Es ist angerichtet für das nächste Gold-Meeting der World Athletics Indoor Tour: Die Karlsruher Europahalle empfängt am Sonntag Top-Athlet:innen aus Deutschland und der Welt. Im Weitsprung heben Malaika Mihambo und zwei weitere Sieben-Meter-Springerinnen ab, über 60 Meter mit und ohne Hürden misst sich die Garde der deutschen Hoffnungsträger:innen mit internationaler Konkurrenz.
Fast genau ein Jahr ist es her, dass Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) in der Europahalle von Karlsruhe für Begeisterungsstürme sorgte. Die Olympiasiegerin von 2021 flog beim Indoor Meeting 2025 auf die Hallen-Bestmarke von 7,07 Metern. Ein Erfolg, den die 32-Jährige am Sonntag gern wiederholen möchte. „Mein 7,07 Meter Sprung im letzten Jahr hier war für mich sehr wichtig. Es ist immer schön, hierher zu kommen. Ich kenne die Halle schon aus meiner Jugend, als ich als Zuschauerin Leichtathletikwettkämpfe gesehen habe“, sagte sie am Freitag bei der Pressekonferenz.
Die Unterstützung des Publikums ist dabei garantiert: Die Europahalle wird gut gefüllt sein. „Erstmals in der mehr als 40-jährigen Geschichte des Indoor Meetings wird es keine Tageskasse geben, wir sind restlos ausverkauft. Und auch das internationale Interesse ist riesig: Die Wettkämpfe am Sonntag werden in mehr als 150 Ländern zu sehen sein, das ist ein neuer Rekord und das macht uns sehr stolz“, freute sich Meetingdirektor Martin Wacker.
Drei Sieben-Meter-Springerinnen und die Hochsprung-Weltrekordlerin
„Im Weitsprung haben wir drei Top-Athletinnen mit großem Charakter und großer Persönlichkeit, die werden nicht nur für spannende Wettkämpfe, sondern auch für Atmosphäre und Stimmung in der Halle sorgen“, blickte Sportdirektor Alain Blondel voraus. Und in der Tat besteht das Weitsprung-Feld auch in diesem Jahr aus Athletinnen von Weltformat. Neben Europameisterin Malaika Mihambo und Hallen-Europameisterin Larissa Iapichino (Italien) bringt auch die Französin Hilary Kpatcha eine (im Freien erzielte) Bestleistung jenseits der sieben Meter mit.
Vor zwei Wochen beim ISTAF Indoor überraschte die U23-Europameisterin Ramona Elena Verman aus Rumänien als Siegerin, sie ist in Karlsruhe erneut mit von der Partie – ebenso wie die gleichaltrigen DLV-Hoffnungsträgerinnen Libby Buder (TSG Bergedorf) und Laura Raquel Müller (Unterländer LG). Mit Imke Daalmann (TSV Bayer 04 Leverkusen) ist auch die Deutsche Vizemeisterin mit von der Partie.
Nicht minder hochkarätig besetzt ist der Hochsprung. Weltrekordlerin Yaroslava Mahuchikh (Ukraine; Freiluft-WR 2,10 m) gibt sich ebenso die Ehre wie ihre Landsfrau Yuliya Levchenko (PB 2,02 m). Die dritte Zwei-Meter-Springerin im Feld ist Christina Honsel (TV Wattenscheid 01), die zuletzt ihren geplanten Saison-Einstieg in Cottbus wegen einer Blockade noch abgesagt hatte. Auch die Deutsche Hallenmeisterin Bianca Stichling aus Leverkusen nimmt in der Europahalle Anlauf.
Showdown der deutschen Hürdensprinterinnen
Gleich sechs deutsche Athletinnen gehen über 60 Meter Hürden ins Rennen. Die deutsche Jahresbestleistung hält momentan Rosina Schneider (TV Sulz; 8,06 sec), zwei Hundertstel dahinter folgt Franziska Schuster (TSV Bayer 04 Leverkusen). Beide wollen in Karlsruhe noch eine Schippe drauflegen – und auch die nationale Konkurrenz um die Deutsche Meisterin Ricarda Lobe (MTG Mannheim) und die Deutsche Hallenmeisterin Marlene Meier (TSV Bayer 04 Leverkusen) ist für starke Zeiten gut.
Favorisiert ist mit einer Bestzeit von 7,72 Sekunden jedoch die WM-Dritte Grace Stark aus den USA, auch Laeticia Bapté (Frankreich; 7,76 sec) und Reetta Hurske (Finnland; 7,79 sec) bringen Bestzeiten unterhalb von 7,80 Sekunden mit. Die Finnin rannte vor zwei Wochen beim ISTAF Indoor in Düsseldorf auf Rang zwei – hinter Ghanas Rekordlerin Evonne Britton, die in Karlsruhe ebenfalls gemeldet ist. In Düsseldorf schraubte die 34-Jährige, die früher für die USA startberechtigt war, ihren Landesrekord auf 7,99 Sekunden, in Bestform hat sie 2019 bereits 7,86 Sekunden auf die Bahn gebracht.
