| Rückblick

Der große Disziplin-Check 2014 - Weitsprung Frauen

Das Leichtathletik-Jahr 2014 ist fast Geschichte. Hinter den Topathleten liegen die EM in Zürich (Schweiz), die Team-EM in Braunschweig und die Hallen-WM in Sopot (Polen). Der Nachwuchs hat bei der U20-WM in Eugene (USA) und den Olympischen Jugendspielen in Nanjing (China) internationale Erfahrungen gesammelt. Zeit zurückzublicken – und die deutschen Leistungen in den einzelnen Disziplingruppen genauer unter die Lupe zu nehmen. Heute: Weitsprung der Frauen.
Jan-Henner Reitze

2014 im Rückblick

Mit einem Festival an Top-Weiten in Weinheim läuteten die DLV-Weitspringerinnen ein tolles Jahr ein. Mit Lena Malkus (SC Preußen Münster; 6,88 m), Malaika Mihambo (LG Kurpfalz; 6,81 m) und Melanie Bauschke (LG Olympia 88 Berlin; 6,72 m) übertrafen gleich drei Athletinnen erstmals die EM-Norm, die Wattenscheiderin Sosthene Moguenara hatte die Norm schon vorher als Dritte beim Diamond-League Auftakt in Shanghai (China; 6,79 m) abgehakt. Und das Quartett konnte diesen starken Saisonauftakt in den folgenden Monaten bestätigen.

Allen voran Malaika Mihambo. Die 20-Jährige sicherte sich mit einer erneuten Steigerung in Regensburg (6,88 m) den Startplatz bei der Team-EM, wo sie als gefeierte Einzelsiegerin zweimal auf 6,90 Meter flog und zum Gesamtsieg der DLV-Mannschaft beitrug. Nach Fersenproblemen und Rand drei bei der DM fehlte bei den Europameisterschaften in Zürich (Schweiz) nur ein Zentimeter zu Bronze. Später zeigte die U20-Europameisterin bei "Berlin fliegt!" noch einmal, dass sie bei Team-Wettbewerben eine Bank ist und ließ Olympiasiegerin Brittney Reese (USA) in allen vier Durchgängen hinter sich.

Melanie Bauschke sicherte sich als Deutsche Meisterin ihren EM-Startplatz. In Zürich brachte ein Messfehler den Wettkampf ordentlich durcheinander - ein Drama, das die 26-Jährige mittlerweile verdaut hat. Sosthene Moguenara verpasste als Neunte knapp den Endkampf, den sie in der Diamond League zuvor viermal erreicht hatte. Unglücklich nicht in Zürich dabei war Lena Malkus, nachdem sie bei den Deutschen Meisterschaften nicht weit genug vorne gelandet war.

Der Blick in die U20 zeigt: Schon das nächste Talent setzt zum großen Sprung an: Maryse Luzolo (LG Eintracht Frankfurt) holte nach zwei vierten Plätzen bei der U18-WM 2011 und der U20-EM 2013 mit Bronze endlich eine Medaille bei der U20-WM.

Unsere Top Drei

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<link http: www.leichtathletik.de nationalmannschaft athletenportraet athlet detail malaika-mihambo zum athletenporträt von malaika>Malaika Mihambo

LG Kurpfalz, 20 Jahre
SB: 6,90 m | PB: 6,90 m (2014)
DM: 3. Platz
EM: 4. Platz
DLV-Jahresbestenliste: 1.
Europäische Bestenliste: 4.
Welt-Jahresbestenlisten: 6.

<link http: www.leichtathletik.de nationalmannschaft athletenportraet athlet detail melanie-bauschke zum athletenporträt von melanie>Melanie Bauschke

LAC Olympia 88 Berlin, 26 Jahre
SB: 6,70 m | PB: 6,83 m (2009)
DM: 1. Platz
EM: 6. Platz
DLV-Jahresbestenliste: 4.
Europäische Bestenliste: 15.
Welt-Jahresbestenlisten: 20.

<link http: www.leichtathletik.de nationalmannschaft athletenportraet athlet detail sosthene-moguenara zum athletenporträt von sosthene>Sosthene Moguenara

TV Wattenscheid 01, 25 Jahre
SB: 6,82 m | PB: 7,04 m (2013)
DM: 2. Platz
DLV-Jahresbestenliste: 3.
Europäische Bestenliste: 8.
Welt-Jahresbestenlisten: 12.

Pechvogel und Hoffnungsträger

<link https: www.leichtathletik.de nationalmannschaft athletenportraet athlet detail lena-malkus zum athletenporträt von lena>Lena Malkus

SC Preußen Münster, 21 Jahre
SB/PB: 6,88 (2014)

Ein Quartett war in diesem Sommer reif für die EM. Lena Malkus verpasste einen Startplatz knapp und musste in Zürich zuschauen - bitter. Die 21-Jährige hatte ihre Bestleistung auf 6,88 Meter gesteigert, eine Weite mit der sie in vielen Jahren zuvor auf jeden Fall zum Großereignis mitgefahren wäre. Die Leistung zeigt aber auch: In Zukunft muss nicht nur die nationale Konkurrenz mit Lena Malkus rechnen. 

