Sabastian Sawe, Jacob Kiplimo und Amanal Petros gehen beim London-Marathon am Sonntag alle auf Rekordjagd – allerdings peilen sie verschiedene Bestzeiten an. Zudem könnten bei den Frauen der 23 Jahre alte Streckenrekord von Paula Radcliffe und zugleich der „Women Only World Record“ fallen.
An der Themse kommt es zu einer Neu-Auflage des Duells der beiden zurzeit schnellsten Marathonläufer der Welt: Titelverteidiger Sabastian Sawe trifft beim London-Marathon auf Jacob Kiplimo (Uganda), der vor einem Jahr in London sein Debüt lief und hinter dem Kenianer Zweiter war. 2025 lief Sabastian Sawe am Buckingham Palast nach 2:02:27 Stunden ins Ziel und hatte 70 Sekunden Vorsprung. Am Sonntag sind die beiden Ausnahmeläufer die großen Favoriten und es ist mit einem engeren Rennen zu rechnen.
Die persönlichen Bestzeiten von Sawe (2:02:05 h) und Kiplimo (2:02:23 h) liegen inzwischen nur 18 Sekunden auseinander. Es ist damit zu rechnen, dass die Pacemaker der Spitzengruppe ein Tempo einschlagen werden, das im Bereich des Streckenrekordes liegt. Diesen hatte der zwischenzeitlich bei einem Autounfall verstorbene Kelvin Kiptum (Kenia) vor drei Jahren mit 2:01:25 Stunden aufgestellt. Der Weltrekord von Kiptum steht bei 2:00:35 Stunden.
Die Frage wird sein, welche weiteren Läufer sich gegebenenfalls einem derart schnellen Tempo anschließen werden. Olympiasieger Tamirat Tola (Äthiopien) und sein Landsmann Yomif Kejelcha, der vor kurzem erst seinen Halbmarathon-Weltrekord an Jacob Kiplimo verlor, sind mögliche Kandidaten. Kejelcha gibt in der britischen Hauptstadt sein Debüt über die vollen 42,195 Kilometer. Auch der frühere Halbmarathon-Weltrekordler Geoffrey Kamworor (Kenia) war zuletzt in exzellenter Form.
Amanal Petros will Deutschen Rekord angreifen
Vize-Weltmeister Amanal Petros (Hannover 96) will sich „Schritt für Schritt“ verbessern. „Ich möchte in London meinen deutschen Rekord angreifen. Die Strecke ist allerdings nicht so schnell wie die in Berlin“, sagte der 30-Jährige, nachdem er in Berlin Ende März seinen deutschen Halbmarathon-Rekord auf 59:22 Minuten verbessert hatte. In Valencia hatte er im vergangenen Dezember die nationale Marathon-Bestzeit auf 2:04:03 Stunden gesteigert.
Bei einer weiteren Steigerung kommt Amanal Petros voraussichtlich in den Bereich des Europarekordes von 2:03:36 Stunden, den der Belgier Bashir Abdi 2021 in Rotterdam aufgestellt hatte. Die kontinentale Bestzeit hat Amanal Petros, der sich in Kenia wieder in der Gruppe des italienisches Erfolgs-Coaches Renata Canova auf den London vorbereitet hat, im Blick.
Zwar will Amanal Petros auch in London, wo er vor einem Jahr bereits den achten Platz belegt hatte, möglichst weit vorne landen, doch der ersten Gruppe wird er sich nicht anschließen. „Amanal wird in der zweiten Gruppe laufen, die voraussichtlich die erste Hälfte in 61:45 Minuten laufen soll, vielleicht sogar noch etwas schneller“, sagte sein Manager Philipp Kopp, der Sohn des verstorbenen Christoph Kopp. „Dann muss man sehen, ob er das Tempo halten kann. Wenn Amanal clever läuft, hat er sicherlich die Chance auf eine sehr gute Platzierung. Er hat auch den Vorteil, die Strecke zu kennen.“
Dreikampf bei den Frauen?
Bevor die Männer ins Rennen gehen, starten in London die Frauen in die 42,195 Kilometer. Nach Absagen der Marathon-Olympiasiegerinnen Sifan Hassan (Niederlande/2024) und Peres Jepchirchir (Kenia/2021), die beide nicht rechtzeitig in Topform gekommen sind, zeichnet sich ein Dreikampf ab. Als Titelverteidigerin ist die ehemalige Weltrekordlerin sowie Olympia- und WM-Zweite Tigst Assefa (Äthiopien; Bestzeit: 2:11:53 h) auch die schnellste Läuferin auf der Startliste. Sie gewann im vergangenen Jahr mit einem „Women Only World Record“ (reines Frauen-Rennen ohne männliche Tempomacher) von 2:15:50 Stunden. Diese Marke könnte ebenso fallen wie der 2:15:25-Streckenrekord von Paula Radcliffe (Großbritannien), die 2003 mit dieser Zeit in London gewann und damals einen famosen Weltrekord aufstellte.
Herausgefordert wird Tigst Assefa in London sicherlich von den Kenianerinnen Joyciline Jepkosgei, die sich bei ihrem Sieg in Valencia (Spanien) im Dezember auf 2:14:00 Stunden verbesserte, und Hellen Obiri, die Olympia-Dritte von Paris 2024. Im Rennen ist außerdem die überraschende WM-Dritte von 2025, Julia Paternain (Uruguay).
Die fünf schnellsten je in London gelaufenen Zeiten:
Männer:
2:01:25 h | Kelvin Kiptum | KEN | 2023
2:02:27 h | Sabastian Sawe | KEN | 2025
2:02:37 h | Eliud Kipchoge | KEN | 2019
2:02:55 h | Mosinet Geremew | ETH | 2019
2:03:05 h | Eliud Kipchoge | KEN | 2016
Frauen:
2:15:25 h | Paula Radcliffe | GBR | 2003
2:15:50 h | Tigst Assefa | ETH | 2025
2:16:16 h | Peres Jepchirchir | KEN | 2024
2:16:23 h | Tigst Assefa | ETH | 2024
2:16:24 h | Joyciline Jepkosgei | KEN | 2024
Eliteläufer:innen mit Bestzeiten:
Männer:
Sabastian Sawe | KEN | 2:02:05 h
Jacob Kiplimo | UGA | 2:02:23 h
Deresa Geleta | ETH | 2:02:38 h
Amos Kipruto | KEN | 2:03:13 h
Tamirat Tola | ETH | 2:03:39 h
Amanal Petros | Hannover 96 | 2:04:03 h
Geoffrey Kamworor | KEN | 2:04:23 h
Joshua Cheptegei | UGA | 2:04:52 h
Mahamed Mahamed | GBR | 2:07:05 h
Philip Sesemann | GBR | 2:07:10 h
Yomif Kejelcha | ETH | Debüt
Isaia Lasoi | KEN | Debüt
Frauen:
Tigst Assefa | ETH | 2:11:53 h
Joyciline Jepkosgei | KEN | 2:14:00 h
Hellen Obiri | KEN | 2:17:41 h
Degitu Azimeraw | ETH | 2:17:58 h
Eunice Chumba | KEN | 2:20:02 h
Catherine Amanang’ole | KEN | 2:20:34 h
Balemelay Shumet | ETH | 2:21:59 h
Rose Harvey | GBR | 2:23:21 h
Eilish McColgan | GBR | 2:24:25 h
Julia Paternain | URU | 2:27:09 h