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Fred Isaac Fleurisson – Zu Hause im Zehnkampf, Titel über die Hürden

© Gladys Chai von der Laage
Bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund standen sieben Athletinnen und Athleten erstmals in der Aktivenklasse ganz oben auf dem Podium. Die meisten von ihnen sind neue Gesichter, andere waren schon mehrfach nah dran an ihrem ersten nationalen Titel. Wir stellen die neuen Meisterinnen und Meister vor, heute Zehnkämpfer Fred Isaac Fleurisson (Eintracht Frankfurt), der bei der Hallen-DM den Hürdensprint gewann.
Jan-Henner Reitze

Fred Isaac Fleurisson
Eintracht Frankfurt

Bestleistungen:

Zehnkampf: 8.005 Punkte (2025)
110 Meter Hürden: 13,73 sec (2024)
60 Meter Hürden: 7,75 sec (2026; Halle)

Erfolge:

Neunter U23-EM 2025 (Zehnkampf)
Deutscher Hallenmeister 2026 (Hürdensprint)

Es war das Jahr 1995, als ein gewisser Frank Busemann als junger Zehnkämpfer den Titel bei der Hallen-DM im Hürdensprint gewann. Ein Jahr später überraschte er mit Olympia-Silber, hatte über die Hürden außerdem schon Gold bei der U20-WM gewonnen und holte später auch noch den U23-Europameistertitel.

Ganz so weit ist Fred Isaac Fleurisson noch nicht. Der Athlet von Eintracht Frankfurt gehört aber auch zum Typ Zehnkämpfer mit einer besonderen Stärke im Hürdensprint. So stark, dass er bei der Hallen-DM in Dortmund die Spezialisten hinter sich ließ und in 7,77 Sekunden zum Titel sprintete. Im Vorlauf hatte der 22-Jährige seine Bestzeit schon auf 7,75 Sekunden gesteigert. Auch wenn die aufstrebenden DLV-Hürdensprinter und Titelträger der vergangenen Jahre nicht am Start waren, machte der Mehrkämpfer mit seiner Steigerung auf sich aufmerksam und signalisierte: Mit ihm ist in den kommenden Jahren zu rechnen.

Das gilt auch für den Zehnkampf, in dem er im vergangenen Jahr erstmals die 8.000-Punkte-Marke übertraf. Auch in diesem Winter gelang ihm im Hallen-Siebenkampf eine deutliche Steigerung auf 5.853 Punkte und Platz zwei bei der Mehrkampf-DM. Hinter dieser Entwicklung steckt eine kontinuierliche Professionalisierung und eine starke Trainingsgruppe, die gleichzeitig ein Zuhause geworden ist.

Anfänge in Berlin

In seiner Schulzeit in Berlin spielte Fred Isaac Fleurisson zuerst Basketball und Fußball, er war sportlich vielseitig interessiert. „Als ich in der sechsten Klasse war, hat mich meine Nachbarin mit zur Leichtathletik mitgenommen“, erzählt der Mehrkämpfer, der mitging, um etwas Neues auszuprobieren. Beim OSC Berlin zeigte sich schnell, dass dieser Neuzugang großes Talent hat. Auf Anhieb gewann er 2015 seinen ersten Landestitel im Vierkampf und stellte auch einen Berliner Rekord im Blockmehrkampf Wurf für die Altersklasse M12 auf.

Unter der Anleitung von Trainer Frank Stenzel folgten weitere Erfolge auf Landesebene und auch national gehörte Fred Isaac Fleurission in seinen U16- und U18-Jahren in verschiedenen Einzeldisziplinen und im Mehrkampf zu den besten DLV-Athleten seines Jahrgangs. Der Hürdensprint war schon damals eine Stärke. Aber auch in Disziplinen, die nicht zum Zehnkampf gehören, wie Dreisprung versuchte sich der Nachwuchsathlet.

Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie wurde der Mehrkämpfer 2021 noch von einem Muskelfaserriss ausgebremst. Schon 2022 kratzte er mit seinem ersten 7.000-Punkte-Zehnkampf (7.125 Pt.) an der Norm für die U20-WM, belegte Rang fünf bei der Jugend-DM über 110 Meter Hürden (14,24 sec) und holte zum Saisonabschluss Silber bei der Mehrkampf-DM in der Altersklasse U20 (7.045 Pt.). 

Erste Stufe der Professionalisierung in Nauen

Im Sommer 2022 stellte sich außerdem die Frage, wie es nach der Schulzeit weitergehen sollte. „Ich habe Abitur gemacht, meine Familie ist aus Berlin ins Ausland gezogen und ich musste überlegen, was ich machen möchte.“ Da traf es sich gut, dass Manfred Hofmann, der beim SV Leonardo-da-Vinci Nauen mit Amadeus Gräber schon ein Mehrkampf-Talent betreute, auf den Berliner aufmerksam geworden war.

„Er hat mich angesprochen, ob ich in seiner Gruppe trainieren möchte.“ Der damals 19-Jährige konnte auf dem Campus des SV Leonardo-da-Vinci Nauen, der ein professionelleres Trainingsumfeld bot, auch noch ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Dazu kam mit Amadeus Gräber, der gerade den Titel bei der U18-EM gewonnen hatte, ein starker Trainingspartner. Somit fiel die Entscheidung für den Wechsel und Umzug ins Berliner Umland. Es begann ein gemeinsamer Weg, der bis heute anhält.

„Wir kennen uns mittlerweile sehr gut, können uns im Training gegenseitig pushen und kommen auch menschlich super miteinander klar“, erzählt Fred Isaac Fleurisson über seine Gruppe. Stück für Stück ging es mit der Leistung in allen Disziplinen und mit der Punktzahl im Zehnkampf bergauf. 2023 gewann Fred Isaac Fleurisson den U23-Titel bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften (7.421 Pt.), 2024 holte er mit der bis heute bestehenden Bestzeit über 110 Meter Hürden (13,73 sec) Silber bei der U23-DM und verfehlte den Sieg nur um drei Hundertstel. 

