Zusammenhalt, Fairplay und Teamgefühl: Sport verbindet über Grenzen hinweg. Allerdings war und ist der Sport auch ein Spiegel gesellschaftlicher Ungleichheiten. Nicht nur, aber besonders, für Schwarze Sportler:innen. Der am Dienstag im Deutschen Sport- und Olympiamuseum in Köln offiziell gestartete Black History Month im deutschen Sport widmet sich diesem Thema und lädt zur kritischen Auseinandersetzung ein. Auch Sprinter Owen Ansah (Hamburger SV) war beim Auftakt dabei.
Der „Black History Month“ hat eine lange Tradition. Seit 100 Jahren ist der Februar in den USA Gedenkmonat für Schwarze Menschen. Gesetzlich verankert wurde dieser auf Initiative des Kongressabgeordneten Ralph Metcalfe. Der ehemalige Sprint-Weltrekordler, 1932 und 1936 Olympiazweiter über 100 Meter, brachte am 1. Juni 1977 die entsprechende Initiative im Parlament ein, die „alle Bürger der Vereinigten Staaten aufruft, sich zu verpflichten, die Ungerechtigkeiten zu korrigieren, die unsere Schwarzen Bürger erlitten haben“.
Seit 1990 wird der Black History Month auch in Deutschland begangen – und seit diesem Jahr erstmals im Kontext Sport. Beim offiziellen Startschuss für die Initiative am Dienstagabend im Deutschen Sport- und Olympiamuseum in Köln beleuchteten prominente Sportler:innen und Ex-Sportler:innen die aktuellen Entwicklungen in Deutschland für Schwarze Menschen und stellten sich den Fragen der rund 150 Gäste.
Rassismus auf unterschiedlichen Ebenen erlebt
Auf dem Podium schilderte Sprinter Owen Ansah (Hamburger SV) seine alltäglichen Erlebnisse. „Die Hautfarbe spielt auf dem Sportplatz keine Rolle“, so der Deutsche Rekordhalter über 100 Meter, dessen Spikes zu den Exponaten des Museums zählen. Auf anderen Ebenen erlebte der 25-Jährige hingegen bereits rassistische Anfeindungen. So hat er Filterfunktionen bei seinen Social-Media-Kanälen aktiviert, um rassistische Kommentare automatisch zu verhindern. „Ich bin froh, dass der Deutsche Leichtathletik-Verband mit der Staatsanwaltschaft Frankfurt zusammenarbeitet, um rassistische Kommentare juristisch verfolgen zu lassen“, so der Sprinter.
Während Owen Ansah bei Wettkämpfen noch nie Beleidigungen erlebte, musste Otto Addo in seiner Karriere andere Erfahrungen machen. „Es wurden Bananen nach uns Schwarzen Spielern geworfen oder Affenlaute nachgemacht“, erzählte der ehemalige Bundesligaprofi von Borussia Dortmund, Mainz 05 und dem HSV. Aktuell bereitet er sich als Nationaltrainer Ghanas auf die WM im Sommer vor. „Wenn ich so etwas erleben würde, weiß ich nicht, ob ich den Sport nicht aufgeben würde“, entgegnete Owen Ansah.
„Roots – Against Racism in Sports“ legt Finger in die Wunde
Doch auch noch heute erlebt Otto Addo alltäglichen Rassismus: „Das können Gespräche unter Trainern sein, bei denen dann Sätze erklärt werden mit:,Das war nicht so gemeint‘. Oder vor Kurzem wurde ich auf dem Golfplatz angeschaut, als wäre ich ein Außerirdischer“, so der 50-Jährige. Speziell den Zugang zum Sport sieht er weiterhin kritisch. „Das ist noch immer eine Frage der sozialen Herkunft.“ Als Präsident des Vereins „Roots – Against Racism in Sports“ setzt sich der ehemalige Fußballprofi für die Transformation der Gesellschaft hin zu einer diskriminierungssensiblen und inklusiven Gesellschaft ein. Speziell die Unterrepräsentanz von Schwarzen auf Funktionärs- und Entscheiderebene soll angegangen werden. Denn das „Nicht-Gesehen-Werden“ ist nach seinen Erfahrungen noch immer Alltag in unserer Gesellschaft.
Auch Schauspielerin und Moderatorin Shary Reeves sieht weiter Handlungsbedarf. „Die Hautfarbe sorgt noch immer für Konfliktpotenzial. In den 1990er Jahren gab es Besserungen in diesem Bereich, aber aktuell kippt die Lage“, so die ehemalige Bundesliga-Fußballerin. Für sie war der „Sport immer die Konstante im Leben“, obwohl die 56-Jährige früher heimlich zum Fußballtraining gehen musste.
Owen Ansah dankt seinem Lehrer
Auch bei Owen Ansah steht der Sport seit Jahren im Fokus. Sein Talent wurde als Siebtklässler entdeckt. „Mein Sportlehrer hat gesagt, dass ich es mal mit Leichtathletik probieren und mir einen Verein suchen soll“, so der 9,99-Sekunden-Sprinter. „Dass ich da stehe, wo ich jetzt stehe, ist auch sein Verdienst. Denn ohne meinen Lehrer hätte ich diesen Schritt vielleicht nicht gemacht.“ Und sein Ziel in den kommenden Jahren ist klar: „Ich will den Rekord weiter hinunterschrauben.“
Die Podiumsdiskussion am Dienstagabend war der Auftakt zum Black History Month im deutschen Sport. Viele weitere Aktionen und Workshops folgen im Kölner Museum. Beispielsweise am 20. Februar ein Workshop des Vereins „Roots“ für Schwarze Kinder und Jugendliche. Einen Tag später vermittelt die Fortbildung „Haltung zeigen, aber wie?“ vom Landessportbund NRW Handlungs- und Kommunikationskompetenzen im Umgang mit menschenfeindlichen Äußerungen im Kontext des Sports. Am 27. Februar liest Ronny Blaschke aus seinem Buch „Spielfeld der Herrenmenschen. Kolonialismus und Rassismus im Fußball.“ Das Werk wurde als „Fußballbuch des Jahres 2024“ ausgezeichnet.
Foto: Owen Ansah im Deutschen Sport- und Olympiamuseum mit seinen Spikes. Das Exponat steht aktuell neben den signierten Boxhandschuhen von Muhammad Ali (im Vordergrund).
Weitere Informationen:
Black History Month im deutschen Sport