| Halle/Saale

Geballte Wurfpower beim großen „Familientreffen“

© Jan Papenfuß
Jedes Jahr aufs Neue treffen sich die Werfer zum großen „Familientreffen“ in Halle/Saale. Am Wochenende (16./17. Mai) ist es wieder so weit. Die Halleschen Werfertage garantieren zwei Tage voller spannender Momente, sportlicher Höchstleistungen und zahlreiche nationale wie internationale Top-Athleten wie die Hammerwerfer Merlin Hummel und Aileen Kuhn, die starke deutsche Diskusriege um Mika Sosna, Hendrik Janssen, Kristin Pudenz, Marike Steinacker und Lokalmatadorin Shanice Craft, die sich bei den Werfertagen für die internationalen Höhepunkte empfehlen wollen.
Sandra Arm

Das Jahr 2025 stand für das Organisationsteam der Halleschen Werfertage im Zeichen des 50-jährigen Jubiläums. Beeindruckend die Zahlen aus jenem Jahr: 574 Teilnehmende, 34 Nationen, 5.000 Fans, 120 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die 4.500 Stunden ehrenamtliche Arbeit leisteten. Drei Tage wurde mit zahlreichen Höhepunkten gefeiert. Zum Auftakt mit dem Kugelstoßen auf dem Hallenser Marktplatz. Dieses kehrt nun an seine alte Wirkungsstätte in die halleschen Brandberge zurück. Zu den Favoriten zählen bei den Männern der Schwede Wictor Petersson und der Brite Scott Lincoln, die schon oft in der Saalestadt zu Gast waren. In diesem Jahr stehen bei beiden Weiten über 21 Meter in der Bestenliste.

Georg Harpf (LG Stadtwerke München) ist mit 20,46 Metern gemeldet. Der 20-Jährige begeisterte in der Hallensaison mit seinem ersten Stoß über 20 Meter, womit er sich bei den Deutschen Hallenmeisterschaften den Titel holte. Dazu treten mit Eric Maihöfer und dem zweifachen U23-Europameister Tizian Lauria (beide VfL Sindelfingen) zwei weitere deutsche 20-Meter-Stoßer in den Ring. Die Konkurrenz der Frauen führt die zweimalige Olympiateilnehmerin Katharina Maisch (LV 90 Erzgebirge) an. Stabile Wettkämpfe und eine neue Bestweite von 19,25 Metern zeichneten ihre vergangenen Sommersaison aus. Belohnt wurde dies mit dem WM-Ticket. Nun gilt es, sich für die Europameisterschaften in Birmingham (Großbritannien; 10. bis 16. August) zu empfehlen. Gefordert sind dafür 18,20 Meter. Das gilt ebenso für Alina Kenzel (VfB Stuttgart) und Julia Ritter (TV Wattenscheid 01). Zur europäischen Spitze zählt ebenso die Portugiesin Auriol Dongmo. Die 35-jährige Vize-Europameisterin von 2022 reist mit einer Meldeleistung von 19,17 Metern an.

Merlin Hummel zurück in Halle

Für einen der Höhepunkte bei der Jubiläumsauflage sorgte vergangenes Jahr Hammerwerfer Merlin Hummel (Eintracht Frankfurt). Erstmals überhaupt beförderte der 24-Jährige sein Wurfgerät über die 80-Meter-Marke, bei den Weltmeisterschaften in Tokio gewann er mit 82,77 Metern sensationell Silber. Damit war er der erste Deutsche seit 18 Jahren, der die 80-Meter-Marke knacken konnte. In diesem Jahr ist er als einziger 80-Meter-Werfer gemeldet. Auf ihn wartet dennoch starke internationale Konkurrenz durch den Slowaken Marcel Lomnicky und Patrik Hájek (Tschechien).

Der Start in die EM-Saison ist Aileen Kuhn (Eintracht Frankfurt) mit Bravour geglückt. Mit 72,11 Metern und erfülltem Richtwert für die EM gelang der Hammerwerferin am vergangenen Sonntag in Langenbrand ein Auftakt nach Maß. In diesen Weitenbereich kann auch Samantha Borutta (Eintracht Frankfurt) werfen. Für die 25-Jährige stehen momentan 68,96 Meter in der deutschen Jahresbestenliste. Die europäische Konkurrenz hat ebenfalls schon mit gehörigen Weiten vorgelegt. Allen voran die Dänin Katrine Koch Jacobsen, die die europäische Bestenliste mit 75,52 Metern anführt.

Hohe Leistungsdichte im Diskuswurf

Für reichlich Spannung ist in den Diskus-Konkurrenzen gesorgt. Dafür allein sorgt schon das Aufkommen an deutschen Startern, die bereits in die Saison eingestiegen sind oder bei den Werfertagen ihren Saisonstart vollziehen werden. Die Konkurrenz im deutschen Lager ist wie in den Vorjahren groß, die drei EM-Tickets stark umkämpft. Eins davon möchte Marius Karges (Eintracht Frankfurt), der beim Diskus-Event im US-Städtchen Ramona mit 69,47 Metern bereits ordentlich vorgelegt hat, ergattern. Dicht gefolgt von Henrik Janssen (SC Magdeburg), der mit 67,78 Metern aus Neubrandenburg anreist. 

