Während der Winter aktuell Mitteleuropa fest im Griff hat, ging am Samstag in Tallahassee die Cross-WM bei sommerlichen Temperaturen über die Bühne. Auf dem Kurs in Florida gab es zwar keine Anstiege, dafür künstliche Wasser-, Sand- und Holzhindernisse. Am besten kamen damit die beiden Top-Favoriten zurecht.
Jacob Kiplimo und Agnes Ngetich haben bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften im US-amerikanischen Tallahassee (Florida) die Titel gewonnen. Während die Kenianerin das Rennen von Anfang an dominierte, gelang Jacob Kiplimo sogar ein „Hattrick“ – der Läufer aus Uganda siegte zum dritten Mal in Folge bei der Cross-WM. In der Geschichte dieser Titelkämpfe hatten einen solchen „Hattrick“ bisher nur die Kenianer John Ngugi und Paul Tergat sowie der Äthiopier Kenenisa Bekele erreicht. Bekele triumphierte sogar fünfmal in Folge (2002—2006) und gewann diese prestigeträchtige Goldmedaille insgesamt sechsmal.
Jacob Kiplimo hatte sich über die rund 10 Kilometer lange Strecke zunächst gar nicht in der Spitze des Feldes einsortiert, sondern beobachtete das Geschehen von etwas weiter hinten. Auf dem vierten Kilometer schob sich der Titelverteidiger dann nach vorn und nach der Hälfte des Rennens übernahm er die Initiative an der Spitze. Ein Konkurrent nach dem anderen fiel zurück, doch eingangs der letzten Runde waren noch zwei Athleten direkt hinter Jacob Kiplimo: Kenias Halbmarathon-Vize-Weltmeister Daniel Ebenyo und der Äthiopier Berihu Aregawi, der im olympischen 10.000-Meter-Finale 2024 die Silbermedaille gewonnen hatte.
Auf der zweiten Hälfte dreht Jacob Kiplimo auf
Aber der 25-jährige Jacob Kiplimo, der sich inzwischen auf die Marathon-Distanz konzentriert und im Halbmarathon den Weltrekord hält (56:42 min), war zu stark für seine beiden Konkurrenten. Ohne große Mühe distanzierte er die zwei in der letzten Runde und gewann souverän in 28:18 Minuten vor Aregawi (28:36 min) und Ebenyo (28:45 min). Vierter wurde der Äthiopier Tadese Worku in 28:49 Minuten vor dem Kenianer Ishmael Kipkurui (28:53 min). Als bester Europäer lief Thierry Ndikumwenayo (Spanien), der aus Burundi stammt, auf einen starken achten Platz. Der Cross-Europameister war nach 29:16 Minuten im Ziel. Yann Schrub war als Elfter in 29:22 Minuten zweitschnellster Europäer. 10.000-Meter-Olympiasieger Jimmy Gressier (beide Frankreich) folgte vier Plätze und 14 Sekunden dahinter.
Bereits in der ersten Runde setzte sich im Rennen der Frauen Agnes Ngetich an die Spitze. Nur die Äthiopierinnen Senayet Getachew und Asayech Ayichew sowie Joy Cheptoyek (Uganda) konnten mit der Kenianerin über 10 Kilometer Schritt halten. Der Abstand zur Gruppe der Verfolgerinnen vergrößerte sich ständig, weil Agnes Negtich das Tempo hoch hielt. Schon in Runde zwei setzte sie sich auch von ihren drei verbliebenen Konkurrentinnen ab. Die Kenianerin war eine Klasse für sich, während es für die Athletinnen hinter ihr nur noch um die Silber- und Bronzemedaillen ging.
Agnes Ngetich dominiert nach Belieben
Nachdem sie vor zwei Jahren bei der Cross-WM die Bronzemedaille gewonnen hatte, lief Agnes Ngetich in Florida nun zum bisher größten Sieg ihrer Karriere. In 31:28 Minuten triumphierte die 24-Jährige, die vor zwei Jahren in Valencia mit 28:46 Minuten den nach wie vor aktuellen Weltrekord über 10 Kilometer aufgestellt hatte. Es war bereits das zehnte Mal in Folge, dass eine Kenianerin Cross-Weltmeisterin wurde. Joy Cheptoyek sicherte sich die Silbermedaille in 32:10 Minuten vor Senayet Getachew (32:13 min) und Asayech Ayichew (Äthiopien; 32:44 min). Die US-Amerikanerin Ednah Kurgat wurde Zehnte in 33:28 Minuten. Schnellste Europäerin war die Spanierin Maria Forero, die als 14. nach 33:53 Minuten im Ziel war.
Die Team-Wertung war eine klare Angelegenheit für Äthiopien. Das Top-Quartett, angeführt von Bronzemedaillengewinnerin Senayet Getachew, sammelte 19 Punkte. Die weiteren Plätze auf dem Podium gingen an Kenia (36 pt.) und Uganda (37 pt.). Die Entscheidung bei den Männern um Gold fiel deutlich knapper aus. Doch auch hier machten die Äthiopier mit 30 Punkten das Rennen. Es folgten die Mannschaften aus Kenia (34 pt.) und Uganda (39 pt.).
Australien schnappt sich den Staffel-Titel
In einem Staffel-Rennen mit jeweils zwei Männern und zwei Frauen setzte sich über etwa 4x2 Kilometer das Team Australiens in 22:23 Minuten vor Frankreich (22:26 min) und Äthiopien (22:34 min) durch. Den Grundstein für den Sieg legten die beiden australischen Frauen Linden Hall und Jessica Hull an den Positionen zwei und vier. Beide zählen zur Weltspitze über 1.500 Meter und konnten ihre Stärke auf dem schnellen Kurs voll ausspielen. Jessica Hull, mit 3:50,83 Minuten Kontinentalrekordlerin, ging als Zweite mit zwei Sekunden Rückstand auf die Französin Agathe Guillemot auf die finalen zwei Kilometer. Diesen Rückstand machte die Olympia-Zweite von Paris aber schnell wett und lief schlussendlich souverän zum Sieg.
Die beiden U20-Rennen waren klare Angelegenheiten für die afrikanischen Läufer. Bei den Frauen dominierte Marta Alemayo das Sechs-Kilometer-Rennen. Nach 18:52 Minuten hatte die Äthiopiern 26 Sekunden Vorsprung auf ihre Landsfrau Wosana Asefa. Eine weitere Sekunde dahinter folgte Charity Cherop (Uganda) auf dem Bronzeplatz. Da aufgrund von Visaproblemen Äthiopien in den USA keine Mannschaft stellen konnte, gewann Uganda Gold mit 29 Zählern vor dem punktgleichen Quartett aus Kenia und Japan (89 pt.).
Während es bei weiblichen U20 keine Einzelmedaille für Kenia gab, dominierten die Laufnationen das Rennen bei den U20-Männern nach Belieben. Angeführt von Frankline Kibet (23:18 min) gingen über acht Kilometer die ersten vier Plätze an Kenia. Es folgten Emmanuel Kiprono (23:20 min), Andrew Alamisi (23:28 min) und Andrew Kiptoo (23:42 min). Mit der Idealpunktzahl von zehn sicherte sich Kenia damit Team-Gold vor Uganda (31 pt.) und den USA (75 pt.).
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