| Interview

Owe Fischer-Breiholz: „Das EM-Finale setze ich mir auf jeden Fall als Ziel“

© Stefan Mayer
Langhürdenspezialist Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV) ist beim Rehlinger Pfingstsportfest als Sieger in 48,36 Sekunden so schnell wie noch nie über 400 Meter Hürden in die Saison eingestiegen und hat am Sonntag deutlich die Norm für die EM in Birmingham (Großbritannien, 10. bis 16. August) unterboten. Anschließend sprach der 22-Jährige im Interview der Woche über seinen Saisoneinstieg, seine Leistungsentwicklung seit dem Standortwechsel nach Frankfurt sowie seine Pläne und Ziele für die EM-Saison.
Manuel Keil

Owe Fischer-Breiholz, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Sieg beim Rehlinger Pfingstsportfest und auch zu Ihrem insgesamt starken Saisoneinstieg.

Owe Fischer-Breiholz:
Vielen Dank.

Vergangene Woche in Pliezhausen haben Sie ja schon Ihre gute Form angedeutet mit einer Bestzeit über 300 Meter Hürden. Haben Sie damit gerechnet, dass es über 400 Meter Hürden mit 48,36 Sekunden auch schon so schnell wird?

Owe Fischer-Breiholz:
Ich wusste, dass einiges möglich ist. Das war eine super Zeit und ein super Einstieg. Ich bin extrem zufrieden. Aber da gab es auch immer noch viele Sachen, die man ausbauen kann und die verbesserungswürdig sind. Hürdentechnisch war noch nicht alles perfekt. Der Lauf war zum Teil auch noch etwas unrund. Ich will mich aber überhaupt nicht beschweren, weil die Zeit super war.

Was hatten Sie sich denn vorher als Ziel gesetzt für den Einstieg über 400 Meter Hürden?

Owe Fischer-Breiholz:
Einfach schnell laufen! Zusätzlich Sachen aus dem Training umsetzen und bis zur siebten Hürde den 13er-Rhythmus laufen. Danach wechsele ich auf 14 Schritte, was ich auch gemacht habe. Daraus habe ich wieder was gelernt und will das jetzt in den nächsten Lauf mitnehmen.

Die gute Zeit ist ja da eine, aber Sie haben auch einzelne Dinge zum Rhythmus und zur Technik angesprochen. Wie haben Sie den Lauf denn selbst wahrgenommen? Gerade am Anfang der Saison fehlt ja doch noch etwas die Wettkampfroutine.

Owe Fischer-Breiholz:
Ja, das stimmt. Gerade technisch sind da noch Sachen, die ausbaufähig sind. Wenn man das vergleicht mit den letzten Läufen der vergangenen Saison, dann läuft man da natürlich armtechnisch und hürdentechnisch etwas besser, weil man schon mehrere Wettkämpfe gemacht hat. Wir sind jetzt ja noch ganz am Anfang, da ist es ganz normal, dass das noch etwas unrunder ist. Umso besser ist es natürlich, dass die Zeit trotzdem schon so gut war.

Bestzeit über 300 Meter Hürden und bisher schnellster Saisoneinstieg über 400 Meter Hürden, wie lautet Ihr Fazit bezüglich des Saisonauftakts insgesamt?

Owe Fischer-Breiholz:
Ich bin bereit für die Saison!

In Rehlingen haben Sie sich auf der Zielgeraden gegen den starken EM-Siebten Matic Ian Guček behauptet. Sie haben mal gesagt, dass die Zielgerade Ihnen besonders viel Spaß macht. Warum sind Sie auf den letzten Metern so stark?

Owe Fischer-Breiholz:
Ich komme von einer etwas längeren Distanz mit den 800 Metern (lacht). Ich denke, dass ich da Ausdauerkomponenten mitgebracht habe. Die lagen mir eh schon immer. Ich denke, dass ich deswegen hinten raus so gut laufen kann.

Was lief denn im Training und in der Vorbereitung besonders gut, um jetzt schon in so starker Form zu sein?

Owe Fischer-Breiholz:
Ich habe vieles aus der letzten Saison direkt mitgenommen, was ich letztes Jahr am Anfang noch nicht direkt umsetzen konnte. Zudem würde ich sagen, dass das allgemeine Setting schon besser ist als letztes Jahr zur gleichen Zeit.

