Die 126. Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften stehen vor der Tür. Die Stabhochsprung-Entscheidungen fallen bereits am Donnerstag und Freitag bei "Die Finals" in Hannover. Am Samstag und Sonntag ist das Lohrheidestadion in Bochum-Wattenscheid Austragungsort aller weiteren Entscheidungen. Wir blicken für Sie voraus und verraten, welche Athleten sich im Rennen um die Medaillen und EM-Tickets die besten Chancen ausrechnen können.
100 Meter
Eine Unbekannte in der Sprint-Arithmetik
Alles ist angerichtet für ein schnelles Sprint-Finale in Bochum-Wattenscheid am Samstagabend. Denn dass die Bahn für Top-Zeiten gut ist, bewiesen schon die deutschen Youngsters bei den Deutschen Jugendmeisterschaften vor zwei bzw. drei Wochen. Unter anderem Jakob Kemminer (LAC Quelle Fürth), der auf der blauen Bahn den Deutschen U20-Rekord mit 10,14 Sekunden egalisierte. Der Franke zählt zum deutschen 100-Meter-Quintett, das die EM-Norm von 10,15 Sekunden schon erfüllen konnte. Doch für ihn steht natürlich die U20-WM direkt vor der EM in Birmingham im Fokus.
Anders sieht die Lage beim verbleibenden „Norm-Quartett“ aus. Angeführt wird die Meldeliste von Owen Ansah (Hamburger SV), der in Regensburg den Deutschen Rekord auf 9,98 Sekunden steigerte und mit einem Start in Bochum-Wattenscheid plant. Dahinter haben sich Yannick Wolf (Munich Athletics; 10,13 sec), der nach sieben Wochen Wettkampfpause wieder die Spikes schnürt, und Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV; 10,15 sec) in eine gute Ausgangsposition gebracht. Denn die ersten beiden mit erfüllter EM-Norm werden pro Disziplin vorrangig für einen EM-Start nominiert.
Bleibt der vierte Sprinter im Bunde: Kameron Horton (Cologne Athletics). Der 21-Jährige ist seit Mitte Juni für Deutschland startberechtigt und konnte Mitte Mai mit 10,11 Sekunden die EM-Norm unterbieten. Der Student aus den USA steigerte sich im Vergleich zum Vorjahr um 23 Hundertstelsekunden. Allerdings hat er seit den NCCA-Meisterschaften vor sieben Wochen (20,70 sec über 200 m) kein Rennen mehr bestritten. Für Kameron Horton wird die DM der erste Start in Europa. Hinter dem „Norm-Quintett“ folgen acht weitere Sprinter mit Meldezeiten unter 10,25 Sekunden, darunter Lokalmatador Deniz Almas (TV Wattescheid 01; 10,21 sec). Damit werden schon in den Halbfinals Top-Zeiten gefragt sein.
Titelverteidiger: Owen Ansah (Hamburger SV; 10,23 sec)
Jahresbester: Owen Ansah (Hamburger SV; 9,98 sec/DR)
EM-Norm von EA: 10,15 sec
200 Meter
Die Jagd nach 20,45 Sekunden
Die halbe Stadionrunde setzt am Sonntagabend den Schlusspunkt bei den Deutschen Meisterschaften im Lohrheidestadion. Das macht die Prognose nicht einfach, schließlich weiß man nicht, welche Sprinter schon einige Rennen über 100 und 4x100 Meter in den Beinen haben. Die Jahresbestenliste führen gemeinsam Owen Ansah (Hamburger SV) und der seit wenigen Wochen für Deutschland startberechtigte Kameron Horton (Cologne Athletics) mit 20,29 Sekunden an. Damit blieb das Duo unter der EM-Norm von 20,45 Sekunden.
Diese Marke peilen am Sonntag auch ein halbes Dutzend weitere Sprinter an. Allen voran natürlich Titelverteidiger Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV; 20,50 sec) und der Deutsche Rekordhalter Joshua Hartmann (ASV Köln; 20,53 sec). Beiden fehlen nur noch wenige Hundertstelsekunden zur EM-Norm. Erwischen Yannick Wolf (Munich Athletics; 20,61 sec) und Robin Ganter (MTG Mannheim; 20,65 sec) optimale Rennen, können auch sie Richtung EM-Norm durchstarten. Immer besser in Fahrt kommt auch der im Herbst von einer Lungenentzündung ausgebremste Deutsche U23-Meister Max Husemann (Eintracht Hildesheim; 20,77 sec).
