| Interview

Rosina Schneider: „Gute Grundlage für den Sommer“

© Stefan Mayer
Rosina Schneider (TV Sulz) war am Sonntag die Sprintkönigin des 35. Internationalen Kost Läufermeetings in Pliezhausen. Die Hürdensprinterin bewies als Siegerin über 80 und 150 Meter eindrucksvoll ihre Stärke auf den flachen Sprintstrecken. Im Interview spricht die 21-Jährige über ihre überragende Frühform, ihre Saisonziele und einen besonderen Moment im Schönbuchstadion.
David Köndgen

Rosina Schneider, was für ein Wochenende: Sie haben in Pliezhausen gleich zwei Sprintsiege geholt – über 80 und 150 Meter. Wie wichtig war dieser Saisonauftakt gegen starke Konkurrentinnen wie Malaika Mihambo und Sina Mayer für Ihr Selbstvertrauen?

Rosina Schneider:
Erst mal bin ich mega happy. Die Konkurrenz war groß und die beiden Sprints haben gezeigt, dass das, was wir in den vergangenen Monaten im Training gemacht haben, richtig war und sich ausgezahlt hat. Jetzt weiß ich: Okay, ich bin schneller geworden. Die Sprint-Ergebnisse geben mir daher auf jeden Fall viel Sicherheit. Am Ende muss ich es aber auch über die Hürden umsetzen können. Ich hoffe, dass ich das hinbekomme. Dass ich jetzt ein paar sehr gute Zeiten rausgehauen habe, gibt mir eine gute Grundlage für den Sommer.

Sie sind im Hürdensprint erfolgreich, haben den Flachsprint aber immer bewusst weiterverfolgt. Inwiefern profitieren Sie heute noch von dieser Sprint-Basis?

Rosina Schneider:
Wie Sie richtig sagen: Ich habe die 100 und 200 Meter nie ganz beiseitegelegt. Damit habe ich angefangen, auch in der Jugend. Die Basics kenne ich deshalb ganz gut.

Und was reizt Sie besonders an den Hürden?

Rosina Schneider:
Ich fand Hürden schon früher faszinierend, wenn sie im Training mal aufgetaucht sind. Spannend finde ich auch, dass manche Leute sagen: „Du hüpfst da drüber.“ Das is lustig, weil man erst mal lernen muss, über die Hürden zu sprinten und nicht darüber zu hüpfen. Ich mag an diesen Disziplinen – ob Hürde, 100 oder 200 Meter – sehr, dass es auf Hundertstel oder Tausendstel ankommt. Genau das macht es so besonders: Man kommt vielleicht nur eine Hundertstel vor der nächsten Athletin ins Ziel. Fürs Publikum sind Sprintdisziplinen auch deshalb so spannend, weil die Entscheidungen so knapp sind. Das schauen sich auch viele an, die sich sonst nicht so für Leichtathletik interessieren.

Deutschland hat aktuell viele starke Hürdensprinterinnen. Ist diese Konkurrenz für Sie eher zusätzliche Motivation oder entsteht dadurch auch Druck?

Rosina Schneider:
Mich freut es, dass wir gerade so viele gute Hürdensprinterinnen haben und auch im Nachwuchs einiges nachkommt. Ich messe mich teilweise mit Athletinnen, die ein paar Jahre älter sind oder schon deutlich mehr Erfahrung haben, zum Beispiel Ricarda Lobe. Ich glaube: Wenn man sich national durchsetzt und ein gewisses Niveau erreicht, kann man sich auch international behaupten. Das pusht einen. Man will noch schneller sein und hoffentlich zu den drei Schnellsten gehören. Natürlich wäre es schön, wenn die Deutschen dann auch ganz vorne dabei wären und vielleicht wieder eine Medaille holen könnten. Nach Cindy Roleder, Pamela Dutkiewicz-Emmerich und Ricarda Lobe wäre es schön, dort den Anschluss nicht zu verlieren.

Apropos internationale Medaillen: Ihr großes Ziel ist die EM-Qualifikation für Birmingham. Was muss in dieser Saison zusammenpassen, damit das gelingt?

