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Jugend-Hallen-DM am Sonntag: Taktik-Schlacht auf der Bahn und ein geteilter Hochsprung-Sieg

© Dirk Gantenberg
Am Sonntag fallen bei der Jugend-Hallen-DM in Sindelfingen sieben Entscheidungen in der männlichen Jugend. Hier lesen Sie von Disziplin zu Disziplin, wer sich im Kampf um die Titel durchsetzt.
Sandra Arm

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Jugend-Hallen-DM am Sonntag: Die Entscheidungen der weiblichen Jugend

200 Meter

Philip Stroh pulverisiert seine Bestzeit

Ohne Deutschlands Nummer eins Louis Schuster (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig), der sich am Samstag im 60-Meter-Finale verletzt hatte, sowie den ebenfalls verletzt fehlenden Jakob Kemminer (LAC Quelle Fürth) wurden die neuen Hallen-Titelträger über 200 Meter gesucht. Die schnellsten Halbfinalzeiten lieferten Dmitrij Krom (VfL Sindelfingen; 21,74 sec) und Philip Stroh (ASC Darmstadt; 21,76 sec). Beide blieben deutlich unter ihren alten Hallen-Bestleistungen. Für den Finaleinzug waren Zeiten von unter 22,00 Sekunden nötig. So traf es den Titelverteidiger Ben Tröster (TSV Bayer 04 Leverkusen), der mit exakt 22,00 Sekunden das Finale um zwei Hundertstelsekunden als Neunter knapp verpasste.

Der neue Sprintkönig über die Hallenrunde kommt aus Darmstadt. Im ersten von zwei Zeitläufen hatte Philip Stroh mit 21,53 Sekunden richtig stark vorgelegt. Er verbesserte seine erst wenige Stunden alte Bestzeit erneut um mehr als zwei Zehntelsekunden. Danach hieß es abwarten, was die vier Sprinter im zweiten Zeitlauf noch machen sollten. Diesen sollte der Lokalmatador Dmitrij Krom in 21,63 Sekunden für sich entscheiden. Für den Titelgewinn sollte seine Zeit aber nicht reichen, er wurde Zweiter vor Luca Barowski (Eintracht Frankfurt; 21,75 sec).

„Der Titelgewinn fühlt sich einfach unfassbar an“, freute sich Philip Stroh. „Vor allem, weil ich im vergangenen Jahr verletzt war. Jetzt so ein Comeback zu schaffen, das freut ich unheimlich. Ich hatte im Sommer einen Muskelfaseriss im Beuger, im Winter haben mich Achillessehnenprobleme zurückgeworfen. Meine Bestleistung konnte ich bereits im Halbfinale um zwei Zehntel verbessern. Das habe ich nicht erwartet. Und jetzt im Finale nochmal um zwei Zehntel die Zeit zu verbessern, das ist einfach nur phänomenal. Das Training von meinen Trainern hat zu diesem Erfolg beigetragen. Das haben sie wirklich perfekt gesetzt.“


400 Meter

Erste DM-Medaille von Tjark Schult gleich Gold

Tjark Schult (LG Flensburg) startete mit der schnellsten Vorleistung von 48,48 Sekunden in das Finale über 400 Meter. Er war im zweiten von zwei Zeitläufen gefordert. Somit kannte er auch die Zeit aus dem ersten Finallauf von Nikolas Raeth (SV Union Salzgitter). Er kam nach 48,77 Sekunden ins Ziel. Somit war der Flensburger richtig gefordert und gab Vollgas. Das zahlte sich aus, er konnte seine Vorlaufzeit noch weiter steigern und die Uhr stoppte bei ihm nach 48,39 Sekunden. Damit war ihm der Titel sicher. Auf den weiteren Rängen folgten Nikolas Raeth (48,77 sec) und Noah Duda (TG Konz; 48,81 sec).

