| EM 2026

Birmingham Tag 3 | Neugebauer und Kaul im Zehnkampf auf Kurs, Bredau Fünfter über 400 Meter

© Stefan Mayer
Am dritten Tag der EM in Birmingham gab es zwar keine weiteren Medaillen für das DLV-Team, doch die Zehnkämpfer Leo Neugebauer und Niklas Kaul legten am ersten Wettkampftag eine solide Grundlage, dass sich dies am Donnerstag wieder ändern könnte. Jean Paul Bredau lief im EM-Finale über 400 Meter auf Rang fünf.
Jane Sichting

EM 2026 Birmingham  Zeitplan LIve-Ergebnisse Livestream

Als der Startschuss für das 400-Meter-Finale am Mittwochabend im Alexander Stadium gefallen war, gab es für Jean Paul Bredau (VfL Wolfsburg) kein Halten mehr. Der EM-Siebte von 2024 ging auf Bahn sechs mutig an und lief zu dem vor ihm laufenden Ungarn Attila Molnar auf. Nur Europarekordler Matthew Hudson-Smith (Großbritannien) war auf der Außenbahn neun schon etwas enteilt. Doch auf der Zielgeraden musste der Deutsche Meister die Konkurrenz im Rennen um die Medaillen ziehen lassen und lief nach 44,93 Sekunden als Fünfter ins Ziel. Für den Wolfsburger war es die drittbeste Zeit seiner Karriere und die vierte überhaupt unter 45 Sekunden.

An der Spitze brachte Matthew Hudson-Smith, nach dem die Tribüne in der Zielkurve benannt wurde, seinen Vorsprung souverän ins Ziel und sprintete mit 44,17 Sekunden zu seinem dritten EM-Titel über 400 Meter nach 2018 in Berlin und 2022 in München. Silber schnappte sich der Franzose Muhammad Kounta mit 44,40 Sekunden, Bronze sicherte sich mit neuem Landesrekord von 44,41 Sekunden der Niederländer Jonas Phijffers. Mehr dazu lesen Sie hier.

Femke Broeders-Bol hat den 400 Meter Hürden den Rücken gekehrt und sich den 800 Metern zugewandt. So war der Weg frei für eine neue Europameisterin. Und auf diesen begab sich am Mittwochabend die Slowakin Emma Zapletalova. Es gab kein Vorbeikommen an der 26-Jährigen, die im vergangenen Jahr bereits WM-Bronze gewonnen hatte. Mit 52,91 Sekunden setzte sich die Nummer zwei der ewigen europäischen Bestenliste vor U23-Europameisterin Emily Newnham (Großbritannien; 53,33 sec) durch, die in Bestzeit zu Silber lief. Bronze ging an Fatoumata Binta Diallo (Portugal; 53,55 sec). Eileen Demes (TV 1861 Neu-Isenburg) hatte das Finale als undankbare Halbfinal-Neunte trotz Saisonbestleistung mit 54,63 Sekunden am Vortag verpasst.

Spannendes Finish über 110 Meter Hürden

Bereits vor dem Finale über 110 Meter Hürden stand fest, dass es einen neuen Europameister geben wird. Denn Titelverteidiger Lorenzo Simonelli (Italien) stand nicht auf der Meldeliste. Auf dieser wiederum lagen zwischen den ersten fünf Athleten lediglich fünf Hundertstelsekunden – entsprechend spannend gestaltete sich auch das Rennen um die Medaillen am Mittwochabend.

Noch an der letzten Hürde sah es nach einem Sieg für den Polen Jakub Szymanski aus, doch sowohl der Schweizer Jason Joseph (13,12 sec) als auch der Franzose Just Kwaou-Mathey (Frankreich; 13,16 sec) zogen noch vorbei, sodass dem polnischen Hallen-Weltmeister mit 13,26 Sekunden am Ende Bronze blieb. Beachtlich an diesem Podium war, dass alle drei Hürdensprinter jeweils eine Saisonbestleistung auf die Bahn brachten. Der deutsche Starter Gregory Minoué (Tracksrunner Bonn) hatte aus gesundheitlichen Gründen auf das Halbfinale verzichten müssen. 

