Am zweiten Tag des EA-Wurf-Cup haben die deutschen Werferinnen und Werfer erneut überzeugt. Sowohl in der ersten als auch in der letzten Disziplin, die am Sonntag ausgetragen wurde, gab es Einzel-Gold zu bejubeln. Zudem feierte die DLV-Auswahl zwei Teamsiege sowie je einmal Silber und Bronze in der Mannschaftswertung.
Die deutsche Mannschaft erlebte am zweiten Tag des EA-Wurf-Cups auf Nikosia (Zypern) einen goldenen Auftakt und ein goldenes Ende. Für den perfekten Start in den Sonntag sorgte U23-Kugelstoßerin Helena Kopp (LG Stadtwerke München). Die U23-EM-Dritte des Vorjahres holte sich mit 16,29 Metern den Sieg. Der goldene Stoß gelang ihr in Runde fünf, damit konnte sie sich von der Griechin Maria Rafailidou (16,04 m) absetzen, die als einzige weitere U23-Athletin die 16-Meter-Marke übertraf.
Wenig später war auch die erste deutsche Mannschaftsmedaille besiegelt: Als letzte der vier Wurfdisziplinen ging der Hammerwurf der weiblichen U23 zu Ende. Für DLV-Athletin Johanna Marrwitz (LG Stadtwerke München), die erst in diesem Jahr in die U23-Altersklasse aufgestiegen ist, gingen 65,20 Meter in die Wertung ein – Platz sechs beim Sieg der starken Schwedin Patricia Kamga (69,76 m). Anschließend stand fest, dass die deutschen U23-Werferinnen Bronze gewonnen hatten. Mit 3.737 Punkten lag die DLV-Auswahl nur knapp hinter Spanien (3.764 pt) und Schweden (3.763 pt).
Ähnlich eng fiel die Entscheidung in der männlichen U23 aus – zugunsten der DLV-Werfer. Nachdem am Samstag Lukas Schober (Kugel) und Tim Steinfurth (Hammer) bereits mit guten Leistungen vorgelegt hatten, überzeugte am Sonntag vor allem Speerwerfer Florian Schmid (LG Stadtwerke München). Im strömenden Regen von Nikosia warf der 20-Jährige im ersten Durchgang neue Bestleistung von 77,25 Metern und wurde Vierter. Wie viele andere Werfer, darunter Sieger Jan Vyska (Tschechien; 79,71 m), beendete er den Wettkampf nach dem vierten Versuch. Im Diskuswurf wurden für Lukas Schober bei seinem zweiten Auftritt 49,41 Meter notiert – Rang zwölf.
Marike Steinacker macht Team-Gold perfekt
Das zweite Mannschaftsgold gewannen die DLV-Werferinnen in der Erwachsenenklasse. Mit 59,72 Metern und Rang drei verteidigte Diskuswerferin Marike Steinacker (TSV Bayer 04 Leverkusen) die Poleposition des DLV-Teams, das 4.229 Punkte sammelte. "So ein verrückter Wettkampf", bilanzierte sie bei Instagram. "Es war regnerisch und super windig." Den Sieg holte sich die Polin Daria Zabawska mit 62,27 Metern, auch die routinierte Französin Melina Robert-Michon knackte mit 60,03 Metern die 60-Meter-Marke. Leia Braunagel (Eintracht Frankfurt) zeigte mit 58,16 Metern und Platz fünf eine ansprechende Leistung.
Für die Männer standen am Sonntag noch drei Disziplinen an. Das Beste kam für die DLV-Werfer zum Schluss: Drei 80-Meter-Würfe, davon einer auf 81,05 Meter, bescherten Speerwerfer Nick Thumm (VfB Stuttgart) den Sieg. Der 21-Jährige, der im Vorjahr in der U23 gewonnen hatte, konnte den Schweizer Simon Wieland in Schach halten, der ihm mit ebenfalls drei 80-Meter-Würfen und einer Tagesbestweite von 80,76 Metern dicht auf die Pelle rückte. Der zweite deutsche Speerwerfer Niklas Sagawe (TSG Bergedorf; 73,41 m) landete auf Platz 15.
Noch etwas schwerer tat sich im Hammerwurf Debütant Lukas Winkler (LAC Erdgas Chemnitz). Sein Wurfgerät schlug bei 64,35 Metern ein – Platz 20 in einer starken Konkurrenz, die überraschend der Tscheche Volodymyr Myslyvčuk für sich entscheiden konnte. Mit 80,69 Metern bezwang der gebürtige Ukrainer, der seit 2024 für Tschechien startberechtigt ist, den WM-Dritten Bence Halasz (Ungarn; 80,31 m). Im Kugelstoßen waren für das deutsche Team zwei U23-Athleten im Einsatz: Der Deutsche Hallenmeister Georg Harpf (LG Stadtwerke München) steigerte sich im letzten Durchgang auf 19,31 Meter und belegte damit Rang sechs. Lasse Schulz (TV Plieningen), der nur einen gültigen Versuch auf 18,38 Meter verbuchte, wurde Elfter. Als einziger Kugelstoßer übertraf Konrad Bukowiecki (Polen; 20,43 m) die 20 Meter.
Mit guten Ergebnissen Richtung Sommersaison
In Summe bedeutete das für das DLV-Team in der Männer-Konkurrenz Rang zwei. Mit 4.353 Punkten lag die deutsche Mannschaft drei Zähler vor Italien, aber 43 hinter den Griechen, die mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung überzeugten. Mit sieben Medaillen, davon vier aus Gold, führten die DLV-Werferinnen und -Werfer den Medaillenspiegel der Einzelwertung klar an und dominierten mit 78 Punkten auch die Nationenwertung.
Der Leitende Bundestrainer Wurf/Stoß Sven Lang zeigte sich vor allem mit den Leistungen der Nachwuchs-Werferinnen und -Werfer zufrieden. "Es ist erfreulich, dass einige U23-Athleten wie Nick Thumm schon jetzt den Anschluss an die Erwachsenenklasse hergestellt haben", sagte er. Ohne Zweifel das herausragende Ergebnis im deutschen Team: die 67,29 Meter von Diskuswerfer Steven Richter (LV 90 Erzgebirge) am ersten Tag. Dieser Leistung verlieh der Chef-Coach das Prädikat "Weltklasse".
Eine negative Überraschung hingegen: das Wetter. Regen und Wind machten in einigen Disziplinen die ganz großen Weiten zunichte. Die Bedingungen waren somit ganz andere als im vergangenen Jahr. Damals hatte Nikosia die Werferinnen und Werfer mit Sonnenschein und Temperaturen bis 30 Grad verwöhnt. "Vor diesem Hintergrund hatten wir einige recht gute Ergebnisse", so Sven Lang. "Die Mannschaftswertung ist für den Teamgeist natürlich eine schöne Sache." Mit Blick auf die EM in Birmingham (Großbritannien; 10. bis 16. August) bewerte er jedoch überwiegend die individuellen Leistungen – und machte dort noch Luft nach oben aus. So ist bis zur Sommersaison weiter akribische Arbeit an den Feinheiten angesagt.
Die kompletten Resultate finden Sie in unserer Ergebnisrubrik...