Rosina Schneider:
Mein Ziel ist es, von Anfang an Vollgas zu geben. Ich bin überzeugt davon, dass ich die EM-Norm [12,88 sec; Anm. d. Red] laufen kann. Jetzt geht es vor allem darum, dass alles zusammenpasst. Ich muss meine Technik bis zur achten, neunten und auch zehnten Hürde stabil halten. Außerdem will ich mich bei den Deutschen Meisterschaften durchsetzen. Ein Top-Zwei-Platz wäre perfekt. Laut Nominierungsrichtlinien wäre ich damit als Normerfüllerin direkt qualifiziert. Man kann sich natürlich auch über das World-Ranking-System qualifizieren und bei den Meetings Punkte sammeln. Aber ich gehe schon davon aus, dass mehrere Mädels die direkte Norm laufen werden, vielleicht auch ich. Dann wird es am Ende einfach darum gehen: Wer ist schneller? Und dann kann es wieder auf Hundertstel ankommen. Aber ich glaube, das Wichtigste ist, bei mir selbst zu bleiben und zu wissen, was ich kann.

Wenn Sie auf die vergangenen Monate zurückblicken: In welchem Bereich haben Sie den größten Entwicklungsschritt gemacht – technisch, körperlich oder mental?

Rosina Schneider:
So wie es jetzt aussieht, habe ich sicher in der Schnelligkeit einen großen Schritt gemacht. Eigentlich hätte ich vor allem die Hürdentechnik genannt. Ich sehe manchmal Videos von mir aus den vergangenen Jahren und denke: Da war ich noch relativ instabil über die Hürden. Ich würde sagen, dass ich mich technisch deutlich verbessert habe. Das ist schon ein Fortschritt, den ich mir erarbeitet habe. Im Winter haben wir darauf großen Wert gelegt. Körperlich merke ich natürlich auch Veränderungen. Ich habe mehr Muskeln bekommen, fühle mich stabiler und athletischer. Das hilft mir für den Wettkampf. Aber selbst wenn es mal nicht optimal läuft, möchte ich das Positive daraus mitnehmen und sagen: Da kann ich noch etwas verbessern. 

Mit dem Goldenen Oval in Dresden (zum Ticket-Vorverkauf) steht am 31. Mai 2026 bereits der nächste größere Wettkampf an. Mit welchen Erwartungen gehen Sie dort an den Start?

Rosina Schneider:
Beim Goldenen Oval war ich schon dabei, als es zum ersten Mal stattgefunden hat. Deshalb freue ich mich, wieder dort starten zu dürfen. Das Meeting ist ganz cool, weil dort auch ein bisschen das deutsche Niveau gemessen wird. Für manche ist es nicht der erste Wettkampf, einige sind schon seit Wochen in der Saison. Ich steige in Dresden erst über die Hürden ein, deshalb ist es immer auch eine kleine Überraschung. Deshalb nehme ich mir erst mal gar nicht zu viel vor. Ich will das umsetzen, was ich im Training gelernt habe, und die Stimmung genießen. Gleichzeitig freue ich mich darauf, direkt gegen Ricarda, Marlene und Franzi laufen zu können. Dann schauen wir, was dabei rauskommt. Hoffentlich werde ich genauso überrascht wie in Pliezhausen.

Gutes Stichwort: Wie besonders war der Moment für Sie, als in Pliezhausen plötzlich Ihre Familie und Freunde überraschend im Stadion waren und Sie angefeuert haben?

Rosina Schneider:
Schon sehr schön. Ich wusste tatsächlich nicht, dass meine Mama und mein Bruder kommen. Mein Bruder hatte selbst noch einen Leichtathletik-Wettkampf und ich dachte nicht, dass sie da sein würden. Sie haben es mir nicht gesagt und mich dann überrascht. Auch meine beiden Tanten, mein Onkel, mein Freund und viele Freunde waren in Pliezhausen da und haben mich unterstützt. Es freut mich, dass sie mich nicht nur in Livestreams sehen oder bei Instagram, sondern live im Stadion. Mein früherer Heimtrainer war auch da. Bei ihm habe ich mit acht Jahren mit Leichtathletik angefangen. Wenn man solche Erlebnisse und vor allem solche Siege teilen kann, ist es etwas ganz Besonderes. Denn es ist einfach schön, wenn sich Familie und Freunde mit einem freuen. Wahrscheinlich wäre es auch okay gewesen, wenn ich Letzte geworden wäre. Aber so ist es natürlich schöner.

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