Neuer Trainingsstandort in Frankfurt

Um die wachsenden Ambitionen der Gruppe auch in Richtung internationaler Starts im Männerbereich verfolgen zu können, suchte Manfred Hofmann nach einem neuen Standort für sich und seine aufstrebenden Athleten, auch weil die Arbeit in Nauen eher auf den Nachwuchs ausgerichtet ist als auf die Förderung von Spitzenathleten. Genau dafür bot Eintracht Frankfurt die nötigen Strukturen und mit dem Umzug stieß mit Bjarne Gebhardt ein weiterer Nachwuchs-Zehnkämpfer zu der Gruppe dazu.

Im neuen Trikot folgte der nächste Leistungssprung und Meilenstein im Zehnkampf. Fred Isaac Fleurisson steigerte sich in Bernhausen um knapp 500 Punkte. Der erste Zehnkampf mit mehr als 8.000 Punkten (8.005 Pt.) ebnete den Weg zur ersten internationalen Meisterschaft, der bei der U23-EM in Bergen auf Rang neun führte (7.685 Pt.). Außerdem gewann er noch DM-Bronze in Dresden im Hürdensprint (13,92 sec). Neben dem Sport nahm der Zehnkämpfer ein Studium in Sportwissenschaften auf. Dabei besteht die Möglichkeit, Prüfungen und Umfang auf die sportliche Karriere abzustimmen.

Anschluss an internationale Spitze herstellen

Die zurückliegende Hallensaison soll nur die nächste Zwischenstation auf dem Weg immer weiter nach oben gewesen sein: „Ich habe gut trainiert und an meinen Schwächen gearbeitet. Auch über die Hürden hat die Form gestimmt, ich habe mich schnell und explosiv gefühlt.“ So kam die Bestzeit über die 60 Meter Hürden weniger überraschend als der Titel bei der Hallen-DM. Unmittelbar nach diesem Triumph ging es ins Trainingslager nach Südafrika zur Vorbereitung auf die Sommersaison.

„Ich möchte in den technischen Disziplinen schon im Training konzentrierter arbeiten, damit es auch im Mehrkampf besser klappt“, benennt der Deutsche Hallenmeister Verbesserungsmöglichkeiten unter anderem im Diskuswurf und Stabhochsprung. Auch mit den abschließenden 1.500 Metern hat sich der 22-Jährige noch nicht angefreundet. Neben Schwächen auszumerzen, sollen aber auch die Stärken weiter ausgebaut werden. „Meine Zeiten aus der Halle sprechen dafür, dass auch über 110 Meter Hürden eine Bestzeit drin sein sollte“, so der Frankfurter.

Angesichts der starken Konkurrenz um Weltmeister Leo Neugebauer (VfB Stuttgart) und den Weltmeister von 2019 Niklas Kaul (USC Mainz) ist dem Aufsteiger klar, dass die Qualifikation für die EM in Birmingham (Großbritannien) im Zehnkampf schwierig werden wird. „Eine Punktzahl von 8.100 bis 8.200 Punkten wäre ein guter nächster Schritt.“ Aber international bis hin zu Olympischen Spielen dabei zu sein, ist das Ziel von Fred Isaac Fleurisson und seiner Trainingsgruppe. Noch sind sie in der Rolle der Herausforderer. Aber wie schnell es ganz nach vorn gehen kann, hat der DM-Titel im Hürdensprint in der Hallensaison gezeigt.

Video: Zehnkämpfer Fred Isaac Fleurisson ärgert die Hürdensprint-Spezialisten
Video-Interview: Fred Isaac Fleurisson: "Ich muss erst mal drauf klarkommen"

Das sagt Zehnkampf-Bundestrainerin Beatrice Mau-Repnak:

In den vergangenen Jahren hat sich Fred kontinuierlich weiterentwickelt. Die Ergebnisse in diesem Winter im Hürdensprint sowie im Mehrkampf sind die logische Folge davon. Schon im Trainingslager im November haben sich Verbesserungen in den Wurfdisziplinen abgezeichnet, die auch gute Voraussetzungen für eine Steigerung im Zehnkampf im Sommer sind. Auch die Konstellation seiner Gruppe ist günstig, für das tägliche Training und im Wettkampf. 

Mit den Hürden hat Fred eine Spezialdisziplin, insgesamt sind die Sprint- und Sprungdisziplinen seine Stärken. In den Würfen steckt noch Potenzial, bei denen er aber im Wintertraining Verbesserungen erzielen konnte. Das resultiert auch aus seinen Kraftwerten. Auch der Stabhochsprung ist ebenfalls noch ausbaufähig. Die größte Baustelle sind die abschließenden 1.500 Meter. Fred weiß, dass er daran arbeiten muss. In der Halle hat er schon versucht, den 1.000er offensiver anzugehen. Leider ist er hinten raus etwas eingegangen.

Fred bringt alles mit, um sich im Zehnkampf weiter zu steigern. Wegen der starken Konkurrenz wird die Qualifikation für die Europameisterschaften wahrscheinlich noch zu weit weg sein. Es gilt, die Punktzahl in Richtung der nationalen Spitze auszubauen. Mit einem größeren Schwerpunkt auf die Hürden könnte sich vielleicht sogar die Chance auf eine EM-Teilnahme in dieser Disziplin ergeben. Wenn Fred sich weiter so gut entwickelt und gesund bleibt, kann er in Richtung der Olympischen Spiele 2028 auch im Zehnkampf im Rennen um die Startplätze mitmischen.

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