Titelverteidiger: Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV; 20,43 sec)
Jahresbester: Kameron Horton (Cologne Athletics), Owen Ansah (Hamburger SV; beide 20,29 sec)
EM-Norm von EA: 20,45 sec
400 Meter
Ein Durchstarter fordert die arrivierten Langsprinter
Er ist der 400-Meter-Durchstarter in dieser Saison: Thilo Traue (LG Stadtwerke München): Der 26-Jährige steigerte sich in diesem Jahr um fast zwei Sekunden auf 45,29 Sekunden. Nur vier Hundertstel fehlen ihm damit zur EM-Direktnorm. Ein weiteres Mal unterbot der Münchner die 46-Sekunden-Marke. Damit ist der Münchner erster Herausforderer der arrivierten Langsprinter Jean Peul Bredau (VfL Wolfsburg) und Manuel Sanders (TV Wattenscheid 01). Der Wolfsburger peilt im Lohrheidestadion den Titel-Hattrick an und führt mit 45,04 Sekunden die Jahresbestenliste an. Seine vergangene Woche in Luzern erzielten 45,27 Sekunden sowie die neue 200-Meter-Bestzeit von 20,77 Sekunden bei ordentlich Gegenwind unterstreichen die aktuell gute Form des Wolfsburgers.
Manuel Sanders mit einer Saisonbestzeit von 45,71 Sekunden und der in diesem Jahr auf 45,50 Sekunden verbesserte Deutsche U23-Meister Thorben Finke (SV Sigiltra Sögel) möchten auf der blauen Bahn in Bochum-Wattenscheid einen weiteren Schritt Richtung blauer EM-Bahn in Birmingham machen. Dafür müssen sie mindestens die EM-Bestätigungsnorm von 45,45 Sekunden unterbieten. Auf der Rechnung muss man auch das Osnabrücker Duo Florian Kroll (46,05 sec) und Fabian Dammermann (46,23 sec) haben. Schafft es auch das LG-Duo ins Finale, könnte die Hälfte des Endlaufs mit Langsprintern aus Niedersachsen über die Bühne gehen.
Titelverteidiger: Jean Paul Bredau (VfL Wolfsburg; 45,46 sec)
Jahresbester: Jean Paul Bredau (VfL Wolfsburg; 45,04 sec)
EM-Norm von EA: 45,25 sec
800 Meter
Youngsters im Titelrennen unter sich
Die ersten acht 800-Meter-Läufer der Meldeliste sind höchstens 25 Jahre alt, viele von ihnen sind sogar deutlich jünger. Das verspricht große Spannung im Titelrennen. Die Favoritenrolle hat Titelverteidiger Alexander Stepanov (VfL Sindelfingen) inne. Der 21-Jährige führt nicht nur die Jahresbestenliste mit 1:45,13 Minuten an, sondern bewies vergangenes Wochenende mit einer neuen 400-Meter-Bestzeit von 46,46 Sekunden auch seine Grundschnelligkeit. Damit ist der Deutsche Hallenmeister auf alle Rennsituationen vorbereitet. Dass er nicht nur im Spurt gewinnen, sondern auch ein Rennen von der Spitze gestalten kann, bewies er bei seinem beeindruckenden Gold-Solo bei der Hallen-DM in Dortmund.
Ihm auf den Fersen ist Malik Skupin-Alfa (LG Offenburg). Mit 1:45,47 Minuten fehlen dem 22-Jährigen noch 17 Hundertstel zur EM-Bestätigungsnorm. Der Offenburger wartet noch auf den „Ausreißer“ nach oben, hat sich aber ein stabiles Niveau unter 1:46 Minuten erarbeitet. Dieser Marke hat sich auch der 20-jährige Tom Stöber (TV Wetzlar) angenähert. Der Deutsche U23-Meister verbesserte sich zuletzt in Pfungstadt auf 1:46,05 Minuten. Chancen auf eine Medaille rechnen sich auch Adrian Engster (TV Villingen; 1:46,23 min), Louis Buschbeck (Königsteiner LV; 1:46,33 min) und Hannes Fahl (Athletics Team Karben; 1:46,85 min) aus. Wird das Finale nicht äußerst schnell, könnte auch der „Langsprint-Umsteiger“ Vincente Graiani (LG Stadtwerke München; 1:47,77 min) dank schneller Underdistanzzeiten für eine Überraschung sorgen.
