Am Donnerstag (26. Mai) wird die Masters-Hallen-Europameisterschaft in der Kujawsko-Pomorska-Arena in Torun (Polen) offiziell eröffnet, am Freitag starten die Wettkämpfe. Bis zum 2. April geht es für die 441 gemeldeten Athlet:innen des DLV um Medaillen, Platzierungen und persönliche Erfolge. Älteste DLV-Athletin ist Erna Antritter (Turnverein Biberach 1904), die am vergangenen Freitag ihr 91. Lebensjahr vollendet hat. Im Interview verrät die einzige W90-Starterin in Torun, was sie antreibt, wie sie sich trotz ihres hohen Alters fit hält und warum sie gleich für acht Einzeldisziplinen gemeldet hat.
Erna Antritter, zunächst die Frage nach Ihrem Geburtstag. Wie haben Sie den Tag verlebt, nachdem es im vergangenen Jahr bei Ihrem 90. Geburtstag ja einen großen Aufmarsch und fast 150 Gäste gegeben hatte?
Erna Antritter:
Sehr gut. Es war schönes Wetter, es hat alles gepasst.
Nun geht es diese Woche nach Torun. Sie haben bei der vergangenen Freiluft-EM auf Madeira im Herbst des vergangenen Jahres sieben Einzeltitel gesammelt. Wie erleben Sie die Wettkämpfe als oft einzige Athletin in Ihrer Altersklasse W90, meist aber zusammen mit den Starterinnen der jüngeren Altersklassen?
Erna Antritter:
Es ist immer spannend und immer lustig. Ich weiß nie, ob alles klappt bei jedem Wurf oder jedem Versuch. Aber ich mache halt, was ich kann.
Und warum haben Sie gleich für acht Disziplinen Ihre Meldung abgegeben, also für Kugelstoßen, Gewichtwurf, Diskuswurf, Speerwurf, Hammerwurf, 60 Meter, Weitsprung und das 3.000-Meter-Bahngehen?
Erna Antritter:
Ich fahre ja nicht wegen zwei oder drei Sachen dorthin. Wenn ich schon mal da bin, dann mache ich die Disziplinen, die ich machen kann.
Kommen wir mal zum Gehen. Da hat Sie zuletzt eine Verletzung aus der Bahn geworfen. Jetzt blicken Sie aber wieder optimistischer auf den Wettkampf?
Erna Antritter:
Vor der EM in Madeira bin ich auf der Straße in ein Loch getreten. Da habe ich mir am Oberschenkel und in der Leiste etwas zugezogen. Ich konnte das eine Bein nicht richtig durchstrecken. Ich war bei zig Ärzten, die haben aber alle gesagt, es sei alles okay. Trotzdem konnte ich nicht mehr korrekt gehen und wurde disqualifiziert. Inzwischen ist es dank vieler Salben wieder besser geworden, ich habe trainiert und werde es in Torun auf der Bahn wieder probieren.
Sie haben zusammen mit Ihrem Bruder Walter – er startet in Polen im Hammer- und Gewichtwurf in der M80 – die Leichtathletik im TV Biberach einst zum Leben erweckt. Erzählen Sie mal ...
Erna Antritter:
... ja, mein Bruder Walter war von 1961 bis 1965 schon Trainer beim TV Unterharmersbach. Danach waren wir Aktive in der Leichtathletik in Gengenbach. Seit 1966 haben mein Bruder und ich den Trainerschein, den wir in Steinbach zusammen gemacht haben. Im Frühjahr 1968 sind wir dann nach Biberach gegangen und sind seitdem dort Trainer des TV Biberach.
Und heute sind Sie noch als lizenzierte Übungsleiterin beim Kindertraining aktiv?
Erna Antritter:
Montags unterstütze ich manchmal Ursula Ramsteiner. Das mache ich gern, Leichtathletik ist mein Leben. Danach ist dann montags noch mein eigenes Training gegen Abend.
Einmal in der Woche leiten Sie auch noch die Senioren-Gymnastik.
Erna Antritter:
Ich hatte noch zwei weitere Gruppen, die habe ich inzwischen abgegeben. Aber meine Senioren freitags nachmittags, die lasse ich nicht aus. Ich sage zwar immer, macht eure Gymnastik auch zu Hause, aber das kommt nicht so gut an. Das wollen die nicht, die wollen in die Aula in die Schule kommen. Auch an meinem Geburtstag habe ich sie nicht sitzenlassen. Denn die Woche darauf sind wir in Toruńn und dann ist Karfreitag. Da bin ich am Nachmittag von meinem Geburtstag natürlich hingegangen. Und die Frauen waren glücklich. Und wenn wir wieder zurück sind aus Torun, dann machen wir eine schöne Geburtstags-Nachfeier.
Neben Ihren vielen sportlichen Interessen und Aktivitäten sind Sie auch noch in der Kirche aktiv.
Erna Antritter:
Hauptsächlich als Mesnerin, seit 1988. Mein erster Weg morgens nach dem Aufstehen ist mit dem Rad zur Kirche, die ich aufschließe. Ich mache alles mit dem Fahrrad. In Biberach bin ich die einzige 90-Jährige, die noch mit dem Rad unterwegs ist. Abends um 19.30 Uhr wird dann wieder abgeschlossen. Aber ich bin auch noch Lektorin und Kommunionhelferin. Auch bei Beerdigungen, Kindertaufen und Hochzeiten helfe ich mit. Es ist immer etwas zu tun. Solange man das kann, warum nicht? Es macht mir Spaß und hält mich fit.