Eine La Ola für die Australierin Eleanor Patterson: Die 30-Jährige sticht am Sonntag bei der vierten Auflage des Hochsprung-Meetings alle Stars aus, holt sich ihren dritten Sieg auf dem Heilbronner Marktplatz vor der Weltrekordhalterin Yaroslava Mahuchikh und scheitert nur knapp am Landesrekord von 2,05 Metern. Joana Herrmann begeistert als Vierte mit 1,90 Metern und schwärmt von der Kulisse mit 1.370 Zuschauern.
Beim Warmmachen ist er Begleiter, im Wettkampf sorgt er für die besonderen Töne bei Hochsprung Heilbronn – und vor der Siegerehrung spielt er den Tusch. Am Sonntag hat Robert Giegling die weltbesten Frauen auf seine Art und Weise unterstützt: mit der Trompete. Seit 35 Jahren ist sie sein Instrument. Sein Job mit Adly Ferchichi am Sonntagnachmittag hat Sensibilität erfordert. Immer wieder findet er sich in die mitgebrachte Musik der Athletinnen ein, versucht „ihnen Energie zu geben – ohne sie zu stören oder ihre Abläufe zu unterbrechen“, wie er sagt.
Scheinbar unbeteiligt hat lange Zeit die Weltrekordhalterin Yaroslava Mahuchikh das Geschehen zwischen Kilianskirche und Rathaus verfolgt – und registriert, wie Eleanor Patterson (Foto) vor den 1.370 begeistert mitgehenden Zuschauern bei 1,90 Metern einsteigt. Die Australierin ist in Heilbronn einmal mehr von ihrem Lebensgefährten Marco Fassinotti gecoacht worden, der am Samstag beim Sieg des Japaners Tomohiro Shinno mit 2,25 Metern noch selbst im Einsatz gewesen ist und 2,22 Meter übersprungen hat.
Joana Herrmann überglückliche Vierte
Bei 1,93 Metern geht der Wettkampf bei bestem Hochsprung-Wetter in seine heiße und zugleich spannende Phase: Mit dem Quartett Joana Herrmann (SV Teuto Riesenbeck), Lamara Distin, Eleanor Patterson und der Yaroslava Mahuchikh, die bei 1,93 Metern erstmals ohne Schwierigkeiten antestet. Stehend, klatschend und trampelnd verfolgt die Arena am Rathaus den letzten Versuch von Joana Herrmann, doch an diesem Nachmittag will die persönliche Bestleistung von 1,93 Metern (noch) nicht fallen.
Dennoch verlässt die 20-Jährige als Vierte das Weltklasse-Meeting. „Ich bin die glücklichste Vierte und freue mich sehr über die 1,90 Meter. Sie sind eine Bestätigung, dass ich das kann“, sagt Joana Herrmann. „Mit Topathletinnen springen zu dürfen, die bei Olympia waren, das ist schon echt krass. Wenn man so prominente Leute um sich hat, ist man doppelt aufgeregt. Aber ich hatte noch nie so eine tolle Atmosphäre. Es macht einen Riesenspaß hier zu springen.“
Dorthea Gantert: Vom Livestream ins Starterfeld
Mit 1,86 Metern und Freudentränen hat sich zuvor die Deutsche Meisterin Dorothea Gantert (SpVg Laatzen) verabschiedet: „Als ich nur gehört habe, dass ich eine Einladung bekomme, war ich total überwältigt. Vergangenes Jahr habe ich den Stream geschaut und gesehen, wie Christina Honsel 2,00 Meter gesprungen ist und gedacht: Wenn man hier dabei ist, ist man ganz oben angekommen. Es ist einfach aufregend. 1,90 Meter wäre schon wahnsinnig cool gewesen, das fühlt sich an, als ob eine andere Welt aufgeht.“ Was sich in der Folge auf dem blauen Boden auf dem Marktplatz abspielt, ist nicht einmal bei internationalen Meisterschaften garantiert: Ein Trio ist bei der magischen Marke von zwei Metern noch im Wettbewerb.
Absolute Stille für Eleanor Patterson, die Kaugummi kauend nach ihrem feinen Satz im ersten Versuch über zwei Meter kurz die Zunge raustreckt, ehe sie lächelt. Ist das schon der Sieg? Lamara Distin verpasst es, den jamaikanischen Landesrekord einzustellen, mit 1,98 Metern wird sie Dritte. Yaroslava Mahuchikh visualisiert ein letztes Mal ihren Sprung - und überspringt technisch sauber die Höhe.
Im dritten Versuch über 2,02 Meter
„Genießt diese Duelle und zeigt eure besten Sprünge“, gibt ihnen Tokio-Olympiasieger Mutaz Essa Barshim als Hochsprung-Fan mit auf den Anlaufweg. Das hilft: Im dritten Versuch überspringt Eleanor Patterson die 2,02 Meter, stellt damit ihre persönliche Bestleistung aus dem Jahr 2022 ein und verbessert zugleich den Stadionrekord von Christina Honsel aus dem Vorjahr um zwei Zentimeter. Yaroslava Mahuchikh kann nicht mehr bkontern und verneigt sich vor dem Publikum – als Dankeschön erhält auch sie eine La Ola.
Eleanor Patterson aber feiert ihren dritten Sieg auf dem Heilbronner Marktplatz und gewinnt scheinbar nebenbei auch noch die What Gravity Tour mit den Stationen Banská Bystrica im Februar und dem Finale in Heilbronn. Und das, obwohl sich ihre Beine am Morgen noch gar nicht so frisch angefühlt haben. „Aber ich hatte so viel Spaß hier, es ist einfach eine ganz spezielle Arena hier, außerdem liebe ich den deutschen Service, den deutschen Kaffee und das deutsche Publikum“, sagt die „Fake-Europäerin“. So nennt sich Patterson, die inzwischen in Italien wohnt, grinsend. Dass sie sich noch zweimal an ihrer persönlichen Bestleistung von 2,05 Metern versucht, die zugleich australischen Rekord bedeutet hätten, geht im Jubel beinahe unter.
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