2015 im Ausblick

Die Weichen für eine erfolgreiche Teilnahme an Hallen-EM, U23-EM und WM sind gestellt. Zu den vier absoluten Top-Athletinnen der zurückliegenden Saison könnten noch weitere aufschließen. Es gilt die erarbeiteten Grundlagen der vergangenen Jahre weiter auszubauen und den eingeschlagenen Weg fortzuführen.

Mit Malaika Mihambo und Lena Malkus stellt der DLV für die U23-EM gleich zwei Goldkandidatinnen, Malkus ist Titelverteidigerin. Als U20-Europameisterin hält auch Malaika Mihambo einen kontinentalen Nachwuchs-Titel. Beide können ebenfalls den Sprung zur WM schaffen.

Für die sind auch Sosthene Moguenara und Melanie Bauschke die weiteren Top-Kandidatinnen. Nachdem sie ihren Anlauf stabilisiert hat, will Moguenara die Technik verbessern. Melanie Bauschke hofft durch die Umstellung auf eine Blockperiodisierung in der Spitze noch größere Weiten erzielen zu können.

Maryse Luzolo möchte sich Richtung Aktivenklasse etablieren. Dazu kommen eine Handvoll weiterer Athletinnen, die sich wieder in den Vordergrund springen können. Schon die Hallen-DM in Karlsruhe (21./22. Februar) verspricht wieder ein spannender Show-Down zu werden.

Das sagt der Bundestrainer

Herr Knapp, wie fällt Ihre Bilanz für das EM-Jahr 2014 aus?

Ulli Knapp:

Die Bilanz für das EM-Jahr fällt sehr positiv aus. Das Niveau der deutschen Weitspringerinnen war gut wie noch nie in meiner Zeit als Bundestrainer. Man sieht es an den Platzierungen in der europäischen Bestenliste aber auch weltweit. Wir haben vier Athletinnen in den Top 15 in Europa und drei in den Top Ten. In der Welt haben wir vier Springerinnen unten den Top 25. Dass wir mit sechs Springerinnen in den Top 40 der Welt sind, zeigt die Stärke in der Breite. Das Niveau spiegelt sich auch in den Diamond League-Wettkämpfen wieder. Wir waren bei fast allen Meetings vertreten, Platz drei durch Sosthene Moguenara in Shanghai, Rang sechs von Malaika Mihambo in Stockholm oder Rang fünf von Melanie Bauschke in Zürich sind einige Beispiele. Teilweise waren drei unserer Athletinnen eingeladen. Das ist für uns eine Ehre. Der einzige Wehrmutstropfen ist, dass bei der EM ein Zentimeter zu einer Medaille gefehlt hat. Das Ergebnis in Zürich hätte unter optimalen Voraussetzungen noch einen Tick besser sein können. Dennoch sind Rang vier, sechs und neun ebenfalls das beste EM-Ergebnis in meiner Zeit als Bundestrainer.

Was oder wer war für Sie das ganz persönliche Highlight der vergangenen Monate?

Ulli Knapp:

Das Highlight war für mich die Team-EM. Das war emotional ein ganz besonderer Moment. Ich habe zwei Einzel-Siege mitbetreut, den von Malaika Mihambo mit einem phänomenalen Wettkampf und den von Christian Reif. Beide konnten zum Gesamtsieg beitragen. Die Emotionen, die dort zu spüren waren, waren eins der schönsten Erlebnisse, die ich überhaupt im Sport erlebt habe.

Mit welchen Aufgaben und Zielen gehen Sie in die kommende Saison?

Ulli Knapp:

Hauptziel für 2015 ist, das erreichte Niveau zu stabilisieren. Wir wollen möglichst viele Springerinnen in den Top 30 der Welt haben und unsere Sprung-Team-Maßnahmen in der gleichen Qualität weiterführen. Ende April, Anfang Mai, wird das gesamte Kompetenz-Team in Belek zusammen kommen - sprich neben den Athleten auch Biomechaniker, Leistungsdiagnostiker, Psychologen und Physiotherapeuten. Das ist eine ganz wichtige Säule. Wir haben mit der U23-EM ein Highlight im Sommer mit ganz heißen Kandidatinnen und wir haben eine WM, wo wir hoffen, drei Startplätze besetzen zu können. Die Norm ist zwar hoch, aber ich sehe es nicht als unmöglich an. Außerdem wünsche ich den Athletinnen, die in diesem Jahr durch unglückliche Umstände, zum Teil Verletzungen, nicht das Niveau der Vorjahre erreichen konnten und zum Teil aus dem Kader fallen mussten, dass sie wieder zu ihrer Leistungsfähigkeit zurückfinden. Einige von ihnen haben das Potential, schon in Richtung Hallen-EM wieder mitzumischen.

