Bestes Wetter, Spitzenleistungen und Meetingrekorde: Die Hürdensprinterinnen Rosina Schneider und Marlene Meier glänzten beim 28. Internationale Leichtathletik-Meeting „Anhalt 2026“ am Freitagabend mit zwei absoluten Topzeiten. Thilo Traue kratzte über 400 Meter an der EM-Direkt-Norm.
Das 28. Internationale Leichtathletik-Meeting „Anhalt 2026“ war noch gar nicht richtig eröffnet, da zauberten die Hürdensprinterinnen schon die ersten schnellen Zeiten auf die Bahn. Im Sog der US-Amerikanerin Amber Hughes, mit der schnellsten Vorlaufzeit von 12,75 Sekunden, war die Jahresschnellste Rosina Schneider (TV Sulz) erneut auf einem konstant hohen Niveau unterwegs und stellte ihren Hausrekord von 12,87 Sekunden erneut ein. Marlene Meier (TSV 04 Bayer Leverkusen) blieb in 12,97 Sekunden ebenfalls unter der 13-Sekunden-Marke.
Im Finale sprühten die Funken: Zu einem neuen Meetingrekord stürmte die US-Amerikanerin Rayniah Jonas in 12,49 Sekunden, sie legte im Ziel ein kleines Sieger-Tänzchen hin. Dahinter wurde Amber Hughes (ebenfalls USA) in 12,55 Sekunden Zweite. Auf den Plätzen drei und fünf brach aus deutscher Sicht unbändige Freude aus. Rosina Schneider steigerte ihre bisherige Bestzeit um eine Zehntel auf 12,77 Sekunden. „Mir fehlen echt die Worte, ich realisiere es leider noch gar nicht. Ich bin immer die 12,87 bei drei Wettkämpfen gelaufen. Da denkt man sich schon, werde ich die 87 noch los. Jetzt noch eine Zehntel schneller. Ich glaube schon, dass mich die internationale Konkurrenz enorm gepusht hat“, sagte Rosina Schneider, die im Nachgang von keinem optimalen Finallauf sprach. „Ich habe vorne raus die ersten zwei Hürden gar nicht super getroffen. Heißt, die erste Streckenhälfte vom Vorlauf und die zweite vom Finale, dann wird es vielleicht noch einen kleinen Tick schneller.“
Erst kurzfristig hatte sich Marlene Meier zu einem Start in Dessau entschieden. „Ich habe mich am Donnerstag so gegen 17 Uhr für einen Start entschieden. Ich hatte gestern noch zwei Uni-Prüfungen, weshalb ich erst gar nicht mit Dessau geplant habe. Ich dachte, ich hake erstmal meine Prüfungen ab, danach kann ich mich schön auf den Sport stürzen“, erklärte Marlene Meier und zeigte sich nach ihrer spontanen Zusage mit dem neuen Hausrekord von 12,84 Sekunden „mehr als happy“. Sie erfüllte damit auch erstmals die Norm (12,88 sec) für die EM in Birmingham (Großbritannien; 10. bis 16. August). Im B-Finale war die Freude bei Line Schröder (Hamburger SV) groß, sie drückte ihre Bestzeit auf 13,04 Sekunden.
Thilo Traue steigert sich auf 45,29 Sekunden
Auch ohne Hürden wurde es schnell: Über die Stadionrunde drehte Thilo Traue (LG Stadtwerke München) richtig auf und konnte im Ziel selbst nicht glauben, was er dort auf der Anzeige sah. Nämlich eine bärenstarke neue Bestzeit von 45,29 Sekunden, womit er die DLV-Bestätigungsnorm für die EM von 45,45 Sekunden deutlich unterbot. Zur direkten Norm (45,25 sec) fehlten ihm lediglich vier Hundertstel. Seine Bestzeit (45,79 sec) steigerte er um eine halbe Sekunde. „Regensburg war für mich der Saisonauftakt, da ist es nicht ganz unüblich das es dann nochmal schneller wird. Das es heute so gut wird, ich kann es selbst nicht glauben. Ich bin einfach nur sprachlos“, sagte Thilo Traue, der am morgigen Samstag beim 32. midsommar - EAP Meeting in Berlin -Charlottenburg starten wird. Zu einem neuem Meetingrekord lief der Südafrikaner Mthi Mthimkulu als Sieger in 44,75 Sekunden.
