Beim Diamond League-Meeting in Stockholm am Sonntag hat sich Langhürdler Emil Agyekum bis auf 24 Hundertstel dem deutschen Rekord angenähert. Lea Meyer, Karl Bebendorf und Robert Farken starteten über ihre Spezialstrecken stark in den Sommer. Über 800 Meter lief Audrey Werro die schnellste Zeit seit mehr als 40 Jahren, Stabhochsprung-Überflieger Armand Duplantis musste sich nach 40 Wettkämpfen ausschließlich mit Siegen erstmals wieder geschlagen geben.
Die stärkste Leistung aus dem großen DLV-Aufgebot am Sonntag in Stockholm (Schweden) gelang einem Athleten in einer Disziplin, die nicht zur Diamond League-Kategorie zählte. Über 400 Meter Hürden steigerte Emil Agyekum (SCC Berlin; 47,83 sec) seine Bestzeit von der WM im vergangenen Jahr um elf Hundertstel auf 47,72 Sekunden und wurde dank seiner bekannt starken zweiten Rennhälfte Dritter.
Der WM-Sechste näherte sich damit dem deutschen Rekord (47,48 sec) von Harald Schmid aus dem Jahr 1982. Die Nummer zwei der ewigen DLV-Bestenliste ist der Berliner schon vor seiner Steigerung gewesen. Noch schneller war der Weltmeister von 2022 Alison dos Santos (Brasilien; 47,11 sec) vor seinem Landsmann Matheus Lima (47,37 sec).
Lea Meyer und Karl Bebendorf starten mit EM-Norm
Ihren Saisonauftakt über 3.000 Meter Hindernis innerhalb der Diamond League-Kategorie legten Lea Meyer (VfL Löningen) und Karl Bebendorf (Dresdner SC 1898) hin. Beiden gelang der zweitschnellste Saisonauftakt ihrer Karriere. Das Rennen der Frauen begann für Lea Meyer mit einem Schreckmoment, denn im Feld gerieten kurz nach dem Start gleich mehrere Athletinnen ins Straucheln, inklusive der DLV-Athletin. Die ließ sich davon aber nicht aus dem Konzept bringen und führte das Feld der Verfolgerinnen zwischenzeitlich an. Ganz vorn drehte Marwa Bouzayani (Tunesien) einsam ihre Runden und blieb als klare Siegerin (8:59,28 min) auch in ihrem dritten Rennen des Sommers unter neun Minuten.
Den Spurt um Platz zwei entschied die Britin Elise Thorner (9:11,01 min) für sich, vor der US-Amerikerin Gabrielle Jennings (9:12,02 min). Lea Meyer kam als Fünfte (9:13,67 min) ins Ziel und erfüllte damit gleichzeitig erstmals in diesem Jahr die Norm (9:28,00 min) für die EM in Birmingham (Großbritannien; 10. bis 16. August). Olivia Gürth (Silvesterlauf Trier) erreichte als 15. (9:42:35 min) das Ziel.
Bei den Männern nahm das Hauptfeld, in dem sich auch Olympiasieger Soufiane El Bakkali (Marokko) einordnete, nicht die Pace der Tempomacher an. Eine Zeit im Bereich von 8:00,00 Minuten geriet außer Reichweite. Karl Bebendorf war vorne mit dabei, als es in der Schlussrunde um den Sieg ging. Den ließ sich Soufiane El Bakkali (8:10,40 min) allerdings nicht nehmen. Er kam vor Edmund Serem (8:12,27 min) und Abraham Kibiwot (beide Kenia; 8:12,75 min) ins Ziel.
Als bester Europäer wurde Karl Bebendorf Siebter (8:14,13 min) und hakte wie Lea Meyer erstmals in diesem Sommer die EM-Norm (8:20,00 min) ab. "Für das erste Rennen habe ich mich sehr gut gefühlt", erklärte der EM-Dritte gegenüber sportschau.de. "Die Zeit ist nicht das, was ich mir vorgestellt habe, aber ich glaube, für den Anfang kann ich damit leben."
Robert Farken startet mit 3:32,99 Minuten, Armand Duplantis enttäuschter Zweiter
Einen gelungenen Einstand in die Freiluftsaison über seine Spezialstrecke zeigte auch Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig). Schon Ende März in Melbourne (Australien) hatte der 28-Jährige die 1.500 Meter in Angriff genommen, war aber dort aber gestürzt und zog sich einen Handbruch zu. Davon wurde der deutsche Rekordler (3:30,80 min) im Training ausgebremst. Vor diesem Hintergrund lief er als Achter in 3:32,99 Minuten durchs Ziel. Es gewann der US-Amerikaner Yared Nuguse (3:30,11 min).
