Deutscher Leichtathletik-Feiertag in London: Emil Agyekum (SCC Berlin) hat am Samstag mit 47,45 Sekunden den Deutschen Uralt-Rekord von Harald Schmid um drei Hundertstel unterboten. Robert Farken blieb beim Weltrekord von Josh Kerr gleich eine ganze Sekunde unter seiner Meilen-Bestmarke und im "Vorbeilaufen" unter seiner 1.500-Meter-Bestmarke. Malaika Mihambo genügte ein gültiger Versuch auf 7,05 Meter, um die Konkurrenz zu dominieren.
Es ist vollbracht: Emil Agyekum (SCC Berlin) hat einen der ältesten Deutschen Rekorde auf einer olympischen Laufdistanz aus den Listen gelöscht. Bei der Diamond League am Samstag in London erwischte der 27-Jährige vor 60.000 Zuschauern im Olympiastadion einen nahezu optimalen Lauf auf der Außenbahn und ließ sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als der hinter ihm laufende Weltrekordler Karsten Warholm (Norwegen) an ihm vorbeizog. Mit 47,45 Sekunden steigerte Emil Agyekum den 44 Jahre alten Deutschen Rekord von Harald Schmid um drei Hundertstelsekunden. Der Gelnhausener war als Europameister 1982 in Athen und als WM-Dritter 1987 in Rom jeweils 47,48 Sekunden gelaufen.
„Dieses Stadion und die Weltklassekonkurrenz haben mich extrem gepusht, die Stimmung war krass. Es hat mich sehr beruhigt, dass Karsten Warholm nicht schon direkt an der ersten Hürde neben mir war“, sagte Emil Agyekum nach dem Rennen am ARD-Mikrofon und ergänzte: „Es läuft momentan phänomenal. Für die EM bin ich sehr zuversichtlich.“ Dass er den Uralt-Rekord in den Beinen hat, hatte Emil Agyekum bereits am Dienstag bei seinem Sieg in Budapest mit 47,58 Sekunden angedeutet. Den Sieg schnappte sich Karsten Warholm mit Weltjahresbestzeit von 46,61 Sekunden.
Robert Farken für seinen Mut belohnt
Knapp anderthalb Stunden später jubelten die deutschen Leichtathletik-Fans über den nächsten Deutschen Rekord. Über die in London traditionsreiche Meile ging Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig) die hohe Pace der Tempomacher mit und ging beim Weltrekordversuch von Josh Kerr hinter dem Briten und Yared Nuguse (USA) an Position drei in die finale Runde. Bis zum Ziel kämpfte der Leipziger um jeden Zentimeter und warf sich nach 3:46,82 Minuten ins Ziel. Damit steigerte der 28-Jährige seinen erst zwei Wochen alten Deutschen Rekord um eine knappe Sekunde. Langstrecken-Experte Mohamed Abdilaahi (Cologne Athletics) beendete nach einem mutigen Angang das Rennen nicht.
„Ich wusste von den 3:47 Minuten in Eugene und den Einheiten mit meinem Trainingspartner Yared Nuguse, dass die Form kommt. Leider habe ich nicht den ganz goldenen Tag erwischt. Nach 800 Metern ist eine Lücke aufgegangen, die ich auf der dritten Runde zulaufen musste. So wurden die letzten 200 Meter schon schwer. Bei der EM will ich um die Medaillen mitlaufen“, sagte Robert Farken am ARD-Mikrofon. Da wenige Schritte vor dem Ziel noch Jake Heyward (3:46,73 min) an ihm vorbeizog, belegte Robert Farken Rang vier.
Hicham El Guerrouj entthront
An der Spitze machte Josh Kerr das „Projekt 222“ wahr. Er absolvierte als erster Mensch die 1609,43 Meter in 222 Sekunden. Von den Zuschauern getragen, blieb der Brite mit 3:42,66 Minuten eine halbe Sekunde unter der 27 Jahre alten Bestmarke von Mittestrecken-Legende Hicham El Guerrouj (Marokko). Als Bonus strich der in den USA trainierende Josh Kerr 50.000 US-Dollar ein. Rang zwei ging mit 3:45,69 Minuten an Yared Nuguse. Im „Vorbeigehen“ blieb Josh Kerr auch neun Hundertstel unter seinem 1.500-Meter-Landesrekord von 3:27,71 Minuten. Das gelang auch Robert Farken. Die Ergebnisliste weist 3:30,09 Minuten für ihn aus. Damit blieb er 71 Hundertstelsekunden unter seinem Deutschen Rekord.
