| Kampf ums Comeback

Sebastian Bayer – Filmrolle, große OP und Heim-EM 2018 als Schlusspunkt

Die letzten zwei Jahre hat sich Sebastian Bayer anders vorgestellt. Der Weg zu den Olympischen Spielen in Rio war gepflastert von Verletzungsrückschlägen und führte schließlich nicht nach Brasilien. Stattdessen wurde der immer noch beste europäische Hallen-Weitspringer aller Zeiten im Juni Vater und einer von fünf Protagonisten im Kino-Film „Die Norm“. In einer Woche unterzieht sich der 30–Jährige einer Knie-Operation, um bei der Heim-EM 2018 in Berlin den Schlusspunkt seiner Karriere setzen zu können.
Pamela Ruprecht

„Ich fühle mich nicht vollendet“, sagt Sebastian Bayer, der gerade einen kleinen operativen Eingriff im Hamburger Krankenhaus hinter sich hat. Aus seinem rechten Knie wurde Knorpel entfernt. Vorbereitung auf die große Operation in einer Woche, bei der ein Knorpelschaden komplett behoben werden soll. Die Fortsetzung der Behandlung, die Anfang des Jahres begann.

Im Februar hatte sich der Weitsprung-Europameister von 2012 am Knie verletzt und wurde schon einmal operiert, aber nur so minimal, dass das Projekt Olympia dadurch theoretisch nicht gefährdet worden wäre – der Traum von der dritten Olympia-Teilnahme. Damals sagte ihm der Arzt, dass nach der Saison zur vollständigen Genesung ein weiterer Eingriff notwendig sein wird.

Der Sportsoldat versuchte alles, um in Rio dabei zu sein. Doch nicht zuletzt ein Muskelfaserriss am linken Oberschenkel machte die guten Fortschritte zunichte und den Start beim nur alle vier Jahre stattfindenden Großereignis unmöglich. Zu gerne wäre er in Rio als „Wundertüte“ angetreten, der 8,71-Meter-Springer traut sich noch immer starke Weiten zu.

Keine Wettkämpfe 2017

Zwei Jahre Training ohne Wettkämpfe, das zehrt. „Ich werde mir nun Zeit nehmen und mir über meine Zukunft Gedanken machen“, erklärte der 30-Jährige kurz nach seinem Olympia-Aus im Juli. Im Juni war sein Sohn Lian auf die Welt gekommen. Bei der kleinen Familie sei „alles super“ – im privaten Leben abseits des Sports, von dem sich Sebastian Bayer aber so nicht verabschieden will.

Deshalb auch der Entschluss zur Knie-Operation. Hätte es mit den dritten Olympischen Spielen geklappt, hätte er die Spikes schon beiseitegelegt. Was nach dem Eingriff folgt, ist eine lange noch nicht absehbare Rehaphase. Die Muskeln am Bein werden sich aufgrund der Schonung stark zurückbilden. Der zweifache Hallen-Europameister will sich genug Zeit geben, um die Muskulatur wieder aufzubauen.

2017 wird Sebastian Bayer – dann das dritte Jahr in Folge – keine Wettkämpfe bestreiten. Sein letztes sportliches Ziel sind die Europameisterschaften 2018 im eigenen Land. „Ich weiß, wie geil die Heim-WM war und wenn die Heim-EM nur halb so gut wird, wird das ein Riesenerfolg“, sagt der Weltmeisterschaftsteilnehmer von 2009 mit Blick auf das Highlight in der Metropole Berlin.

Protagonist im Kino-Film „Die Norm“

Das Auf und Ab des Top-Athleten wurde von November 2014 bis Juli 2016 von einem Kamera-Team begleitet. Die Macher von „Die Norm – Ist dabei sein wirklich alles?“ präsentieren am 2. Oktober beim Filmfest in Hamburg ihre Dokumentation, die Anfang November auch im Kino anläuft. Sebastian Bayer wurde als einer der Protagonisten für die Doku, die den realen Kampf von fünf Spitzensportlern um die Verwirklichung ihres Olympia-Traumes Rio erzählt, ausgewählt.

Anfangs skeptisch darüber, einen Einblick in sein Privatleben zu geben, hält der Olympia-Fünfte von 2012 mittlerweile viel von der Herangehensweise des Regisseurs Guido Weihermüller. „Wir werden dargestellt, wie wir sind.“ Weder positiv noch negativ von den Medien verzerrt. Nicht mehr im Kasten wird das abschließende Kapitel seines Sportlerlebens sein.

Die ersten Schritte dieses Abschnittes wird Sebastian Bayer auf Krücken gehen. Und dann mit intensiver Arbeit alles daran setzen, nochmal weite Sprünge zeigen zu können. „Ich hoffe, dass ich 2018 nochmal einen neuen Anlauf nehmen kann." Am besten auf die Weitsprung-Anlage im vollbesetzten Berliner Olympiastadion. Doch egal, wie sein Weg zurück auf die internationale Wettkampf-Bühne ausgeht, „2018 ist für mich definitiv Schluss“, weiß der Hallen-Europarekordler.

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