Zahlen und Fakten

Die Jahresbesten

6,90 m - Malaika Mihambo (LG Kurpfalz)
6,88 m - Lena Malkus (SC Preußen Münster)
6,82 m - Sosthene Moguenara (TV Wattenscheid 01)
6,72 m - Melanie Bauschke (LAC Olympia Berlin)
6,66 m - Michelle Weitzel (SWC Regensburg)
6,59 m - Nadja Käther (Hamburger SV)
6,46 m - Claudia Rath (LG Eintracht Frankfurt)
6,44 m - Xenia Achkinadze (SC Gelnhausen)
6,42 m - Lisa Kurschilgen (TV Wattenscheid 01)
6,39 m - Stefanie Voss (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen)

Internationale Endkampf-Platzierungen 2014

Hallen-WM: keine
EM: Malaika Mihambo (4. Platz; 6,65 m); Melanie Bauschke (6. Platz; 6,55 m)
U20-WM: Maryse Luzolo (Bronze; 6,24 m)
Olympische Jugendspiele: keine

Entwicklung des Spitzenniveaus

JahrAthleten > 6,70Schnitt Top Ten
2005 keine6,47
2006 Claudia Tonn (6,75) 6,40
2007 Bianca Kappler (6,90) 6,45
2008 Bianca Kappler (6,77)6,51
2009 Melanie Bauschke (6,83), Bianca Kappler (6,81), Beatrice Marscheck (6,73), Claudia Tonn (6,71), Sophie Krauel (6,70)
6,66
2010 Bianca Kappler (6,70) 6,58
2011 Sosthene Taroum Moguenara (6,83), Bianca Kappler (6,81), Lena Malkus (6,70) 6,61
2012 Sosthene Taroum Moguenara (6,88), Lena Malkus (6,72) 6,61
2013 Sosthene Taroum Moguenara (7,04), Lena Malkus (6,76), Malaika Mihambo (6,70)6,66
2014 Malaika Mihambo (6,90), Lena Malkus (6,88), Sosthene Moguenara (6,82), Melanie Bauschke (6,72) 6,63

Entwicklung Jahresbestleistungen

JahrDeutschlandEuropaDiff.WeltDiff.
2005 6,66 (B. Kapller) 7,04 (Meleshina/RUS) 0,38 7,04 (Meleshina/RUS) 0,38
2006 6,75 (C. Tonn) 7,12 (Kotova/RUS) 0,37 7,12 (Kotova/RUS) 0,37
2007 6,90 (B. Kapller) 7,21 (Kolchanova/RUS) 0,31 7,21 (Kolchanova/RUS) 0,31
2008 6,77 (B. Kappler) 7,12 (Gomes/POR) 0,16 7,12 (Gomes/POR) 0,16
2009 6,83 (M. Bauschke) 6,99 (Gomes/POR) 0,16 7,10 (Reese/USA) 0,27
2010 6,70 (B. Kappler) 7,13 (Kucherenko/RUS) 0,43 7,13 (Kucherenko/RUS)0,43
2011 6,83 (S. Moguenara) 7,05 (Klishina/RUS) 0,22 7,19 (Reese/USA) 0,36
2012 6,88 (S. Moguenara) 7,11 (Nazarova/RUS) 0,23 7,15 (Reese/USA) 0,27
2013 7,04 (S. Moguenara) 7,04 (S. Moguenara) 0,00 7,25 (Reese/USA) 0,21
2014 6,90 (M. Mihambo) 6,93 (Klyashtornaya/RUS) 0,03 7,02 (Bartoletta/USA)0,12

Das fällt auf

  • Drei DLV-Athletinnen stehen in den Top Ten Europas, weltweit drei unter den Top 12
  • Mit Malaika Mihambo und Lena Malkus sind zwei U23-Athletinnen in den europäischen Top Ten
  • Drei DLV-Athletinnen standen im EM-Finale
  • Die europäische und Welt-Jahresbestleistung sind etwas kürzer als in den Jahren zuvor
  • Der weltweit in den vergangenen Jahren dominierenden Brittney Reese ist erstmals seit 2009 kein Sprung über 7 Meter gelungen

Video-Clips

<link video:10861>Malaika Mihambo weiter als Olympiasiegerin
<link video:9788>Malaika Mihambo mit 6,88 Meter im sechtsen Durchgang
<link video:9749>Malaika Mihambo fliegt zur Bestleistung
<link video:9746>Melanie Bauschke springt zur EM-Norm
<link video:10819>Maryse Luzolo nervenstark
<link video:9903>Lena Malkus siegt standesgemäß
<link video:10216>Maryse Luzolo gewinnt mit 6,30 Metern

Die weiteren Disziplin-Checks 2014 im Überblick

<link news:37830>Weitsprung - Männer
<link news:37788>Stabhochsprung Frauen
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