| Gaborone

Tag 1 der World Relays | Deutscher Rekord, Europarekord und vier WM-Tickets

© Maria Grunack
In Botswanas Hauptstadt Gaborone geht's am Wochenende rund: Bei den World Relays kämpfen über 4x100 und 4x400 Meter 40 Nationen mit rund 700 Athletinnen und Athleten um die ersten Tickets zur WM 2027 in Peking (China). Der Deutsche Leichtathletik-Verband schickt in allen Entscheidungen Teams ins Rennen. Hier lesen Sie, wie die DLV-Staffeln am Samstag in der ersten Qualifikationsrunde abgeschnitten haben.
Svenja Sapper

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Frauen

4x100 Meter | Runde 1

DLV-Team macht souverän das Finale klar

Angetreten mit drei von vier Sprinterinnen aus der WM-Bronze-Staffel, zählte das DLV-Quartett zu den Favoritinnen über 4x100 Meter. Und dieser Rolle wurden Sina Kammerschmitt (MTG Mannheim), Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar), Sophia Junk (LG Rhein-Wied) und Gina Lückenkemper (SCC Berlin) gerecht. Mit 42,44 Sekunden lösten sie als Vorlauf-Zweite hinter Jamaika (41,96 sec) souverän das Finalticket und qualifizierten sich damit zugleich für die Weltmeisterschaften 2027. 

Nur rund anderthalb Stunden nach ihrem Einsatz in der Mixed-Staffel stand Sina Kammerschmitt schon wieder auf der Bahn und bekam es mit der zweimaligen 200-Meter-Weltmeisterin Shericka Jackson (Jamaika) zu tun. Auf Position zwei sprintete Rebekka Haase unter anderem gegen die ehemalige Teamkollegin Tatjana Pinto, die im Trikot Portugals ihren Teil zum Landesrekord (43,11 sec) beitrug. Sophia Junk absolvierte erneut eine starke Kurve, bevor Gina Lückenkemper als Schlussläuferin den Abstand zu den Verfolgerinnen noch einmal deutlich ausbaute. 

Die schnellste Vorlaufzeit ging auf das Konto der Jamaikanerinnen, gefolgt von den Landesrekord laufenden Spanierinnen (42,26 sec), Kanada (42,39 sec) und dem DLV-Team. Gleich sechs Staffeln wurden disqualifiziert, darunter mit Großbritannien, Frankreich und Nigeria drei feste Größen des Staffellaufs. 

Stimmen zum Wettbewerb: 

Gina Lückenkemper (SCC Berlin)
„Wir sind super zufrieden mit dem Lauf heute. Die Wechsel waren alle grundsolide. Wir sind kein Risiko eingegangen, weil wir die WM-Qualifikation fix machen wollten. Das haben wir getan. Also von daher: Soll erfüllt, das Ticket für die WM 2027 safe! Zielstellung für morgen ist auf jeden Fall, Gas zu geben. Ich bin mal gespannt, in welcher Besetzung wir morgen hier aufschlagen. Zwei von unseren Ladys sind ja heute auch noch in der Mixed-Staffel gelaufen und haben da ein super-starkes Rennen absolviert. Die Staffeln liegen morgen ein bisschen eng beieinander, beides geht nicht. Aber wir dürfen ja auch zweimal austauschen. Von daher wird es spannend, mit welcher Besetzung wir morgen auf der Bahn stehen werden. Es wird auf jeden Fall noch einmal angegriffen.“

Sophia Junk (LG Rhein-Wied)
„Für mich war es Routine, ich bin ja bei der WM auch schon auf Position drei gelaufen. Zwischen Rebekka Haase und Gina Lückenkemper zu stehen, den erfahrensten Staffel-Läuferinnen, die wir haben, gibt auch Halt. Wenn der Wechsel klappt, dann mit den beiden. Das haben wir sehr solide gemacht. 100 Prozent Arbeitserfolg, würde ich sagen!“

 


4x400 Meter | Runde 1

DLV-Langsprinterinnen belohnen sich mit dem Finaleinzug

Das DLV-Team zählte zu den Nationen, die gleich im ersten von drei Läufen vorlegen mussten. Wie im Vorjahr bei der WM war es Skadi Schier (SCC Berlin), die das deutsche Quartett ins Rennen führte. Sie übergab an Jana Lakner (LG Telis Finanz Regensburg), die sich eindrucksvoll an der Konkurrenz vorbeischob und sogar die Führung übernahm. Auch Annkathrin Hoven (TSV Bayer 04 Leverkusen) konnte die Position gegen die stark besetzten Spanierinnen, Tschechinnen und Französinnen behaupten. 

