Von Freitag bis Sonntag steht der letzte große Höhepunkt der Stadion-Leichtathletik 2026 auf dem Programm: Bei den World Athletics Ultimate Championships in Budapest sind fünf deutsche Starter und eine Staffel mit dabei. Wir beleuchten die Chancen der DLV-Athleten auf den mit jeweils 150.000 US-Dollar dotierten Sieg und stellen die Favoriten in diesen Disziplinen vor.
Freitag, 11. September
4x100 Meter Mixed | Finale (19:08 h)
Offenes Rennen um den Sieg
Als erstes Finale der Drei-Tages-Veranstaltung steht die jüngste Disziplin bei großen Meisterschaften auf dem Programm: die Mixed-Staffel über 4x100 Meter. Allein durch die fehlenden Erfahrungswerte ist ein Ausgang nur schwer vorauszusagen. Dazu kommt die späte Saisonphase, wodurch die meistens Staffeln nicht in Bestbesetzung antreten werden.
Auch bei der deutschen Staffel werden andere Sprinterinnen und Sprinter zum Einsatz kommen als bei den besten Saisonrennen. Das deutsche Quartett qualifizierte sich mit Rang vier bei den World Relays im Frühjahr in Botswana mit 40,15 Sekunden direkt für die World Ultimate Championships. Bei der EM war die DLV-Staffel sogar noch vier Hundertstel schneller und sprintete zu Silber. Vom EM-Quartett steht allerdings nur Kevin Kranz (Sprintteam Wetzlar) im Budapest-Aufgebot. Dazu kommen Robin Ganter (MTG Mannheim), Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV), Sina Kammerschmitt (MTG Mannheim), Chelsea Kadiri (Sprintteam Wetzlar) und Jolina Ernst (TV Wattenscheid 01).
Da die Gastgebernation Ungarn eine Wildcard erhalten hat, starten in Budapest vier Staffeln. Mit Jamaika (39,62 sec) und Großbritannien (39,97 sec) konnten zwei Staffeln in diesem Jahr die 40-Sekunden-Marke unterbieten. Die Ungarn (41,74 sec) trennen die Staffeln bei der Saisonbestleistung nur acht Zehntelsekunden. Nur mit der siebtbesten Zeit (40,33 sec) reisen die USA zur Ultimate-Premiere. Bringt die Sprint-Nation ihr Potenzial auf die Bahn – und bekommt sie nicht eine der ungünstigen Innenbahnen eins oder zwei – ist mit den USA auf jeden Fall zu rechnen.
Hammerwurf Männer | Finale (19:23 h)
Merlin Hummel mittendrin in Weltklasse-Feld
Der Männer-Hammerwurf hat in den vergangenen Jahren eine extrem dynamische Entwicklung hingelegt. Reichte vor ein paar Jahren noch eine 80-Meter-Weite zum Sieg, schaffte man es zuletzt nicht einmal aufs Podest. Dementsprechend hochkarätig besetzt ist auch das Finale in Budapest am Freitagabend. Alle acht Hammerwerfer haben in diesem Jahr die 80-Meter-Marke deutlich übertroffen. Natürlich auch Merlin Hummel (Eintracht Frankfurt). Der Vize-Europameister rangiert mit einer Saisonbestleistung von 81,74 Metern auf Rang sechs der Meldeliste.
Großer Pluspunkt des 24-Jährigen: Er kann 80-Meter-Weiten sehr stabil abrufen. So warf Merlin Hummel bei seinem letzten Auftritt in Chorzow in den ersten drei Versuchen gleich zweimal über 80 Meter (80,88 m und 81,25 m). Und genau das ist in Budapest gefragt. Denn in den Würfen und Horizontalsprüngen gibt es nur maximal vier Versuche. Nach zwei Versuchen müssen sich die Hammerwerfer mit den geringsten Weiten verabschieden, nach drei Würfen weitere zwei. Den vierten und letzten Versuch bestreiten nur noch die vier Führenden.
Als Weltjahresbester startet Lokalmatador Bence Halasz (Ungarn) als Mitfavorit ins Rennen um den Siegerscheck in Höhe von 150.000 US-Dollar. Bei seinem EM-Triumph steigerte der 29-Jährige den Landesrekord auf 84,25 Meter. Seine zweitbeste Weite in diesem Jahr liegt allerdings „nur“ bei 81,87 Metern. Deutlich stabiler bei großen Weiten ist Ethan Katzberg (Kanada). Der Olympiasieger und zweimalige Weltmeister übertraf in diesem Sommer schon elfmal die 82-Meter-Marke und ist seit 13 Monaten ungeschlagen. Dank dieses hohen Niveaus gehört dem 24-Jährigen die Favoritenrolle.
Samstag, 12. September
400 Meter Hürden Männer | Halbfinals (19:57 h)
Deutsches Duo ist direkt gefordert
Ein Läufer unter 46 Sekunden, ein Trio unter 47 Sekunden und gleich 13 Starter mit Saisonbestzeiten unter 48 Sekunden. Bei den 400 Meter Hürden ist in Budapest die geballte Weltklasse am Start. Darunter tummeln sich auch zwei deutsche Starter: Vize-Europameister Emil Agyekum (SCC Berlin) und U23-Europameister Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV), der sich den 16. und damit letzten Startplatz gesichert hatte.
