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Lera Miller – Lauf-Hoffnung mit Hallen-Hattrick auf Erfolgskurs

Lera Miller stürmt im grauen Trikot bei einem Hallenrennen vorneweg © Dirk Gantenberg
Dreimal in Folge triumphierte Lera Miller bei den Deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften über 1.500 Meter. Nach einer erfolgreichen Hallensaison hat die Nachwuchs-Läuferin im Sommer den U20-WM-Start fest im Visier. Es wäre bereits ihr fünfter Einsatz bei einer internationalen Nachwuchs-Meisterschaft.
Svenja Sapper

Es war 12:50 Uhr am 22. Februar 2026, als Lera Miller (VfL Löningen) im Sindelfinger Glaspalast einen lauten Freudenschrei ausstieß. Eher ungewöhnlich für die knapp 19-Jährige, die sonst im Wettkampf nicht zu übermäßigen Gefühlsausbrüchen neigt. Der Schrei der Erleichterung zeugte jedoch auch davon, welche Last gerade von den Schultern der Niedersächsin abgefallen war. „Ich hatte mir im Vorfeld schon echt Druck gemacht“, gestand sie im Anschluss. „Mit dem zweiten Platz hätte ich mich heute nicht zufriedengegeben.“

Kurz zuvor hatte Lera Miller bei den Deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften den 1.500-Meter-Titel klargemacht. Und das bereits zum dritten Mal in Folge. Ein Meisterstück, das nur wenigen Athletinnen und Athleten gelingt. Ebenfalls bemerkenswert: Die 18-Jährige ist taktisch schon sehr versiert und auf jeden Rennverlauf eingestellt. Bei ihrem ersten Jugend-Hallen-DM-Titel machte sie das Tempo, ließ Favoritin Vanessa Mikitenko dann vorbeiziehen und rang sie auf der Zielgeraden nieder. Ein Jahr später lauerte sie hinter Lena Rossmanith (TSV Marktoberdorf), um auf der zweiten Rennhälfte das Zepter in die Hand zu nehmen.

In Sindelfingen bestritt sie das gesamte Rennen von vorn. „Da wahrscheinlich alle erwartet haben, dass ich erst auf den letzten 200, 300 Metern nach vorne gehe, dachte ich, ich probiere mal was Neues und versuche, das Tempo schon früher anzuziehen“, erzählte Lera Miller nach ihrem Finale. Als Titelverteidigerin und Jahresbeste waren die Augen natürlich besonders auf die Löningerin gerichtet. „Ich mag die Favoritenrolle eigentlich nicht so“, gibt Lera Miller zu. „Das ist eine ganz andere Nervosität. Alle erwarten von mir den Sieg, ich selbst natürlich auch.“

Lieber Underdog als Favoritin

Lieber ist es der 18-Jährigen, als „Underdog“ zu überraschen. Fast wäre ihr das bereits eine Woche später bei der Hallen-DM in Dortmund gelungen. Mit einem fulminanten Schlussspurt sammelte sie auf der letzten Runde noch Läuferinnen ein, lediglich die Top Drei waren enteilt. „Der vierte Platz ist immer ein bisschen undankbar“, bedauerte sie im Anschluss. Doch die nächsten Titelkämpfe kommen bestimmt. Immerhin hat Lera Miller trotz ihres jungen Alters schon viel Erfahrung. Mit noch nicht einmal 19 Jahren hat sie bereits an vier internationalen Meisterschaften teilgenommen – über drei verschiedene Strecken.

Ihr Debüt gab sie 2023 beim Europäischen Olympischen Jugendfestival in Maribor (Slowenien) als Fünfte über 2.000 Meter Hindernis. Ein Jahr später verlief die U18-EM in Banská Bystrica (Slowakei) nicht nach Wunsch: Im Vorlauf blieb sie an einem Hindernis hängen, holte sich eine blutende Schramme am Knie und verpasste das Finale. Das Happy End folgte sechs Wochen später bei der U20-WM in Lima (Peru). Die damalige U18-Athletin zog über 1.500 Meter überraschend ins Finale ein und wurde Elfte. Bei der U20-EM 2025 in Tampere (Finnland) startete sie über 3.000 Meter – Platz 13. Hinzu kam ein Start bei der Cross-EM 2025.