War eine optimale Vorbereitung auch der Grund für den Verzicht auf die Hallensaison im Winter?

Owe Fischer-Breiholz:
Wir bereiten die Freiluftsaison immer etwas mehr vor und lassen die Halle sein. Ich hatte in der Vergangenheit leider immer etwas mit körperlichen Problemen zu tun gehabt. Deswegen wollen wir Indoor nicht zu sehr belasten und konzentrieren uns auf draußen. Das ist für uns ohnehin wichtiger, denn nur da können wir 400 Meter Hürden laufen.

Letztes Jahr war der U23-EM-Titel Ihr bisher größter Erfolg. Was sind denn in dieser Saison die Ziele nach dem starken Einstieg?

Owe Fischer-Breiholz:
Das wird man sehen. Ich werde einfach jedes Mal mein Bestes geben und versuche so schnell zu laufen, wie ich kann. Dann werden wir sehen, für was es reicht.

2025 haben Sie zwischenzeitlich auf Position zwei der ewigen deutschen Bestenliste gelegen, bevor sie bei der WM von Emil Agyekum auf Rang drei verdrängt wurden. Anschließend wurden Sie von einigen Journalisten schon auf den Deutschen Rekord angesprochen. Ist so etwas eher Motivation oder Druck für Sie?

Owe Fischer-Breiholz:
Ich glaube in der Hinsicht kann man mir keinen Druck machen. Ich kann damit immer sehr gut umgehen. Ich nehme alles Mögliche als Motivation, aber hauptsächlich konzentriere ich mich auf mich selbst. Was andere sagen, da achte ich nicht so drauf.

Wie sieht denn Ihre weitere Saisonplanung genau aus?

Owe Fischer-Breiholz:
Vor dem nächsten Trainingsblock kommen noch ein paar Wettkämpfe. Nächsten Sonntag laufe ich in Dresden beim Goldenen Oval und versuche da Sachen, die ich noch nicht so gut umsetzen konnte, besser zu machen. Dann schauen wir, wie es wird.

Kommen wir noch einmal zurück aufs Training. Seit Ihrem Standortwechsel nach Frankfurt gab es bei Ihnen einen deutlichen Leistungsschub. Hat das mit der reinen Langhürdengruppe zu tun, in der Sie dort trainieren, oder was sind die Vorteile in dem neuen Umfeld?

Owe Fischer-Breiholz:
Ich würde es auf alles schieben. Hauptsächlich aber die Gruppe, die macht schon viel aus. Wir pushen uns alle gegenseitig und ziehen das Training zusammen durch. Das Training macht einfach unheimlich viel Spaß in einer solchen Gruppe. Das Training wird gesteuert von Christian Kupper, aber auch Bundestrainer Volker Beck schaut drauf. Ansonsten hat sich aber auch am gesamten Setting viel geändert. Ich achte mehr auf Ernährung, Qualität und Regeneration. Da sind so viele Komponenten, die sich positiv auswirken, so dass ich schneller laufen kann.

Anfang Mai wurden Sie ja auch bei den World Relays in der Staffel eingesetzt. Haben Sie auch Ambitionen bei der EM in der Staffel zum Einsatz zu kommen?

Owe Fischer-Breiholz:
Das werden wir sehen. Wenn ich mich extrem gut fühle und die Trainer sagen, dass ich eine Bereicherung für die Staffel bin, dann würde ich da sehr, sehr gerne laufen und mich freuen. Ich lasse den anderen aber auch gerne den Vortritt, wenn sie sehr gut drauf sind. Es geht darum, dass wir mit der Staffel so weit kommen wie möglich.

Der Fokus wird natürlich bei Ihrer ersten EM im Aktivenbereich auf dem Einzelstart liegen. In Rehlingen haben Sie einen Finalisten der letzten EM geschlagen. Gibt es jetzt schon Ziele für den Saisonhöhepunkt oder formulieren Sie die später?

Owe Fischer-Breiholz:
Das EM-Finale setze ich mir auf jeden Fall als Ziel. Alles Weitere kann man erreichen, indem man schnell läuft. Das ist sowieso immer das Ziel. Da versuche ich mich stetig zu verbessern. Und dann wird man sehen, für was es am Ende reicht.

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