die Grundlage also stimmt, damit der Karriere weitere Meilensteine hinzugefügt werden können - zum Beispiel der Einzug ins Olympia-Finale.
 
Video: <link video:13795>Carlo Paech fliegt am höchsten

Das sagt Bundestrainer Jörn Elberding:

Die Entwicklung seit dem vergangenen Jahr ist sehr gut - und war so nicht zu erwarten. In Jugendzeiten ist Carlo schon sehr früh 5,50 Meter gesprungen. Zwischenzeitlich ging es nicht immer nur nach oben. Leverkusen hat einerseits Athleten und Trainer, die einen auffangen können. Auf der anderen Seite gibt es mehrere Trainingsgruppen, zusätzlichen Druck und eine eigene Dynamik. Für Carlo war es ganz wichtig, durch die Ausbildung bei der Polizei sozial abgesichert zu sein. Dazu ist sein Trainer Michael Kühnke eine wichtige Bezugsperson geworden. Die beiden sind ein sehr gutes Gespann. Carlo verfügt über ein enormes Kraft- und Schnellkraftpotential, das er schnell aufbauen kann. Reserven sehe ich erstens noch in der Kontinuität der Technik und zweitens darin, sich im Wettkampf und dem Drumherum auf die verschiedenen Bedingungen einzustellen. Für Carlo ist es nochmal wichtiger als für andere Athleten, über Wettkämpfe Stabilität zu finden. Ich traue ihm auf jeden Fall zu, wieder in die Region um 5,80 Meter zu springen.

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