| EM 2014

DLV-Sprinter mit Vollgas Richtung EM-Finale

Es ist angerichtet: Am Mittwochabend (13. August) um 21:50 Uhr wird geklärt, wer der schnellste Europäer ist. Die Franzosen und Briten stellen bei den Europameisterschaften in Zürich (Schweiz) die Favoriten. Aber auch die Deutschen wollen endlich mal wieder in einem EM-Finale mitmischen.
Martin Neumann

Wer ist der schnellste Mensch Europas? Diese Frage fasziniert nicht nur eingefleischte Leichtathletik-Fans. Die 100-Meter-Finals locken bei großen Meisterschaften stets Millionen Zuschauer vor den Fernsehschirm, die normalerweise wenig mit der olympischen Kernsportart zu tun haben.

2006 durften sie letztmals einen deutschen Sprinter in einem 100-Meter-Finale bestaunen: Der Wattenscheider Ronny Ostwald sprintete in Göteborg (Schweden) in 10,38 Sekunden auf den achten Platz. Ein Rang vor dem Deutschen lief damals Dwain Chambers ins Ziel. Acht Jahre später – und nach einer langen Dopingsperre – zählt der 36-Jährige auch in Zürich zum britischen Team.

Allerdings läuft Chambers in Europa nicht mehr in der ersten Reihe. Selbst in Großbritannien rangiert er mit seiner Saisonbestleistung von 10,12 Sekunden nur auf Platz sechs. Die Wachablösung im britischen Sprint hat mächtig Fahrt aufgenommen. So hatte Neil Black die Qual der Wahl, wer für Europas Sprintnation Nummer eins in Zürich starten soll.

Ujah nur in der Staffel

Der britische Leistungssportdirektor entschied sich neben Chambers für James Dasaolu (10,03 sec) und Harry Aikines-Aryeetey (10,08 sec). Saisonaufsteiger Chijindu Ujah (9,96 sec) wurde nur für die Staffel berücksichtigt, während Adam Gemili (10,04 sec) und Hallenweltmeister Richard Kilty (10,12 sec) vergangene Woche bei den Commonwealth Games in Glasgow starteten.

Erster Sieganwärter aus dem Vereinigten Königreich dürfte James Dasaolu sein. Der 26-Jährige ist mit seiner Bestzeit von 9,91 Sekunden zweitschnellster Brite aller Zeiten hinter Barcelona-Olympiasieger Linford Christie (9,87 sec). Der WM-Achte von Moskau (Russland) hatte im Frühjahr mit einer Oberschenkelverletzung zu kämpfen und stieg erst Anfang Juli in die Saison ein. „Ich bin glücklich, wieder dabei zu sein. Es war eine schwierige Zeit. Aber momentan fühle ich mich fitter denn je“, sagte Dasaolu.

Christophe Lemaitre mit aufsteigender Form

Das wird Christophe Lemaitre nicht gern hören. Der Franzose peilt nach seinen Siegen 2010 in Barcelona (Spanien; 10,11 sec) und 2012 in Helsinki (Finnland; 10,09 sec) den Titel-Hattrick über 100 Meter an und liebäugelt mit einer Wiederholung seines Dreifachsiegs von 2010. In Barcelona hatte er auf beiden Sprintstrecken und mit Frankreichs Staffel triumphiert.

Der letzte Test des ersten und bisher einzigen weißen Sprinters unter zehn Sekunden (9,92 sec) verlief vergangene Woche mit 10,12 Sekunden vielversprechend. „Das war nicht schlecht, ich bin aus dem vollen Training hinaus gelaufen. Nun muss nur noch die Frische kommen, dann wird es bei der WM schnell“, gibt sich der Titelverteidiger selbstbewusst.

Rad- statt Sprinttraining

Deutlich defensiver tritt – unfreiwillig – sein Landsmann Jimmy Vicaut auf. Die Nummer eins in Europa startete Mitte Mai mit 9,95 Sekunden pfeilschnell in die Saison. Kurz nach seinem Triumph bei der Team-EM in Braunschweig Mitte Juni wurde der 22-Jährige von einer Muskelverletzung ausgebremst. Drei Wochen Radtraining statt spezifische Sprinteinheiten standen auf dem Plan.

„Vor der Verletzung war ich vielleicht der EM-Favorit. Mittlerweile bin ich nur noch einer von vielen Sprintern in den Vorläufen. Nach dem Rennen wird man sehen, wo ich stehe“, sagte Vicaut vergangene Woche. Sein Trainer Guy Ontanon traut seinem Schützling für die Zukunft eine Menge zu: „Wenn er richtig gesund ist, kann es in seiner Karriere unter 9,85 Sekunden gehen.“

Wieder Richtung Bestzeit

An solche Zeiten denken die drei deutschen Sprinter in Zürich natürlich nicht. Für den neuen deutschen Rekordhalter Julian Reus (TV Wattenscheid; 10,05 sec) sowie Lucas Jakubczyk (SCC Berlin; 10,07 sec) und Sven Knipphals (VfL Wolfsburg; 10,22 sec) geht es darum, ihre guten Zeiten auch im Stadion Letzigrund abzurufen. Dann winkt das Finale. „Dafür muss ich aber wieder in die Nähe meiner Bestzeit laufen“, weiß der Deutsche Meister Julian Reus um die Schwierigkeit seiner Aufgabe.

Wie knapp es im europäischen Sprint zugeht, weiß Lucas Jakubczyk. Dem Berliner fehlten 2012 in Helsinki mit 10,32 Sekunden zwei Hundertstel zum Finaleinzug. Das soll in Zürich besser laufen. Die Medaillen scheinen jedoch (noch) außer Reichweite. Als letzter Deutsche durfte 1986 in Stuttgart Steffen Bringmann über Edelmetall jubeln. 10,20 Sekunden reichten im Neckarstadion dem Leipziger zu Silber. Eine Zeit, die auch das deutsche Trio in den Beinen hat.

Der Unterschied zu früheren Jahren: Bei dieser Konkurrenz werden 10,20 Sekunden bei normalem Wetter nicht fürs Podium reichen. Zu gut sind Europas Sprinter geworden. Ein spannendes 100-Meter-Finale am Mittwochabend (21:50 Uhr) ist garantiert – und wird wieder Millionen Sportfans vor den Fernsehschirm locken.

<link>Quelle: Leichtathletik - Ihre Fachzeitschrift

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