Laura Muir zurück an Erfolgsstätte
Beste Erinnerungen an Karlsruhe hat Laura Muir. Die Britin verbesserte beim Indoor Meeting 2017 (damals in der Messehalle) den Europarekord über 3.000 Meter auf 8:26,41 Minuten. Neun Jahre später muss sie sich in der Europahalle unter anderem gegen starke Konkurrenz aus dem eigenen Land behaupten: Mit Katie Snowden (PB 8:39,89 min) und U20-Europameisterin Innes Fitzgerald (PB 8:40,05 min) sind weitere starke Britinnen im Feld. Noch stärkere Hallen-Bestzeiten können Elise Cranny (USA; 8:29,87 min) und die Kanadierin Gabriela DeBues-Stafford (8:33,92 min) vorweisen. Einzige deutsche Starterin ist die Deutsche Hallen-Vizemeisterin Elena Burkard (LG farbtex Nordschwarzwald; PB 8:48,66 min).
Über 1.500 Meter sind zwei deutsche Läuferinnen angekündigt. Nach gelungenen Saison-Einstiegen messen sich WM-Finalistin Nele Weßel (Königsteiner LV) und 800-Meter-Spezialistin Majtie Kolberg (LG Kreis Ahrweiler) mit Weltklasse-Kontrahentinnen. U20-Weltrekordlerin Birke Haylom (Äthiopien) und die Olympia-Dritte Georgia Hunter-Bell (Großbritannien) sind unter dem Hallendach schon unter vier Minuten geblieben, im Freien gelang das vier weiteren Karlsruhe-Starterinnen, darunter Hallen-Europameisterin Agathe Guillemot (Frankreich), die in dieser Hallensaison bereits mit 2:00,30 Minuten über 800 Meter ein Ausrufezeichen gesetzt hat.
Ebenfalls mit zwei deutschen Teilnehmerinnen geht das 400-Meter-Rennen über die Bühne. Die Deutsche Hallenmeisterin Johanna Martin (1. LAV Rostock) und die weitere WM-Teilnehmerin Elisa Lechleitner (LAZ Ludwigsburg) treffen über 400 Meter unter anderem auf Susanne Gogl-Walli. Die Österreicherin dürfte mit einem Hallen-Hausrekord von 51,37 Sekunden und einer Jahresbestzeit von 51,77 Sekunden im Kampf um den Sieg durchaus zu beachten sein. Das deutsche Duo ist unter dem Hallendach noch nicht unter 52 Sekunden geblieben, im Freien hingegen schon.
Weltelite in den Laufdisziplinen
Bei den Männern tummelt sich in den Laufdisziplinen ebenfalls die geballte Weltelite auf der Bahn. Allen voran der Belgier Eliott Crestan, seit dem Meeting in Ostrava (Tschechien) mit einer Bestzeit von 1:43,83 Minuten ausgestattet, zählt über 800 Meter zu den heißen Sieg-Favoriten. Auch der Brite Ben Pattison und der schwedische Rekordler Andreas Kramer wollen den beiden Kenianern Nicholas Kiplangat Kebenei und Wyclife Kinyamal Paroli bieten. Der Deutsche Meister Alexander Stepanov (VfL Sindelfingen) kann in dem starken Feld eine weitere Verbesserung seiner erst zwei Woche alten Hallen-Bestzeit von 1:47,18 Minuten ins Visier nehmen.
Über 1.500 Meter wagt Hindernisspezialist Karl Bebendorf (Dresdner SC 1898) einen Test auf der Unterdistanz. Er tritt unter anderem gegen den französischen Weltklasseläufer Azzedine Habz (Hallen-PB 3:32,24 min) und den schnellen Schweden Samuel Pihlström (3:35,47 min) an. Der Belgier Pieter Sisk hat kürzlich in den USA bei einem Meilenrennen die exzellente 1.500-Meter-Durchgangszeit von 3:33,32 Minuten auf die Bahn gebracht. Auf der doppelten Distanz fordert U23-Ass Stefan Nillessen (Niederlande) den zweimaligen WM-Medaillengewinner Jacob Krop, der seit 2023 keine Hallenrennen bestritten hat. In dem starken Feld gut mitlaufen will Florian Bremm (Franconia Athletics).
Sprintgipfel und Höhenflüge
Mit reichlich deutscher Beteiligung steigt der Sprintgipfel über 60 Meter. Der Deutsche 100-Meter-Rekordler Owen Ansah (Hamburger SV), der Deutsche 200-Meter-Rekordler Joshua Hartmann (ASV Köln) und der deutsche Jahresbeste Kevin Kranz (Sprintteam Wetzlar) – nur drei von insgesamt sieben deutschen Startern, die gegen den US-Amerikaner Ronnie Baker (PB 6,40 sec) und Kameruns Rekordler Emmanuel Eseme (PB 6,52 sec) um die vorderen Plätze kämpfen wollen.
Hoch hinaus soll es für die Stabhochspringer gehen: WM-Finalist Bo Kanda Lita Baehre (Düsseldorf Athletics) bekommt es in der Europahalle mit gleich drei Hallen-Europameistern zu tun: Piotr Lisek (Polen) triumphierte 2017, Sondre Guttormsen (Norwegen) 2023 und Menno Vloon (Niederlande) war 2025 einer von zwei Hallen-EM-Siegern. Asienrekordler Ernest John Obiena (Philippinen), der ebenso wie Lisek und Guttormsen bereits die sechs Meter überwunden hat, komplettiert das Star-Ensemble. Im Dreisprung dürfen sich junge Hoffnungsträger wie der U18-EM-Dritte Benedikt Maurer (LG Stadtwerke München) mit dem starken Algerier Yasser Mohamed Triki messen.
Das INIT Indoor Meeting Karlsruhe sehen Sie am Sonntag ab 16:00 Uhr bei SWR Sport.