| Gelenau

Steven Richter gewinnt Heimmeeting, Katharina Maisch erneut über 19 Meter

Diskuswerfer Steven Richter im Diskusring bei der Drehbewegung © Theo Kiefner
Neues Konzept, neuer Austragungsort und ein Sieg vor Heimpublikum: Im Rahmen eines langen Werfer-Wochenendes brachte der 23. Internationalen Sparkassen Werfertag in Gelenau internationale Top-Weiten, zahlreiche Saisonbestleistungen sowie den Gewinn von Lokalmatador Steven Richter und den nächsten 19-Meter-Stoß von Katharina Maisch hervor.
Jane Sichting

Nach 22 Jahren rüttelte der LV 90 Erzgebirge an seinem Traditionsmeeting im sächsischen Thum und setzt nun auf ein Event-Wochenende statt abendlichem Flutlicht-Wettkampf. Einhergehend mit einem Umzug nach Gelenau und einem in der Saison deutlich früher angesetzten Termin. Gleich geblieben sind indes die international stark besetzten Teilnehmerfelder, die stimmungsvolle Atmosphäre im Stadion sowie die Nähe zwischen Fans und Athleten. Spürbar war das am Sonntag unter anderem beim Diskus-Wettbewerb der Männer.

Es war der zweite Versuch, als ein erstes Raunen durch das Publikum ging. Soeben hatte Lokalmatador Steven Richter (LG 90 Erzgebirge) die Zwei-Kilo-Scheibe nahe an die 70 Meter geschleudert. Und während alle Augen noch auf die Flugwiese im Stadion „Erzgebirgsblick“ gerichtet waren, hob der Kampfrichter die rote Fahne bereits nach oben: ungültig. Der Stimmung tat dies aber keinen Abbruch, selbst die kräftigen Männer um den in Gelenau geborenen Richter, die sich unmittelbar vor den Zuschauern direkt an der Bande warmhielten, klatschten rhythmisch bei der Konkurrenz mit im Takt.

Heimsieg für Steven Richter

Wenngleich dem Zweiten der ewigen deutschen Bestenliste (74,00 m) kein weiterer Ausrutscher nach oben mehr gelingen wollte, holte er sich mit 64,84 Meter den Sieg vor dem EM-Zweiten von 2022 Lukas Weißhaidinger (Österreich; 64,21 m) und sagte anschließend am Mikrofon des MDR: „Ich bin froh, dass ich in meinem Heimatort gewinnen konnte, aber mit der Weite bin ich nicht zufrieden. Der zweite Wurf war ganz gut, aber danach war ich etwas fest, weil ich wusste, dass wenn ich einen treffe, das hier gut abgehen kann. Dann waren es nicht mehr die gleiche Geschwindigkeit und Technik. Aber es hat viel Spaß gemacht.“

Im Hinterkopf gehabt haben dürfte er dabei auch den Meetingrekord (67,15 m) von Dauer-Konkurrent und Vorjahressieger Henrik Janssen (SC Magdeburg), der parallel beim Diamond-League-Meeting in Stockholm (Schweden) am Start war und dort Platz sechs (65,53 m) erreichte. Zweitbester Deutscher in Gelenau war Marius Karges (Eintracht Frankfurt; 61,69 m) als Vierter.

Katharina Maisch erneut über 19 Meter

Ein weiteres Aushängeschild des Meetings wurde ebenfalls den Erwartungen des Heimpublikums gerecht: Katharina Maisch (LV 90 Erzgebirge). Im Kugelstoßen der Frauen lieferte sich die Vorjahressiegerin mit einer konstanten Serie ein Zentimeter-Duell mit der Portugiesin Jessica Inchude und übertraf zum zweiten Mal in der noch jungen Sommersaison die 19-Meter-Marke. Ihre neue Saisonbestleistung von 19,04 Metern reichte in Gelenau schließlich für Rang zwei, nur zwei Zentimeter hinter Inchudes Siegweite. 

Diese Leistung ist mit Blick auf das Diamond League Meeting in Stockholm umso stärker einzuschätzen: In Schwedens Haupstadt stießen am Sonntag lediglich die Top Drei weiter. Auf europäischer Ebene sogar nur die aktuell herausragende Jessica Schilder (Niederlande), was Maisch auch zur potenziellen Medaillenkandidatin für die EM in Birmingham (Großbritannien; 10. bis 16. August) macht.

„Ich bin auf jeden Fall zufrieden. Aber bei den Stößen hat noch nicht alles 100 Prozent zusammengepasst. Da weiß ich, dass da auf jeden Fall noch mehr geht, und ich freue mich auf die kommenden Wettkämpfe. Das Publikum war echt toll und der Ring ist schnell, aber am Ende hat es ein bisschen gehapert und jetzt wissen wir, woran wir arbeiten müssen. Mit den 19 Meter gehe ich jetzt mit einem guten Gefühl in die neue Woche“, sagte Maisch beim MDR.