Im Weitsprung meldete sich Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) nach überstandenen Rückenproblemen zurück – und wie! Zwar trat sie die ersten vier Versuche (teilweise knapp) über. Da aber nur acht Starterinnen dabei waren, hatte sie einen fünften Sprung. Diesen nutzte sie und flog auf 7,05 Meter – und anschließend Coach Ulli Knapp in die Arme. Damit gewann die Olympiasiegerin nicht nur, sondern sprang auch die größte Weite seit ihrem EM-Sieg vor 25 Monaten in Rom (7,22 m)
Malaika Mihambo wieder in Top-Form
Schon die ungültigen Versuche zeigten, dass Malaika Mihambo wieder in Top-Form ist. Die besten landeten „netto“ über der Sieben-Meter-Marke. Doch das extrem schnelle Anlauftempo machte bis zum fünften Durchgang gültige Sprünge zunichte. Hinter der zweimaligen Weltmeisterin ging Platz zwei mit Saisonbestleistung an Claire Bryant (USA; 6,95 m), Rang drei an die italienische Landesrekordlerin Larissa Iapichino (6,82 m).
Im Diskuswurf landete Shanice Craft (SV Halle) mit 60,37 Metern auf Rang sieben. An der Spitze katapultierte sich Cierra Jackson in eine neue Leistungsdimension. Mit 71,72 Metern im letzten Versuch steigerte die US-Amerikanerin ihre Bestleistung um vier Meter. Weiter hat bei Diamond-League-Meetings noch keine Diskuswerferin geworden. Rang zwei ging an Olympiasiegerin Valarie Sion (68,39 m), Dritte wurde die Niederländerin Jorinde van Klinken (67,99 m).
Schnelle Zeiten über 800 Meter
Über 800 Meter sollte der 14 Jahre alte Weltrekord (1:40,91 min) von David Rudisha (Kenia) auf sein „Haltbarkeitsdatum“ getestet werden. Doch der frischgebackene 1.000-Meter-Weltrekordler Emmanuel Wanyonyi konnte das hohe Tempo auf der zweiten Runde nicht halten und musste sich mit 1:43,31 Minuten und Rang vier begnügen. Den besten Spurt hatte Brandon Miller (USA) und setzte sich mit 1:42,19 Minuten vor Mark English durch, der den irischen Rekord auf 1:42,97 Minuten steigerte. Bei den Frauen hielt Olympiasiegerin Keely Hodgkinson (Großbritannien) mit 1:56,21 Minuten die Niederländerin Femke Broeders-Bol (Niederlande; 1:56,46 min) auf Distanz.
Über einen neuen Landesrekord jubelte auch Henriette Jaeger. Die Norwegerin steigerte ihre eigene Bestmarke als Zweite über 400 Meter auf 49,15 Sekunden. An der Spitze blieb Marileidy Paulino (Dominikanische Republik) mit 48,97 Sekunden erneut unter der 49-Sekunden-Marke. Bei den Männern hielt Langhürden-Spezialist Rai Benjamin (USA) mit 44,05 Sekunden den britischen Europarekordler Matthew Hudson-Smith (44,18 sec) knapp auf Distanz. Über 3.000 Meter fuhren die Australierinnen einen Doppelsieg ein. Jessica Hull setzte sich mit 8:24,69 Minuten vor Rose Davies (8:25,38 min) durch.
Trainingspartner über 100 Meter und 110 Meter Hürden vorn
Auf der Sprintgeraden machten zwei Trainingspartner das Rennen. Über 110 Meter Hürden steigerte Weltrekordler Ja’Kobe Tharp (USA) mit einem fehlerfreien Rennen den Meetingrekord auf 12,89 Sekunden. Kendry Menendez (Kuba) lief als Zweiter mit Bestzeit von 13,01 Sekunden ganz dicht an die 13-Sekunden-Marke heran. Über die „flachen“ 100 Meter stellte Kayinsola Ajayi, Trainingspartner von Ja’Kobe Tharp in Auburn, als Sieger mit 9,84 Sekunden den Landesrekord ein. Ihre aktuelle Ausnahmeform stellte Julien Alfred (St. Lucia) auf den 200 Metern unter Beweis. Die 100-Meter-Olympiasiegerin wies mit 21,66 Sekunden Gabrielle Thomas (USA; 21,81 sec) in die Schranken.
Im Stabhochsprung meisterte ein Quartett 5,95 Meter. Natürlich auch Überflieger Armand Duplantis. Der schwedische Weltrekordler musste nach diesem Versuch aber die Stäbe einpacken. Eine Oberschenkelverletzung, die noch im Stadion behandelt wurde, zwang ihn zur Aufgabe. So war der Weg frei für Sam Kendricks. Der US-Amerikaner nahm neun Jahre nach seinem WM-Sieg an selber Stelle alle Versuche einschließlich 5,95 Meter im ersten Versuch und war damit am Ende vorn. Hinter Armand Duplantis, der einen Fehlversuch bei 5,85 Metern hatte, die Ränge drei und vier gingen an Kurtis Marschall (Australien) und Emmanouil Karalis (Griechenland).
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