„Das war meine allererste DM-Medaille“, freute sich Tjark Schult. „Das ist auf jeden Fall nochmal was ganz Besonderes. Die Anspannung vor dem Rennen war schon sehr hoch. Ich war auch nach dem Halbfinale der Erste. Das war nicht einfach für den Kopf, aber ich habe es richtig gut hinbekommen. Die Zeiten aus dem ersten Zeitlauf habe ich auf dem Bildschirm gesehen. Ich wusste, dass ich die Zeit toppen kann und habe dann im Rennen einfach nur Vollgas gegeben.“


800 Meter

Andor Rik Schumann erkämpft sich im engen Finish Gold

Andor Rik Schumann (Race Erfurt) hatte im Vorlauf über 800 Meter noch nicht alle Karten auf den Tisch gelegt. Im Finale hatte der EYOF-Sieger eine Mission: sich erstmals auch unter dem Hallendach den Titel zu holen. Doch dieses Unterfangen wurde eine eher kämpferische Angelegenheit. Zu Beginn verlief das Rennen eher langsam, die Läufer lagen alle eng beieinander. Lange hielt sich der Erfurter an dritter, vierter Position. Er hatte sich bewusst eine Position weiter draußen gesucht, auch wenn er dafür einen längeren Weg in Kauf nehmen musste. Aber der Vorteil für ihn war, dass er von der Position immer den Überblick gehabt habe und am Ende auch seinen Sprint ansetzen konnte.

Auf der letzten Runde folgte der Angriff, folgen konnte ihm nur Ole Steinbach (Dresdner SC 1898), der auf der Zielgerade noch versuchte, an dem Erfurter vorbeizuziehen. Dieser wehrte jedoch den Angriff ab und fuhr mit einem starken Schlussspurt den Sieg in 1:53,87 Minute ein. Nur fünf Hundertstel dahinter folgte Ole Steinbach. Dritter wurde mit Lennox Gyulai in 1:54,41 Minuten ebenfalls ein Dresdner.

„Es war ein sehr, sehr hartes Rennen körperlich. Und auch anders als erwartet“, erklärte Andor Rik Schumann. „Es ging darum, um diesen Titel zu kämpfen. In den Positionskämpfen konnte ich mich gut behaupten. Es war schon sehr hart. Jetzt bin ich umso glücklicher, dass ich es geschafft habe. Ich habe mir nicht so ein hartes Rennen vorgestellt. Ich habe vielleicht ein bisschen zu früh angegriffen, ich war die ganze letzte Runde vorne und habe gemerkt, da hängt mir noch einer an der Schulter. Auf der Zielgerade habe ich mir das nicht mehr nehmen lassen. Wenn man das Ziel vor Augen hat, ich bin eh relativ stark im Endspurt, dann wächst man nochmal über sich hinaus.“


1.500 Meter

Taktik von Piet Hoyer geht auf

Auf den ersten Runden lag das Feld über 1.500 Meter noch sehr dicht beeinander. Sehr kontrolliert ging der Jahresschnellste Piet Hoyer (Königsteiner LV) das Rennen an und ergriff auf den letzten zwei Runden die Initiative für einen Führungswechsel. Ihm konnte nur Aik Straub (LG Olympia Dortmund) folgen. Auf der letzten Runden erhöhte Piet Hoyer das Tempo. Aber Aik Straub ließ sich nicht so einfach abschütteln. Selbst auf den letzten Metern lieferten sich beide einen engen Kampf um den Titel. Das bessere Finish hatte Piet Hoyer in 3:54,96 Minuten vor Aik Straub in 3:55,14 Minuten. Rang drei erlief sich Moritz Gutowski (LG Stadtwerke München; 3:57,42 min).

„Der Titel bedeutet schon sehr viel für mich“, sagte Piet Hoyer. „Ich bin sehr erfreut über die Goldmedaille. Die Renntaktik ist voll aufgegangen, die ich vorab mit meinem Trainer durchgegangen bin und konnte sie auch gut umsetzen. Ich war auch in letzter Zeit von einer Frühblüherallergie sehr angeschlagen. Die hat mich auch ziemlich mitgenommen. Deshalb konnte ich nicht beim Erfurt Indoor rennen. Ich wollte dort einfach nochmal eine schnellere Zeit laufen und deutschen Hallenrekord anzugreifen.“


3.000 Meter

Benjamin Klonowski hält Maximilian Rath in Schach

Auf der längsten Meisterschaftsstrecke über 3.000 Meter gab es zwei Zeitläufe. Der zweite sollte sich als der schnellere erweisen. 300 Meter vor dem Ziel setzte Benjamin Klonowski (TuS Lichterfelde) die entscheidende Attacke, die ihm in 8:40,24 Minuten den Hallentitel einbrachte. Gefolgt von Maximilian Rath (LG Stadtwerke München), der ihm dicht auf den Fersen war, aber im Kampf um Gold das Nachsehen hatte. Er wurde in 8:41,05 Minuten Zweiter. Auf Rang drei kam Jonathan Albustin (LG Brillux Münster) in 8:42,40 Minuten.