Titelverteidiger: Alexander Stepanov (VfL Sindelfingen; 1:48,69 min)
Jahresbester: Alexander Stepanov (VfL Sindelfingen; 1:45,13 min)
EM-Norm von EA: 1:44,80 min
1.500 Meter
Robert Farken in bestechender Form
Mit der Empfehlung von zwei Deutschen Rekorden in einem Rennen reist Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig) ins Lohrheidestadion. Bei der Diamond League in London steigerte er am Samstag seine Deutschen Rekorde über die Meile (3:46,84 min) und im „Vorbeilaufen“ über 1.500 Meter (3:30,09 min). Damit ist der WM-Sechste natürlich klarer Favorit auf Gold und den Titel-Hattrick. Sein „schwächstes“ Rennen in diesem Sommer lag bei 3:34,26 Minuten als Durchgangszeit in einem Meilenrennen.
Nur Marc Tortell (Athletics Team Karben) kommt mit einer Saisonbestzeit von 3:33,76 Minuten in die Nähe der Zeiten von Robert Farken. Damit fehlen dem Hessen nur 26 Hundertstel zur direkten EM-Norm. Die „Bestätigungsnorm“ von 3:34,20 Minuten hat er allerdings bereits unterboten. Immer bei Deutschen Meisterschaften auf der Rechnung haben muss man Marius Probst (3:36,97 min). Der Wattenscheider hat schon oft Rennen auf den letzten 200 Metern für sich entschieden und ist natürlich in seinem „Wohnzimmer“ Lohrheidestadion extra motiviert.
Mit Florian Zittel (Cologne Athletics; 3:37,55 min) und dem Deutschen U23-Meister Tobias Tent (LG Stadtwerke München; 3:38,51 min) haben zwei weitere Mittelstreckler in diesem Sommer die 3:40-Minuten-Marke unterboten und peilen eine DM-Medaille an. Der Deutsche 5.000-Meter-Rekordler Mohamed Abdilaahi (Cologne Athletics) hat sich für einen Start über 1.500 Meter entschieden. Mit einer Bestzeit von 3:34,17 Minuten ist er natürlich auch für einen Platz ganz vorn prädestiniert, auch wenn die Generalprobe am Samstag in London nicht nach Wunsch lief. Der Kölner ging das Meilen-Weltrekordrennen offensiv an, konnte es aber nicht beenden.
Titelverteidiger: Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig; 3:46,96 min)
Jahresbester: Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig; 3:30,09 min/DR)
EM-Norm von EA: 3:33,50 min
5.000 Meter
Ein Giganten-Duell möglich, ein Abschied fix
Der Deutsche Rekordhalter Mohamed Abdilaahi (Cologne Athletics) verzichtet in Bochum-Wattenscheid auf einen 5.000-Meter-Start, er zieht die 1.500 Meter vor. Dafür könnte ein Europarekordler an der Startlinie stehen: Hindernis-Ass Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen). Er entscheidet erst kurzfristig, ob er auf seiner Paradestrecke antritt oder auf den 5.000 Metern. Mit 12:57,61 Minuten legte der Tübinger Anfang Juni in Turku eine Weltklassezeit hin. Allerdings wurde er im Anschluss von Atembeschwerden ausgebremst.
In Turku lief Frederik Ruppert knapp hinter Florian Bremm (Franconia Athletics) auf Platz zwei. Der Deutsche Meister von 2023 und 2024 steigerte sich in Turku auf die Weltklassezeit von 12:56,80 Minuten und konnte auch bei der Diamond League in Paris mit 13:10,39 Minuten überzeugen. Starten beide, dürfte es zu einem spannenden Rennen um Gold kommen. Entscheidet sich der Tübinger für die 3.000 Meter Hindernis, ist Florian Bremm erster Titelanwärter.
Dahinter dürfte sich ein spannendes Rennen um die weiteren Plätze entwickeln. Mit Maximilian Thorwirth (LAV Stadtwerke Tübingen) absolviert einer der Protagonisten der boomenden deutschen Laufszene seine letzten Deutschen Meisterschaften. Obwohl er in diesem Jahr immer wieder gesundheitliche Rückschläge hinnehmen musste, wird er alles daransetzen, seine letzte 5.000-Meter-DM auf dem Podium zu beenden. Seine Saisonbestzeit von 13:45,56 Minuten spiegeln jedenfalls nicht das wahre Leistungspotenzial von Maximilian Thorwirth (PB: 13:10,50 min) wider. Beim Rennen um die Medaillen möchte auch das Leverkusener Duo Jona Bodirsky (13:43,30 min) und Jonathan Dahlke (13:47,03 min) ein Wörtchen mitreden.
