| Interview

Simon Batz: "Kleiner Knoten geplatzt, da geht aber noch mehr"

© Jan Papenfuß
Mit einer Steigerung seiner Bestleistung auf 8,29 Meter hat Weitspringer Simon Batz (MTG Mannheim) bei den Deutschen Meisterschaften am Wochenende in Bochum-Wattenscheid seinen vierten Titel in Folge gewonnen und mit konstanten Sprüngen über acht Meter Zuversicht für die bevorstehende EM in Birmingham getankt. Im Interview spricht der Olympia-Sechste über eine schwierige Vorbereitung, das Verhältnis zu seinem Trainer Sebastian Bayer sowie seine Zielstellung für den internationalen Höhepunkt im August.
Jane Sichting

DM 2026

Simon Batz, herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Titelverteidigung bei den Deutschen Meisterschaften.

Simon Batz:
Dankeschön, danke.

Sie sind am Sonntag im Lohrheidestadion nicht nur zu Gold gesprungen, sondern konnten auch ihre Freiluft-Bestweite um 17 Zentimeter steigern und mit 8,29 Meter erneut die geforderte Direktnorm für die Europameisterschaften überbieten. War das ein perfekter Wettkampf für Sie?

Simon Batz:
Nein, das würde ich gar nicht sagen. Der perfekte Wettkampf war es auf gar keinen Fall – auch insgesamt betrachtet. Ich glaube, dass da definitiv noch mehr geht. Natürlich ist es erst einmal toll, diese Weite zu springen. Aber das hat sich auch schon im Training angedeutet. Und es war zumindest einmal gut, dass so ein kleiner Knoten geplatzt ist und am Ende nicht wieder diese typische Weite zwischen acht Meter und 8,10 Meter steht. Sondern einfach mal so dieser kleine Ausreißer nach oben.

Der erste Versuch im Wettkampf war bei Ihnen ungültig, danach sind Sie direkt 8,03 Meter gesprungen. Manch einen würde so etwas verunsichern – ist das bei Ihnen anders? Wie sind Sie mit dem ungültigen Versuch zu Beginn umgegangen?

Simon Batz:
Das hat mich nicht verunsichert, da bei mir das Einspringen tatsächlich relativ gut war. Schon im ersten Versuch habe ich dann gemerkt, dass der Wind immer sehr gedreht hat – das war auch bei den weiteren Versuchen so. Ich habe im ersten Versuch zu viel Druck auf den ersten Schritt gemacht und daraufhin hat mein Trainer durch Korrekturen meinen Anlauf angepasst. Und dann wusste ich: Das passt eigentlich. Deswegen war ich auch ziemlich sicher, dass ich dann im zweiten und dritten Versuch auf jeden Fall erst einmal eine gute Weite stehen haben kann. Nachdem ich den vierten Versuch ausgelassen habe, wollte ich dann noch einmal angreifen.

Was Ihnen mit einer Bestweite von 8,29 Meter gelungen ist. Beachtlich ist zudem, dass alle Ihre gültigen Versuche über acht Meter weit waren. Gibt Ihnen solch eine Konstanz im Wettkampf noch einmal Zuversicht in Richtung der EM?

Simon Batz:
Ja, das auf jeden Fall. Für mich sind die 8,29 Meter natürlich das Highlight von dem Wettkampf. Insgesamt betrachtet ist es aber auch wichtig – vor allem in Hinblick auf eine Qualifikation –, dass ich auch in den ersten drei Versuchen konstante Sprünge über acht Meter abliefern kann. Auch wenn das auf technischem Niveau wahrscheinlich keine Top-Sprünge sind. Trotzdem weiß ich, dass ich das kann – und im besten Fall auch in der Quali bei der EM abrufen kann, um einfach das Final-Ticket zu ziehen.

Wie Sie bereits angesprochen haben, hatten Sie auf den vierten Versuch verzichtet. War das eine Vorsichtsmaßnahme oder ein taktischer Zug, um Energie zu sparen?

Simon Batz:
Das haben wir so entschieden, um vor allem in Richtung Birmingham ein bisschen Körner zu sparen und mich zu schonen. Zudem weiß ich, dass mein Trainer immer ein Fan davon ist, zum Beispiel gern mal so einen vierten Versuch auszulassen. Vor allem wenn die Versuche zwei und drei solide gelaufen sind. Dann setzen wir lieber noch einmal einen Sprung aus, um ein bisschen den Kopf klar zu bekommen und dann in den verbleibenden zwei Versuchen wieder anzugreifen.

Mit Blick auf Ihren Saisonverlauf fällt auf, dass Sie zwar vor der DM nur drei Wettkämpfe bestritten haben, sich aber kontinuierlich steigern konnten. Empfinden Sie das als ein gutes Omen für die EM im August? Gibt Ihnen das noch einmal extra Motivation?

