Für das stärkste deutsche Ergebnis beim EA-Wurf-Cup in Nikosia (Zypern) hat am Samstag Diskuswerfer Steven Richter gesorgt. Mit 67,29 Metern gewann er nach drei Siegen in der U23-Klasse erstmals in der Männer-Konkurrenz. Im Interview spricht der Diskuswerfer vom LV 90 Erzgebirge über technische Fortschritte, die Bedeutung der Winterwurfsaison und das Wetter auf Zypern.
Steven Richter, mit 67,29 Metern haben Sie beim EA-Wurf-Cup die viertbeste Weite Ihrer Karriere erzielt – und das Mitte März. Herzlichen Glückwunsch! Hat sich diese Weite schon vorher angedeutet?
Steven Richter:
Tatsächlich ja. Das Training lief schon ganz gut, obwohl wir uns auf die Wintersaison nicht so intensiv vorbereitet haben wie die letzten Jahre. Trotzdem haben ein paar Sachen im Training einfach gut zusammengepasst und ich wusste, ich kann schon weit werfen. Ich hatte allerdings in den letzten zwei Wochen etwas das Gefühl fürs Werfen verloren, deswegen hatte ich nicht unbedingt mit der Weite gerechnet. Aber im Wettkampf hat schließlich funktioniert, was wir die letzten Wochen trainiert haben. Und dann hat es geklappt. Das war cool.
Wodurch ist das Gefühl fürs Werfen zuletzt verloren gegangen, worauf führen Sie das zurück?
Steven Richter:
Wir sind nochmal intensiver ins Training gegangen. Durch Übermüdung und Erschöpfung wurde die Wurfbewegung langsamer und dann passen ein paar Dinge nicht mehr ganz so gut zusammen. Zum Wettkampf hin konnte ich mich aber von der Belastung her wieder sehr gut regenerieren und dann hat wieder alles gepasst. Das haben wir super hinbekommen.
m vergangenen Jahr herrschten beim EA-Wurf-Cup auf Zypern sommerliche Bedingungen mit viel Sonnenschein und 30 Grad. Diesmal hat sich das Wetter von einer ganz anderen Seite gezeigt: Kälte, Wind und Regen. Wie sind Sie damit klargekommen?
Steven Richter:
Wir haben im Trainingslager in Portugal schon im nassen Ring trainiert, das macht mir grundsätzlich nichts aus. Bei uns hat es zum Glück nicht mehr geregnet und der Wind hat den Ring ausgetrocknet, darüber war ich sehr froh. Das Einzige, was nicht so schön war: Es war sehr kalt. Allerdings komme ich ja auch gerade aus der Winterwurfsaison und war das gewohnt. Daher konnte ich damit ganz gut umgehen. Hinzu kommt, dass wir guten Wind von vorn hatten, das erleichtert das Diskuswerfen.
Sie haben gleich im ersten Durchgang ein Ausrufezeichen gesetzt – Ihre Scheibe ist auf 66,23 Meter geflogen...
Steven Richter:
Ich hatte mir vorgenommen, 65 Meter zu werfen, weil ich davon ausgegangen bin, dass man mit dieser Weite eine Medaille holt. Dann war ich erst mal überrascht, dass der Rumäne [Alin Alexandru Firfirica; Anm. d. Red.] gleich im ersten eine hohe 65 geworfen hat. Da dachte ich mir: Jetzt kann ich meinen Plan mit den 65 Metern schon mal über den Haufen werfen. Dass ich dann direkt mit einem 66er eingestiegen bin, hat mich selbst überrascht. So gut bin ich noch nie in einen Wettkampf eingestiegen. Dass ich diese Weite noch zweimal steigern konnte, gibt mir sehr viel Rückenwind und Selbstvertrauen für den Sommer.
Schon Mitte Januar in Chemnitz haben Sie an den 64 Metern gekratzt, im Februar bei der Winterwurf-DM in Sindelfingen folgte dann ein Wurf auf 64,25 Meter – und in Nikosia ging es noch einmal drei Meter weiter. Es lässt sich also feststellen: Bereits zu einem sehr frühen Saison-Zeitpunkt sind Sie in ausgezeichneter Form. Worauf haben Sie in der Vorbereitung den Fokus gelegt?
Steven Richter:
Wir haben versucht, in der Kraft voranzukommen und noch ein bisschen stärker zu werden. Aber vor allem haben wir an der Technik sehr viel gefeilt. In ein, zwei Punkten hatte ich noch Potenzial nach oben und das konnte ich jetzt ganz gut umsetzen. Vor allem bei der Position in der Mitte bei der Drehung. Und wir haben daran gearbeitet, dass die Verwringung am Ende beim Abwurf höher ist.
Welche Bedeutung hat die Winterwurfsaison für Sie? Im Gegensatz zu manchen weiteren Werferinnen und Werfern, die die Wintermonate ausschließlich für Training nutzen, bestreiten Sie auch im Winter regelmäßig Wettkämpfe und sind bereits viermal beim EA-Wurf-Cup gestartet...
Steven Richter:
Meistens hat es sich einfach angeboten, den EA-Wurf-Cup noch mitzunehmen, weil wir danach sowieso für ein Trainingslager vor Ort geblieben sind. Außerdem ist der Wurf-Cup auch immer ein cooler Wettkampf und es macht Spaß, im Team Punkte zu sammeln und wenn möglich Medaillen in der Gesamtwertung zu holen.
Das ist Ihnen perfekt gelungen: Nach drei Siegen in der U23-Altersklasse haben Sie sich nun in Ihrem ersten Männerjahr gleich den Titel bei den Erwachsenen gesichert. Wie stolz macht Sie das?
Steven Richter:
Sehr stolz! Ich hatte mir das als Ziel gesetzt und wusste, dass ich um die Medaillen mitwerfen kann. Ich fand das eine sehr coole Geschichte, nach den drei U23-Titeln gleich bei den Männern auch noch zu gewinnen. Das hatte ich mir in den Kopf gesetzt. Ich bin aber vor allem froh, dass es mit solch einer Weite geklappt hat. Das ist für mich fast noch entscheidender als der Titel.
Damit können Sie auch zuversichtlich in Richtung Sommer blicken. Wie sieht nun der Fahrplan bis dorthin aus?
Steven Richter:
In vier Wochen werde ich in die USA fliegen und den Wettkampf in Ramona auf der Segelwiese mitnehmen. Ich war mir lange unsicher, ob ich das dieses Jahr mache, weil man solche Laborbedingungen normalerweise nicht hat. Aber es macht trotzdem Spaß und wenn die Besten der Welt dort sind, kann ich das als Erfahrung mitnehmen. Danach folgt noch ein Trainingslager in Latsch und dann steigen wir Mitte Mai in die Wettkampfsaison ein.
Das große Highlight in dieser Saison sind die Europameisterschaften im August in Birmingham [Großbritannien; 10. bis 16. August; Anm. d. Red.]. Die deutschen Startplätze werden sicherlich wieder hart umkämpft sein. Wie blicken Sie dem Konkurrenzkampf entgegen?
Steven Richter:
Ich bin froh, dass ich die Direktnorm schon in der Tasche habe. Im Endeffekt zählen vor allem die Deutschen Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid, weil sich Platz eins und zwei direkt qualifizieren. Ich denke, dass mindestens vier Leute die Norm werfen werden und wir uns um die Startplätze streiten werden. Aber dadurch entstehen Höchstleistungen. Es reicht einfach nicht, sich auf der Norm auszuruhen. Man muss die ganze Saison performen, um sich gegen die anderen durchzusetzen.