Titelverteidiger: Mohamed Abdilaahi (Cologne Athletics; 13:50,28 min)
Jahresbester: Florian Bremm (Franconia Athletics; 12:56,80 min)
EM-Norm von EA: 13:08,00 min
110 Meter Hürden
Duo möchte endlich die EM-Norm abhaken
So recht kamen die deutschen Hürdensprinter in diesem Sommer noch nicht in Schwung. Weder die direkte EM-Norm (13,40 sec) noch die EM-Bestätigungsnorm (13,55 sec) konnte unterboten werden. Das soll sich auf der schnellen blauen Bahn des Lohrheidestadions ändern. Titelverteidiger Gregory Minoue (Tracksrunners Bonn) kam schon bis auf drei Hundertstel an die Bestätigungsnorm heran. Nun soll es bei der DM unter die erforderliche Marke gehen. Auch Manuel Mordi (Hamburger SV) schrammte bisher an den Birmingham-Vorgaben vorbei.
Dass seine Formkurve steigt, bewies der zweimalige Deutsche Meister mit der neuen Saisonbestzeit von 13,66 Sekunden vor zwei Wochen. Der 22-Jährige ist jedenfalls auf großer Bühne immer für eine Steigerung gut. Diese verlässt in Bochum-Wattenscheid Tim Eikermann (13,91 sec). Der Leverkusener beendet nach vielen gesundheitlichen Rückschlägen nach der DM seine Karriere – natürlich am liebsten mit einer Medaille im Gepäck. Mit seinem Leverkusener Teamkameraden Stefan Volzer (13,83 sec) und Bruno Betz (LAZ Ludwigsburg; 13,94 sec) haben zwei weitere Hürdensprinter die 14-Sekunden-Marke unterboten.
Titelverteidiger: Gregory Minoue (TV Kalkum-Wittlaer; 13,48 sec)
Jahresbester: Gregory Minoue (Tracksrunner Bonn; 13,58 sec)
EM-Norm von EA: 13,40 sec
400 Meter Hürden
Weltklasse in Wattenscheid
Er hat einen Deutschen Uralt-Rekord nach 44 Jahren geknackt und sich weiter in der Weltklasse etabliert: Emil Agyekum (SCC Berlin). Der 27-Jährige steigerte am Samstag die legendäre Bestmarke von Harald Schmid in London auf 47,45 Sekunden und musste sich in einem Weltklassefeld nur Weltrekordler Karsten Warholm (Norwegen) geschlagen geben. In Europa war in diesem Jahr eben nur der Norweger schneller als der Berliner, der im Lohrheidestadion seinen zweiten DM-Titel nach 2024 anstrebt.
Doch der Weg aufs höchste DM-Podest wird für den WM-Sechsten kein Selbstläufer. Denn mit Titelverteidiger Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV) ist ihm ein Konkurrent dicht auf den Fersen. Sein Trainingspartner lief als Deutscher U23-Meister 48,20 Sekunden und damit die zweitschnellste Zeit seiner Karriere. Bei dieser hochklassigen Konkurrenz könnte der Meisterschaftsrekord von Harald Schmid von 48,02 Sekunden aus dem Jahr 1985 in Reichweite kommen.
Hinter dem schnellen Duo macht sich ein Trio Hoffnung auf den dritten Podestplatz. Joshua Abuaku (Eintracht Frankfurt; 49,73 sec), Jordan Gordon (Hannover 96) und Lasse Schmitt (Königsteiner LV; beide 49,94 sec) haben die 50-Sekunden-Marke in dieser Saison bereits unterboten und sind erste Anwärter auf Bronze.
Titelverteidiger: Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV; 48,41 sec)
Jahresbester: Emil Agyekum (SCC Berlin; 47,45 sec)
EM-Norm von EA: 49,00 sec
3.000 Meter Hindernis
Wer krönt sich zum Hindernis-König?
Sieben Läufer mit Meldezeiten unter 8:30 Minuten: Die 3.000 Meter Hindernis erleben in Deutschland einen regelrechten Boom. Ganz vorn thront natürlich der neue Europarekordler Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen) mit seinem Rabat-Rekord von 7:57,80 Minuten. Allerdings weiß er noch nicht, ob er im Lohrheidestadion über die Hindernisstrecke antritt, sondern über 5.000 Meter. Er entscheidet kurzfristig.
Klassischer Gegenspieler des Tübinger ist Karl Bebendorf (Dresdner SC). Mit 8:05,55 Minuten rangiert er auf Rang zwei in Deutschland – und in Europa. Bei Deutschen Meisterschaften hatte er aber zuletzt meistens die Nase vorn. In Wattenscheid könnte ihm der siebte „DM-Streich“ gelingen. Speziell auf der letzten Runde kann der EM-Dritte seine Stärken ausspielen.