So war es an Irina Gorr (TSV Gräfelfing), das DLV-Team auf einem Qualifikationsplatz zu halten. Die spanische Schlussläuferin Blanca Hervas, die in 3:24,44 Minuten den Sieg klarmachte, musste sie ziehen lassen, auf den letzten Metern ging auch Tschechiens Hallen-Weltmeisterin Lurdes Gloria Manuel noch vorbei. Doch als Vorlauf-Dritte bestand noch eine Chance, über die starke Zeit von 3:25,76 Minuten weiterzukommen. So harrten die DLV-Langsprinterinnen auf dem Hot Seat aus. Und nach dem dritten Vorlauf folgte die Erlösung: Das letzte kleine q und damit auch ein Startplatz bei der WM 2027 ging an das DLV-Quartett! 

Vorlauf-Schnellste waren in 3:21,28 Minuten die Britinnen, die den dritten Vorlauf gewannen. Dahinter überraschte Norwegen mit Landesrekord von 3:22,78 Minuten. Sechs Staffeln blieben in der ersten Qualifikationsrunde unter 3:25,00 Minuten. 

Stimme zum Wettbewerb: 

Skadi Schier (SCC Berlin)
„Super – wir freuen uns sehr. Wir sind mit einer der besten Vorleistungen von den Trainingsleistungen her angereist und haben das Beste daraus gemacht. Wir haben unsere Position vorn angeschoben und haben sie gehalten. Wir können super-stolz auf unsere Leistung sein und wie wir uns in den vergangenen Jahren verbessert haben. Wir sind einfach happy – und morgen im Finale geben wir noch einmal alles.“
 

Männer

4x100 Meter

DLV-Quartett pulverisiert Deutschen Rekord!

Schon der erste Vorlauf deutete an, was für pfeilschnelle Zeiten für den Finaleinzug gefordert sein würden: Die USA brachten 37,77 Sekunden auf die Bahn, zur großen Freude der Gastgeber gelang dahinter Botswana mit Landesrekord von 37,96 Sekunden der direkte Finaleinzug. Nur knapp dahinter reihten sich die Niederlande (38,00 sec) und Japan (38,01 sec) ein. So war klar: Das deutsche Quartett musste entweder das direkte Finalticket lösen oder in den Bereich des Deutschen Rekordes vorstoßen. 

Um es vorwegzunehmen: Beides gelang! Kevin Kranz (Sprintteam Wetzlar) sorgte mit der drittbesten Reaktionszeit (0,139 sec) für einen guten Start. Marvin Schulte (ASV Köln) absolvierte die erste Gerade auf Augenhöhe mit den Favoriten aus Kanada und Jamaika. Der Deutsche 100-Meter-Rekordler Owen Ansah (Hamburger SV) konnte den Jamaikaner schließlich sogar hinter sich lassen. Und Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV) spielte seine Stärke im Finish aus.

Kanada siegte in der Weltklasse-Zeit von 37,56 Sekunden. Nicht weit dahinter das deutsche Quartett, dem die Anzeigetafel schließlich bestätigte, was mit bloßem Auge zu erahnen gewesen war: 37,67 Sekunden! Deutscher Rekord! Die alte Marke von 37,97 Sekunden, aufgestellt bei der EM 2022 in München von Kranz, Joshua Hartmann (ASV Köln), Ansah und Ansah-Peprah, unterbot das Quartett gleich um drei Zehntelsekunden. Australien reichte ein Kontinentalrekord von 37,87 Sekunden in dem starken Rennen nur zu Rang drei. 

