| Internationales Läufermeeting

Pliezhausen: Große Namen und krumme Strecken zum Saison-Auftakt

Die krummen Strecken von Pliezhausen laden am Sonntag zum 32. Mal ins Schönbuchstadion ein. Angekündigt haben sich von den Sprints, Mittel- und Langstrecken über die Hürden und Hindernisse bis zu den Staffeln zahlreiche nationale und internationale Hoffnungsträger, die auf den Über- und Unterdistanzen in die Saison einsteigen wollen.
David Köndgen

Zweimal schon hat sich Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) im schwäbischen Pliezhausen die Geschwindigkeit für „goldene“ Saisonhöhepunkte geholt. Eigentlich hatte sie das auch 2023 vor, doch das 32. Internationale thallos Läufermeeting am 14. Mai wird ohne sie stattfinden. Die 29-Jährige kehrte mit einem Infekt aus dem Trainingslager in Belek (Türkei) zurück, daher muss sie auf den Start im Schönbuchstadion verzichten.

Meeting-Chef Thomas Jeggle freut sich dennoch auf mehr als 500 Athletinnen und Athleten aus 24 Nationen von drei Kontinenten – unter ihnen mehr als zehn Olympia-Teilnehmer und mehrere Meetingrekordhalter. Hinzu kommen nicht nur etliche Deutsche Meister, sondern auch viele Titelträger anderer Nationen, darunter etwa Italien, Norwegen, Polen, Spanien, Schweiz, Tschechien und der Ukraine.

Neu beim diesjährigen Läufermeeting ist dessen Status als „Challenger Meeting“ der World Athletics Continental Tour (WACT). Spitzenathleten können im traditionsreichen Schönbuchstadion also Weltranglistenpunkte für den Saisonhöhepunkt, die WM in Budapest (Ungarn, 19. bis 27. August 2023), sammeln. Dadurch hat die Veranstaltung weiter an Anziehungskraft gewonnen.

Alina Reh meldet spontan für die 3.000 Meter

Die Aussicht auf Weltranglistenpunkte spielt auch für Hindernis-Ass Elena Burkard (LG farbtex Nordschwarzwald) eine große Rolle. „Es ist ein extrem wichtiges Rennen“, sagt die 31-jährige Olympiateilnehmerin und amtierende Deutsche Vizemeisterin über 3.000 Meter Hindernis. Dabei trifft die Meetingrekordhalterin (6:15,28 min) über 2.000 Meter Hindernis unter anderem auf die polnische Landesmeisterin Julia Koralewska.

Spontan hat auch Alina Reh (SCC Berlin, PB: 8:39,45 min) ihr Kommen und einen Start über 3.000 Meter angekündigt, da sie gerade auf Heimaturlaub in Laichingen weilt. „Es ist einfach so toll, dass es ein solches Meeting noch in der Region gibt“, sagte sie 2019, nachdem sie den Meetingrekord auf 8:48,05 Minuten gesteigert hatte. Nach ihrem DM-Titel über 10.000 Meter vor einem Jahr an gleicher Stelle freut sie sich riesig auf ein weiteres Heimspiel und die tolle Stimmung.

Christoph Kessler setzt auf Pliezhausen

Mit der Empfehlung eines sehr erfolgreichen Jahres 2022 mit DM-Titeln in der Halle und im Freien sowie seiner ersten WM-Teilnahme reist Pliezhausen-„Stammgast“ Christoph Kessler (LG Region Karlsruhe) an. „Ein Einstieg ohne Pliezhausen geht nicht“, machte er bei seinem zurückliegenden Auftritt klar. Gelingt ihm nach Platz zwei (2018, 2019) und Rang drei (2021) endlich der erste Meeting-Sieg?

Mit Timo Benitz (LG farbtex Nordschwarzwald) steht auf der Startliste für 1.000 Meter außerdem ein Läufermeeting-Experte, der sich mit seinem Meetingrekord 2014 zum „König von Pliezhausen“ gekrönt hatte. Auf eine gute Platzierung und eine neue Bestzeit hofft der in Pliezhausen trainierende Deutsche Meister über 800 Meter, Tim Holzapfel (Unterländer LG).