Eric Maihöfer mit dem nächstem 20er

Ein konstant hohes Niveau bewies im Kugelstoßen der Männer Eric Maihöfer (VfL Sindelfingen). Nachdem sich der Deutsche Meister erst am Freitagabend beim Sparkassenmeeting in Osterode an die Spitze der deutschen Bestenliste gesetzt hat, übertraf er auch am Sonntag in Gelenau wieder die 20 Meter-Marke und wurde Vierter. Vor allem sein zweiter Versuch sah sehr weit aus – war allerdings ungültig, was der 24-Jährige auf einen kleinen technischen Fehler zurückführte.

Optimistisch, die DLV-Bestätigungsnorm (20,20 m) für die EM bald schon erfüllen zu können, sagte er im Interview mit dem MDR: „Mit einem weiteren Wettkampf über 20 Meter kann ich zufrieden sein. Es hat echt Spaß gemacht, es war extrem laute Musik und ein gutes Klatschen – wenn man sich gegenseitig ein bisschen kennt, kann man sich so ganz gut hochpushen. Das Stadion hier oben in den Bergen des Erzgebirges erinnert mich ein bisschen an zu Hause, an die Schwäbische Alb. Da fühle ich mich wohl und deswegen empfinde ich es eher als ein Upgrade zu Thum und es ist wirklich schön hier.“

Nicht zu schlagen war einmal mehr Vorjahressieger Scott Lincoln (Großbritannien und Nordirland; 21,16 m), der wie auch der WM-Zweite von Tokio (Japan) Uziel Muñoz (Mexiko; 20,93 m) als Zweitplatzierter Saisonbestleistung stieß. Dies gelang auch U23-Europameister Tizian Lauria (VfL Sindelfingen), der auf die 19,76 Meter von Freitagabend in Osterode weitere fünf Zentimeter drauflegen konnte und Siebter wurde. Nur einen Rang dahinter sortierte sich mit neuer Bestleistung Lukas Schober (SG Freital-Weißig 1861; 19,48 m) ein.

Zweiter Meetingsieg nach 2024 für Kristin Pudenz

Nachdem die Deutsche Meisterin Mariker Steinacker (TSV Bayer 04 Leverkusen) kurzfristig eine Einladung zum Diamond League Meeting in Stockholm erhalten hatte und auf ihren Start in Gelenau verzichten musste, kam es nur zum Fernduell mit Kristin Pudenz (OSC Potsdam) – zugunsten der Potsdamerin. Denn während Steinacker in Schweden mit 62,13 Meter Fünfte wurde, nimmt für Pudenz nicht nur die Saison weiter an Fahrt auf, sondern auch die Leistungskurve.

Die 33-Jährige konnte sich von Versuch zu Versuch steigern, bis die ein Kilogramm schwere Scheibe in ihrem letzten Wurf bei 64,08 Metern landete. Damit verbesserte die EM-Zweite von 2022 nicht nur ihre Saisonbestleistung, sondern schob sich auch vor die bis dahin führende Kroatin Marija Tolj (63,55 m) und stand wie bereits 2024 ganz oben auf dem Podium. Ebenfalls Grund zur Freude hatte U23-Athletin Curly Brown, die gleich im ersten Versuch eine neue Bestleistung warf und mit 59,06 Meter Vierte wurde.

Samantha Borutta: Erster 70er des Sommers

Einen guten Tag erwischte in Gelenau auch Samantha Borutta (Eintracht Frankfurt). Die Hammerwerferin katapultierte ihr vier Kilogramm schweres Arbeitsgerät erstmals in dieser Saison über die 70-Meter-Marke und gewann mit 70,28 Metern vor Rose Loga (Frankreich; 70,08 m) und Jillian Shippee (USA; 68,48 m). Platz vier ging an die Deutsche U20-Rekordlerin Clara Hegemann (LG Stadtwerke München; 68,14 m). Für die deutsche Jahresbeste Aileen Kuhn (Eintracht Frankfurt; 72,11 m), die zuletzt bereits zweimal die EM-Norm (71,50 m) für Birmingham überbieten konnte, verlief der Wettkampf nach zwei ungültigen Versuchen und einer Weite von 62,46 Meter auf Rang zehn nicht wie gewünscht.

Grund zur Freude hatte bereits am Samstag ihr junger Vereinskollegen Matti Hummel gehabt, der mit 72,12 Meter erneut die Norm (69,00 m) für die U20-Weltmeisterschaften in Eugene (USA; 5. bis 9. August) übertraf und als Sieger hervorging. Zu den stärksten Nachwuchsathleten am Sonntag zählt Kugelstoßer Lenny Dittmar (BIG Basketball in Gotha). Mit einer neuen Bestleistung von 16,98 Metern musste er sich lediglich dem Tschechen Jaroslav Smělý (17,38 m) geschlagen geben und behauptete in der deutschen Jahresbestenliste der männlichen U20 Rang zwei.

Die kompletten Resultate finden Sie in unserer Ergebnisrubrik...

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