| Interview

Blanka Dörfel: „Vom Training her hätte es auch schneller werden können“

Die Berliner Langstrecklerin Blanka Dörfel läuft allein auf einer roten Kunstoffbahn. © Theo Kiefner
Es war der Überraschungssieg des Wochenendes: Blanka Dörfel (Berlin Athletics) stürmte bei der Langstrecken-DM am Wochenende in Celle als Frontrunnerin zum Titel über 10.000 Meter. Die Goldmedaille veredelte sie mit 31:53,60 Minuten und damit der EM-Norm. Im Interview der Woche spricht die 24-Jährige über ihr Training in Neuseeland, ihre weiteren Saisonziele mit der EM in Birmingham und welche Rolle für sie große Marathonläufe spielen.
Birte Grote

Blanka Dörfel, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem starken Rennen in Celle und der EM-Norm! Es gab viele Favoritinnen im Rennen. Sind Sie selbst auch überrascht, dass Sie den Titel gewonnen haben?

Blanka Dörfel:
Ja, ich hätte nicht gedacht, dass ich den Titel hole. Ich wusste, dass ich so eine Zeit laufen kann, aber ich habe nicht damit gerechnet, dass das Rennen heute so ausgeht. Ich weiß ja, wie schnell die anderen sind, deswegen bin ich wirklich baff, dass ich gewonnen habe.

Auf der Straße sind Sie schon unter 32 Minuten geblieben. Nun haben Sie auch Ihre Bahn-Bestzeit um knapp zwei Minuten nach unten gedrückt und sind in diesen Bereich vorgestoßen.

Blanka Dörfel:
Ich wusste, dass ich so eine Zeit laufen kann. Meinen Trainingsleistungen nach zu urteilen, hätte es auch schneller sein können. Ich wusste, dass ich gut drauf bin. Der Aufbau war gut. Mir kamen auch die Temperaturen entgegen. Ich laufe wirklich gern, wenn es warm ist.

Sie haben von Anfang an so aufs Tempo gedrückt, war die EM-Norm das große Ziel des Tages?

Blanka Dörfel:
Nein, ich wollte einfach ein gutes Rennen laufen und mich gut fühlen. Ich bin direkt nach vorn gegangen, aber weiß nicht, warum. Es hat sich einfach so ergeben, dass ich in dem Tempo am besten im „Flow“ bleiben konnte. Mein Ziel ist es immer nur, dass ich mich gut fühle im Rennen und dass ich Spaß habe.  

Haben Sie im Rennen an die EM-Norm gedacht, als Sie gut auf Kurs lagen?

Blanka Dörfel:
Nein, ich wusste zwar, dass die Norm bei 32:00 Minuten liegt, aber ich habe keine Zwischenzeiten gehört. Das hätte mich abgelenkt und ich hätte vielleicht meinen Rhythmus verloren. Nur auf den letzten 200 Metern habe ich zur Uhr geschaut und da stand dann, glaube ich, ungefähr 31:16 Minuten. Und dann wusste ich: Jetzt muss ich mich beeilen.

Nach vielen Erfolgen in der Jugend haben Sie nun den ersten DM-Titel in der Frauenklasse gewonnen. Was bedeutet Ihnen das?

Blanka Dörfel:
Das ist schwer zu sagen. Ich bin einfach froh, dass sich die Arbeit, die mein Trainer und ich da reingesteckt haben, ausgezahlt hat. Ich möchte meinen Trainer Dieter Hoogen natürlich stolz machen. Er bedeutet mir sehr viel. Wir haben ein sehr enges Verhältnis. Ich bin ihm so unfassbar dankbar für alles, was er für mich macht.

Wie haben Sie die Vorbereitung auf die Saison gestaltet?

Blanka Dörfel:
Über den Winter waren wir in Neuseeland und haben dort in der Wärme trainiert. Zuletzt waren wir dann vier Wochen in Boulder. Ich liebe es da. Wir trainieren in der Höhe und es sind angenehme Temperaturen für mich und die Strecken sind sehr schön. Man muss an nichts denken und kann kilometerlang laufen, ohne dass einem etwas entgegenkommt. Ich mag es auch, wenn man da schön gegen den Wind rennen kann. Das ist ein gutes Training.

Worauf haben Sie im Training zuletzt besonders großen Wert gelegt?

Blanka Dörfel:
Ich bin eine Person, die sowieso immer gern Longruns macht. Das ist meine liebste Trainingseinheit. Unser Fokus liegt generell sehr auf hohen Umfängen. Da ich in der Zukunft Marathon-Starts plane, kommt mir das sehr entgegen. Ich denke aber, dass wir nun auch wieder einige Tempo-Einheiten einbauen werden.

Sie hatten im vergangenen Winter einen Marathonstart in den USA anvisiert, den Sie dann kurzfristig absagen mussten. Ist ein neuer Marathon-Start in der nahen Zukunft geplant?

Blanka Dörfel:
Ja, ich habe dann eine Woche vorher die Grippe bekommen. Das war sehr schade. Aber ich habe dann schon zu meinem Trainer gesagt, dass das vielleicht so sein musste. Mein chinesisches Sternzeichen ist das Pferd und dieses Jahr haben wir das Jahr des Pferdes. Ich glaube daran, dass das mein Jahr wird und es vielleicht so sein sollte, dass ich dieses Jahr meinen ersten Marathon laufe. Ich habe aber noch keine genaue Planung im Kopf, wann und wo ich den laufen werde.

Die Marathon-Distanz scheint eine große Bedeutung für Sie zu haben.

Blanka Dörfel:
Ja, jeder Marathon ist ganz besonders: Ob die großen Marathons in den USA oder in Berlin, wo ich ja seit einigen Jahren lebe. Ich mag die ikonischen Läufe generell sehr gern und habe den großen Traum, mal einen Major-Marathon zu gewinnen.

Wie sieht Ihre weitere Saisonplanung aus?

Blanka Dörfel:
Ich werde am Sonntag in Mainz den Halbmarathon laufen und hoffe, dass ich da wieder einen Lauf habe, bei dem ich gut zu meinem Flow finden werde. Ein negativer Split wäre schön. Weiter haben wir aber noch nicht geplant, ich kann mir aber auch gut vorstellen, die 5.000 Meter bei den Deutschen Meisterschaften zu laufen. Da ist meine Bestzeit noch nicht da, wo ich sie haben möchte.

Jetzt sind Sie die EM-Norm gelaufen und werden als Deutsche Meisterin bei der Nominierung bevorzugt berücksichtigt.

Blanka Dörfel:
Ja, das ist Wahnsinn! Da ich nie gedacht hätte, dass ich in Celle gewinne, habe ich mich bisher auch noch nicht damit beschäftigt. Aber natürlich hatte ich mit einem Auge schon mal darauf geschielt, denn ich wollte auch schon immer gern einmal nach Birmingham. Ich kann mir einen Start dort sehr gut vorstellen. Am schönsten wäre es, wenn ich dazu auch noch die 5.000 Meter dort rennen könnte. Aber dazu müsste ich schon sehr mit meinem Tempo zulegen. 

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