Nachdem er sich im vergangenen Jahr beim Goldenen Oval in Dresden Platz zwei gesichert hatte, beendete Bo Kanda Lita Baehre seinen Saisoneinstieg am Sonntag mit 5,70 Metern als Sieger im Heinz-Steyer-Stadion. Auf diese Leistung will der Stabhochspringer aufbauen und im Sommer endlich seine Bestleistung aus dem Jahr 2022 steigern sowie bei der EM in Großbritannien überzeugen.
Ein Saisoneinstieg, der Freude und Lust auf mehr macht: Mit seinem Sieg beim Goldenen Oval in Dresden ist Bo Kanda Lita Baehre (Düsseldorf Athletics) am Sonntag erfolgreich in seinen ersten Wettkampfblock des Sommers gestartet. Mit einer blitzsauberen Serie absolvierte er Höhe um Höhe im ersten Versuch, ließ im Pokerspiel mit dem Niederländer Menno Vloon und dem Türken Ersu Sasma die 5,76 Meter aus und riss die Latte erst bei 5,82 Metern dreimal – eine Höhe, die er zuletzt 2022 gesprungen ist.
Genau in jenem Jahr ist er zugleich Zweiter bei den Europameisterschaften in München geworden und stellte seine bis heute gültige Bestleistung von 5,90 Metern auf. „Dieser Rekord ist jetzt schon sehr lange da und es wird Zeit, dass er abgelöst wird. Das primäre Ziel für die Saison ist es, meine Bestleistung wieder anzugreifen – 5,95 Meter plus und dann schauen, was geht“, blickt er voraus. Selbst den Deutschen Rekord von Björn Otto (6,01 m) hat er im Hinterkopf.
Zudem nimmt er sich vor, bei den Deutschen Meisterschaften, die für die Stabhochspringer 2026 im Rahmen der Finals ausgelagert auf dem Opernplatz in Hannover stattfinden, wieder den Titel zu gewinnen. Im vergangenen Jahr musste er sich aus dem Heinz-Steyer-Stadion in Dresden mit einem „Salto Nullo“ verabschieden. „Bei der DM sind wir außen im Stadion gesprungen. Das war auf jeden Fall nicht so gut und auch ein Grund, warum die Leistung nicht so gut war. Ich will jetzt nicht alles darauf schieben, aber es macht schon einen Unterschied“, sagte Lita Baehre.
Körperlich und mental in guter Verfassung
Am Sonntag beim Goldenen Oval war die Anlage mittiger und näher am Rasen platziert, womit der Düsseldorfer deutlich besser zurechtkam und direkt gut in den Wettkampf fand: „Ich hatte auf jeden Fall sehr viel Spaß beim Springen. Es waren auch schon ein paar gute Sprünge dabei. Am Ende war es ein bisschen ärgerlich, da waren die Bedingungen nicht ganz optimal und war ein bisschen windig. Gern hätte ich noch mehr Sprünge gemacht, aber es war okay. Ich hatte mir vorgenommen, den Wettkampf zu gewinnen. Das hat geklappt und deshalb bin ich zufrieden.“
Noch etwas wertiger einzuschätzen ist der Auftritt des 27-Jährigen in Dresden angesichts dessen, dass er erst drei Tage zuvor aus Südafrika nach Deutschland zurückreiste. Dort bereitet er sich einen Großteil des Jahres unter seinem Trainer Chauncey Johnson und an der Seite internationaler Spitzenathleten jeweils auf die Wettkampfphasen vor. Zuversichtlich erzählte er über das Training der vergangenen Wochen: „Das lief wirklich gut. Ich bin in einer guten Verfassung – sowohl körperlich als auch mental. Deshalb habe ich echt Bock auf die Saison“.
