| Spitzensport-Reform

Reformstart für "Sportdeutschland": "PotAS" ist online

Das umstrittene Potenzialanalyse-System "PotAS" ist am Donnerstag online gegangen, die Umsetzung der viel diskutierten Leistungssportreform beginnt. Ab Donnerstag zittern, bangen und hoffen viele Sportfachverbände.
SID/sb

Ab Donnerstag soll alles besser werden im deutschen Spitzensport. Mit dem Start des umstrittenen Potenzialanalyse-Systems "PotAS" beginnt die völlige Neuordnung des Fördersystems. "Sportdeutschland" soll in den kommenden zehn Jahren ein anderes Gesicht bekommen: bessere Strukturen, höhere Effizienz, mehr Medaillen – und die Basis für die blühenden Landschaften bildet das in vielen Verbänden hitzig diskutierte Schreckgespenst "PotAS".

Am Donnerstag ist das System online gegangen, es war der Start des Mammutwerkes Leistungssportreform. Und es beginnt das Zittern, Hoffen und Bangen. Zunächst sind die Wintersportverbände an der Reihe. Deren Verantwortliche müssen in den Themenfeldern "Erfolg", "Leistungspotenzial" und "Struktur" Antworten auf nicht weniger als 151 Fragen aus 16 Haupt- und 53 Neben-Bereichen geben. Diese "Attribute" umreißen den perfekten Sportverband – jedenfalls nach Meinung der PotAS-Kommission und deren Auftraggebern Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) und Bundesinnenministerium (BMI).

Einteilung der Verbände in drei Cluster

Bis zum 22. Mai müssen die Verbände antworten, und am Ende des Datenstroms wird der Daumen gesenkt oder gehoben. Im September verteilen BMI, DOSB und Ländervertreter in der sogenannten Förderkommission die Gelder für 2019 an die Verbände. Die PotAS-Kommission gibt ihnen die maßgebliche Entscheidungshilfe: Sie teilt die Verbände bis Mitte Juli in drei "Cluster" ein.

Im Exzellenz-Cluster erhalten die Verbände die Optimalförderung, im Potenzial-Cluster fließt schon weniger Geld. Verbände mit wenig oder keinem Potenzial sollen allenfalls eine Grundförderung erhalten – dieses "schlechteste" Cluster hat noch nicht mal einen Namen. Laut DOSB ist es angeblich angedacht, dass auch dort noch eine Grundversorgung stattfindet. Möglich ist jedoch, dass einzelne Disziplinen leer ausgehen.

Professionalisierung und Optimierung

"Wir schauen uns die Rahmenbedingungen der Fachverbände an und versuchen, darauf basierend die Verbände zu professionalisieren und zu optimieren. Wir wollen dadurch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Athleten und Trainer in diesem System den größtmöglichen Erfolg erzielen", sagt der Sportwissenschaftler Urs Granacher von der Universität Potsdam im SID-Interview. Der 44-Jährige leitet die fünfköpfige PotAS-Kommission.

Er hoffe, sagt Granacher, dass "wir im Sinne eines Qualitätsmanagements eine Leistung erbringen, die letztlich in acht, zehn oder zwölf Jahren Früchte tragen wird". Sportdeutschland solle davon profitieren, dass deutsche Athleten "international erfolgreicher sind als bisher", ergänzt er: "Die Idee ist, das System effizienter und erfolgreicher zu machen."

Gerade in puncto Finanzierung der Reform und Umsetzung der PotAS-Vorgaben ist noch vieles im Unklaren. Momentan fließen etwa 170 Millionen Euro pro Jahr, der DOSB erwartet angeblich in diesem Jahr gut 60 Millionen Euro mehr, im kommenden 90 Millionen und im Olympiajahr 2020 dann satte 120 Millionen Euro zusätzlich. Die Politik verlangt dagegen zunächst eine detaillierte Bedarfsauflistung. Der neue Bundesinnenminister Horst Seehofer hat sich zu dem Thema Sportfinanzen noch nicht geäußert.

Verbände zwischen Hoffen und Bangen

Die Verbände stehen PotAS nach intensiver Aufklärungsarbeit der Kommission und deren Auftraggebern aufgeschlossen, aber immer noch kritisch gegenüber. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) etwa, der nach dem Gewinn der Silbermedaille in Pyeongchang vor Selbstbewusstsein nur so strotzt, fürchtet den Mehraufwand und die "immensen Anforderungen" der PotAS-Kommission, wie es Franz Reindl formuliert. Der DEB-Präsident ist aber zuversichtlich: "Wir werden alles tun, dass wir in Cluster 1 eingestuft werden. Die Medaille könnte sich auszahlen."

In anderen Verbänden geht dagegen die Angst um, man klammert sich an Strohhalme. "Wir sind bei der Junioren-WM Fünfter geworden. Potenzial, und darum soll es ja hauptsächlich gehen, ist also vorhanden", sagt Leistungssportdirektor Markus Tröger vom Deutschen Curling-Verband (DCV) dem SID. Kein einziger Curler hatte sich für die Winterspiele in Pyeongchang qualifiziert. Nicht nur beim DCV hat das Zittern vor PotAS und den Folgen längst begonnen.

Quelle: Sport-Informations-Dienst

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