Im dritten Lauf trumpfte als Sieger Südafrika mit 37,68 Sekunden auf – knapp hinter den DLV-Sprintern die drittbeste Zeit der Vorrunde. Gleich sechs Staffeln blieben am Samstag unter 38 Sekunden, Großbritannien holte sich mit 38,01 Sekunden das letzte Finalticket. 

Stimmen zum Wettbewerb: 

Kevin Kranz (Sprintteam Wetzlar)
„Es war sehr, sehr heiß heute – aber es hat richtig Spaß gemacht. Die Stimmung war der Hammer. Es war übertrieben laut. Ich glaube, Marvin hat mich gar nicht gehört. Der hat einfach den Arm irgendwann rausgenommen – und es hat perfekt funktioniert. Und morgen? Morgen wollen wir das wiederholen – oder vielleicht sogar noch schneller sein! Wir geben auf jeden Fall unser Bestes und schauen, was drin ist.“

Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV)
„Ich war direkt hinter dem Kanadier. Als ich die Zeit gesehen habe, wusste ich sofort: Deutscher Rekord! Es fühlt sich ein wenig surreal an, den Rekord gleich um drei Zehntelsekunden verbessert zu haben. Und wenn man zurückblickt auf die vergangenen Jahre, in denen wir uns so entwickelt und schon an der Bestmarke gekratzt haben, ist das schon richtig geil. Wir sind für Peking qualifiziert – und im Finale!“


4x400 Meter

DLV-Auswahl tankt Selbstvertrauen für die zweite Runde

Der erste der drei Vorläufe bot bereits einen Vorgeschmack auf das Finale: In 2:57,30 Minuten ließen die Australier knapp Gastgeber und Weltmeister Botswana (2:57,52 min) hinter sich, die mit Busang Collen Kebinatshipi und Bayapo Ndori den Einzel-Weltmeister und den WM-Dritten aufbieten konnten. Auch die dritt- und viertplatzierten Niederländer (2:58,22 min) und Brasilianer (2:59,59 min) legten stark vor. Damit stand schon vor dem zweiten Vorlauf, in dem das DLV-Quartett mitmischte, fest, dass für eine Qualifikation über die Zeit ein neuer Deutscher Rekord hermusste. Die Marke steht seit 1985 bei 2:59,86 Minuten. 

Als Startläufer Jean Paul Bredau (VfL Wolfsburg) das Holz an Thorben Finke (SV Silgiltra Sögel) weiterreichte, war einzig Simbabwe auf der Außenbahn schon ein paar Schritte enteilt. In die Gruppe der Verfolger sortierte sich Finke mühelos ein. Während sich Südafrika und Simbabwe an der Spitze einen Zweikampf lieferten, übergab er als Dritter an Manuel Sanders (TV Wattenscheid 01), der sich an die Fersen des Südafrikaners heftete. Zwar musste er Leendert Koekemoor im Finish ziehen lassen, schloss aber zu Simbabwes Gerren Muwishi auf. 

Den Abschluss machte Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV). Der U23-Europameister über 400 Meter Hürden gab alles: Vier Nationen waren noch im Rennen um die zwei Finaltickets. Schlussendlich setzte sich Südafrika in 2:58,04 Minuten durch, Portugal sicherte sich mit einem starken Finish und Landesrekord von 2:59,01 Minuten Rang zwei vor den nur wenige Tausendstel langsameren Langsprintern aus Simbabwe. Das DLV-Team verpasste in 3:00,04 Minuten zwar das Finale, konnte aber ordentlich Selbstvertrauen für die zweite Qualifikationsrunde am Sonntag tanken: Zuletzt war 1993 eine deutsche Staffel schneller. 
 

Mixed

4x100 Meter

Optimaler Auftakt: Finale & WM-Ticket

Dem deutschen Mixed-Quartett gelang am Samstag über 4x100 Meter ein Auftakt nach Maß. Yannick Wolf (Munich Athletics), Sophia Junk (LG Rhein-Wied), Heiko Gussmann (Sprintteam Wetzlar) und Sina Kammerschmitt (MTG Mannheim) waren gleich im ersten Rennen der World Relays am Start. Und das Quartett legte einen durchweg überzeugenden Auftritt hin. Gemäß der neuen Regeln nahmen die Männer im Team erstmals die Positionen eins und drei ein. Im Vorjahr waren noch die Frauen zuerst ins Rennen gegangen. 