Benjamin Klonowski sagte: „Der Meistertitel hat für mich schon eine große Bedeutung, es ist jedes Mal aufs Neue richtig cool. Ich bin einfach sehr erleichtert, dass es so geklappt hat. Der erste Kilometer verlief recht entspannt, es war nicht so das flotte Tempo. Im weiteren Verlauf wurde es dann etwas schneller und auch anstrengender. Ich habe mich durchgehend gut gefühlt. Die letzten 300 Meter waren sehr hart. Sich vorne zu positionieren ist durchaus immer ein guter Vorteil. Irgendwann muss dann die Attacke kommen. Dieses Mal kam sie 300 Meter vor dem Ziel.“


Hochsprung

Jan Ungeheuer und Johannes Böcher teilen sich den Titel

Doppelte Freude ist bekanntlich die schönste Freude: Im Hochsprung gab es eine geteilte Goldmedaille. Höhengleich mit 2,07 Metern und ohne Fehlversuche blieben Jan Ungeheuer (Turnklub Grevenbroich) und Johannes Böcher (USC Mainz). Zugleich stellten sie ihre bisherigen Bestmarken ein Anschließend wurden 2,10 Meter aufgelegt, an denen beide noch drei Mal scheiterten. Beachtlich die Leistung des erst 16-jährigen Jan Ungeheuer, er gehört noch zum U18-Jahrgang. Für Johannes Böcher ist es das letzte U20-Jahr. Der Dritte Hochspringer in diesem Feld, der über 2,00 sprang war Lasse Zumsande (LG Emstal Dörpen). Ihm gelang eine Steigerung seiner Bestleistung auf 2,03 Meter.

„Das ist echt super, dass wir uns den Titel geteilt haben“, freute sich Jan Ungeheuer. „Alleine fände ich es echt nicht so cool. Ich bin damit schon sehr glücklich. Die 2,07 Meter sind echt klasse. Zumal auch gleich im ersten Versuch. Das Gefühl über 2,10 Meter war ebenfalls gut, aber es hat nicht gereicht. Vielleicht lag es am Anlauf oder auch ein bisschen an der Erschöpfung.“


Weitsprung

Titel-Premiere für Julian Karsten

Richtig an Fahrt nahm der Weitsprung in der dritten Runde auf. Stark vorgelegt hatte Leoniel Octavianus Ahiandjipe (Schweriner SC) mit einer neuen Bestleistung von 7,22 Metern. Er übernahm damit sogar die zwischenzeitliche Führung. Auch Lennox Lewis Giesen (TSV Bayer 04 Leverkusen) gelang eine Steigerung auf 7,15 Meter, womit er sich auf den zweiten Platz schob.

Die stärkste Vorleistung hatte Julian Karsten (VfL Wolfsburg) mit 7,54 Metern mitgebracht. Er steigerte sich kontinuierlich. Seine Tagesbestweite von 7,39 Meter erreichte er ebenfalls im dritten Durchgang. Damit gelang ihm der Sprung an die Spitze. Keiner der Konkurrenten sollten noch weiter springen. Die 7,22 Meter von Leoniel Octavianus Ahiandjipe reichten zu Silber. Im Kampf um Bronze mischte noch Florian Hahn (LAC Erdgas Chemnitz) mit. Im sechsten und letzten Versuch kam er auf 7,16 Meter, womit er Lennox Lewis Giesen noch vom Podestplatz verdrängte.

„Vor zwei Jahren war ich im Sommer Dritter, im letzten Jahr Zweiter in der Halle und jetzt Deutscher Hallenmeister“, erinnerte sich Julian Karsten und ergänzte: „Damit habe ich jetzt alle Medaillen abgearbeitet. Der Wettkampf hat heute sehr viel Spaß gemacht. Ich bin einfach auch mit Spaß an die Sache rangegangen. Mein Ziel war es heute nicht nur zu gewinnen, sondern einfach Spaß zu haben und meine Leistung von Anfang des Jahres zu wiederholen. Die 7,39 Meter sind absolut okay. Ich habe im Vorfeld gesagt, mit allen Sprüngen zwischen 7,30 und 7,40 Meter bin ich definitiv zufrieden.“

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