Wenngleich er im Training grundlegend nichts geändert oder am Anlauf und an der Technik etwas großartig umgestellt hat, fühlt er sich in dem, was er macht, deutlich gefestigter. „Wir haben Wert darauf gelegt, einfach mehr aus dem Anlauf zu springen. Zudem bin ich noch einmal fitter geworden und besser in Form. Mal sehen, was dann auch in den Wettkämpfen möglich ist“, sagte der Düsseldorfer nach seinem Sieg in Dresden. Die nächsten Möglichkeiten dafür hat Bo Kanda Lita Baehre bei einer Reihe von Marktplatzspringen: „Als nächstes geht es nach Düsseldorf, gefolgt von Essen und Aachen. Die kommenden Wochen erwartet mich auf jeden Fall ein vollgepacktes Wettkampfprogramm.“
Genesungswünsche an Torben Blech
Nach Südafrika zurück geht es für ihn allerdings während der Saison nicht: „Den Sommer über bleibe ich auf jeden Fall in Deutschland und bin auch froh, wieder ein paar Monate hier zu sein.“ Sein Trainer hingegen wird zu einigen Springen den Weg auf sich nehmen und seinen Schützling auch vor Ort coachen. Gute Erfahrungen hat Lita Baehre zudem auch mit dem Leitenden Bundestrainer Michael Kühnke gemacht, der ihn immer wieder bei Wettkämpfen betreut: „Das ist ein gutes Team und da wechseln wir uns immer ab“, sagte der Höhenjäger.
Auf wen der vielfache Deutsche Meister in diesem Sommer allerdings verzichten muss, ist Torben Blech (TSV Bayer 04 Leverkusen). Nach einem Sturz neben die Matte zum Saisonauftakt bei einem Meeting in Bad Bergzabern, bei dem sich der 31-Jährige verletzte, fällt er die kommenden Monate aus. „So etwas bekommt man auf jeden Fall mit, da der Stabhochsprung-Kreis ja schon ein recht enger Kreis ist. Es ist schade, so etwas dann zu hören oder zu sehen“, sagte Lita Baehre und schickt entsprechende Genesungswünsche hinterher: „Natürlich gute Besserung – auch nochmal öffentlich!"
So ein Unfall sei nicht nur sehr ärgerlich, sondern „macht einem wieder bewusst, dass man so etwas nie vorhersehen oder sagen kann, du hättest das und das richtig machen können. Beim Stabhochsprung kann so viel passieren. Wenn das mit der Landung neben der Matte nicht passiert, dann etwas anderes. Deshalb muss man sich einfach konzentrieren. Selbst das ist wahrscheinlich nicht genug. Aber da muss das Glück manchmal auch auf der eigenen Seite sein“, sagte Bo Kanda Lita Baehre.
Mit Fokus und Bock zur EM nach Birmingham
Angesichts der Gefahr, die seine Sportart mit sich bringt, betont er zugleich, dass dieser enorme Fokus nicht nur im Wettkampf erforderlich ist, sondern bereits im Training: „Beim Stabhochsprung kannst du keine Einheit machen, wo du nur mit 70 Prozent springst. Man muss sich immer konzentrieren und ich glaube, dass alle Springer wissen, wie schnell etwas schiefgehen kann. Nach Unfällen sieht man dann erst recht, wie gefährlich Stabhochsprung eigentlich ist. Das sollte den Leuten auf jeden Fall nochmal mehr Respekt geben für die Disziplin und ihnen bewusst machen, dass wir uns dem Ganzen tagtäglich stellen müssen.“
Eingeschüchtert ist der Neunte der Olympischen Spiele 2024 allerdings nicht und geht seinem Sport nach wie vor mit viel Leidenschaft und großen Ambitionen nach. Entsprechend strebt er nicht nur eine Annäherung an die magischen sechs Meter an, sondern auch eine vordere Platzierung bei den Europameisterschaften in Birmingham (Großbritannien; 10. bis 16. August). „Die EM ist dieses Jahr der Höhepunkt und ich habe echt Bock, da zu springen.“ Noch ist der Weg bis ins Alexander Stadium lang und die Norm (5,82 m) nicht in der Tasche. Gelingt es Bo Kanda Lita Baehre jedoch, an seinen mutigen Saisoneinstieg anzuknüpfen, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis er sich über die geforderte Höhe und darüber hinaus schwingen wird und wieder den Anschluss an die Weltelite findet.