Mit Aileen Kuhn war im Finale der Hammerwerferinnen auch eine DLV-Athetin dabei. Doch ganz nach Wunsch verlief der Wettkampf nicht, nach 67,71 Metern im ersten und 64,05 Metern im zweiten Versuch folgte mit 68,24 Metern zwar eine Steigerung, aber für die Top Acht und somit drei weitere Würfe sollte es dennoch nicht reichen. Somit beendete die 22-Jährige die EM auf Rang zehn. Zur Europameisterin krönte sich Aileen Kuhns Vorgängerin als U23-Europameisterin, Silja Kosonen. Den Gold-Wurf auf 76,28 Meter zeigte die Finnin, die seit 2021 mit 73,43 Metern den U20-Europarekord hält, im dritten Durchgang. Silber ging an Titelverteidigerin Sara Fantini (Italien; 74,35 m) vor der Norwegerin Beatrice Nedberge Llano (72,88 m). Mehr dazu lesen Sie hier.

Neugebauer und Kaul auf Rang eins und sechs nach fünf Disziplinen

Grund zur Freude gab es im deutschen Zehnkampf-Lager. Die drei DLV-Athleten, die bereits am Vormittag von einem lautstarken Fan-Club auf den Tribünen angefeuert worden waren, brachten sich gut in Position und verbringen die Nacht auf Platz eins, sechs und 13. An der Spitze liegt Weltmeister Leo Neugebauer (VfB Stuttgart), der am ersten Tag 4.483 Zähler gesammelt hat und vor allem im Kugelstoßen mit einem Meisterschaftsbestleistung beeindruckte – 17,13 Meter wurden für ihn gemessen.

Erster Verfolger ist der Niederländer Jeff Tesselaar (4.412 pt), auf Rang drei und vier sind aber auch die stark einzuschätzenden Sander Skotheim (Norwegen; 4.382 pt), Makenson Gletty (Frankreich; 4.323 pt) und Johannes Erm (Estland; 4.282 pt) gut dabei. Und dan folgt bereits Niklas Kaul, der an seinem eher schwächeren ersten Tag 4.214 Punkte sammelte. Amadeus Gräber (Eintracht Frankfurt) hat nach den ersten fünf Disziplinen 4.150 Punkte auf dem Konto. Mehr dazu lesen Sie hier.

Das Halbfinale über 200 Meter wartete am Mittwochabend mit dreifacher deutscher Beteiligung auf. Am besten platzierte sich Sophia Junk (LG Rhein-Wied) auf Gesamt-Rang 13. Im zweiten der drei Halbfinals lief sie beim Laufsieg der mitfavorisierten WM-Zweiten Amy Hunt (22,37 sec) in 23,22 Sekunden ins Ziel. Ebenfalls mit einer großen Favoritin stand auch Talea Prepens (TV Cloppenburg; 23,32 sec) auf der Bahn. Sie wurde im ersten Halbfinal-Lauf, den die Britin Dina Asher-Smith in 22,49 Sekunden gewann, Sechste. Die Deutsche Meisterin Judith Mokobe (USC Mainz) sprintete als Vierte ihres Laufes ins Ziel – doch 23,24 Sekunden reichten ebenfalls nicht für ein kleines „q“. Um die Medaille werden neben drei Britinnen auch die Irin Rhasidat Adeleke (22,43 sec) und Fabienne Hoenke (22,46 sec) aus der Schweiz kämpfen.

Emil Agyekum und Owe Fischer-Breiholz überzeugen mit dem Finaleinzug

Der jüngste Starter in den 800-Meter-Halbfinals stand im ersten Rennen vor einer Mammutaufgabe: Schließlich hatte Alexander Stepanov (VfL Sindelfingen) nicht nur die langsamste Saisonbestzeit aller Mittelstreckler aufzuweisen, sondern musste auch auf der ungünstigen Innenbahn ins Rennen starten. Doch der Deutsche Meister ließ sich davon – und einem Ausbremsen durch Max Burgin (Großbritannien) – nicht aus der Ruhe bringen und suchte seine Chance auf der Zielgeraden. Wenngleich es am Ende mit 1:45,46 Minuten nicht für den Einzug ins Finale reichen sollte, hat sich der 21-Jährige teuer verkauft.