Auch Tobias Grønstad aus Norwegen hat sich für seinen ersten Start in Pliezhausen einiges vorgenommen. Der 20-Jährige visiert die norwegische 600 Meter-Bestleistung an (1:15,29 min). Zur Erinnerung: Der Meetingrekord von Amel Tuka (Bosnien und Herzegowina) steht bei 1:15,21 Minuten. Aus deutscher Sicht wollen die 800-Meter-Läufer Adrian Engstler (TV Villingen) und Luis Oberbeck (LG Göttingen) – beide weisen 1:48-Minuten-Bestzeiten vor – ein Wörtchen mitreden.

Katharina Trost gegen Majtie Kolberg

Über 1.000 Meter kommt es bei den Frauen zum deutschen Duell zwischen Katharina Trost (LG Stadtwerke München, PB: 2:37,96 min) und Majtie Kolberg (LG Kreis Ahrweiler, PB: 2:39,42 min). Auf der einen Seite die Olympia-Halbfinalistin, EM-Zehnte (2022) über 1.500 Meter, auf der anderen Seite die Achte der Hallen-EM 2023 über 800 Meter.

Die 14-malige Deutsche Meisterin Christina Hering (LG Stadtwerke München, PB 800 m: 1:59,41 min) hat im Schönbuchstadion immer wieder mit herausragenden Auftritten über 600 und 1.000 Meter geglänzt. 2023 tritt die 28-Jährige auf der kürzeren „krummen“ Mittelstrecke von 600 Metern an.

Nach seinem Premieren-Sieg 2022 über 150 Meter reist Samuel García (Spanien) mit guten Erinnerungen an. Neben ihm stehen weitere internationale Topathleten auf der Startliste, so Olympiafinalist Enoch Adegoke (Nigeria; 100-m-PB 9,98 sec), die WM-Vierte mit Kanadas 4x400-Meter-Staffel Micha Powell (PB 51,97 sec), der EM-Dritte über 400 Meter Alex Haydock-Wilson (Großbritannien; PB 45,08 sec), die Polin Adrianna Topolnicka, die über 800 Meter schon unter zwei Minuten gelaufen ist, oder der EM-Dritte über die Hindernisse Osama Zoghlami (Italien).

Härtetest für deutsche Langhürdler

Aus deutscher Sicht stellen sich die Langhürden-Asse Joshua Abuaku (Eintracht Frankfurt), Olympia-Halbfinalist von Tokio und EM-Fünfter von München, und Emil Agyekum (SCC Berlin) nach ihrem Hürdeneinsatz einem doppelten Härtetest und starten auch über die „flachen“ 300 Meter. Mit Constantin Preis (VfL Sindelfingen) plant dies ein weiterer Hürdenspezialist: „Pliezhausen ist für mich ein Heimspiel, weil ich dort regelmäßig trainiere“, sagt der 24-Jährige.

Bei den Frauen lautet das Länderduell wie schon 2022 Schweiz gegen Deutschland: Vorjahressiegerin Annina Fahr (PB: 56,16 sec) aus der Schweiz, WM-Achte mit der 4x400 Meter-Staffel 2023, will Lokalmatadorin Carolina Krafzik (VfL Sindelfingen, PB: 54,32 sec) den Sieg streitig machen. Oder setzt sich die DM-Dritte Eileen Demes (TV 1861 Neu Isenburg, PB: 56,12 sec) durch?

Berliner Duell über 300 Meter

„Die ‚krummen Strecken’ sind ein sehr guter Einstieg“, stellte WM-Teilnehmerin Alica Schmidt (SCC Berlin) nach ihrer Premiere 2022 im Schönbuchstadion fest, die sie mit einem Sieg über 300 Meter krönte. Die 24-Jährige, die 2022 DM-Bronze geholt hatte, kehrt also mit guten Erinnerungen nach Pliezhausen zurück. Sie trifft dabei auf dabei auf ihre Vereinskameradin Skadi Schier, die bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in neuer Bestzeit von 52,93 Sekunden überraschend den Titel holte.

Schnelle Sprints gibt es in Pliezhausen traditionell nicht nur über 80 und 150 Meter, sondern auch dank der DLV-Staffeln der weiblichen U20 über 4x100 Meter. Auch 2023 nutzt Bundestrainer Alex Seeger das Meeting-Wochenende wieder für eine dreitägige Kadermaßnahme. Der anschließende Wettkampf dient als Standortbestimmung für die U20-Europameisterschaften in Jerusalem (Israel, 7. bis 10. August), bei der die Staffeln auch die EM-Norm (45,70 sec) im Visier haben werden.

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