Die Dortmunder Helmut-Körnig-Halle bleibt für Yemisi Ogunleye das ideale Pflaster: Wie im Vorjahr bejubelte die Kugelstoß-Olympiasiegerin auch am Freitag bei der Hallen-DM eine neue Bestleistung. Die Mannheimerin stieß ihre Kugel auf 20,37 Meter. Bei den Männern feierte ein Youngster mit dem ersten 20-Meter-Stoß Titel-Premiere. Zwei hochspannende 3.000-Meter-Finals wurden erst auf der Schlussrunde entschieden.
In der Helmut-Körnig-Halle wurden am Freitagabend Erinnerungen an das vergangene Jahr wach: Damals hatte Kugelstoß-Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye (MTG Mannheim) den ersten Tag der Deutschen Hallenmeisterschaften mit dem weitesten Stoß ihrer Karriere gekrönt. Auf 20,27 Meter flog ihre Kugel. An selber Stätte ging’s ein Jahr später erneut um die Meistertitel. Yemisi Ogunleye fand zunächst nicht optimal in den Wettkampf, wenngleich sie auf 18,39 Meter zum Auftakt 19,13 Meter im zweiten Durchgang folgen ließ.
Bei dieser Weite blieb es bis zum fünften Versuch. Als die Kugel einschlug, ging ein Raunen durch die Halle. Denn das Arbeitsgerät der Mannheimerin landete deutlich hinter der 19-Meter-Linie. Und dann leuchteten 20,37 Meter auf der Anzeigetafel auf! Die Olympiasiegerin konnte es kaum fassen, jubelte ausgelassen und schlug ein Rad auf der Kunststoffbahn. Ihr dritter Hallen-DM-Titel in Folge war damit perfekt. Zugleich schob sie sich hinter Weltmeisterin Jessica Schilder (Niederlande; 20,49 m) auf Rang zwei der Weltjahresbestenliste. "Ich freu mich gerade so sehr: Persönliche Bestleisung, Hallenmeistertitel und die 20-Meter Marke geknackt", jubelte Yemisi Ogunleye. "Ich bleibe gelassen und hoffe, dass ich auf diesem Level bleiben kann."
Als Zweitplatzierte bestätigte Katharina Maisch (LV 90 Erzgebirge), die in diesem Winter auch schon die 19-Meter-Marke geknackt hat, ihr hohes Niveau. Ihre Weite von 18,69 Metern zum Auftakt verbesserte sie im fünften Durchgang noch einmal um vier Zentimeter. Freudentränen vergoss die Bronzemedaillengewinnerin: Julia Ritter (TV Wattenscheid 01), nach einem Abstecher zum Drehstoß mittlerweile zum Angleiten zurückgekehrt, steigerte sich in Runde sechs von 17,72 auf 18,13 Meter. Weiter hat sie zuletzt bei der EM 2024 in Rom (Italien) gestoßen, als sie Siebte wurde. Die Medaillengewinnerinnen waren am Freitag eine Klasse für sich: Die U23-EM-Dritte Helena Kopp (LG Stadtwerke München; 16,69 m) hatte trotz Hallen-Bestleistung fast anderthalb Meter Rückstand auf die Top Drei. ´
Georg Harpf feiert 20-Meter-Premiere
Die erste Entscheidung der 73. Deutschen Hallenmeisterschaften hatte zuvor ein junges Kugelstoß-Feld ausgefochten. Keiner der sieben Starter ist vor dem Jahr 2000 geboren. Am besten fand der deutsche Jahresbeste Georg Harpf (LG Stadtwerke München) – mit 20 Jahren der Jüngste im Feld – in den Wettkampf. Gleich im ersten Durchgang wuchtete er die Kugel auf 19,52 Meter. Das i-Tüpfelchen folgte dann in Runde fünf: Die 7,26 Kilo schwere Kugel schlug erst nach 20,46 Metern ein. Damit steigerte der U20-WM-Dritte nicht nur seine Bestleistung um einen halben Meter, sondern distanzierte auch die Konkurrenz deutlich.
Über Platz zwei und drei jubelten ebenfalls zwei U23-Athleten. Mit Bestleistung von 19,27 Metern sicherte sich Lukas Schober (SG Freital-Weißig 1863) Silber. Bronze ging an Lasse Schulz (TV Plieningen), der mit 19,14 Metern erstmals in der Halle die 19-Meter-Marke übertraf. Beide überboten auch ihre Freiluft-Bestmarken. Bemerkenswert: Die drei Hallen-DM-Medaillengewinner hatten 2023 gemeinsam an der U20-EM in Jerusalem (Israel) teilgenommen und damals die Plätze eins, zwei und vier belegt – in umgekehrter Reihenfolge zu ihrem DM-Resultat von Dortmund.
