Friedhelm Adorf (LG Rhein-Wied) wurde bei der Wahl zum „Masters-Leichtathleten des Jahres“ mit dem dritten Platz ausgezeichnet. Diese Auszeichnung hat einen rundum zufriedenen Athleten noch ein bisschen glücklicher gemacht. Im Interview verrät der 82-Jährige unter anderem, dass die Aussicht auf einen ganz speziellen Siegerpreis für einen Mitternachtslauf einmal der Anfang seiner Masters-Karriere gewesen ist.
Friedhelm Adorf, schon bei der ersten Nominierung der Fachjury in die Top Fünf bei den „Masters-Leichtathleten des Jahres“ zeigten Sie sich überrascht. Und jetzt Platz drei, was fiel Ihnen dazu spontan ein?
Friedhelm Adorf:
Happy. Wie beim Hochsprung – die Latte übersprungen. Ich hatte mir zwar schon gedacht, eigentlich müsste ich bei der Riege dabei sein ... Aber ich bin sehr zufrieden, absolut happy.
Ihre Leistungen im Jahr 2025 waren aber ja auch fantastisch. Hatten Sie das im Vorfeld so erwartet?
Friedhelm Adorf:
Nein, hatte ich nicht. Sechs Starts und fünf Goldmedaillen hatte ich schon mal, aber sechs Starts und sechs Siege hatte ich noch nie [Anm. d. Red.: Masters-EM Madeira]. Und in der Halle in Florida so abzuschneiden, das hatte ich auch nicht gedacht. Seit 2010 bin ich bei Weltmeisterschaften und Europameisterschaften dabei. Ich hatte immer Medaillen mit nach Hause gebracht, ohne wäre es auch nicht schön, aber so viele goldene gab es noch nicht.
Sie werden Ende September dieses Jahres 83 Jahre alt. Dann haben Sie voraussichtlich eine weitere komplette Hallensaison sowie eine Freiluftsaison hinter sich. Fühlen Sie sich weiterhin bereit für große sportliche Taten?
Friedhelm Adorf:
Ja, das kann man wohl sagen. Die ARD macht die Sendereihe „Wissen“, zu der ich eingeladen wurde. Am Montag [Anm. d. Red.: 19. Januar] bin ich dazu in die Uni-Klinik nach Köln gefahren. Wenn ich dann die Ergebnisse der Tests höre, die ich da mitgemacht habe, dann bin ich wohl noch gut dabei. Das hat mich selber ein bisschen verwundert und auch stolz gemacht. Es ist gut, wenn die Parameter alle stimmen, Bewegung, Trainings-Aufkommen, Familie, Gesundheit, Ernährung ist ganz wichtig, wenn die alle ineinander passen, dann ist es gut. Ich habe zum Glück nur ganz wenige körperliche Handicaps, eigentlich nur meine Hörgeräte.
13 Weltmeistertitel, 26 Mal Europameister und 31 Mal Deutscher Meister. Wann und wie hat denn diese außergewöhnliche Karriere einmal angefangen?
Friedhelm Adorf:
Ursprünglich, als ich hier in der Nähe den Mitternachtslauf gewinnen wollte. Der Sieger wurde in Wein aufgewogen, und ich hatte bald meinen 60. Geburtstag. Da wollte ich mir den Wein holen für meinen Geburtstag. Aber, ich bekam richtig Konkurrenz. Danach bin ich dann auf immer kürzere Strecken gegangen, die habe ich von der Zeit an besser und richtiger trainiert. Und immer noch an allen Parametern nachgeschraubt. Dieses Jahr zum Beispiel will ich nicht zu viel Zucker essen. Normalerweise gab es bisher jeden Tag Kuchen bei mir ... aber ich habe auch jeden Tag Training und arbeite noch in der Firma mit.
Sie und Ihre Frau Eleonore sind 2025 Urgroßeltern geworden – da haben Sie scherzhaft gesagt: „Ich konnte Gott und der Welt zeigen, was so ein Uropa sportlich noch draufhat“. Ein Vorbild für andere Groß- und Urgroßeltern?
Friedhelm Adorf:
Ja, das sind wir, glaube ich. Andere fragen oft: „Wie, Ihr seid schon Urgroßeltern?“ Dann werde ich schon von einigen interessiert betrachtet, so nach dem Motto „wie Du das alles kannst und machst“. Aber auch alle drei Enkel in meiner Famile sind sportlich.
Kommen wir mal zum Thema Staffeln: Die einen lieben sie, andere wiederum meiden sie. Sie lieben diese Mannschaftsdisziplin und freuen sich immer über eine Nominierung durch den DLV?
Friedhelm Adorf:
Absolut. Auf Madeira habe ich mich geärgert, dass eine Staffel nicht zustandegekommen ist und ich in die jüngere W70-Mannschaft gesetzt werden musste. Man muss es noch mal klar sagen, es sind Meisterschaften. Es geht bei der Staffelbesetzung nach Zeit und nach nichts anderem. Und wenn ich vorher eine schlechte Zeit laufe, dann ist halt jemand anderes in der Staffel ... Das ist dann halt so und sollten alle verstehen und so akzeptieren.
Das Masters-Leichtathletik-Jahr 2026: Toruń und Daegu, beide internationalen Highlights sind geplant. Sie lieben auch das Reisen in andere und auch in ferne Länder?
Friedhelm Adorf:
Ja, Urlaub gibt es bei den Reisen immer mit dazu. Ich habe schon viele Länder besucht, habe schon fast alles durch (lacht). Aber in Korea war ich noch nicht, als die Hallen-WM letztes Mal dort war, war ich verletzt. Meine Frau will in letzter Zeit nicht mehr so lange fliegen, hat sich aber jetzt durchgerungen. Wenn sie dann aber vielleicht doch nicht mitkommen sollte, nehme ich eben einen meiner Enkel mit. Ich fliege auf jeden Fall nach Daegu.
Sagen Sie uns zum Abschluss, was Sie sich für 2026 wünschen. Dabei muss es nicht unbedingt nur etwas mit Sportbezug sein ...
Friedhelm Adorf:
Im Grunde genommen bin ich ein Mensch, der wunschlos glücklich ist. Das soll so bleiben.