Zum Teil böiger Wind begleitete die Sprungdisziplinen. Im engen Feld der Weitspringerinnen reichten 6,70 Meter mit regulärem Rückenwind von 1,8 m/sec für Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) letztlich zu Rang sechs. Die Französin Hilary Kpatcha hatte bei ihrer Siegesweite (6,85 m) 2,4 m/sec Rückenwind, die zweiplatzierte Larissa Iapichino (Italien; 6,84 m) erzielte ihre Tagesbestweite mit 2,1 m/sec Rückenwind.
Auch im Stabhochsprung spielten die Windverhältnisse eine Rolle, und es gab ein unerwartetes Ergebnis. Erstmals seit August 2023 musste sich Armand Duplantis (Schweden; 5,80 m) wieder geschlagen geben. Im vergangenen Jahr hatte der Überflieger bei dem Meeting noch seinen ersten Weltrekord (6,28 m) auf schwedischem Boden aufgestellt. Diesmal entschuldigte er sich sogar beim Publikum für seine Vorstellung. Bei Sieger Kurtis Marschall (Australien) blieb die Latte im dritten Anlauf bei 5,90 Metern oben liegen.
Audrey Werro so schnell wie seit 1983 keine 800-Meter-Läuferin mehr
Nach ihrem starken Saisoneinstand in Rabat (Marokko; 1:56,56 min) lief Audrey Werro (Schweiz) über 800 Meter in neue Dimensionen. Als dritte Athletin der Geschichte unterbot die 22-Jährige die Marke von 1:54,00 Minuten. Die Uhr stoppte nach 1:53,98 Minuten. Nur Weltrekordlerin Jarmila Kratochvilova (1:53:28 min) und Nadezhda Olizarenko (Sowjetunion; 1:53,43 min) waren jemals schneller. Diese beiden Leistungen wurden vor mehr als 40 Jahren erzielt. Olympiasiegerin Keely Hodgkinson (Großbritannien) musste sich trotz Bestzeit und Landesrekord (1:54,33 min) mit Platz zwei zufrieden geben.
In ihrem ersten 800-Meter-Rennen des Sommer belegte Alica Schmidt (SCC Berlin) im B-Lauf Rang zehn (2:04,33 min). Im Freien ist die 27-Jährige erst einmal (2:03,21 min) schneller gewesen.
Weltmeisterin Melissa Jefferson-Wooden (USA) legte die 100 Meter bei ihrem Saisoneinstieg über diese Strecke in 10,84 Sekunden zurück. Dahinter blieb die WM-Zweite über 200 Meter Amy Hunt (Großbritannien) erstmals unter 11,00-Sekunden (10,97 sec).
Jessica Schilder haut nächste Top-Weite raus
Mit 20,89 Metern gelang Freiluft-Weltmeisterin Jessica Schilder (Niederlande) nach ihrem ersten 21-Meter-Stoß (21,09 m) in Keqiao (China) die nächste Top-Weite. Hallen-Weltmeisterin Chase Jackson (USA; 19,91 m) kratzte an der 20-Meter-Marke und lag nur zwei Zentimeter vor Sarah Mitton (Kanada; 19,89 m). Hinter diesem Duo lag wieder ein Meter bis zur Schwedin Fanny Roos (18,90 m). Olympiasiegerin Yemisi Mabry (MTG Mannheim) kam mit 18,79 Meter auf Rang fünf. "Mit der Platzierung bin ich zufrieden. Die Weite ist noch nicht das, was ich drauf habe", erklärte die 27-Jährige gegenüber sportschau.de.
Im Diskuswerfen sammelte Valarie Sion (USA) ihren nächsten Sieg ein. Die Olympiasiegerin schickte die Ein-Kilo-Scheibe in den ersten drei Versuchen über die 68-Meter-Marke. Ihre Tagesbestweite: 68,60 Meter. Auch der vierte Wurf (67,34 m) hätte noch für Rang eins gereicht. Die Niederländerin Jorinde van Klinken (66,57 m) reihte sich als Zweite, ein vor der US-Amerikanerin Laulauga Tausaga (65,89 m). Beste DLV-Diskuswerferin war diesmal Marike Steinacker (TSV Bayer 04 Leverkusen; 62,13 m) als Fünfte. Shanice Craft (SV Halle) brachten 61,88 m auf Platz sieben.
Im starken Feld der Männer bedeuteten 65,53 Meter für Henrik Janssen (SC Magdeburg) Platz sechs. Ganz vorn entschied Weltmeister Daniel Stahl (Schweden) zur Freude seiner Landsleute auf den Rängen mit 69,60 Metern das Duell um den Sieg mit dem Olympia-Dritten Matthew Denny (69,02 m) für sich.
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