Nele Weßel stürmt an Elena Burkard vorbei
Neben dem Kugelstoßen standen am Freitag auch die Finals über 3.000 Meter an. Im Rennen der Frauen ergriff Katja Bäuerle (VfL Sindelfingen) die Initiative. Hinter ihr reihten sich mit Elena Burkard (LG farbtex Nordschwarzwald), Nele Weßel (Königsteiner LV) und Vanessa Mikitenko (Silvesterlauf Trier) die Zweit-, Viert- und Drittplatzierte des vergangenen Jahres ein. Zwei Kilometer des Rennens bestritten die Läuferinnen aufgereiht wie an einer Perlenschnur, bevor Elena Burkard ausscherte und an Katja Bäuerle vorbeistürmte – und Nele Weßel und Vanessa Mikitenko mit ihr. Fortan entwickelte sich das Rennen zu einem Dreikampf um die Medaillen, denn Katja Bäuerle konnte den Kontrahentinnen nicht mehr folgen.
Mit dem Klang der Glocke fiel die Entscheidung: 1.500-Meter-Spezialistin Nele Weßel zündete den Turbo und ließ Elena Burkard keine Chance. In Bestzeit von 9:01,35 Minuten, zugleich deutsche Jahresbestleistung, rannte sie zu ihrem ersten deutschen Meistertitel überhaupt. Ein Erfolg, der ihr sicher für die am Samstag und Sonntag anstehenden 1.500 Meter eine gehörige Portion Selbstvertrauen mitgeben wird. Zweite, ebenfalls mit Bestzeit (9:03,18 min), wurde Vanessa Mikitenko, die Elena Burkard (9:04,38 min) ebenfalls noch hinter sich lassen konnte. Katja Bäuerle, die lange geführt hatte, wurde in 9:16,24 Minuten – nicht weit entfernt von ihrer Saisonbestzeit (9:14,95 min) – Vierte.
Florian Bremm holt sich seinen Titel zurück
Über 3.000 Meter der Männer versammelte sich ein erlesenes Feld an der Startlinie: Die 1.500-Meter-Spezialisten Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord) und Marc Tortell (Athletics Team Karben) mischten sich ebenso unter die Langstreckler wie die deutschen Weltklasse-Hindernisläufer Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen) und Karl Bebendorf (Dresdner SC 1898). So wurde der Jahresbeste Florian Bremm (Franconia Athletics) ordentlich gefordert. Dieses Quintett hatte bereits nach dem ersten Kilometer eine Lücke gerissen, das Feld der Verfolger führte Titelverteidiger Maximilian Thorwirth (LAV Stadtwerke Tübingen) in seinem ersten Rennen nach Verletzungspause an.
Frederik Ruppert war es, der nach 1.500 Metern die Attacke setzte. Florian Bremm und Robert Farken hefteten sich an die Fersen des Deutschen Hindernis-Rekordlers, während Tortell und Bebendorf nicht mehr ganz mithalten konnten. Die Entscheidung brachte schließlich der letzte Kilometer. Erst griff sich Robert Farken im Rennen an den rechten Oberschenkel und musste das Rennen aufgeben. Und dann spurteten Frederik Ruppert und Florian Bremm im Kampf um den Titel auf und davon. Der Hindernis-Spezialist versuchte, sich zu lösen, doch Florian Bremm ließ sich nicht abschütteln und zog schließlich vorbei, kurz bevor die Glocke ertönte. In 7:42,05 Minuten holte er sich seinen zweiten Hallen-DM-Titel nach 2024, Frederik Ruppert gewann in 7:46,81 Minuten Silber.
Im Kampf um Bronze hatte Marc Tortell mit Hallen-Bestzeit von 7:50,09 Minuten die besseren Beine. So blieb Karl Bebendorf in 7:53,94 Minuten Rang vier. Dahinter bejubelten Christoph Schrick (Königsteiner LV; 7:55,65 min) und Robin Müller (LG Ohra Energie (7:55,74 min) neue Bestzeiten. Sie kamen noch vor Titelverteidiger Maximilian Thorwirth ins Ziel, der mit 7:58,32 Minuten auf Rang sieben lief und anschließend mit dem Megafon dem „Stimmungsblock“ in der Halle ordentlich einheizte. Robert Farken hingegen wurde schmerzhaft ausgebremst, ein MRT soll in den kommenden Tagen Klarheit bringen.