| Ausblick

Dubai-Marathon als Sprungbrett für Paris?

© Giancarlo Colombo
Der schnelle Kurs verspricht Top-Zeiten für den Dubai-Marathon. Drei Deutsche starten am Sonntag in den Vereinigten Arabischen Emiraten einen Angriff auf die Olympia-Norm. Die Favoriten kommen aus Äthiopien.
Jörg Wenig

Wenn am frühen Sonntagmorgen die 23. Auflage des Dubai-Marathons gestartet wird, wollen einige Athletinnen und Athleten den schnellen Kurs nutzen, um noch die Olympia-Qualifikation zu erreichen. Schon Ende Januar vergibt World Athletics jeweils 64 der 80 Startplätze für den Marathon in Paris im Sommer. Erstmals sind in Dubai mit Melat Kejeta (Laufteam Kassel), Miriam Dattke (LG Telis Finanz Regensburg) und Samuel Fitwi (Silvesterlauf Trier) auch deutsche Marathonis am Start. 

„Als wir hier im Jahr 2000 den ersten Marathon starteten, hatten wir 120 Läufer. Damals träumten wir von 1.000 Teilnehmern, später dann von 5.000. Der Dubai-Marathon ist jetzt im 23. Jahr und hat eine unglaubliche Geschichte geschrieben. Vor der Corona-Pandemie hatten wir bereits bis zu 25.000 Läufer, am Sonntag werden es inklusive Rennen über kürzere Distanzen immerhin schon wieder rund 20.000 sein“, sagte der aus Irland stammende Race-Direktor Peter Connerton, der schnelle Rennen erwartet. „Es kann durchaus in Richtung Streckenrekorde gehen und auch Olympia-Qualifikationen.“

Die Kursbestzeiten stehen bei 2:03:34 beziehungsweise 2:17:08 Stunden. Wie meistens in Dubai führen Athleten aus Äthiopien die Startlisten an. Bei den Männern sind Workineh Tadese (Bestzeit: 2:05:07 h), Kebede Tulu (2:05:19 h) und Abdi Fufa (2:05:57 h) die Schnellsten auf der Liste. Bei den Frauen weisen Ruti Aga (2:18:09 h), Titelverteidigerin Dera Dida (2:19:24 h) und Haven Hailu (2:20:14 h) die besten persönlichen Rekorde auf. 

Melat Kejeta startet Norm-Angriff

Mit Melat Kejeta (Bestzeit: 2:23:57 h) steht die Olympia-Sechste 2021 noch ohne Norm da. Erst vor fünf Wochen lief die 31-Jährige in Valencia (Spanien). Doch nach einem extrem schnellen Anfangstempo, das auf eine 2:15er-Zielzeit hinausgelaufen war, kam sie nicht ins Ziel. „Dort habe ich die Möglichkeit verpasst, mich für Olympia zu qualifizieren. Jetzt ist Dubai meine letzte Chance. Ich hatte natürlich nicht viel Zeit, mich zu erholen und zu trainieren, aber ich werde mein Bestes geben“, sagt Melat Kejeta, die zuletzt noch unter einem Infekt litt. „Meine aktuelle Form ist nicht die stärkste. Aber mein Ziel ist es, die nötige Zeit für die Olympia-Qualifikation zu laufen.“ 

Im Rennen um die drei deutschen Startplätze liegen zurzeit Domenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg; 2:23:47 h), Laura Hottenrott (PSV Grün-Weiß Kassel; 2:24:32 h) und Fabienne Königstein (MTG Mannheim; 2:25:48 h) vorne. Sie würden nach dem jetzigen Stand mit Ablauf der ersten Qualifikationsfrist am 30. Januar als qualifiziert gelten.

Miriam Dattke hält sich zurück bezüglich Zeit-Prognosen und Olympia-Chancen. „Beim Frankfurt-Marathon lief es nicht gut für mich. Ich möchte jetzt hier in Dubai vor allem einen schönen Abschluss für meinen Trainingsaufwand erreichen, ein gutes Rennen laufen und nicht einbrechen“, sagt die EM-Vierte. „Mein Ziel ist es, die zweite Hälfte schneller zu laufen. Dann werde ich sehen, was geht.“ Miriam Dattke hat den Vorteil, dass sie mit Simon Stützel (LG Region Karlsruhe) einen persönlichen Tempomacher im Rennen hat.

Samuel Fitwi traut sich Norm zu

Samuel Fitwi Sibhatu hatte sich in Berlin Ende September bereits auf 2:08:28 Stunden gesteigert. Dabei verpasste der 28-Jährige die internationale Olympia-Norm um lediglich 18 Sekunden. Da bisher nur zwei deutsche Läufer die Richtzeit von 2:08:10 Stunden unterboten haben (Amanal Petros und Richard Ringer) und bis Ende Januar auch kein anderer deutscher Top-Läufer mehr startet, könnte sich Samuel Fitwi das Paris-Ticket in Dubai sichern.

„Ich weiß um die schnelle Strecke in Dubai und das war der Grund, hierher zu kommen. Ursprünglich wollte ich in Valencia laufen, aber dort kam ich nicht mehr ins Elite-Feld“, erzählt Samuel Fitwi, der bereits Anfang Oktober nach Äthiopien reiste und sich seitdem dort im Höhentraining in Addis Abeba auf einen weiteren Marathon-Qualifikationsversuch vorbereitete. „Ich habe besser trainiert als vor Berlin. Es gibt voraussichtlich eine zweite Gruppe am Sonntag, die ein Tempo von ungefähr 2:06 laufen wird. Das traue ich mir zu“, sagt Samuel Fitwi.

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