Den Auftakt für drei lange DM-Wochenenden in Bochum-Wattenscheid machen von Freitag bis Sonntag die Deutschen Meisterschaften der Altersklassen U23 und U18. Für die Talente der U18 geht es dabei nicht nur um deutsche Meistertitel. So ist der nationale Saisonhöhepunkt zugleich entscheidender Qualifikationswettkampf für die U18-EM.
Wattenscheid rüstet sich für drei nationale Höhepunkte: Der erste steht am kommenden Wochenende (3. bis 5. Juli) im Lohrheidestadion bevor, wenn die deutschen Meistertitel in den Altersklassen U18 und U23 vergeben werden (zur Vorschau auf die U23-Wettbewerbe). Für die jüngere Altersklasse ist der nationale Saisonhöhepunkt zugleich der zentrale Nominierungswettkampf für die U18-Europameisterschaften in Rieti (Italien; 16. bis 19. Juli).
Pro Disziplin werden die zwei bestplatzierten Athletinnen und Athleten von Wattenscheid, die im Nominierungszeitraum die Norm erfüllt haben, vorrangig für den Jahreshöhepunkt nominiert. Damit ist für reichlich Spannung gesorgt, denn in einigen Disziplinen sind die zwei Startplätze für Rieti heiß umkämpft.
Fünf Sprinter kämpfen um zwei Tickets
Zum Beispiel über 100 Meter: In dieser Disziplin haben bereits fünf gemeldete Athleten den geforderten Richtwert von 10,75 Sekunden unterboten. Die Poleposition hat mit 10,48 Sekunden Fabian Wüst Eintracht Duisburg) inne. Auch über 200 Meter ließ er schon seine Klasse mit 21,32 Sekunden aufblitzen. Noch schneller war aus dem Kreis der sieben Normerfüller Ilik Timur (LAC Quelle Fürth; 21,24 sec) unterwegs. Über 400 Meter liegt bisher ein Quartett aussichtsreich im Ticket-Rennen: Der Schnellste ist auf dem Papier Niklas Stephan (SV Lok Blankenburg) mit 48,17 Sekunden. Als bisher einziger 800-Meter-Läufer konnte Ole Steinbach (Dresdner SC) in 1:50,13 Minuten den Richtwert von 1:52,50 Minuten unterbieten.
1.500 oder 3.000 Meter? Auf beiden Strecken war Maximilian Rath (LG Stadtwerke München) zuletzt schnell unterwegs und hat als jeweils Jahresschnellster den Richtwert erfüllt. Gemeldet ist er über 3.000 Meter, wo er mit Jonathan Albustin (LG Brillux Münster) auf einen weiteren Normerfüller trifft. Zwei Jahresschnellste, drei unter sechs Minuten und vier Normerfüller: Das bietet die Konkurrenz über 2.000 Meter Hindernis mit den beiden Zeitschnellsten Paul Euskirchen (Eintracht Hildesheim) und Erik Geisler (SC DHfK Leipzig). Eine Klasse für sich war über 110 Meter Hürden zuletzt Titelverteidiger Luca Koch (LAC Erdgas Chemnitz), der im Saisonverlauf mit 13,58 Sekunden aufhorchen ließ.
Im 5.000 Meter Bahngehen ist Alexander Schwarz (ASV Erfurt) mit erfüllter Norm favorisiert. Neben den Titeln der U18 werden im Bahngehen auch die DM-Medaillen der U20 vergeben, während alle anderen Disziplinen in der kommenden Woche bei der U16-/U20-DM ausgetragen werden.
Stabhochsprung mit Spannungsgarantie
In den technischen Disziplinen haben ebenfalls schon einige Athleten die Norm für die U18-EM geknackt. Im Hochsprung liegt Jan Ungeheuer (Turnklub Grevenbroich) mit 2,08 Metern in Schlagdistanz zu Europas Top Drei in seiner Altersklasse. Gleich neun Stabhochspringer kämpfen um zwei EM-Tickets. Dazu gehören der Titelverteidiger Jonathan Hummel (LG Leinfelden-Echterdingen) und Fynn Linus Fahrland (SC Potsdam), beide überflogen schon die Fünf-Meter-Marke.
Im Weitsprung führt Phil Janitz (Düsseldorfer Athletics) das Feld mit 7,26 Metern an. Felix Remmele (TV 1891 Bürstadt) hat im Weit- und Dreisprung die Norm erfüllt und ist in beiden Disziplinen gemeldet. Im Dreisprung fordert er den Jahresbesten Paul Klingenhof (TSV St. Peter-Ording) heraus.