Vor seinem Saisoneinstieg steht Mika Sosna (TSG Bergedorf), der angesichts der ersten Topweiten der anderen DLV-Werfer ein wenig unter Zugzwang steht. Genauso wie Daniel Jasinski (TV Wattenscheid 01), dem die EM-Norm von 65,50 Metern ebenfalls zuzutrauen ist. Rechnen können die deutschen Topwerfer mit starker internationaler Konkurrenz wie dem Vorjahres-Dritten Claudio Romero aus Chile und dem Isländer Gudni Gudnason, der eine Bestmarke von 69,35 Metern zu Buche stehen hat.

Heimspiel für Shanice Craft und Antonia Kinzel

Bei den Frauen ein ähnliches Bild: Marike Steinacker (TSV Bayer 04 Leverkusen) gelang in Ramona eine Topweite auf 66,55 Meter, womit sie sich an die deutsche Spitze setzte. Derweil stehen Lokalmatadorin Shanice Craft, ihre Trainingspartnerin Antonia Kinzel (beide SV Halle) und Kristin Pudenz (OSC Potsdam) vor ihrem Saisonstart. Das Trio kann im Kampf um die EM-Qualifikation ebenfalls ein gehöriges Wörtchen mitreden. Gefordert sind 61,00 Meter. Um den Wettkampf spannend zu halten, dafür soll die US-Amerikanerin Veronica Fraley sorgen. Ihre Bestmarke steht bei 68,72 Metern.

Nach langer Verletzungspause und Leidenszeit kehrte Johannes Vetter (LG Offenburg) im Februar zurück auf die Speerwurf-Bühne. Der deutsche Rekordhalter näherte sich bei den Deutschen Winterwurfmeisterschaften in Sindelfingen mit 78,76 Metern den 80 Metern an. Gespannt sein darf man nun auf seinen Start in den EM-Sommer. Ebenso wie bei Max Dehning (LG Offenburg), der mit seinen 21 Jahren zu den deutschen Hoffnungsträgern zählt. Gefordert werden die DLV-Asse unter anderem vom Finnen Oliver Helander, dem Ungarn György Herczeg und Leandro Ramos aus Portugal, die mit Bestweiten von über 84 Metern anreisen – der Finne sogar mit knapp 90 Metern.

Deutsche Speerwerferinnen gegen internationale Starterinnen

Mit Meldeleistungen über 60 Meter führt ein Quintett die Starterliste bei den Speerwerferinnen an. Dazu zählt Julia Ulbricht (1. LAV Rostock), die im Vorjahr mit 61,02 Metern als Dritte den Wettkampf beendete. Nochmals solch eine Weite und sie hätte die EM-Norm, die bei 60,80 Meter steht, übertroffen. Die DM-Zweite Annika Marie Fuchs (OSC Potsdam) hat ebenfalls das Potenzial für Weiten über 60 Meter. Starten wird außerdem die Deutsche Meisterin Kathrin Walter (TSV Bayer 04 Leverkusen). Angeführt wird das Feld von der Türkin Eda Tugsuz sowie Sigrid Borge aus Norwegen.

Das Meeting lebt nicht nur durch und von den Spitzensportlern. Es vereint die Bandbreite von der Schülerklasse bis zum Weltklassesportler, vom Nachwuchstalent bis zu den international sehr erfolgreichen Para-Sportlern. Zu letzteren gehören die Stuttgarter Kugelstoß-Asse Niko Kappel und Lara Baars sowie die Tunesierin Tilli Raoua. Im Nachwuchsbereich haben die Talente mit den U18-Europameisterschaften in Rieti (Italien; 16. bis 19. Juli) und den U20-Weltmeisterschaften in Eugene (USA; 4. bis 9. August) zwei internationale Höhepunkte im Visier.

Zu den hoffnungsvollen Talenten in der Jugend U20 zählen unter anderem die Kugelstoßer Simon Kunkel (USC Mainz), Emily Scherf (SC Neubrandenburg) und Antonia Heberle (TV Rottenburg). Matti Sosna (Hamburg Athletics) und Max Louis Emmrich (LV 90 Erzgebirge) gehören mit dem Diskus zum engen U20-WM-Kandidatenkreis. Im Hammerwurf dominieren Matti Hummel (Eintracht Frankfurt), Max Baier (TV Fränkisch-Crumbach) sowie U20-Europameisterin Nova Queen Kienast (Berlin Athletics Capital Club) und U18-Europameisterin Clara Hegemann (TV München-Ost).

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