Mit Niklas Buchholz (Franconia Athletics; 8:15,27 min) hat ein dritter Hindernisläufer die EM-Norm bereits unterboten und führt damit das Verfolgerfeld an. Dahinter folgen Olympia-Starter Velten Schneider (VfL Sindelfingen; 8:24,56 min), Robin Müller (LG Ohra Energie; 8:27,25 min), Brian Weisheit (Franconia Athletics; 8:28,73 min) und Silas Zahlten (LG Brillux Münster; 8:29,99 min). Bei dieser Konstellation ist alles angerichtet für ein absolutes Lauf-Highlight.
Titelverteidiger: Karl Bebendorf (Dresdner SC; 8:32,90 min)
Jahresbester: Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen; 7:57,80 min/DR)
EM-Norm von EA: 8:20,00 min
Hochsprung
Titelverteidiger ist der Favorit
Gemessen an seiner Saisonbestleistung ist er der klare Favorit auf Gold: Tobias Potye (Munich Athletics). Mit den von ihm im Juni bei den „Tagen der Überflieger“ gesprungenen 2,30 Metern führt er die Meldeliste im Hochsprung klar an. Was dem 31-Jährigen auf dem Weg zum sechsten Freiluft-Titel in Folge zum Verhängnis werden könnte, ist die fehlende Konstanz. Immer wieder entpuppt sich die Höhenjagd für ihn als Balanceakt, wie gut der Körper den hohen Belastungen standhält. Bei seinem Diamond-League-Comeback in Monaco (Monte Carlo) standen zuletzt 2,16 Meter in den Ergebnislisten. Eine Höhe, die auch die Konkurrenz mit ins Spiel bringt.
Eine entscheidende Rolle im Kampf um die Medaillen dürfte etwa der Vorjahreszweite Falk Wendrich (LAZ Soest) spielen, der mit 2,23 Metern anreist. Und nicht zu vergessen ist Jacob Thomä (Einracht Frankfurt). Nachdem der Youngster bereits die Titel bei der U23-DM sowie der U20-DM eingeheimst hat, könnte er für eine kleine Überraschung sorgen und im Lohrheidestadion das dritte DM-Gold mit nach Hause nehmen. Bisher hat er eine Höhe von 2,20 Metern stehen. Nicht mit in das Geschehen eingreifen wird hingegen Mateusz Przybylko (TSV Bayer 04 Leverkusen). Der Europameister von 2018 hat seine Karriere vor wenigen Wochen für beendet erklärt und wird in Bochum-Wattenscheid seine Energie in das Anfeuern der einstigen Konkurrenz und Trainingskollegen wie etwa Florian Hornig investieren.
Titelverteidiger: Tobias Potye (Munich Athletics; 2,26 m)
Jahresbester: Tobias Potye (Munich Athletics; 2,30 m)
EM-Norm von EA: 2,27 m
Stabhochsprung
Bo Kanda Lita Baehre im Höhenrausch kaum zu schlagen
Vier Jahre ist es her, dass Bo Kanda Lita Baehre (Düsseldorf Athletics) seine Bestleistung aufstellte und bei der Heim-EM in München zu Silber sprang. In dieser Saison scheint der Knoten endlich wieder geplatzt zu sein – auf die 5,82 Meter in Hof Ende Juni folgten Mitte Juli in Madrid 5,90 Meter. Nicht nur ist der 27-Jährige diese Höhe erst zum zweiten Mal in seiner Karriere gesprungen, sondern auch just im ersten Anlauf. Besser könnten die Vorzeichen auf einen Gold-Sprung bei den Deutschen Meisterschaften kaum sein, die für die Stabhochspringer bereits am Donnerstag im Rahmen der "Finals" auf dem Opernplatz in Hannover stattfinden.
Anders als in den Vorjahren ist somit nicht nur die Verlagerung außerhalb des Stadions, sondern auch die Konkurrenz, die um weitere Medaillen auf Höhenjagd geht. Mit Torben Blech (TSV Bayer 04 Leverkusen) sowie Oleg Zernikel (ASV Landau) fehlen verletzungsbedingt gleich zwei der besten DLV-Stabhochspringer. Entsprechend ist es Vorjahressieger Gillian Ladwig (Schweriner SC; 5,62 m), der zu den möglichen Anwärtern auf einen Podestplatz zählt. Mit 5,52 Metern auf Rang drei in der Meldeliste rangiert Constantin Rutsch Constantin (LG Olympia Dortmund).
Titelverteidiger: Gillian Ladwig (Schweriner SC; 5,65 m)
Jahresbester: Bo Kanda Lita Baehre (Düsseldorf Athletics; 5,90 m)
EM-Norm von EA: 5,82 m
Weitsprung
Acht Meter fürs Podium?