Auf Platz drei in Europa rangiert Clesio de Carvalho (LG Steinlach-Zollern). Der Kugelstoßer hatte sich zuletzt in Stuttgart auf 20,68 Meter gesteigert. Mit dem Diskus rangiert er hinter Europas Nummer drei Lance Listner (LAC Erdgast Chemnitz; 62,62 m) national auf Rang zwei. Drei deutsche U18-Speerwerfer befinden sich unter Europas Top 10: Mit seiner Winterleistung von 68,56 Metern rangiert Oliver Zeno Ispan (LG Stadtwerke München) dabei auf Platz vier. In der Sommersaison hat bisher Maurits van der Linden (SC Magdeburg) mit 67,60 Metern die Nase vorn. Dritter im Bunde ist Louis Jungblut (TSV Unterhaching) mit 66,91 Metern.
Delisha Benelisa Domingos doppelt favorisiert
In der weiblichen Jugend mischt Delisha Benelisa Domingos (TuS Lichterfelde) gleich in zwei Disziplinen ganz oben mit. Auf der kürzeren Sprintdistanz stürmte sie in 11,36 Sekunden an Europas Spitze. Als Top-Favoritin führt sie das Feld über 100 Meter Hürden an, in dem sich gleich sechs Hürdensprinterinnen mit Zeiten unterhalb der U18-EM-Norm (13,75 sec) angeboten haben. Über 200 Meter heißt die Favoritin Lisa Fischer (TSG Niefern; 24,05 sec). Unter 55 Sekunden blieben in dieser Saison zwei Langsprinterinnen: Sophie Liesigk (SC Magdeburg; 54,70 sec) und Anna Pantchev (LAZ Ludwigsburg; 54,94 sec).
Auf gleich drei Strecken ist Mila Klein (Berliner SV 1892) gemeldet. Sie zeigte ihre Laufstärken sowohl flach über 800 und 1.500 Meter als auch über die Hindernisse. Starten würde sie jeweils als Jahresschnellste und Normerfüllerin. Über 3.000 Meter ist Luise Brzoska (Eintracht Frankfurt) bisher als Einzige unter der Norm (9:44,00 min) geblieben. Über 400 Meter Hürden startet Matilda Seibert (TV Gladbeck 1912) als Favoritin.
In den Sprungdisziplinen treten gleich mehrere Athletinnen an, die im Vorfeld den erforderlichen Richtwert erfüllt haben. Im Hochsprung hat die Jahresbeste Svea Funck (TV Jan Walsrode; 1,77 m) ihr Ticket im Siebenkampf schon sicher. Europas Dritte und Vierte im Stabhochsprung sind Josefin Fischer (SC Potsdam) und Eva Marie Weisbrodt (MTG Mannheim), die mit Höhen jenseits der vier Meter - 4,16 bzw, 4,05 Meter – überzeugten.
Zahlreiche Normerfüllerinnen im Wurf
Im Weitsprung bringt Amelie Giese (TSV Zirndorf) die größte Weite von 6,18 Metern mit. Sie führt ein Quartett an, das um die zwei Startplätze kämpfen wird. Das gilt ebenso für den Dreisprung, an dessen Poleposition sich Emily Uzoma (SC Poppenbüttel) mit 12,67 Metern befindet.
Beim Kugelstoßen ließ Pauline Schubert (LV 90 Erzgebirge) bei den Halleschen Werfertagen mit ihren ersten Stößen über 17 Meter aufhorchen. Wesentlich spannender dürfte die Entscheidung mit dem Diskus werden, wo sechs Athletinnen schon über 44,00 Meter geworfen haben. Den stärksten Eindruck hinterließ Emmy Pfouga (ASC Darmstadt) mit 51,82 Metern als Europas Nummer zwei.
Im Speerwurf haben sich gleich vier Athletinnen mit Weiten über 49,00 Meter angeboten. Am weitesten kam bisher Lena Sachse (TTL Ehrenfriedersdorf) mit 51,90 Metern. Bei den Hammerwerferinnen hat sich Charlotte Jochmann (LAZ Rhede) mit 64,49 Metern an die Spitze geworfen.
Die Deutschen Meisterschaften U23 und U18 starten am Freitagmittag um 13:35 Uhr. Die kompletten drei Wettkampftage überträgt der Deutsche Leichtathletik-Verband im kommentierten Livestream auf YouTube. Zu den Meldelisten und Live-Ergebnissen.