Simon Batz:
Ja, auf jeden Fall. Wenngleich ich nicht die einfachste Vorbereitung hatte. Etwa um den 10. Mai herum hatte ich mich am Hamstring verletzt und einen Muskelfaserriss an der Oberschenkelrückseite. Danach war ich für sechs Wochen in der Reha und habe parallel mit dem Aufbau begonnen. Entsprechend hatte ich meinen ersten Wettkampf in diesem Sommer auch erst vor knapp vier Wochen. Seither geht es allerdings hauptsächlich nur bergauf und es ist super, dass man wirklich merkt, dass es immer besser wird. Die ersten beiden Wettkämpfe habe ich nur aus dem kurzen Anlauf gemacht und bin dann immer besser in Fahrt gekommen, auch zuletzt in Budapest vor zehn Tagen. Und das ist natürlich super, das gibt enormen Aufschwung, wenn die Formkurve nach oben zeigt. Und es gibt auch Selbstvertrauen.

Bei der Vorgeschichte ist das Ergebnis umso höher einzuschätzen...

Simon Batz:
Absolut. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich in der Halle zum Beispiel noch mit einer luxierten Schulter zu kämpfen hatte und nicht so die vielen Wettkämpfe machen konnte. Schon der Aufbau und auch die Trainingsleistungen in Südafrika im April waren dann richtig top und man hat gesehen, dass es gut läuft. Dann kam der Rückschlag im Mai. Deswegen ist es umso erfreulicher, dass es bisher wieder so gut läuft und sich hoffentlich auch so gut weiterentwickelt.

Das ist Ihnen zu wünschen. Noch einmal zurück zum DM-Finale. Das letzte Mal, dass ein Athlet bei einer Deutschen Meisterschaft weiter gesprungen ist als Sie, war 2009. Damals landete Ihr heutiger Trainer Sebastian Bayer bei 8,49 Meter. Gibt es zwischen Ihnen eine Wette, wann Sie seine Rekordmarken knacken? Und sehen Sie in Sebastian Bayer nicht nur Ihren Coach, sondern auch ein Vorbild?

Simon Batz:
Insgesamt würde ich sagen, dass er mich in der Hinsicht, was er früher geleistet hat, schon auch inspiriert. Klar, das sind nochmal ganz andere Weiten, wenn ich etwa von seinen 8,71 Metern in der Halle ausgehe. Das ist wirklich noch ein großes Stück weg. Aber er sagt auch immer, dass wenn jemand seinen Rekord bricht, dann soll es am liebsten jemand von seinen Athleten sein. Eine Wette gibt es tatsächlich noch nicht.

Ihre Trainingsgruppe hat mit Sebastian Bayer nicht nur einen ehemaligen Weltklasseathleten als Trainer, sondern besteht auch aus Top-Athleten wie dem Deutschen Rekordhalter über 100 Meter Owen Ansah oder der Hürdensprintern Ricarda Lobe. Hilft solch ein leistungsstarkes Umfeld auch in schwierigen Phasen – etwa während Ihrer Verletzungszeit im Mai, um trotzdem bei Stimmung zu bleiben?

Simon Batz:
Ja, natürlich. Bei uns ist es egal, ob man verletzt oder gesund ist. Man profitiert einfach von so einer starken Trainingsgruppe – das sieht man ja weltweit, wenngleich im Sprint wahrscheinlich eher als im Sprung. Aber das wird immer mehr, weil man von starken Trainingspartner sehr profitiert. Das merke ich auch selbst, zum Beispiel im Sprintbereich. Zudem ist es auch eine riesige Erleichterung, etwa bei Tempoläufen in der Vorbereitung nicht alleine zu leiden, sondern jemanden zu haben, bei dem man weiß, dass er das Gleiche durchmacht – weil man das gleiche Ziel verfolgt und besser werden will. Das ist immer ein Ansporn, um dann auch aus so einer Verletzung wieder herauszukommen und da wieder anschließen zu können.

Eine ähnliche Situation gab es auch bei der DM, bei der sich Ihre Konkurrenz in starker Verfassung präsentiert hat. Kevin Brucha etwa ist zum ersten Mal über acht Meter gesprungen und darf nun mit Ihnen gemeinsam zur EM fahren. Gibt das ebenfalls einen Extrapush?

Simon Batz:
Ja, definitiv. Kevin und ich sind der gleiche Jahrgang und sind seit 2019 auch schon viele Jugendwettkämpfe miteinander gesprungen. Deswegen kennen wir uns jetzt schon viele Jahre und man bekommt vieles von dem anderen mit. Es ist immer schön zu sehen, dass auch die nationale Spitze besser wird, davon profitiert man natürlich auch. Und vielleicht werden dann auch wieder mehr Weitsprung-Wettkämpfe im Männerbereich in Deutschland interessant, wenn mehrere Athleten über acht Meter springen.