Mit seinem Deutschen Rekord von 47,45 Sekunden belegt Emil Agyekum Platz acht der Meldeliste. Nach seinen zuletzt starken Auftritten bei der EM und der Diamond League ist für ihn der Finaleinzug in Reichweite. Lediglich die Top 3 mit dem neuen Weltrekordler Alison dos Santos (Brasilien; 45,80 sec), Tokio-Olympiasieger und Ex-Weltrekordler Karsten Warholm (Norwegen; 46,52 sec) sowie Olympiasieger Rai Benjamin (USA; 46,67 sec) sind wohl ungefährdet. Dabei geht der Sieg nur über den Brasilianer: Denn Alison dos Santos hat alle seine 400-Meter-Hürdenrennen in diesem Jahr gewonnen und blieb dabei sechsmal unter 47 Sekunden.
Owe Fischer-Breiholz wartet noch auf seine erste Zeit unter 48 Sekunden. Die Saisonbestzeit des EM-Fünften steht bei 48,08 Sekunden. Damit nimmt er Platz 14 der Meldeliste ein. Für das Finale am Sonntag um 18:36 Uhr qualifizieren sich die Top 8. Hat der Hesse bei der Bahnverteilung etwas Glück und manch ein Konkurrent zum Ende der Saison nicht seinen besten Tag, könnte Owe Fischer-Breiholz durchaus für eine Überraschung sorgen.
Sonntag, 13. September
Speerwurf Männer | Finale (18:13 h)
Julian Weber mit guten Chancen
Je länger die Saison dauert, desto besser kommt Julian Weber (USC Mainz) in Schwung. Nach seinem EM-Coup mit 90,40 Metern ließ der Europameister beim ISTAF 89,54 Meter folgen. Auf weitere Starts, zum Beispiel in der Diamond League, verzichtete der 32-Jährige, um dem Körper die nötige Ruhe für die World Ultimate Championships zu geben. Kann der Mainzer seine Form aus Birmingham und Berlin auch in Budapest zeigen, gehört er zu den Mitfavoriten auf eine Top-Platzierung und das begehrte Sieger-Armband. Wie bei allen Würfen und Horizontalsprüngen haben die Starter nur vier Versuche, um eine Top-Weite abzuliefern.
Top-Weiten in Serie lieferte zuletzt Rumesh Tharanga Pathirage. Der Sri-Lanker gewann fünf von sechs Diamond-League-Meetings einschließlich der Klassiker in Zürich (92,07 m) und Brüssel (89,04 m). Seinen Landesrekord steigerte der 23-Jährige in diesem Jahr um mehr als sechs Meter auf 92,62 Meter. Damit geht der Diamond-League-Gesamtsieger, der sich in diesem Jahr nur einmal geschlagen geben musste, als Top-Favorit in den Wettkampf.
In letzter Sekunde sicherte sich Dawid Wegner das Budapest-Ticket. Mit Rang zwei hinter Rumesh Tharanga Pathirage in Brüssel gelang ihm die Qualifikation. Dort steigerte der Pole seine Bestleistung mit 87,47 Metern um gut zwei Meter. Auch auf Olympiasieger Arshad Nadeem (Pakistan) wird die Konkurrenz ein Auge haben. Zwar kam der 29-Jährige in diesem Jahr mit 78,63 Metern bei Weitem nicht an seine Bestweite (92,97 m) heran. Doch der Pakistani hat seit knapp sechs Wochen keinen Wettkampf bestritten. Vielleicht hat er pünktlich vor Budapest zu seiner Top-Form zurückgefunden?
1.500 Meter Männer | Finale (20:12 h)
Nächster Mittelstrecken-Gipfel mit Robert Farken
Erst das Diamond-League-Finale in Brüssel, nun die World Ultimate Championships in Budapest: Für Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig) steht das nächste hochkarätige Rennen an. Der 28-Jährige trifft dabei auf pfeilschnelle wie bekannte Konkurrenz. Denn Robert Farken ist in diesem Jahr Stammgast in der Diamond League. Mit einer Saisonbestzeit von 3:30,09 Minuten liegt der Leipziger im Mittelfeld der Meldeliste. Doch die Top-Zeiten haben in diesem Rennen nicht die volle Aussagekraft. Denn anders als in der Diamond League kommen keine Tempomacher zum Einsatz.
Durch die zwei Wildcards an Meilen-Weltrekordler Josh Kerr (Großbritannien) und 3.000-Meter-Weltrekordler Jakob Ingebrigtsen umfasst das Feld gleich 13 Starter. Allerdings berichten norwegische Medien, dass sich Jakob Ingebrigtsen in Budapest auf die 5.000 Meter konzentriert. Eine offizielle Bestätigung fehlt allerdings noch. Ob der Norweger startet oder nicht: Die Favoritenrolle liegt bei Josh Kerr. Der Brite kann „gemachte“ Rennen für sich entscheiden, wie bei seinem Meilen-Weltrekord in London Mitte Juli (3:42,66 min), aber auch taktische Rennen gewinnen wie im März bei der Hallen-WM über 3.000 Meter.
Mit der „schwächsten“ Saisonbestzeit (3:30,80 min) geht Cole Hocker ins Rennen. Der Olympiasieger aus den USA ist das beste Beispiel dafür, wie volatil die 1.500 Meter auf der Weltbühne aktuell sind. So gewann der 5.000-Meter-Weltmeister Ende August in Zürich (3:31,71 min) sein erstes Diamond-League-Rennen der Karriere, um eine Woche später in Brüssel „nur“ auf Rang sieben (3:30,80 min) zu laufen. Das zeigt: In diesem 1.500-Meter-Rennen ist für Robert Farken und alle anderen vieles möglich.