Um sechs Zentimeter steigerte sich Simon Batz (MTG Mannheim) vom ersten zum zweiten Wettkampf der Saison, weitere zwölf waren es bei seinem dritten Auftritt Mitte Juli in Budapest. Dieser Verdopplungslogik folgend könnten bei der DM 8,36 Meter folgen. Doch genug der Rechenspielereien. Mit 8,12 Metern reist der Titelverteidiger als Jahresbester nach Bochum-Wattenscheid und könnte mit einem weiteren Sprung nahe seiner Bestleistung (8,18 m) zum vierten Mal in Folge mit Gold aus der Grube steigen.
Etwas dagegen einzuwenden hat allerdings gleich eine ganze Reihe seiner Verfolger. Zu diesen zählen unter anderem Maximilian Entholzner (Munich Athletics), der zuletzt bei perfektem Rückenwind von +1,9 Meter/Sekunde auf 8,04 Meter flog, und Kevin Brucha (TLV Germaia Überruhr), der im vergangenen Jahr Silber holte und endlich die Acht vor dem Komma sehen will. Bislang hat der 24-Jährige eine konstant starke Saison vorzuweisen, seine beste Weite in diesem Sommer liegt bei 7,95 Metern.
Zu den weiteren Medaillenkandidaten gehören auch Simon Plitzko (TSG Bergedorf) und Luka Herden (LG Brillux Münster), der unter dem Hallendach schon 8,18 Meter weit gesprungen ist. Spannend wird bei dieser engen Konkurrenz nicht nur die Reihenfolge auf dem Podium, sondern auch der Kampf um die beiden möglichen EM-Tickets, die bei erfüllter Norm an die zwei Erstplatzierten vergeben werden.
Titelverteidiger: Simon Batz (MTG Mannheim; 7,99 m)
Jahresbester: Simon Batz (MTG Mannheim; 8,12 m)
EM-Norm von EA: 8,05 m
Dreisprung
Nachfolger von Max Heß gesucht
Eines steht bereits im Vorfeld des Dreisprungwettbewerbs fest: Es wird einen neuen Deutschen Meister geben. Denn anstatt auf die Jagd nach seinem zehnten (!) Freiluft-Titel zu gehen, ist Max Heß (LAC Erdgas Chemnitz) nach einer Hüft-OP in dieser Saison zum Zuschauen gezwungen. Die Chemnitzer Gold-Ära aufrecht erhalten könnte indes sein Trainingskollege Steven Freund, der sich Anfang Juli bereits den Titel bei der U23-DM sicherte. Allerdings ist er mit 15,90 Metern nur die Nummer zwei der Meldeliste, als Favorit geht der Zweite aus dem Vorjahr Mohammed Amin Alsalami (LAC Berlin; 16,07 m) in den Titelkampf.
Spannend wird dahinter auch das Springen um Platz drei – das Potenzial für einen Platz auf dem Podium bringen sowohl Benedikt Maurer (LG Stadtwerke München) als auch Maximilian Starke (LAC Erdgas Chemnitz) mit. Der Münchner belohnte sich bereits bei der U23-DM mit Silber, auf dem Bronzerang landete dort Milan Klosowski (Cologne Athletics). Erwischt der 20-Jährige einen guten Tag, könnte auch er mit um die Medaillen springen.
Titelverteidiger: Max Heß (LAC Erdgas Chemnitz; 16,37 m)
Jahresbester: Mohammad Amin Alsalami (LAC Berlin; 16,07 m)
EM-Norm von EA: 16,80 m
Kugelstoß
Jagd auf die EM-Norm
Zwei Athleten haben die 20 Meter in dieser Saison schon überboten, einer kratzt noch dran. Einmal mehr verspricht das Kugelstoßen der Männer einen spannenden Wettkampf um die Medaillen. Mit zwei Titeln aus den vergangenen beiden Jahren im Gepäck reist Eric Maihöfer (VfL Sindelfingen) an. Und gilt zugleich als Jahresbester auch 2026 wieder als Favorit. Zur EM-Norm fehlen ihm mit 20,63 Metern nur 17 Zentimeter, die Bestätigungsnorm (20,20 m) hat er bereits abgehakt. Ein Unterfangen, das sich sich sein Vereinskollege Tizian Lauria (20,14 m) zum Ziel gesetzt hat.
Der Deutsche Hallenmeister Georg Harpf (LG Stadtwerke München; 20,29 m) hat die Bestätigungsnorm ebenfalls schon übertroffen. Genau dieses Trio hat 2025 in Dresden schon die Podestplätze unter sich ausgemacht. Bleibt die Frage, ob sich die Reihenfolge in diesem Jahr ändert. Oder vielleicht sogar Lukas Schober (SG Freital-Weißig 1861; SB: 19,48 m) einen Stoß aufs Podest hinlegt.
