Mehr als zehn Stunden volles Wettkampfprogramm – der zweite Tag der Deutschen Hallenmeisterschaften der Masters in den Altersklassen M/W35 bis M/W90 in Düsseldorf brachte am Samstag spannende Rennen, enge Entscheidungen und einige neue nationale sowie internationale Bestmarken. Gleich am Morgen standen die Hochspringerinnen im Blickpunkt. Beschlossen wurde DM-Tag zwei mit schnellen 400-Meter-Rennen.
Im gemeinsamen Wettkampf der Altersklassen W60 und W65 durften beide Hochsprungsiegerinnen bei der Masters-Hallen-DM am Samstag in Düsseldorf über einen neuen Hallen-Weltrekord in der W60 jubeln. Barbara Gähling (LT DSHS Köln; Foto) floppte gleich im ersten Versuch über 1,51 Meter und steigerte damit die rund sechs Jahre alte Bestmarke von Frauke Viebahn (DJK Blau-Weiß Annen) um einen Zentimeter. Frauke Viebahn selbst übersprang in der Altersklasse W65 vor rund einem Jahr bei der DM Masters in Frankfurt am Main die Weltbestmarke von 1,43 Metern. Jetzt liegt diese Marke einen weiteren Zentimeter höher. Frauke Viebahn siegte in der W65 mit übersprungenen 1,44 Metern.
Am Freitagabend holte sich Petra Herrmann (SG Vorwärts Frankenberg) mit 2,50 Metern den Titel im Stabhochsprung der Altersklasse W65. Am Samstag gewann sie zunächst Silber im Hochsprung mit 1,29 Metern und danach Gold im Dreisprung mit 9,65 Metern und fast zweieinhalb Metern Vorsprung. Diese Weite bedeutet zugleich eine neue europäische Bestmarke in der W65, die bisher bei 9,04 Metern aus dem Jahr 2007 lag.
Nach Weltrekord folgt Europarekord für Barbara Gähling
Ebenfalls einen neuen W60-Europarekord durfte Barbara Gähling über die 400 Meter feiern. 63,50 Sekunden standen am Abend im Ziel auf der Anzeigetafel, das bedeutete eine klare Steigerung der bisherigen kontinentalen Bestmarke aus dem Jahr 2023 von 64,55 Sekunden. Die zwei Hallenrunden absolvierte Tatjana Schilling in der W55 in 62,95 Sekunden und verbesserte damit ihre eigene Deutsche Bestleistung von der letztjährigen Hallen-DM Masters (63,58 sec). Das seltene Triple von 400-, 800- und 1.500-Meter-Sieg schaffte zum Schluss des zweiten Wettkampftages Olga Köppen (LG Lüneburg) bei den W45-Masters.
Im Kugelstoßen der M50 lag die Favoritenrolle unbestritten beim Weltrekordinhaber Andy Dittmar (BIG Basketball in Gotha). Der Thüringer gewann seine Konkurrenz dann auch locker mit einer Weite von 17,34 Metern gleich aus dem ersten Durchgang und fast vier Metern Vorsprung. Die angestrebte Verbesserung seiner eigenen Weltbestmarke von 18,15 Metern konnte der Thüringer aufgrund einer Blessur aus dem Training vor zwei Wochen noch nicht umsetzen. Doch für den Saisonhöhepunkt, die Hallen-Europameisterschaften im polnischen Torun in drei Wochen, bleibt Andy Dittmar optimistisch.
Zwei 60-Meter-Sieger in der M55
„Es ging etwas besser als gedacht. In drei Wochen sollte das was werden“, glaubt Andy Dittmar, bis dahin seine Verletzung vollständig auskuriert zu haben. Im Winterwurf war einer der in der Spitze am ausgeglichensten besetzten Wettkämpfe der Hammerwurf der W45. Hier freute sich schließlich Mareike Becker (Leichtathletik-Club Lübeck) mit 41,03 Metern über den Titel. Noch vor einer Woche hatte sie sich einer Punktion ihres Knies unterziehen müssen.
Eine der gefragtesten Disziplinen am zweiten Wettkampftag war zweifelsohne der 60-Meter-Sprint. Und eine mit den knappsten Entscheidungen obendrein. In der Altersklasse M55 mussten zwei Deutsche Meistertitel vergeben werden. Bis auf die Tausendstelsekunde gleich flogen Allen Gene (TV 1909 Dietenhofen) und Bernd Lachmann (TSV 1885 Friedberg-Fauerbach) in 7,66 Sekunden durch die Lichtschranke im Ziel. In der Altersklasse M70 verbesserte Gerhard Zorn (TSV Vaterstetten) die Deutsche Bestleistung seines kürzlich verstorbenen Vereinskameraden Guido Müller um eine Hundertstelsekunde auf 8,19 Sekunden. Tanja Kuckelkorn (TV Kalkum-Wittlaer) schrammte hingegen um eine Hundertstelsekunde in 7,93 Sekunden an der bestehenden Deutschen Bestleistung haarscharf vorbei.
Tatjana Schilling sprintet zur Deutschen Bestleistung
Einen Paukenschlag gab es wenig später durch die Masters-Leichtathletin des Jahres, Tatjana Schilling (TSV 1850/09 Korbach), in der Altersklasse W55. 8,36 Sekunden leuchteten auf der Anzeigetafel für die Hessin auf. Um vier Hundertstel drückte die Korbacherin damit die nationale Bestleistung aus dem Jahr 2018 nach unten. „Vor zwei Wochen in Stadtallendorf hatte ich noch 8,55 Sekunden. Ich hatte das Gefühl, dass ich ganz schlecht rausgekommen bin. Und dann hatten wir ja auch vorher noch einen Fehlstart. Dann habe ich aber den Turbo eingeschaltet und wusste, dass ich schnell unterwegs bin“, resümierte Tatjana Schilling bei der Siegerehrung.
Im Weitsprung der Altersklasse M55 ging es ebenso äußerst knapp zu. Der seltene Fall trat ein, dass die zweitbeste erzielte Weite über die Titelvergabe entscheiden musste. Letztlich lag Wolfgang Scheffler (LC Breisgau) vorn, der am Morgen bereits Silber im Hochsprung mit 1,66 Metern errungen hatte. Die gleiche Weite, nämlich 5,17 Meter, wies Tilman Colberg (Möllner SV) auf dem Silberrang auf. Der Schleswig-Holsteiner wurde dafür mit dem Titel im Stabhochsprung mit übersprungenen 3,70 Metern entschädigt.
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