Zu den acht Läufern, die um die Medaillen rennen dürfen, gehören unter anderem Mark English (Irland), Europas Nummer eins, der mit 1:43,49 Minuten zum neuen Meisterschaftsrekord stürmte, sowie Lokalmatador Ben Pattison (1:43,72 min) und Corentin le Clezio (Frankreich; 1:43,80 min). Dessen Landsmann und zugleich Titelverteidiger Gabriel Tual hatte indes als 14. noch hinter Alexander Stepanov platziert das Nachsehen.

Sie trainieren zusammen, sie teilen sich in Birmingham ein Zimmer und nun sind sie auch gemeinsam in das EM-Finale über 400 Meter Hürden eingezogen: Emil Agyekum (SCC Berlin) und Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV). Direkt im ersten Halbfinal-Lauf sicherte sich der 22 Jahre alte Fischer-Breiholz in 48,23 Sekunden das große „Q“, im zweiten folgte ihm dann der Deutsche Rekordhalter Agyekum. In 48,17 Sekunden lief er sein Rennen von vorn weg kontrolliert durch und konnte auf der Zielgeraden sogar noch etwas Kräfte sparen, bevor er als Erster einnickte. Im Finale am Freitag trifft das schnelle DLV-Duo dann unter anderem auf den dreimaligen Welt- und Europameister Karsten Warholm (Norwegen; 48,01 sec) sowie den Schweden Oskar Edlund (47,81 sec), der Landesrekord lief.

Die großen Favoritinnen um U23-Europameisterin Henriette Jæger konnten sich noch aufgrund ihrer Platzierung in der Top 12 der "Road to Birmingham" noch schonen – darunter auch die Deutsche Meisterin Johanna Martin (1. LAV Rostock). Alle anderen Teilehmerinnen über 400 Meter mussten sich im Vorlauf das erste Mal der Konkurrenz stellen. Insgesamt neun der 13 Langsprinterinnen, die sich für das Halbfinale qualifizieren konnten, blieben unter 52 Sekunden. Die schnellste Zeit brachte mit persönlichem Hausrekord Josefine Tomine Eriksen Aks (Norwegen; 50,83 sec) auf die Bahn, gefolgt von der Niederländerin Myrte van der Schoot (51,21 sec) und Alessandra Bonora (51,27 sec) aus Italien, die ebenfalls eine „PB“ erreichte.

Shanice Craft souverän im Finale

Einen Tag nach den Männern durften auch die Frauen das erste Mal in den Diskusring. Die Qualifikationsweite für den sicheren Einzug ins Finale lag bei 62,50 Metern – eine Weite, die Shanice Craft (SV Halle) gleich im ersten Versuch übertreffen konnte. Mit 63,46 Metern gelang ihr die zweitbeste Weite aus beiden Qualifikationsgruppen, weiter hinaus kam lediglich die Schwedin Vanessa Kamga (64,65 m). Zur Zitterpartie wurde die Qualifikation für Kristin Pudenz (OSC Potsdam). Die EM-Zweite von München reihte sich mit 60,48 Metern zunächst auf Rang sechs ihrer Gruppe ein. Erst in der Endabrechnung dann die Gewissheit, dass sie es mit der achtbesten Weite des Tages ebenfalls ins Finale geschafft hat.

Insgesamt gab es neben Craft und Kamga nur für zwei weitere Athletinnen ein großes „Q“: Für die Jahresbeste Jorinde van Klinken (Niederlande; 62,74 m) sowie Alida van Daalen (Niederlande). Für die dritte deutsche Diskuswerferin war dagegen Endstation: Marike Steinacker (TSV Bayer 04 Leverkusen) unterliefen zwei ungültige Versuche, ehe ihre Scheibe im dritten Durchgang auf 54,05 Meter flatterte.

EM 2026 Birmingham  Zeitplan LIve-Ergebnisse Livestream

Teilen
#TrueAthletes – TrueTalk

Hier finden Sie alle Folgen des Podcasts des Deutschen Leichtathletik-Verbandes!

Zum Podcast
Jetzt Downloaden
DM-Tickets