Titelverteidiger: Eric Maihöfer (VfL Sindelfingen; 20,10 m)
Jahresbester: Eric Maihöfer (VfL Sindelfingen; 20,63 m)
EM-Norm von EA: 20,80 m
Diskuswurf
Spannender Fight um die EM-Tickets
Eine der wohl spannendsten Entscheidungen erwartet die Leichtathletik-Fans mit dem Diskus-Finale am Sonntagnachmittag. Jeweils mit EM-Norm in der Tasche ist es bislang noch ein Trio, das sich Hoffnungen auf die EM in Birmingham macht und mit Gold und Silber dekoriert zum Saisonhöhepunkt fahren will. Allen voran U23-Europameister Steven Richter (LV 90 Erzgebirge), der nach einem erfolgreich absolvierten Trainingslager seine Poleposition in der deutschen Jahresbestenliste untermauern und die zwei Kilogramm schwere Scheibe innerhalb eines Stadions möglichst nah an die 70 Meter innerhalb werfen will. Herausgefordert wird er dabei vor allem von Titelverteidiger und Dauerrivale Henrik Janssen (Sportclub Magdeburg) sowie Markus Karges (Eintracht Frankfurt).
Rechtzeitig fit geworden und erst frisch in die Saison eingestiegen ist Mika Sosna (TSG Bergedorf). Zwar sind die Deutschen Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid erst sein vierter Wettkampf in diesem Sommer, vielleicht pusht in die Erinnerung an seinen Sieg bei den World University Games 2025 in genau jenem Stadion zu unerwarteter Höchstleistung. Denn noch fehlen ihm mit 65,14 Metern exakt 36 Zentimeter zur EM-Norm. Spannend ist zudem, wozu Daniel Jasinski (TV Wattenscheid 01) in der Lage ist – noch hat der der Olympia-Dritte von 2016 keinen Wettkampf in dieser Saison absolviert.
Titelverteidiger: Henrik Janssen (SC Magdeburg; 68,41 m)
Jahresbester: Steven Richter (LV 90 Erzgebirge; 74,00 m)
EM-Norm von EA: 65,50 m
Hammerwurf
Merlin Hummel auf Mission Titelverteidigung
Das Anpassen von technischen Feinheiten braucht Zeit, damit die Gesamtchoreografie harmonisch ineinandergreift. Und wie gut das am Ende gelingen kann, wenn man geduldig ist, hat in dieser Saison Merlin Hummel (Eintracht Frankfurt) gezeigt. Nachdem er bereits im Mai starke 81,27 Meter weit geworfen hatte, flog der Hammer anschließend erst wieder Mitte Juli über die 80-Meter-Marke. Doch der WM-Zweite war stets zuversichtlich und weiß genau, was er zu tun hat. Mit 81,74 Metern gilt er bei den Deutschen Meisterschaften als klarer Favorit und kann mit der erfolgreichen Titelverteidigung noch einmal zusätzlich Selbstvertrauen für die EM im August gewinnen.
Wieder zurück im Wettkampfgeschehen hat sich der Deutsche Meister von 2024 direkt gut in Stellung gebracht. Mit 76,15 Metern ist Sören Klose (Eintracht Frankfurt) neben Merlin Hummel der einzige Werfer in der Konkurrenz, der die 70-Meter-Marke bereits übertroffen hat. Gelingt ihm im Lohrheidestadion eine Steigerung auf 77,50 Meter, hätte er sicher die EM-Norm, die Bestätigungsnorm (75,00 m) hat er bereits erfüllt. Gute Chancen auf Platz drei hat Tim Steinfurth (LG Eppstein-Kelkheim), der an selber Stelle erst kürzlich Gold bei der U23-DM gewann.
Titelverteidiger: Merlin Hummel (LG Stadtwerke München; 78,17 m)
Jahresbester: Merlin Hummel (LG Stadtwerke München; 81,74 m)
EM-Norm von EA: 77,50 m
Speerwurf
Julian Weber ist zurück und Favorit
Manchmal ist es die Vernunft, die eine erfolgreichen Athleten formt. Anstatt Risiken einzugehen und Wettkämpfe zu bestreiten, obwohl der Körper nicht bei 100 Prozent Leistungsfähigkeit steht, übte sich Julian Weber (USC Mainz) in Geduld und stieg erst Mitte Juli bei einem Meeting im schweizerischen Luzern wieder in den Wettkampfzirkus ein. Und wie: Mit 87,04 Metern setzte er sich direkt an die Spitze der europäischen Jahresbestenliste und hakte zugleich die EM-Norm für Birmingham ab. Trotz der fehlenden Wettkampfroutine zählt er somit auch klar als der große Favorit auf Gold bei den Deutschen Meisterschaften.
