| DM Langstrecke

Alina Reh feiert Comeback nach Maß, Simon Boch überzeugt mit Spurtqualitäten

Alina Reh und Simon Boch haben sich am Samstagabend in Pliezhausen die deutschen Meistertitel über 10.000 Meter gesichert. Die 24-Jährige, die zuletzt aufgrund gesundheitlicher Probleme mehrere Monate vollständig mit dem Training aussetzen musste, feierte damit ein furioses Comeback. Sowohl Reh als auch Boch durften sich über die EM-Norm freuen.
Nicolas Walter

Es war ein Comeback nach Maß. Drei Monate musste Alina Reh (SCC Berlin) infolge einer leichten Herzmuskelentzündung mit dem Training aussetzen, erst vor wenigen Wochen stieg sie wieder ein. Einen Start bei der Langstrecken-DM in Pliezhausen hielt sie sich lange Zeit offen, erst am Donnerstag fiel die endgültige Entscheidung. Und die sollte sich lohnen. Die 24-Jährige sorgte am Samstag in der Gemeinde 30 Kilometer südlich von Stuttgart für das Highlight des Tages.

In dominanter Art und Weise holte sie sich in 32:06,63 Minuten ihren zweiten deutschen Meistertitel über diese Distanz nach 2019 und unterbot damit zugleich die EM-Norm (32:20 min) deutlich. „Ich bin hierhergereist und habe mir gesagt, wenn ich Fünfte werde, ist das gut. Ich wollte vor allem Spaß haben. Dass ich jetzt sogar die EM-Norm in der Tasche habe, ist natürlich umso schöner“, sagte die EM-Dritte unmittelbar nach ihrem Comeback.

Zu Beginn des Rennens hatte Alina Reh mit Domenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg) und Katharina Steinruck (Eintracht Frankfurt) zwei Begleiterinnen an der Spitze. Nach rund vier Kilometern konnte Reh ihre beiden Konkurrentinnen mit einer Tempoverschärfung schließlich abschütteln und ihren Vorsprung Stück für Stück ausbauen. Nach fünf Kilometern zeigte die Stadionuhr 16:07 Minuten und somit hochgerechnet fast punktgenau die EM-Norm an.

Negativer Split für Alina Reh

Mit den Zuschauern im Schönbuchstadion im Rücken konnte sie die zweite Hälfte des Rennens sogar noch etwas schneller gestalten und somit einem ungefährdeten Sieg entgegenlaufen. Katharina Steinruck hatte sich dahinter von Domenika Mayer absetzen können und holte sich in neuer Bestzeit von 32:26,28 Minuten schließlich Silber.

Mayer, die kürzlich mit ihrem Titelgewinn bei den Deutschen Marathon-Meisterschaften überzeugt hatte, gingen auf den letzten Kilometern sichtbar die Kräfte aus, sodass sie auch noch Eva Dieterich vom Laufteam Kassel an sich vorbeiziehen lassen musste, die in 32:40,11 Minuten Dritte wurde. Domenika Mayer folgte auf Platz vier in 32:43,82 Minuten.

Deborah Schöneborn, im vergangenen Jahr Deutsche Vizemeisterin auf dieser Distanz, musste sich diesmal mit Rang sieben (33:14,32 min) zufriedengeben. Die 45-fache Deutsche Langstrecken-Meisterin Sabrina Mockenhaupt-Gregor (LV Pliezhausen; 33:37,60 min) konnte ihr Heimspiel mit Platz neun in den Top Ten abschließen.

Simon Boch diesmal ganz oben auf dem Podest

Bei den Männern konnte sich Simon Boch nach Silber im vergangenen Jahr in Mainz diesmal den Platz ganz oben auf dem Podest sichern. Der Regensburger konnte dabei mit seinen Spurtqualitäten überzeugen und sich etwa 400 Meter vor dem Ziel von seinem Teamkollegen Filimon Abraham absetzen. In 28:11,69 Minuten blieb auch der 28-Jährige unter der geforderten Zeit für die EM (28:15 min). „Mit der Norm habe ich nicht gerechnet, aber ich freue mich natürlich sehr darüber“, sagte Simon Boch im Anschluss.

