Besser hätte der Saisoneinstieg für Karl Bebendorf (Dresdner SC 1898) nicht laufen können. Getragen von der Stimmung im heimischen Heinz-Steyer-Stadion lief der Deutsche Meister über 3.000 Meter Hindernis beim „Goldenen Oval“ in Dresden zu einer neuen Deutschen Bestzeit (5:18,29 min) über die selten ausgetragenen 2.000 Meter Hindernis. Im Interview spricht er über den emotionalen Stellenwert dieses Rennens und warum er es einem Start beim Diamond-League-Meeting in Rabat vorgezogen hat.
Karl Bebendorf, herzlichen Glückwunsch zu diesem starken Rennen in Dresden samt Meetingrekord, Deutscher Bestzeit von 5:18,29 Minuten und Weltjahresbestzeit.
Karl Bebendorf:
Danke, danke.
Einmal mehr hat Sie Ihr „Wohnzimmer“ in Dresden regelrecht beflügelt …
Karl Bebendorf:
... es hat mich nicht enttäuscht, na klar. Auch wenn es nie ganz so entspannt ist wie in einem richtigen Wohnzimmer (lacht). Aber es hat auf jeden Fall deutlich mehr Spaß gemacht und ich hatte auf jeden Fall mehr Adrenalin als zu Hause in meinem Wohnzimmer.
Was bedeutet Ihnen diese Top-Zeit zu Saisonbeginn?
Karl Bebendorf:
Was soll ich sagen? Es hat alles geklappt, so wie ich es mir vorgestellt habe. Ich bin wieder zurück, da wo ich vor einem Jahr hier in Dresden aufgehört habe. Das war wie eine Befreiung für mich und ein unglaublich geiles Gefühl – einfach das, was man sich wünscht: Hier vor heimischer Kulisse performen zu können.
Das war Ihr erstes Rennen hier seit dem emotionalen Lauf zum Deutschen Meistertitel vergangenes Jahr. Wie haben Sie das erlebt?
Karl Bebendorf:
Das hat eine sehr, sehr große Rolle gespielt. Im Rennen hatte ich zwar erst einmal andere Probleme, aber als ich gemerkt habe, dass da keiner mehr dranbleiben konnte und ich noch mal pushen kann, hat mich das beflügelt. Das macht mich stolz und ich denke auf jeden Fall auch meine Mutti. Und ja, mit diesen Gedanken, das trägt einen hier dann nochmal doppelt die Zielgerade herunter.
In der letzten Runde haben Sie sich eingangs der Gegengerade kurz umgedreht. Ab wann hatten Sie das Gefühl, das Rennen nach Hause zu laufen?
Karl Bebendorf:
Mit dem Polen Maciej Megier, der vor zwei Wochen bereits gut vorgelegt hat, hatte ich schon ein bisschen Druck, jetzt nicht nur die Zeit zu schaffen, sondern auch um den Sieg zu laufen. Aber ich glaube die Kombination war perfekt. Somit hatte ich hinter mir irgendwie das Gefühl, dass hier nichts mit bummeln oder rausnehmen ist, sondern ich drücken muss, um meine Führung zu behalten. Als ich dann gesehen habe, dass er weg war, hat mir das nochmal einen Push gegeben. Weil ich gemerkt habe, okay, jetzt die letzte Runde, das ist dein Ding. Dafür, dass ich allein gelaufen bin und es mein erster Wettkampf war, bin ich zufrieden. Vor einer Woche musste ich meinen Trainer mehr oder weniger überreden, zum ersten Mal die Spikes anziehen zu dürfen. Wir haben im Training einiges anders gemacht als vergangenes Jahr und ich bin bei Weitem noch nicht so austrainiert wie vor einem Jahr zum Einstieg. Das war jetzt mehr oder weniger noch Grundlagentraining.
Wie blicken Sie auf die vergangenen Vorbereitungswochen zurück?
Karl Bebendorf:
Ich hatte große Probleme über den Winter, das zog sich bis nach der Hallensaison. Umso mehr bin ich froh, jetzt in den vergangenen Wochen wieder solche Fortschritte gemacht zu haben, jetzt wieder hier so einen Einstieg zu geben. Und ja, ich bin gerade erst mal erleichtert und muss das erst mal sacken lassen. Aber so lange brauche ich mich nicht freuen, nächste Woche in Stockholm sieht die Welt wieder ein bisschen anders aus, wenn ich gegen die Weltspitze laufe. Aber das Rennen heute gibt auf jeden Fall Rückenwind und darauf können wir aufbauen.
In den vergangenen vier Wochen haben Sie sich in St. Moritz auf die Saison vorbereitet und dabei – wie Sie auf Instagram geschrieben haben – alle vier Jahreszeiten erlebt. Wie waren die Bedingungen heute in Dresden für Sie?
Karl Bebendorf:
Die waren perfekt. Noch vor einer Woche hatte ich ein bisschen Angst, als 28 Grad vorhergesagt wurden. Das war gefühlt noch die Zeit, wo es in St. Moritz gerade aufgehört hatte zu schneien. Deswegen bin ich schon eine Nacht eher gekommen, um mich noch ein bisschen besser an das Klima zu gewöhnen. Ich glaube, dass einem vor so einem Rennen alles durch den Kopf geht. Ich war so aufgeregt. Da interpretiert man viel in sich rein. Das sind dann auch alles nur mentale Sachen. Am Ende hat der Körper performt, so wie er es sollte.
Ein mentaler Support war dabei sicherlich auch Ihr persönliches Fan-Lager. Wie viele Tickets gingen für das Goldene Oval an Ihre Freunde und Familie?
Karl Bebendorf:
Neben Freunden und Familie sind es auch viele Partner und Sponsoren, die mich heute unterstützt haben. Ich schätze, dass es etwa 35 bis 40 Tickets waren. Viele davon auf der Haupttribüne, einige in der Kurve. Es ist toll, so viele Leute dabei zu haben.
Mit dem Diamond-League-Meeting in Marokkos Hauptstadt Rabat (Anm.: Frederik Ruppert steigerte dort am Sonntagabend den Europarekord auf 7:57,80 min) gab es parallel ein großes Meeting zum Goldenen Oval. Stand für Sie je zur Debatte, lieber dort zu starten als in Dresden?
Karl Bebendorf:
Für das Meeting wurde ich auch eingeladen. Für mich stand ein Start aber nie zur Debatte. Gar nicht. Klar tut es ein bisschen weh, zu wissen, dass es dort wieder ein sehr schnelles Rennen werden wird und ich das verpasse oder nicht eingreifen kann. Aber am Ende kann mich nichts dazu bringen, bei meinem Heimmeeting in Dresden nicht zu laufen. Nach den 1.500 Metern im vergangenen Jahr, wo ich leider nur Neunter geworden bin, habe ich mich genug geärgert und gesagt, dass es nächstes Jahr keine andere Möglichkeit gibt, außer dass ich die Hindernisse laufe und hier auf meiner Paradestrecke performe. Und ja, so ist es zum Glück auch gekommen.
Zu Beginn hatten Sie bereits das nächste Rennen in Stockholm angesprochen. Wie sieht Ihr Fahrplan für die Saison danach noch aus, welche Wettkämpfe werden Sie als Nächstes bestreiten?
Karl Bebendorf:
Nach der Diamond League in Schweden laufe ich nochmal hier in Dresden am 12. Juni die 1.500 Meter und dann hoffentlich noch mal die 3.000 Meter Hindernis beim Diamond-League-Meeting in Paris. Danach geht es schon wieder ins Trainingslager mit Fokus auf die Europameisterschaften in Birmingham.
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