Am kommenden Wochenende (2./3. Mai) richtet Botswana erstmals eine globale Meisterschaft in der Leichtathletik aus: Bei den World Relays in Gaborone starten Staffeln aus 40 Nationen. Die Veranstaltung ist nicht nur eine wichtige Standortbestimmung zu Beginn der Freiluftsaison, sondern dient auch als Qualifikationswettkampf für die Ultimate-WM in September und die WM 2027 in Peking.
Die nächsten Leichtathletik-Weltmeisterschaften finden erst im September 2027 in Chinas Hauptstadt Peking statt. Die ersten WM-_Startplätze werden jedoch bereits am kommenden Wochenende vergeben: bei den World Relays in Gaborone (Botswana). Ausgetragen werden am Samstag und Sonntag in zwei kompakten Sessions zwischen 14:00 und 17:00 Uhr Rennen (keine Zeitverschiebung) über 4x100 Meter und 4x400 Meter der Frauen, Männer und Mixed. Eurovision Sport überträgt die Wettbewerbe an beiden Tagen live.
In der Hauptstadt Botswanas sind 40 Nationen mit insgesamt mehr als 700 Athletinnen und Athleten vertreten. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat sein Team am Montag nominiert: 28 Athletinnen und Athleten werden am Donnerstag vom Staffel-Trainingslager in Südafrika ins Nachbarland Botswana reisen, darunter die WM-Dritte mit der 4x100-Meter-Staffel Gina Lückenkemper (SCC Berlin), der Deutsche 100-Meter-Rekordler Owen Ansah (Hamburger SV) und der U23-Europameister über 400 Meter Hürden Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV).
Road to Beijing: So qualifizieren sich die DLV-Staffeln für die WM 2027
- Direkte Finalqualifikation: Die acht Staffeln, die sich am Samstag in der Vorrunde ins Finale einziehen, lösen ein WM-Ticket für Peking.
- Repechage: Alle in der Vorrunde ausgeschiedenen Staffeln treten am Sonntag in der Hoffnungsrunde an, in dieser Runde qualifizieren sich die schnellsten vier Staffeln für Peking.
- Auch Staffeln, die in der Vorrunde disqualifiziert werden oder nicht ins Ziel kommen, erhalten in der Hoffnungsrunde eine zweite Chance, sofern sie in der Vorrunde ernsthafte Bemühungen gezeigt haben, das Rennen zu beenden. Somit buchen in den sechs Staffeln jeweils zwölf Nationen das Peking-Ticket.
- Über 4x100 Meter Mixed und 4x400 Meter Mixed buchen die Top Sechs der Finalläufe zudem das Ticket für die World Ultimate Championships in Budapest (Ungarn; 11. bis 13. September).
Die beste Strategie zählt
Der Leitende Bundestrainer Sprint/Hürde Julian Reus, der in Botswana zum sechsköpfigen deutschen Trainerteam zählt, ist zuversichtlich: „Ziel ist es, in möglichst vielen Wettbewerben das WM-Ticket für Peking klarzumachen“, sagt der frühere Top-Sprinter. 2024 in Nassau (Bahamas) und 2025 in Guangzhou (China) hatten sich bei den World Relays jeweils vier Staffeln für den Saison-Höhepunkt qualifiziert. Und auch in diesem Jahr verliefen die letzten Leistungstests im Trainingslager vielversprechend.
Ein Selbstläufer ist die WM-Qualifikation dennoch nicht. Denn die World Relays sind längst nicht nur ein Aufeinandertreffen der weltbesten Staffeln, sondern aufgrund des Qualifikationsmodus und der Regeln auch eine taktische Herausforderung. Die kurzen Zeitabstände von maximal zweieinhalb Stunden zwischen den Rennen erschweren Doppelstarts in der klassischen 4x400-Meter-Staffel und der 4x400-Meter-Mixed-Staffel. So wird es darum gehen, Schnelligkeit und gute Wechselqualitäten mit der richtigen Erfolgsstrategie zu kombinieren.
Weltmeister-Staffel mit Heimspiel
Zu den stärksten Gegnern über 4x400 Meter der Männer gehören die Gastgeber. Das haben die Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr in Tokio (Japan) gezeigt. Dort triumphierte Collen Kebinatshipi über 400 Meter, Bronze ging an seinen Landsmann Bayapo Ndori. Beide stehen bei den World Relays erneut im Aufgebot. Zur Krönung gewann das Quartett aus Botswana auch noch WM-Gold mit der 4x400-Meter-Staffel. Dabei kam auch 200-Meter-Olympiasieger Letsile Tebogo zum Einsatz, der bei den World Relays nur für die 4x100 Meter gemeldet ist, aber auch in den weiteren Staffel-Entscheidungen eingesetzt werden kann.
Tebogo ist nicht der einzige Olympiasieger, der sich in Gaborone in den Dienst der Mannschaft stellt. Jamaika setzt über 4x100 Meter unter anderem auf die fünffache Olympiasiegerin Elaine Thompson-Herah und die zweimalige 200-Meter-Weltmeisterin Shericka Jackson, beide zählten bei den Spielen 2021 zum siegreichen jamaikanischen 4x100-Meter-Quartett. Jamaikas 100-Meter-Weltmeister Oblique Seville hat Medienberichten zufolge seinen Start zurückgezogen. Bei den Männern schickt der kanadische Verband alle vier Sprinter aus der Gold-Staffel von Paris 2024 ins Rennen, darunter der 200-Meter-Olympiasieger von 2021 Andre de Grasse.
Olympiasieger und Weltmeister mit dabei
Darüber hinaus finden sich in den Meldelisten die Namen von 400-Meter-Weltrekordler Wayde van Niekerk (Südafrika), dem WM-Dritten über 400 Meter Hürden Abderrahman Samba (Katar), 100-Meter-Afrikarekordler Ferdinand Omanyala (Kenia) und 60-Meter-Hallenweltmeisterin Zaynab Dosso (Italien).
Einige US-Stars wie etwa der 400-Meter-Hürden-Weltmeister Rai Benjamin verzichten hingegen auf eine Reise nach Botswana. Daher hat der US-Verband sich gegen eine Nominierung der klassischen 4x400-Meter-Staffeln entschieden und wird in Botswana lediglich durch die 4x100-Meter-Staffeln und die 4x400-Meter-Mixed-Staffel vertreten sein.
Den deutschen Fans dürfte in der Meldeliste außerdem der Name von Tatjana Pinto ins Auge fallen. Die 33-Jährige war über viele Jahre eine Stütze der deutschen 4x100-Meter-Staffel, mit der sie bei der WM 2022 in Eugene (USA) Bronze holte. Mittlerweile startet die Sprinterin für ihr zweites Heimatland Portugal und wird in Botswana im neuen Trikot auf ihre ehemaligen Weggefährtinnen treffen.
Foto: Im vergangenen Jahr machten die DLV-Sprinter (hier Yannick Wolf und Lucas Ansah-Peprah) bei den World Relays das WM-Ticket klar.