Zu Beginn des Rennens hielt sich der neue Deutsche Meister in einer Gruppe mit Filmon Teklebrhan (LAC Freiburg), Filimon Abraham und Homiyu Tesfaye (TSV Pfungstadt) auf. Mit der Zeit mussten dann zunächst jedoch Filmon Teklebrhan, etwas später dann auch Homiyu Tesfaye abreißen lassen.

Spurtstärke entscheidet das Rennen

Die beiden Regensburger Boch und Abraham duellierten sich fortan an der Spitze. Mit dem Wissen der Endspurtqualitäten von Simon Boch versuchte sich Filimon Abraham auf den letzten Kilometern abzusetzen – doch das sollte nicht gelingen. Simon Boch blieb dran und spielte auf der letzten Runde schließlich seine große Stärke aus. Kurz nach dem Rundengong zog er das Tempo deutlich an und konnte so die alleinige Führung übernehmen, die er sich nicht mehr nehmen ließ. Mit seinen 28:11,69 Minuten konnte er seine Bestzeit um mehr als zehn Sekunden steigern.

In 28:15,95 Minuten wurde Filmon Abraham Zweiter vor Homiyu Tesfaye. Ein starkes Rennen machte U20-EM-Teilnehmer Tom Förster (LG Vogtland), der in 29:32,13 Minuten erstmals unter 30 Minuten blieb, damit Rang vier im Gesamtklassement belegte und sich den Titel in der U23 sicherte. Marius Abele (SSC Hanau-Rodenbach) folgte in 29:48,99 Minuten auf Platz zwei, Julian Großkopf (LAZ Ludwigsburg) komplettierte das Podium in 30:33,91 Minuten.

Einen dominanten Sieg feierte auch in der weiblichen U23 Jasmina Stahl (Hannover 96). Die U20-EM-Teilnehmerin diktierte lange Zeit gemeinsam mit Linn Lara Kleine (LG Olympia Dortmund) das Geschehen an der Spitze. Etwa einen Kilometer vor dem Ziel konnte Kleine dem energischen Antritt von Jasmina Stahl jedoch nicht mehr folgen. Fortan vergrößerte die 20-jährige Stahl ihren Vorsprung und holte sich letztlich ohne Probleme in neuer Bestzeit von 34:11,12 Minuten den Titel. Linn Lara Kleine folgte mit knapp 20 Sekunden dahinter auf Rang zwei (34:33,22 min). Hanna Bruckmayer von der LG Finanz Regensburg lief in 35:01,46 Minuten zu Bronze.

Kurt Lauer und Linda Meier mit U20-Titeln

In der männlichen U20 entschied sich das Rennen erst auf den letzten Metern. Kurt Lauer (LAZ Ludwigsburg) und Constantin Carls (ASV Köln) setzten sich knapp zwei Runden vor Schluss vom Rest des Feldes ab. Der Kölner zog rund 300 Meter vor dem Ziel das Tempo deutlich an und konnte sich zunächst von seinem Konkurrenten absetzen – doch die Attacke sollte sich als zu früh erweisen. Auf der Zielgeraden zeigte Kurt Lauer die besseren Reserven und übernahm die Spitzenposition, die er auf den letzten Metern auch nicht mehr hergab und schließlich in 14:58,53 Minuten triumphierte. Constantin Carls kam knapp dahinter in 14:58,88 Minuten auf Platz zwei. Dritter wurde Tristan Kaufhold (SSC Hanau-Rodenbach; 15:04,68 min).

Linda Meier (LAC Passau) hatte zuvor das Rennen in der weiblichen Jugend U20 für sich entschieden. In 17:15,83 Minuten verwies sie die Regensburgerin Franziska Drexler (17:16,84 min) auf den zweiten Platz. Bronze ging an Carolina Schäfer (TG Schwalbach; 17:25,27 min).

Alle Ergebnisse finden Sie in unserer Ergebnisrubrik...

Teilen
#TrueAthletes – TrueTalk

Hier finden Sie alle Folgen des Podcasts des Deutschen Leichtathletik-Verbandes!

Zum Podcast
Jetzt Downloaden
DM-Tickets 2024