Auf konstantem Niveau wieder zurück auf der internationalen Wettkampfbühne ist in diesem Jahr Thomas Röhler (LC Jena). Mit 83,33 Metern die EM-Norm ebenfalls schon in der Tasche, kann der Olympiasieger von 2016 in Bochum-Wattenscheid befreit aufwerfen und sich mit Gold oder Silber das Ticket zum Saisonhöhepunkt sichern. Ebenfalls Chancen auf einen Podiumsplatz hat Zehnkämpfer Niklas Kaul (USC Mainz), der vor der EM noch einmal „fremdgeht“ und die Spezialisten etwas ärgern will. Als Vierter mit 78,21 Metern gemeldet dürfte es zu einem kleinen Bronze-Duell mit Namensvetter Niklas Sagawe (TSG Bergedorf) kommen, der mit 79,03 Metern bereits an den 80 Metern gekratzt hat. Nicht zu vergessen ist zudem Max Dehning (LG Offenburg), der in dieser Saison bereits 78,30 Meter geworfen hat und immer für eine Überraschung gut ist. U23-Meister Nick Thumm (VfB Stuttgart) ist spät in die Saison gestartet und möchte an seine 82-Meter-Form aus dem Winter anknüpfen. Seinen Start kurzfristig absagen musste indes Johannes Vetter (LG Offenburg).
Titelverteidiger: Julian Weber (USC Mainz; 84,36 m)
Jahresbester: Julian Weber (USC Mainz; 87,04 m)
EM-Norm von EA: 83,00 m
4x100 Meter
Welches Quartett sichert sich Staffel-Gold?
München, Hamburg, Münster - so die Reihenfolge der drei erstplatzierten Teams mit der 4x100 Meter Staffel im vergangenen Jahr. Doch selbst mit einem Blick in die Meldeliste ist eine seriöse Vorhersage über ein mögliches Ergebnis kaum zu treffen. Denn wenngleich der ASV Köln auf dem Papier mit 39,23 Sekunden die schnellste Zeit mitbringt, muss das Staffelholz erst einmal sicher übergeben und sauber ins Ziel gebracht werden. Adrenalin pur - für Sprinter wie Zuschauer.
Zu den Top-Teams zählen neben den Rheinländern dennoch die Dauerbrenner aus Wattenscheid, die mit Heimvorteil an den Start gehen, sowie das Quartett aus Münster sowie jeweils die vier Männer aus Leverkusen und München. Um eine Medaille zu gewinnen dürfte zudem eine Zeit von unter 40 Sekunden erforderlich sein.
Titelverteidiger: LG Stadtwerke München (39,60 sec)
Jahresbester: ASV Köln (39,23 sec)
Männliche U20
4x400 Meter
Den DM-Auftakt machen die Jüngsten
Eine besondere Ehre bekommen im Rahmen der Deutschen Meisterschaften die Langstaffeln der Altersklasse U20. Mit dem Rennen um Gold, Silber und Bronze über 4x400 Meter wird das Meisterschaftswochenende am Samstag eröffnet. Die schnellste Zeit vorzuweisen hat dabei Titelverteidiger StG Recklinghausen-Hamm (3:23,03 min), gefolgt von der StG HNT Hamburg / Buxtehuder SV (3:24,09 min) und drei Langsprint-Quartetten mit einer Zeit um die 3:26 Minuten.
Titelverteidiger: StG Recklinghausen-Hamm (3:23,03 min)
Jahresbeste: StG Recklinghausen-Hamm (3:18,26 min)
3x1.000 Meter
Kölner Trio in der Favoritenrolle
Am Sonntag stehen die Zeitendläufe über 3x1.000 Meter auf dem Programm. Als Favorit geht das Trio vom TuS Köln rrh. ins Rennen, das die Meldeliste mit 7:43,03 Minuten anführt. Zur Kölner Staffel zählen die Zwillinge Finn Jakob und Jan Emanuel Merheim, die bereits Medaillen bei der U20-DM gewannen. In der Meldeliste folgen mit dem Berlin Athletics Capital Club (7:45,95 min) und dem Berliner SV 1892 (7:47,12 min) zwei Trios aus der Hauptstadt. Für ausgelassene Stimmung werden die Staffeln sicher sorgen. Und vielleicht das ein oder andere Team auch für eine Überraschung.
Titelverteidiger: StG Team Thüringen (7:28,76 min)
Jahresbeste: TuS Kln rrh. (7:43,03 min)