Yannick Wolf brachte als Startläufer sein Team in eine gute Ausgangsposition, nach sauberen Wechseln und gelungenen Streckenabschnitten übernahm Schlussläuferin Sina Kammerschmitt das Staffelholz nahezu gleichauf mit den Niederlanden, Kanada und Nigeria. So kämpften noch vier Nationen um die zwei Plätze, die neben dem sicheren Finaleinzug auch die Qualifikation für die WM 2027 bedeuteten. Kanadas Schlussläuferin Audrey Leduc machte in 40,07 Sekunden den Laufsieg klar, in der noch jungen Disziplin ging diese Zeit als Weltrekord in die Ergebnislisten ein. 

Als Zweite war es Sina Kammerschmitt, die mit einer starken Zielgeraden die Kontrahentinnen in Schach halten konnte. 40,15 Sekunden bescherten dem DLV-Team einen neuen Europarekord, Platz zwei in ihrem Lauf und zugleich die drittbeste Zeit der ersten Runde. Einzig das jamaikanische Star-Quartett mit Ackeem Blake, Tina Clayton, Kadrian Goldson und Tia Clayton, das im dritten Lauf den Weltrekord auf 39,99 Sekunden schraubte, war neben den Kanadier:innen schneller. 

Stimme zum Wettbewerb: 

Sophia Junk (LG Rhein-Wied)
„Es fühlt sich wahnsinnig cool an. Wir hatten heute ein Team auf der Bahn, das die letzten Wochen hart und sehr konzentriert gearbeitet hat. Wir wollten uns auf jeden Fall dieses WM-Ticket schnappen. Dass es ein Europarekord und nationaler Rekord wird, ist das Sahnehäubchen. Morgen kann man erwarten, dass wir um die Medaillen mitrennen. Und auch das Ticket für die Ultimate-WM wollen wir uns holen.“
 


4x400 Meter

DLV-Team im schnellsten Lauf gefordert

Nur zwei Teams pro Lauf qualifizieren sich bei den World Relays für das Finale. Schon beim Blick auf die Konkurrenz war klar: Dieses Resultat würde für das Mixed-Quartett schwer zu erreichen sein. Unter anderem Großbritannien, Italien, Frankreich und Kenia schickten starke Langsprinterinnen und Langsprinter ins Rennen. Für Deutschland war Tyrel Prenz (SC Potsdam) als Startläufer im Einsatz. Er lief sein eigenes Tempo und konnte auf der Zielgeraden noch einmal zulegen. Dennoch musste Luna Bulmahn (VfL Wolfsburg) das Feld eher von hinten aufrollen.

Sie wechselte als Siebte auf Florian Kroll (VfL Osnabrück), der den Rückstand zwar verkürzte, aber keine Plätze mehr gutmachen konnte. Als Schlussläuferin fing Eileen Demes (TV 1861 Neu-Isenburg) die Gastgeber aus Botswana noch ab und brachte den Stab als Sechste ins Ziel. Die Zeit: 3:15,28 Minuten. An der Spitze lieferte Großbritannien mit 3:09,62 Minuten die beste Zeit der ersten Qualifikationsrunde ab, Kenia (3:09,87 min) war mit Afrikarekord nur knapp dahinter. Auch die USA blieben im ersten Vorlauf in 3:09,82 Minuten unter 3:10,00 Minuten, ebenso wie Spanien (3:09,89 min). 

Für das deutsche Team heißt es nun: Kräfte bündeln und auf die zweite Qualifikationsrunde hoffen. Im Vorjahr gelang in Guangzhou (China) im zweiten Anlauf die WM-Qualifikation. Um diese Leistung zu wiederholen, wird sich das DLV-Quartett noch etwas steigern müssen. 
 

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