Welchen Stellenwert hat es für Sie, dass Sie bereits Ihren vierten Freiluft-Titel in Folge gewinnen konnten? Vor allem vor dem Hintergrund der etwas schwierigen Vorbereitung...

Simon Batz:
Der Titel ist immer etwas Besonderes. Auch weil zum Beispiel die Nervosität bei einer Meisterschaft immer höher ist als etwa bei einem normalen Meeting. Es geht einfach um den Titel und dann will man natürlich auch seine Stellung im Land halten. Als ich den vierten Versuch ausgelassen habe und die anderen näher gekommen sind, da wusste ich, dass ich nochmal eine Schippe drauflegen muss, um diese Stellung zu behalten. Das hat dann zum Glück auch wirklich gut funktioniert.

Die nationale Konkurrenz ist das eine, die internationale Konkurrenz das andere. In wie weit verfolgen Sie, was sich im europäischen Weitsprung der Männer so tut?

Simon Batz:
Man bekommt natürlich mit, was Springer wie der Grieche Miltiadis Tentoglou so machen – schon allein in gemeinsamen Wettkämpfen wie zuletzt in Budapest. Auch über Social Media bekommt man vieles mit. Dennoch liegt der Fokus immer erst einmal auf einem selbst. In Hinblick auf Birmingham denke ich, dass es ein spannender Showdown und keinem eine gute Platzierung geschenkt wird. Eine mögliche Medaille muss man sich hart erkämpfen.

Interessant wird nicht nur der Kampf um die Medaillen, interessant sind auch die unterschiedlichen Techniken und Stärken der Springer. Von Ihnen heißt es, dass Sie vor allem von einem gewissen „Bounce“im Fuß profitieren und stark im Absprung sind. Stimmen Sie dem zu?

Simon Batz:
Insgesamt glaube ich schon, dass ich auf jeden Fall durch meine Körpergröße und durch die Hebel auch gewisse Vorteile habe. Aber darauf will ich mich nicht verlassen, weswegen wir sehr viel an meiner Geschwindigkeit arbeiten. Unser Ziel ist es, dass ich eine hohe Geschwindigkeit mit einem sauberen Absprung perfekt kombiniert bekomme und nicht so viel schieben und drücken muss am Brett. Da gibt es noch einiges zu tun.

Mit diesem Ziel beschreiben Sie einen fortlaufenden Prozess, wie Sie sich stetig verbessern können. Einmal kurzfristig gedacht: Mit welcher Zielstellung reisen Sie nach Birmingham? Bei der EM 2024 in Rom waren Sie am Ende Neunter...

Simon Batz:
Der Einzug in das Finale ist immer der Anspruch. Und natürlich will man auch vorne mit eingreifen. Trotzdem gilt es bei technischen Disziplinen immer erst einmal, die Quali zu überstehen. Das ist immer erst einmal eine relativ schwere Aufgabenstellung, da durchzukommen. Und wenn man dann im Finale steht, dann ist eigentlich nichts mehr zu verlieren. Wenn mir das gelingt, werde ich versuchen, einen guten Versuch zu setzen. Und dann muss man auch auf Risiko gehen. Ich glaube, dass wenn man da wirklich um eine Medaille mitkämpfen will, muss man dieses Jahr richtig weit springen. Vor allem weil im Vergleich zu Rom das Niveau in Europa nochmal ganz schön nach oben gegangen ist.

Sind Sie schon einmal im Alexander Stadium einen Wettkampf gesprungen?

Simon Batz:
Nein, es ist komplett neu für mich. Deswegen freue ich mich auch schon. Ich habe gehört, dass die Fans vor Ort sehr sportbegeistert sind und die Leichtathletik in Großbritannien einen sehr hohen Stellenwert hat. Entsprechend sollen die Stimmung und die Atmosphäre super sein.

Birmingham ist von Deutschland aus nicht ganz so weit weg. Werden auch Teile Ihrer Familie oder Freunde mit im Stadion sein?

Simon Batz:
Meine Eltern und auch meine Freundin waren jetzt schon bei den Deutschen mit dabei. In Birmingham werden dann wahrscheinlich auch noch mein Onkel, meine Tante und einige Freunde sowie Trainingskollegen mit vor Ort sein. Ich glaube, dass mir das nochmal einen Push geben kann. Ich werde es auf jeden Fall genießen.

Video-Interview: Simon Batz: "Ich bin so gut drauf wie noch nie" 
Video: Simon Batz springt mit persönlicher Bestleistung zu DM-Gold 

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