Das Lächeln ist zurück bei Gina Lückenkemper (SCC Berlin). Im Vorlauf über 100 Meter steigerte die 29-Jährige ihre Saisonbestzeit auf 11,21 Sekunden und konnte die DLV-Bestätigungsnorm für die EM (11,25 sec) - wie Ende Mai beim Golden Oval in Dresden - erneut unterbieten. Im Finale musste sie nur der Schweizerin Salomé Kora (11,23 sec) den Vortritt lassen. Dahinter kam die Doppel-Europameisterin von 2022 in 11,27 Sekunden auf den zweiten Platz. Sina Kammerschmitt (MTG Mannheim) wurde in 11,35 Sekunden Dritte. Der Sprintsieg bei den Männern ging an einen US-Amerikaner: Lawrence Johnson siegte in 10,07 Sekunden. Bester DLV-Starter war Heiko Gussmann (Sprintteam Wetzlar) in 10,35 Sekunden als Fünfter.
Auf der Rundbahn stürmte der Franzose Jordan Terrasse über 800 Meter zu einem neuen Meetingrekord. Er blieb in 1:44,41 Minuten deutlich unter der alten Rekordmarke aus dem Jahr 2022. Ebenfalls unter 1:45,00 Minuten blieb der Pole Bartosz Kitlinski in 1:44,56 Minuten. Als bester DLV-Starter kam Malik Skupin-Alfa (LG Offenburg) in 1:46,04 Minuten auf Rang fünf.
Malaika Mihambo siegt trotz Rückenproblemen
Vor einer vollen Tribüne hob Weitspringerin Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) ab. Und das bereits zum siebten Mal in der Bauhausstadt. Allerdings ging die Olympiasiegerin von 2021 gehandicaped in den Wettkampf, so dass die 32-Jährige die Konkurrenz nach nur vier Durchgängen beenden musste. „Malaika hatte sich bei einem Sprung beim Golden Oval in Dresden den Rücken ein bisschen gezerrt. Daran laboriert sie seitdem. Sie wollte unbedingt in Dessau springen“, erklärte ihr Trainer Ulli Knapp. Für seinen Schützling endete die Konkurrenz mit 6,62 Metern und dem erneuten Sieg. „Der Rücken ist im Wettkampf fest geworden, so dass kein Springen mehr möglich war. Jetzt heißt es erstmal, gesund zu werden“, sagte Malaika Mihambo, die die familiäre Atmosphäre und die Stimmung sehr zu schätzen weiß. „Das hat erneut viel Spaß gemacht, so schön nah an der Zuschauertribüne zu springen.“
Nach einer langen Verletzungspause feierte Mikaelle Assani (Karlsruher SC) am vergangenen Wochenende in Stuttgart ihr Comeback mit 6,33 Metern. Nun folgte die nächste Steigerung mit verlängertem Anlauf auf 6,50 Meter, sehr zur Freude der 23-Jährigen. „Es fühlt sich alles wieder sehr gut an. Umso mehr freue ich mich, dass ich hier sechs Sprünge auf das Brett bringen konnte. Danke für den Support“, sagte Mikaelle Assani. Finja Köchling (Eintracht Frankfurt) konnte als Dritte ihre Saisonbestleistung auf 6,43 Meter steigern.
In der Männerkonkurrenz blieb die ganz große Flugshow aus. Es siegte der Südafrikaner Divan Manuel mit 7,84 Metern, der seine Tagesbesweite bereits in der zweiten Runde erreichte. Für Julian Holuschek (Eintracht Frankfurt) stand zum Ende nicht nur der dritte Platz, sondern mit 7,71 Metern noch eine neue Freiluft-Bestleistung im Protokoll. Bei den Speerwerfern kam Thomas Röhler (LC Jena) trotz vier ungültiger Versuche mit 78,04 Metern hinter dem Südafrikaner Douw Smit (84,79 m) auf Rang zwei.
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