„Ich war nicht immer zufrieden mit den Leistungen“, blickt Lera Miller zurück. „Aber im Endeffekt ist es genau das, was mich antreibt. Ich will bei der nächsten Meisterschaft wieder dabei sein, ich will es besser machen, ich will zeigen, was ich draufhabe.“ Bevor sie in der Freiluftsaison Kurs auf den nächsten internationalen Start nehmen kann, muss Lera Miller noch eine schulische Hürde nehmen: Ab April stehen die Abiturprüfungen in den Leistungskursen Kunst, Deutsch und Englisch an. 

Lauftalent schon früh erkennbar

Lera Miller ist Läuferin durch und durch. Schon im Grundschulalter wurde ihr Talent bei Straßenläufen entdeckt, an denen sie damals gemeinsam mit ihrem Vater teilnahm. Die ganze Familie ist sportlich, auch der 13 Jahre alte Bruder beginnt langsam, seiner großen Schwester nachzueifern. Auch im sportlichen Umfeld ist die Stimmung familiär: „Der VfL Löningen ist ein kleiner Verein, aber ich bekomme dort alles, was ich brauche“, sagt Lera Miller.

Aushängeschild des Klubs ist zweifellos Hindernisläuferin Lea Meyer. Die WM- und Olympia-Finalistin trainierte in ihrer Jugend beim selben Trainer wie nun Lera Miller: Armin Beyer, der in Löningen nicht nur als Trainer, sondern auch als Abteilungsleiter Leichtathletik und als Sportwart fungiert. Anders als Lea Meyer hat Lera Miller dem Hindernislauf mittlerweile den Rücken gekehrt. „Mit den Hindernissen war’s das erst mal für mich“, sagt sie. „Ich hatte da mittlerweile schon echt viele Stürze, was auch ein bisschen Respekt in mir hervorruft. Und auf den anderen Strecken läuft es ja gut.“

Die Gruppe, in der Lera Miller trainiert, besteht ausschließlich aus jungen Athletinnen, darunter die gleichaltrige U20-EM-Teilnehmerin über 800 Meter Paula Terhorst und 400-Meter-Hürdenspezialistin Pia Albers. Das Training mit Athletinnen, die auf kürzeren Distanzen unterwegs sind, schult ebenso die Spurtstärke wie die 500- und 200-Meter-Läufe im Training – Lera Millers Lieblingseinheit.

Zweiten U20-WM-Start im Visier

Eben diese Spurtstärke möchte sie in der Freiluftsaison wieder ausspielen. „Ich muss die perfekte Mitte finden, den Fokus haben, damit der Wettkampf gut wird“, sagt die junge Läuferin, die sich für den Sommer ihren zweiten U20-WM-Start zum Ziel gesetzt hat. „Die Reise nach Peru vor zwei Jahren war echt cool. Deshalb möchte ich die Erfahrung auf jeden Fall noch mal machen.“

Wunsch-Reiseziel in diesem Jahr: Eugene im US-Bundesstaat Oregon. Dort finden vom 5. bis 9. August die U20-Weltmeisterschaften statt. Wenn Lera Miller dort ihren Fokus findet und einmal mehr im Spurt überzeugt, ist es gut möglich, dass sie wie vor zwei Jahren auf internationalem Parkett vorne mitmischen kann. Und dann vielleicht wieder einen Freudenschrei ausstößt wie Ende Februar in Sindelfingen.

Mehr: 
Bericht | Hattrick für Lera Miller
Video | Lera Miller macht den 1.500-Meter-Hattrick klar

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